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Am Ende wurde es noch arg deftig

In der DKB Handball-Bundesliga kassierte der ThSV Eisenach bei Frisch Auf Göppingen eine unerwartet klare 23:35 (12:17)- Niederlage. Nicht die Niederlage an sich schmerzte; die Art und Weise sowie die Höhe sorgten für erheblichen Unmut. Gestatteten die Eisenacher wenige Tage zuvor HBW Balingen-Weilstetten nur ganz wenige Gegenstöße, kassierten sie vor 4600 Zuschauern in der EWS-Arena zu Göppingen 14 Treffer nach Tempogegenstößen.

Der im Sommer vom TV Neuhausen gekommene Linksaußen Marcel Schiller vollendete für die Hausherren mit Wolllust. «Wir verloren frühzeitig unser Konzept», gestand Adalsteinn Eyjolfsson, der Coach des ThSV Eisenach. Die noch vor wenigen Tagen bestens auftrumpfende Rückraumformation mit Hannes Jon Jonsson auf der Regieposition, Tomas Sklenak im rechten Rückraum, Daniel Luther und Aivis Jurdzs wechselweise im linken Rückraum, vermochte nach gutem Auftakt (4:4, 13.). nur wenige Akzente zu setzen. Das Heft des Handelns übernahm der Altmeister, bis zum Anpfiff gerade einmal zwei Zähler mehr wie die Eisenacher auf der Habenseite.

«Wir fanden nicht zu unserem Spielfluss. Unsere Schlagwürfe waren der Ausgangspunkt für einfache Kontergegenstoßtore», analysierte ein merklich geknickter und in sich gekehrter Eisenacher Trainer, der auch ein «nicht umgesetztes Abwehrkonzept» konstatierte. Ein Tempogegenstoß von Göppingens Nationalspieler Christian Schöne zum 7:4 (15.) war mehr als ein Fingerzeig. Der Gegenstoßtreffer von Marcel Schiller zum 14:8 (24.) war eine klare Richtungsbestimmung. Überzahlphasen nutzten die Gastgeber, bei denen Manuel Späth für sein 250. Bundesligaspiel geehrt wurde, clever zu ballverlagernden Angriffsaktionen mit effizientem Abschluss. Der wuchtige Kreisläufer Evgeni Pevnov, im Sommer von den Füchsen Berlin gekommen, in jungen Jahren im Sportinternat und im Nachwuchs des ThSV Eisenach, deutete seine starken physischen Qualitäten an.

Enttäuscht zeigte sich auch ThSV-Marketing-Geschäftsführer Karsten Wöhler: «Bei bereits klarem Rückstand sind wir das hohe Tempo mitgegangen und fabrizierten Ballverluste. Die Höhe der Niederlage wirkt sich ausgesprochen negativ auf unser Torverhältnis aus.» Die Göppinger mit ihren gut aufgelegten Spielgestaltern Michael Kraus und Tim Kneule sowie einem bestens disponierten Primoz Prost im Tor nahmen im zweiten Abschnitt richtig Fahrt auf, überrollten den Aufsteiger vom 19:14, (35.) zum 26:16 (44.) und 33:20 (56.). Rene Villadsen und Stanislav Gorobtschuk, die Eisenacher Keeper, sahen sich immer wieder frei vor ihnen auftauchenden Gegenspielern gegenüber.

Vorzeitiges Aus für Benjamin Trautvetter und Peter Pucelj
Die personell ohnehin gebeutelten Eisenacher sahen sich in der Schlussviertelstunde zusätzlich dezimiert. Mussten sie die Partie bereits ohne ihre langzeitverletzten Girts Lilienfelds und Branimir Koloper sowie den erkrankten Nick Heinemann beginnen, standen ihnen dann auch Benjamin Trautvetter und Peter Pucelj nicht mehr zur Verfügung. Die in einer kampfbetonten aber keinesfalls unfairen Partie gegen die Thüringer eine ganz harte Linie fahrenden Referees Moles/Pittner zückten gegen Eisenachs Kapitän Benjamin Trautvetter nach einer Abwehraktionen in Richtung Hals von Göppingens Rückraumspieler Daniel Fontaine sofort Rot (39.). Für Peter Pucelj war nach dessen dritter Zeitstrafe die Partie nach 47 Minuten beendet. Zwei Kreisspieler waren damit zum Zuschauen verurteilt. Den dritten im Aufgebot, Nicolai Hansen, von einer komplizierten Muskulaturverletzung noch nicht vollends genesen, beließen die Eisenacher – angesichts des klaren Zwischenstandes mit Blick auf das gewichtige Match gegen GWD Minden – auf der Bank.

Göppingen frohlockte über das Aufbessern des Torverhältnisses
Von «einem hoch verdienten Sieg auch in der Höhe» sprach Göppingens Trainer Velimir Petkovic, der zum Saisonende nach zehnjähriger Amtszeit seine Zelte in Göppingen abbricht. Er hob 17 eigene Tore im ersten Abschnitt hervor, kritisierte zugleich die Zahl der Gegentreffer. «Zwölf Gegentore gegen Eisenach im ersten Abschnitt sind zu viel. Besser machten wir es dann in der zweiten Halbzeit, als wir bis zur 54. Minute nur sieben Eisenacher Treffer zuließen», bilanzierte der 57-Jährige anerkannte Handballfachmann, dessen Erleichterung nach dem Doppelpunktgewinn deutlich anzumerken war. Trotz namhafter Besetzung war Frisch Auf Göppingen mit einem komplizierten Auftaktprogramm in der Liga nicht so richtig in Tritt gekommen. Im DHB-Pokal gelang dafür ein Paukenschlag, wurde der HSV Handball in dessen Halle aus dem Wettbewerb geworfen. «Wir konnten auch was für das Torverhältnis tun», frohlockten die Göppinger Verantwortlichen. Leidtragender war der ThSV Eisenach.

