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Als Keeper Johannes Jepsen seinen Kasten vernagelte….

Bildquelle: sportfotoeisenach
Scheute keinen so schmerzhaften Zweikampf: Eisenachs Jannis Schneibel

Nach 16:21-Rückstand trifft Alexander Saul per doppelten Kempa zum 26:25 (14:15) -Sieg des ThSV Eisenach im fränkisch-thüringischen Derby beim HSC Coburg 

Wer beim Stand von 25:25 drei Sekunden vor der Schluss-Sirene zu einem doppelten Kempa ansetzt, der strotzt geradezu vor Selbstbewusstsein. So geschehen am Samstagabend in der HUK-Coburg Arena in der dramatischen letzten Spielminute des fränkisch-thüringischen Derbys. Eisenachs Alexander Saul markierte in Vollendung eines doppelten Kempa mit seinem 8. Treffer zum 26:25-Sieg seines Teams über den HSC Coburg. Das zu korrigieren, gelang dem Gastgeber während der danach zu absolvierenden drei Sekunden nicht. Die blau-weiße Anhängerschar inmitten der Coburger Saisonrekordkulisse von über 2.000 Zuschauern bejubelte ausgelassen den 22. Saisonsieg (den 11. Auswärts!), der die Wartburgstädter auf den 3. Tabellenplatz klettern ließ. Wer hätte das vor Wochen gedacht. „Einfach atemberaubend, unsere Entwicklung“, hatte Alexander Saul kürzlich treffend festgestellt. Am Vorabend seines 27. Geburtstages durfte Eisenachs Abwehrchef Daniel Dicker jubeln. Fynn Hangstein schraubte mit seinen 6 Toren seine persönliche Bilanz auf 266 Saisontreffern. Die Torjägerkrone der Liga dürfte dem Rückraumspieler nicht mehr zu nehmen sein. Dieser Derbysieg passte zudem zur am Vortag eingegangenen Meldung aus Berlin, dass der Deutsche Bundestag mit Beschluss des Haushaltes die Sanierung des ehemaligen O1 des Automobilwerkes Eisenach mit 12,8 Millionen Euro fördert, in dem die neue Heimspielstätte des ThSV Eisenach entstehen wird. Die letzte Hürde ist genommen. Nun können die Bagger anrücken. 

ThSV Eisenach: Griff in die Taktikkiste als Volltreffer 

„Unser Team hat nie aufgegeben, stets an sich geglaubt. Wir sind alle stolz auf diese Mannschaft. Großer Dank an unsere mitgereisten Fans, fantastisch deren Unterstützung“, sprudelte es aus dem Mund von Eisenachs Manager Rene Witte. „Kompliment an beide Mannschaften! Obwohl es weder um Ab- oder Aufstieg ging, boten sie tolle Ballstafetten und taktisch Anspruchsvolles. Bemerkenswert, wie wir der offensiven Eisenacher Deckung begegneten. Wir spielten allerdings nicht konsequent zu Ende“, konstatierte Jan Gorr, der Geschäftsführer des HSC Coburg. „Mit einem 7 gegen 6 bekam die Eisenacher Mannschaft bei einem 5-Tore-Rückstand wieder den Fuß in die Tür, das zeugt von Selbstvertrauen“, schob Jan Gorr hinterher. Der Verlauf der 60 Minuten mit der Niederlage quasi beim Abpfiff sein ein Spiegelbild der Saison. „Danke, dass das ThSV-Team und dessen Fans der Verabschiedung uns verlassender Spieler nach dem Abpfiff beigewohnt haben“, wollte Jan Gorr vermerkt wissen. Der HSC Coburg verabschiedete gleich 9 (!) Spieler, darunter auch den 41-jährigen Torwart-Oldie Jan Kulhanek. „Wir wollen im Sommer mit unseren Neuzugängen ein neues Fundament für die nächsten Jahre schaffen“, so Jan Gorr, dessen Team als Erstliga-Absteiger die eigenen Erwartungen in die Saison nicht erfüllen konnte. Mit 35:39 Punkten und auf Platz 11 rangierend reisen die Franken am letzten Spieltag zum als Aufsteiger feststehenden VfL Gummersbach. Im 22-jährigen Tumi Stein Runarrson verfügen die Franken über einen exzellenten Spielgestalter, der seine Qualitäten und sein Potential  aufblitzen ließ. 

