Leserbrief:
Die Zerstörerin der SPD besucht die Geburtsstätte dieser Partei

Bildquelle: Werbeagentur Frank Bode | www.werbe-bo.de
An diesem Samstag spricht Bärbel Bas auf dem Eisenacher Marktplatz und besucht den Goldenen Löwen — jene Gedenkstätte, in der am 7. August 1869 unter August Bebel und Wilhelm Liebknecht der Gründungskongress der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei eröffnet wurde. Die Wiege der deutschen Sozialdemokratie also. Man mag sich fragen, ob das Geschichtsbewusstsein oder schlicht Chuzpe erfordert.
Bärbel Bas steht seit Juni 2025 als Co-Vorsitzende an der Spitze einer Partei, die bei der Bundestagswahl im Februar 2025 mit 16,4 Prozent ihr historisch schlechtes Ergebnis eingefahren hat und bundesweit inzwischen bei rund 12 Prozent dümpelt. In Thüringen, wohin sie nun reist, liegt die SPD bei 6 Prozent. Sechs Prozent — in dem Land, das einst zu den Kernregionen der deutschen Arbeiterbewegung gehörte.
Gerne hört man in der SPD die Erklärung, die Arbeiterschaft habe sich von der Partei entfernt. Das ist bequem — und falsch herum gedacht. Nicht die Arbeiter haben sich von der SPD entfernt. Die SPD hat sich von den Arbeitern entfernt. Eine Partei, die als Bundesarbeitsministerin eine Frau an ihrer Spitze hat, die im Bundestag erklärt, es wandere niemand in die deutschen Sozialsysteme ein, hat den Boden der Realität verlassen, auf dem Millionen arbeitender Menschen täglich stehen. Eine Partei, die das Bürgergeld so ausgestaltete, dass der Abstand zwischen Arbeit und Nicht-Arbeit für Geringverdiener kaum noch spürbar ist, hat aufgehört, die Interessen derer zu vertreten, die morgens aufstehen und ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. Das war einmal der Markenkern dieser Partei.
August Bebel kämpfte für die Würde der arbeitenden Menschen — nicht für die Umverteilung von denen, die arbeiten, zu denen, die es nicht tun. Der Unterschied ist nicht klein. Er ist der Wesenskern dessen, wofür der Goldene Löwe steht.
Wenn Bärbel Bas dieses Haus betritt, dann wünsche ich ihr einen langen, stillen Moment vor den Exponaten. Nicht für die Presse. Sondern für sich.