Frisch Auf nutzt Überzahl clever aus
Erfolgreiche Formationen ändert man nicht. Getreu diesem Motto begannen die Eisenacher, die einen 0:2-Rückstand sowie eine frühzeitige mehr als überzogene Zeitstrafe gegen Tomas Sklenak wegsteckten, ruhig und besonnen im Spielaufbau. Nach Regelwidrigkeit an Peter Pucelj versenkte Hannes Jon Jonsson den fälligen Siebenmeter zum 3:3-Ausgleich (8.) Daniel Luther egalisierte die Göppinger Führung nach einem der ganz wenigen Eisenacher Tempogegenstöße über Tomas Sklenak zum 4:4 (13.). Das war zugleich letztmalig der Gleichstand. Leichtfüßig und trickreich narrte Tim Kneule die Eisenacher Abwehr im Doppelpack zum 6:4. Christian Schöne erhöhte auf 7:4. Im Doppelpack von Aivis Jurdzs antworteten die Eisenacher zum 7:6 (17.). Mit der Einwechslung von Nationalspieler Michael Kraus (18.) und später des Ex-Eisenachers Evgeni Pevnov (25.) erhöhten die Gastgeber merklich die Schlagzahl. Eisenachs eingewechselter Nicolai Hansen kassierte eine Zeitstrafe, die Hausherren trafen in Überzahl zum 14:8 (24.). Adalsteinn Eyjolsson versuchte es mit personellen Wechseln, ohne durchschlagenden Erfolg. Evegeni Penov erhöhte per Tempogegenstoß auf 16:10 und Hannes Jon Jonsson kassierte eine Zeitstrafe (26.). Kurz darauf eroberten die Eisenacher das Leder, doch die Referees hatten nach dem Ballgewinn ein Foulspiel von Peter Pucelj ausgemacht und schickten auch diesen auf die Bank. Faruk Vrazalik gelang von Rechtsaußen kurz vor der Sirene der zwölfte Eisenacher Treffer.

Eisenach wird regelrecht überrollt
Mit Aivis Jurdzs, Tomas Sklenak und Dener Jaanimaa im Rückraum startete der ThSV Eisenach. In Überzahl zog Dener Jaanimaa unvorbereitet und erfolglos ab. «Das Bild der ersten Halbzeit verstärkte sich. Wir spielten noch disziplinloser», ärgerte sich Adalstein Eyjolfsson. Er betraute kurz darauf Rechtshänder Tomas Sklenak wieder mit den Aufgaben im rechten Rückraum, beorderte Hannes Jon Jonsson auf die zentrale Aufbauposition. Wie in der ersten Halbzeit nutzten die Hausherren Überzahlphasen von Linksaußen «Wir konnten Marcel Schiller einfach nicht stoppen», schüttelte Eisenachs Trainer den Kopf, obwohl sie genau das in der Vorbereitung besprochen hatten. Das Unheil – aus Eisenacher Sicht – nahm seinen Lauf. Der ins Eisenacher Gehäuse gekommene Stanislaw Gorobtschuk (38.) sah sich vielfach auf ihn zulaufenden Göppingern gegenüber. Christian Schöne markierte die erstmalige 10-Tore-Differenz (26:16, 44.). Da durfte auch die so genannte zweite Reihe der Göpinger ran, wie der mit Zweitspielrecht der HG Saarlouis ausgestattete Rückraumspieler Daniel Fontaine, der vier Bälle einnetzte. Den Eisenachern gelang fast gar nicht mehr. Frisch Auf triumphierte schier nach Belieben. Mitar Markez erhöhte auf 31:19 (54.). Das Eisenacher Team und der kleine ins entfernte Baden-Württemberg mitgereiste Anhang sehnten den Schlusspfiff herbei. Nasch dem 35:21 (58.) gelangen Aivis Jurdzs und Hannes Jon Jonsson noch etwas Ergebniskosmetik.

Ganz gewichtiges Heimspiel am Samstag
Das Hauptaugenmerk des ThSV Eisenach richtet sich nun auf Samstag, 16.11.2013, wenn mit GWD Minden ein direkter Mitkonkurrent um den Klassenerhalt in der Wartburgstadt gastiert. «Um den angestrebten Doppelpunktgewinn einzufahren, müssen wir uns mächtig steigern», betonte Adalsteinn Eyjolfsson zur Pressekonferenz nach dem Abpfiff in Göppingen. «Die ganz Konzentration gilt nun der Begegnung gegen GWD Minden», unterstrich Karsten Wöhler.

Statistik

Frisch Auf Göppingen: Prost, Rutschmann (ab 54.); Kraus (4), Oprea (1), Schöne (3), Späth (4), Beljanski, Lobedank, Markez (2), Pevnov (3), Fontaine (4), Rnic (1), Schiller (9/2)

ThSV Eisenach: Villadsen, Gorobtschuk (ab 38.); Trautvetter (1), Elisson (1), Sklenak (3), Wöhler (1), Jurdzs (5), Jonsoon (5/3), Luther (3), Pucelj (1), Jaanimaa, Hansen (1), Vrazalic (2)

Siebenmeter: Göppingen 2/2 – Eisenach 3/3

Zeitstrafen: Göppingen 4 x 2 min., Rot für Beljanski nach 3. ZS (52.) – Eisenach 7 x 2 Min., Rot für Trautvetter n. Foulspiel (39.) u. Pucelj n. 3. ZS (47.)

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