Nach 5-Tore-Rückstand zurück in die Erfolgsspur

In der 38. Minute wähnte sich der HSC Coburg auf der Siegerstraße, führte 21:16, besaß in Jan Jochens auch auf der Torwartposition ein Plus. „Gegen die 5:1-Abwehr der Eisenacher operierten wir sehr effektiv, gewannen nahezu jeden Zweikampf, haben den Aktionsradius von Torjäger Fynn Hangstein erheblich eingeschränkt“, analysierte Brian Ankersen, der Coach des HSC Coburg. Jannis Schneibel, der 21-jährige Spielgestalter des ThSV Eisenach, konkretisierte. „Wir haben in der Abwehr zu viele einfache Tore kassiert, insbesondere über die Mitte. Ab der 15. Minute haben wir unsere Angriffsspiel fälschlicherweise beschleunigt“, beschreibt Jannis Schneibel die Phase nach der eigenen 8:6-Führung, als Ruben Sousa ein Zuspiel von ihm über die Linie drückte (12.), Fynn Hangstein per Strafwurf zum 9:8 für seine Farben traf (16.). „Uns unterliefen technische Fehler und Ballverluste, die die Gastgeber zu Treffen nach Gegenstößen und zur knappen Pausenführung nutzten“, so Jannis Schneibel.  Das habe sich auch zu Beginn der zweiten Halbzeit fortgesetzt, was zum 5-Tore-Rückstand geführt habe. Als zu „fahrig“ bezeichnete Eisenachs Coach Misha Kaufmann den Auftritt seines Teams in dieser Phase. „Doch dann fanden wir zu unseren klaren Strukturen zurück. Johannes Jepsen, der bis dahin zwei Bälle  gehalten hatte, half uns entscheidend, das Spiel noch zu drehen“, konstatierte der Schweizer auf der Eisenacher Trainerbank, dessen Griff in die Taktikkiste zum zusätzlichen Feldspieler, mit einem 7 gegen 6 zu operieren, sich als Volltreffer erwies. „Wir haben nun auch konsequent verteidigt“, freute sich Misha Kaufmann. Sein Keeper Johannes Jepsen vernagelte in der Schlussviertelstunde schier seinen Kasten, wurde nach 9 abgewehrten Bällen in der Schlussphase mit einer Fangquote von 40 Prozent notiert. „Wir brachten unsere freien Bälle am Eisenacher Torhüter nicht vorbei“, nannte Brian Ankersen als einen Grund für die Niederlage. „Beim Stand von 23:23 hätten wir in Führung gehen können, doch der von Außen zur Kreismitte eingelaufene Ivan Snajder und ich nach einem Durchbruch ließen zwei ganz dicke Tormöglichkeiten aus“, bezog sich Jannis Schneibel in die Kritik mit ein. Doch die Eisenacher hatten ja Johannes Jepsen im Kasten, der dem freien Jacob Knauer das Leder abkaufte (53.). Der starke Alexander Saul netzte zum 24:23 für seine Farben ein (55.). Es wurde wieder einmal hochdramatisch. Die Fans aus beiden Lagern warten hin und her gerissen. Mit einem exzellenten Freiwurf traf Tumi Stein Runarsson zum 25:24 für die Franken (58.). Auf der Gegenseite konnte der keinen noch so schmerzhaften Zweikampf scheuende Jannis Schneibel nur regelwidrig gestoppt werden. Humorlos verwandelte Fynn Hangstein vom Siebenmeter-Strich zum 25:25 (58.), um wenig später aus dem Feld das Leder  nicht an Coburgs Keeper Fabian Apfel vorbeizubringen.  Doch Coburgs Justin Kurch scheiterte kurz darauf zunächst am Eisenacher Schlussmann (59.) und 21 Sekunden vor Ultimo am Pfosten. Während einer Auszeit besprachen die Eisenacher ihren letzten – und erfolgreichen – Angriffszug. 

Bildquelle: sportfotoeisenach
Fans und Team jubeln nach dem Abpfiff

Statistik 

HSC Coburg: Jochens (10 Paraden), Apfel (ab 50. / 2 Paraden), Kulhanek; Runarsson (3), Fuß (1), Toom, Billek (3), Mubenzem, Juskenas, Knauer (2), Varvne (4), Schäffer (4), Dettenthaler, Kurch (4), Grozdanic (4), Schröder

ThSV Eisenach: Lucin (19.-25. und 31.-38./ 2 Paraden), Jepsen (11 Paraden); Iffert, Wöhler, Potisk, Hangstein (6/2), Ulshöfer, Walz, Tokic (1), Sousa (2), Dicker, Donker, Schneibel (4), Snajder (1), Weyhrauch (4), Saul (8)

Siebenmeter: HSV Coburg 0 – ThSV Eisenach 2/2

Zeitstrafen: HSC Coburg 1 x 2 Min. – ThSV Eisenach 5 x 2 Min. 

Schiedsrichter: Kauth/Kolb

Zuschauer: 2.014 

Th. Levknecht 

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