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Fazit einer Diskussion in Eisenach: Statt Leben auf dem Sofa

Auch Unternehmer fordern Grundeinkommen

Einsatz für die Allgemeinheit
Große Resonanz fand ein Diskussionsabend zum Bedingungslosen Grundeinkommen im Nachbarschaftstreff in Eisenach. Birgit Neubert begrüßte im Namen der Unternehmerinnen in Eisenach und im Wartburgkreis. Sie wusste, dass gegenwärtig die Hälfte aller jungen Unternehmen nach einem Jahr aufgeben muss. Dadurch könnten viele Ideen für ein besseres Leben nicht umgesetzt werden.

Hätten wir alle ein bedingungslose Grundeinkommen, könnten wir unsere Kreativität besser den Menschen zur Verfügung stellen, hieß es.

Immer mehr Unternehmenslenker treten für das bedingungslose Grundeinkommen ein: Telekom-Chef Höttges, Siemens-Chef Kaeser auf dem SZ-Wirtschaftsgipfel, Facebook CEO Zuckerberg und andere mehr.

Dass auch in Thüringen über das Bedingungslose Grundeinkommen abgestimmt werden kann, ist den im Bündnis Grundeinkommen vereinten Menschen zu verdanken. Susanne Schickschneit führt dieses Bündnis – die Unternehmerin aus Nordhausen gehörte mit ihrem Mann und Dr. Johannes Hanel aus Eisenach zu den Gründern der Ein-Themen-Partei Bündnis Grundeinkommen. Sie berichtete, wie sie sich immer wieder fragte, was soziale Gerechtigkeit sei. Dann entdeckte sie das Bedingungslose Grundeinkommen als Schlüssel, der es jedem einzelnem ermöglicht, gerecht zu handeln.

Ein Film zum Grundeinkommen zeigte, wie sich die Arbeitsgesellschaft durch die sogenannte „Industrie 4.0“ auflöst. Daher forderten immer mehr Vorstände von großen Unternehmen das bedingungslose Grundeinkommen.

Wie führen wir es so ein, dass es die Würde des Menschen schützt, Kreativität und Initiative stärkt? – das war eine der Fragen des Abends. Besonders bewegte die Anwesenden zudem diese Frage: Weshalb lehnen führende Politiker das Bedingungslose Grundeinkommen ab? Woraus speist sich ihr Misstrauen gegenüber der Eigenverantwortung der Menschen?

Dazu zitierte Hanel Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles im Interview:

In der Grundsicherung geht es darum, dass diejenigen, die nicht oder nicht mehr können, Solidarität erhalten – und zwar nicht als Almosen, sondern als Rechtsanspruch. Aber die Menschen, die hart arbeiten, können erwarten, dass sich jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten anstrengt. Solidarität funktioniert nur auf Gegenseitigkeit. Das Prinzip dürfen wir nicht aufgeben. Ein bedingungsloses Grundeinkommen bricht mit diesem Grundsatz und wäre nicht gerecht.

Dies rief nur Kopfschütteln und weitere Fragen hervor. Wie will der Staat gewährleisten, dass jeder gleich hart arbeitet? Weshalb ist Arbeit „hart“? Gehört die freie Berufswahl und -ausübung nicht ebenso zu den Grundrechten wie die freie Meinungsäußerung und die freie Entfaltung der Persönlichkeit? Ist Solidarität nicht ein Gegensatz zur Gegenseitigkeit?

Wenn ich meine Kinder erziehe oder Bedürftige pflege, erwarte ich nicht eine Gegenleistung. Gegenseitigkeit ist das Prinzip des Marktes; Solidarität ist mit Nächstenliebe verwandt, so ein Fazit des Abends.

Die Anwesenden erzählten, wie das bedingungslose Grundeinkommen ihr Leben verbessern könnte. Die meisten wollen kreativer und entspannter arbeiten sowie sich mehr für Familie, Nachbarn,  Umwelt oder andere gemeinnützige Zwecke engagieren.

Ein gutes Leben ist also nicht ein Leben auf dem Sofa oder auf einer Südseeinsel, sondern eine Tätigkeit, die die Gesellschaft friedlich voranbringt, so die Quintessenz. Das Grundeinkommen beantwortet nicht alle Fragen, sondern es stellt die richtigen, betonte Hanel.

Eine wichtige Frage sei die nach Bildung. Wie können die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer theoretisch und praktisch so vertieft werden, dass jeder junge Mensch die Gesellschaft ebensso gut versteht wie Literatur, Chemie und Trigonometrie? Was ist ein Rechtsstaat, was ist Demokratie? Was ist Geld, was sind globale Märkte? Was versteht man unter gutem Management, ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeit? Woran erkennt man unabhängige Medien, den richtigen Beruf und gute Freunde?

Johannes Hanel erinnerte daran, dass er vor etwa zehn Jahren den Film „Grundeinkommen – ein Kulturimpuls“ in Eisenach zeigte. Damals sprach Ministerpräsident Dieter Althaus in vielen Städten über sein Solidarisches Bürgergeld – eins von über 20 Modellen, wie der Sozialstaat mit Hilfe eines bedingungslosen Grundeinkommens klar und gerecht werden könnte. Hanel erwähnte auch Götz Werner, der das Modell „1.000 Euro für jeden“ veröffentlichte und mit Dieter Althaus und Heiner Geißler darüber in Eisenach diskutierte.

In den Tagen vor der Bundestagswahl geht es darum, vor allem die auf das Bündnis Grundeinkommen hinzuweisen, die nicht wissen, welche Partei sie wählen wollen. Mit dem Wahlzettel ist es möglich, für das Grundeinkommen zu stimmen. Dazu braucht es lediglich ein Kreuzchen bei der Ein-Themen-Partei Bündnis Grundeinkommen. Das BGE ist auf Position 12 des Thüringer Wahlzettels zu finden.

Andrea T. | | Quelle:

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