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DLRG-Einsatzkräfte haben 901 Menschen vor dem Tod bewahrt

Pandemie sorgt für starken Rückgang in der Schwimmausbildung

Hannover/Bad Nenndorf. Die Rettungsschwimmer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) haben im vergangenen Jahr 901 Menschen oft in letzter Minute vor dem Tod bewahrt. Bei 28 Einsätzen mussten sie sogar ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen, um ein anderes zu erhalten. Die Einsatzbilanz weist insgesamt 24.747 Hilfeleistungen für Segler, Surfer und Motorbootfahrer aus, die an Küsten und Binnengewässern in Not gerieten. Diese Zahlen gab DLRG-Präsident Achim Haag heute in Hannover bekannt.

„Unsere Retter geben auch unter widrigsten Umständen kein Menschenleben verloren. Sie kämpfen bei starker Strömung, Sturm und anderen Gefahren um jedes Leben“, würdigte der Präsident die Leistungen der Einsatzkräfte an den Gewässern. Die Bilanz der weltgrößten Wasserrettungsorganisation zeigt aber auch deutlich, dass insbesondere in den Sommermonaten die Arbeit der DLRG sehr bedeutend ist. „In 2020 waren die innerdeutschen Küstenabschnitte und Binnengewässer coronabedingt deutlich stärker besucht als in den Vorjahren. Gerade der Monat August hat die Rettungseinsätze in die Höhe schnellen lassen. Leichtsinn, Selbstüberschätzung oder Unkenntnis über die Gewässer bleiben weiter die häufigsten Ursachen“, sagte Haag. Rund 41.000 Retter habe die DLRG im vergangenen Jahr eingesetzt. Sie bewachten 1.375 Freigewässer und 1.479 Schwimmbäder und haben auf ehrenamtlicher Basis etwa zwei Millionen Wachstunden geleistet, um die Wasserfreizeit von Millionen Menschen sicher zu machen. Die geleisteten Wachstunden waren aufgrund der Pandemie jedoch stark rückläufig, was vor allem daran lag, dass viele DLRG Gliederungen erst deutlich später als sonst in die Saison starten konnten. Im Vergleich zum Vorjahr gingen sie um rund ein Drittel zurück.

Große Sorgen bereiten den Lebensrettern zudem die rückläufigen Schwimmprüfungen. Die Ausbilder am Beckenrand haben im vergangenen Jahr 23.458 Prüfungen abgenommen. Das entspricht knapp 75 Prozent weniger Menschen als im Jahr 2019 (92.913), die zu sicheren Schwimmern ausgebildet wurden. Insgesamt wurden zudem 14.566 Seepferdchen im Bereich der Wassergewöhnung ausgehändigt. Auch hier liegt der Rückgang bei über 70 Prozent. Bei den Rettungsschwimmprüfungen wurden 32.983 Abzeichen neu oder wiederholt ausgestellt – davon 2.509 Juniorretter. „Der Zusammenhang mit der Pandemie liegt hier auf der Hand. Dieser dramatische Rückgang nahezu aller Zahlen bereitet uns große Sorgen“, bilanziert Achim Haag die Ausbildungsleistung. Denn dies lege nahe, dass die Schwimmfertigkeit in Deutschland, und damit die Fähigkeit sicher schwimmen zu können, abnehme. „Hier sprechen wir mittlerweile von mindestens einem, wenn nicht sogar schon zwei verlorenen Jahrgängen in der Schwimmausbildung.“ Dafür machte der DLRG-Präsident auch die sich weiter verschlechternden Rahmenbedingungen für die Ausbildung verantwortlich, die durch die Corona-Pandemie stark verschärft wurden. Bereits vor der Pandemie konnten annähernd 25 Prozent aller Grundschulen keinen Schwimmunterricht mehr anbieten, weil ihnen kein Bad zur Verfügung steht. „Durch die Schließung der Bäder wird der Kampf gegen das Ertrinken deutlich erschwert. Durch Corona und seine Folgen haben wir signifikant mehr Nichtschwimmerinnen und Nichtschwimmer in Deutschland, was nicht zuletzt ein dauerhaft erhöhtes Ertrinkungsrisiko innerhalb der Bevölkerung zur Folge hat“, mahnte Haag im Rahmen der Pressekonferenz.

Die Mitglieder der DLRG haben im vergangenen Jahr knapp sechs Millionen Stunden ehrenamtlich geleistet. „Jeder und jedem Einzelnen sind wir zu großem Dank verpflichtet, dass sie trotz und auch gerade wegen dieses außergewöhnlichen Jahres ehrenamtlich Hilfe leisten“, berichtet der Chef der Wasserretter nicht ohne Stolz. Über 1,7 Millionen Mitglieder und Förderer unterstützen die Ziele und humanitären Aufgaben der Wasserrettungsorganisation. Doch auch die DLRG musste für 2020 nach vielen Jahren des Mitgliederzuwachses einen Rückgang der Mitgliederzahlen um knapp vier Prozent hinnehmen und zählt nun 551.664 Mitglieder.

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