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Ein Viertel der Kinder in Eisenach und zehn Prozent der Kinder im Wartburgkreis sind arm

„Kinderarmut ist ein großes Thema in der Politik. Gerade zu Weihnachten wird an Schwächere gedacht, fehlende Lebenschancen werden beklagt. Dennoch wird viel zu wenig getan. Es fehlt an einem Aktionsprogramm gegen Kinderarmut in Deutschland“

erklärt Jürgen Putzke, Vorsitzender des DGB Eisenach/Wartburgkreis.
Allein in Eisenach lebten im Juli 2014 1.146 Kinder unter 15 Jahren in auf Hartz-IV angewiesenen Familien. Im Wartburgkreis waren sogar 1.520 Kinder von Hartz-IV direkt betroffen. Damit waren 23,1% aller Eisenacher Kinder, also etwa ein Viertel, von Hartz-IV abhängig. Im Wartburgkreis waren 10,2% der Kinder betroffen. Die Quote der im Hartz-IV-Bezug lebenden Kinder ist sehr viel höher als die der Erwachsenen im Hartz-IV-Bezug. Im Juli bezogen in Eisenach 10,2% der Erwerbsfähigen, im Wartburgkreis 5,4% der Erwerbsfähigen Leistungen nach dem SGB II.

Sowohl in Eisenach als auch im Wartburgkreis hält die Kinderarmut auf hohem Niveau an. Kinder leben in Armut, weil ihre Eltern arbeitslos sind oder nicht genug verdienen, um die Existenz der Familie zu sichern. Deswegen müssen Kinder auch meist längerfristig auf Hartz-IV-Niveau leben. Das ist besonders gravierend, weil die Armutsforschung deutlich zeigt, dass längere Lebensphasen in Armut bei Kindern deren berufliche und persönliche Chancen im gesamten Leben nachhaltig schädigen.

„Der Mindestlohn, der ab dem 01.01.2015 für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gilt, wird teilweise Abhilfe schaffen. Vor allem aufgrund der Höhe von 8,50€ wird er allein aber nicht reichen, um Kinderarmut nachhaltig zu bekämpfen“

davon geht Michael Lemm, stellvertretender Vorsitzender des DGB Eisenach/Wartburgkreis, aus.

Der fordert der DGB ein Aktionsprogramm gegen Kinder- und Familienarmut. Der Bund sollte die Hälfte seiner Mehreinnahmen infolge der Einführung des Mindestlohns dafür aufwenden. Das Aktionsprogramm soll aufbauend auf regionale Netzwerke in Eisenach und dem Wartburgkreis, unter Einschluss der Kommunen, der Sozialpartner, Wohlfahrtspflege und Vereine, umgesetzt werden. Die Politik muss viel mehr tun, damit kein Kind in einer Familie aufwächst, in der beide Eltern dauerhaft keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, in Maßnahmen verharren oder von ihrem Einkommen nicht leben können. Alleinerziehenden muss zumindest eine sozialversicherte Teilzeitarbeit ermöglicht werden.

„Niemand darf gezwungen sein, Hartz-IV zum ‚Lebensstil´ zu machen oder gar zu vererben. Die Leistungen nach dem SGB II sollten endlich zu dem werden, was intendiert war: Hilfestellungen aus einer Hand zur Überwindung einer vorübergehenden Notlage“

so Jürgen Putzke für den DGB Eisenach/Wartburgkreis.

Steffen E. | | Quelle:

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