Die Situation von Flüchtlingen aus Syrien (und dem Irak) in Jordanien

Hilfsprogramm des Lutherischen Weltbundes (LWB)

Reise von Ralf-Uwe Beck, Pressesprecher EKM, mit dem LWB vom 12.-17. Nov. 2014 nach Jordanien.

Abdallah Elalu, 36, 4 Kinder:

Wir sind geflohen, um unsere Kinder zu schützen. Alhamdulillah – Gott sei Dank, wir sind am Leben. – Am meisten vermissen wir unser Land, dort waren wir glücklich. Hier ist es sicher, aber es gibt nichts Schönes.

Syrische Flüchtlingskrise

  • Beginn des Bürgerkrieges März 2011
  • 3,2 Millionen Menschen sind in angrenzende Länder geflohen
  • 6,5 Millionen Flüchtlinge innerhalb Syriens
  • 620.000 syrische Flüchtlinge in Jordanien beim UNHCR (Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen) registriert
  • 98.000 Flüchtlinge in drei Lagern
  • 522.000 Flüchtlinge (85 %) in „Aufnahmegemeinden“ in Amman 172.000 (28 %) bei 2 Mio Einwohnern (übertragen auf Erfurt wären das 17.600 Flüchtlinge, in Eisenach 3.600); in Irbid 145.000
  • Zunehmend Flüchtlinge aus dem Irak, vertrieben von der IS-Terrororganisation
  • Bevölkerung Jordanien: 6,35 Millionen
  • Ein Drittel der jordanischen Bevölkerung sind Flüchtlinge, hauptsächlich Palästinenser (z.T. in 13 Lagern, seit dem ersten arabisch-israelischen Krieg 1948; Beispiel Camp Hassan in Amman: 50.000 Flüchtlinge auf 1,5 km2)

 

Ahmed, 19, Namensgeber für die Peace-Oasis des LWB:

Wir sind hier mitten in der Wüste. Was wir brauchen ist eine Oase des Friedens inmitten der Wüste des Krieges.

Flüchtlingslager Zaatari

  • Lage: Wüste in Nordjordanien, ca. 10 km südlich der syrischen Grenze
  • 81.000 syrische Flüchtlinge, fast ausschließlich Muslime
  • Zweitgrößtes Flüchtlingslager der Welt; fünftgrößte Stadt Jordaniens
  • Verwaltung durch SRAD (jordanische Flüchtlingsbehörde), in Zusammenarbeit mit UNHCR (UN-Flüchtlingshilfswerk)
  • Aufbau seit Anfang 2012, offiziell eröffnet am 18. Juli 2012
  • Ausdehnung: 18 km2 (Vergleich:Stadt Eisenach 103 km2)
  • Aufgeteilt in 12 Districte mit Straßen
  • Kapazität ist erschöpft; Lager ist geschlossen, keine Zuwanderung mehr
  • Mitunter 5.000 Flüchtlinge täglich; teilweise weit über 100.000 im Lager
  • Zur Entlastung Aufbau des Lagers in Azraq, eröffnet im April 2014
  • Untergebracht in Zelten, später in Containern (ca. 15 m2); heute noch 1.500 Zelte
  • Bis zu acht Familienmitglieder in einem Zelt/Container
  • Bau von festen Behausungen untersagt, damit Menschen nach Syrien zurückkehren
  • Versorgung über Lebensmittelkarten; allerdings nicht ausreichend (z.B. erhält 6-köpfige Familie Karten für 4 JD (Jordanische Dinar), bräuchte jedoch 10 JD; zudem fehlt den Syrern Obst und Gemüse
  • 6.000 kleine Läden und Werkstätten entstanden
  • Sanitäre Versorgung über Gemeinschaftstoiletten; schlechte hygienische Bedingungen, unsicher für Frauen, Gefahr von Krankheiten
  • Viele Familien haben sich Aborte an Zelte und Container gebaut
  • 6 Krankenstationen und 3 Hospitäler
  • Mehr als 50 % der Flüchtlinge sind Minderjährige; 17.000 Kinder gehen in die im Lager eingerichteten Schulen; zudem sind Kindergärten für 500 Kinder eingerichtet
  • Community leaders: jede Straße hat einen (gewählten) Ansprechpartner, der das Zusammenleben organisiert, z.B. Nachtwachen
  • Nächste Aufgaben: Wasserversorgung (bisher nur über Tankwagen); keine Abwasserentsorgung (Gefahr der Grundwasserverseuchung); Elektrizitätsversorgung (große Schwierigkeit für Jordanien; monatlich 800.000 Dollar Stromkosten; gewünscht: Solarsysteme)
  • Dringend: Schutz vor Kälte (Wintereinbruch): Temperaturen im Sommer über 40 Grad Celsius; im Winter (Dez. bis März) um den Gefrierpunkt

 

Mohammed Al Siberani, 35, 4 Kinder:

Hätte ich keine Familie, ich würde sofort wieder nach Syrien zurückgehen.

 

Hilfsprogramme des Lutherischen Weltbundes mit sechs Schwerpunkten

1. Instandsetzung von bestehenden Schulen und Konstruktion von neuen Klassenräumen

2. „Ausbau“ von Behausungen von syrischen Flüchtlingen (Ziel: menschenwürdige Wohnbedingungen herstellen und winterfest machen)

3. Verteilung von Lebensmittelkarten (Ziel: Ernährung von Flüchtlingen verbessern und zudem bedürftige jordanische Familien mit versorgen, auch um Spannungen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen abzubauen)

4. Vorbereitung auf den Winter (85.000 syrische Flüchtlinge leben in Zelten und Containern im Flüchtlingslager Za’tri in Jordanien. Von Dezember bis März herrschen Temperaturen um den Gefrierpunkt. Der Lutherische Weltbund will 1.500 Familien mit Decken, Heizstrahlern und Winterkleidung für den Winter versorgen. Pro Familie werden 75 Euro gebraucht, insgesamt 125.000 Euro)

5. Peace Oasis für Jugendliche (14-24 Jahre – Ziel: Gewalt- und Konfliktreduzierung im Lager, Bewältigung einfacher Traumataerfahrungen von Jugendlichen, Jugendsozialarbeit und Bildungsangebote)

 6. Unterstützung von geflohenen Christen aus dem Irak (6.000 Christen aus dem Irak sind vor der IS nach Jordanien geflohen)

 

Spenden sind dringend notwendig

85.000 Syrer leben heute im jordanischen Flüchtlingslager Za’tri. Meist sind sie nur mit den Kleidern am Leib vor den Kämpfen in ihrer Heimat geflohen. Es fehlt an den notwendigsten Dingen, gerade jetzt im Winter. Der Lutherische Weltbund (LWB) will mit Decken, Winterkleidung, Heizstrahlern helfen, damit die Flüchtlinge in den Zelten und Containern einigermaßen sicher über den Winter kommen. Dafür ist der LWB auf Spenden angewiesen.

Spendenkonto des DNK/LWB

IBAN: DE21 5206 0410 0000 4195 40

BIC: GENO DE F1 EK1

Stichwort: Jordanien

www.dnk-lwb.de/spenden

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