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Ante Tokic sorgt mit spektakulärem Rückhandtreffer für Eisenacher Glückseligkeit

Wartburgstädter bezwingen zum Einstand von Trainer Misha Kaufmann in der 70. Auflage eines Klassikers den HC Empor Rostock mit 27:26 (11:10)

Die 70. Auflage des Klassikers glich einem Handball-Hitchcock! Der ThSV Eisenach enterte die Empor-Kogge! Eisenachs Linkshänder Ante Tokic netzte mit spektakulärem Rückhandwurf, seinem 8. Treffer, von Rechtsaußen zum 27:26 (11:10) –Endstand ein, verwandelte die Werner-Aßmann-Halle in ein Tollhaus. Misha Kaufmann, seit Montag neuer Cheftrainer unter der Wartburg, feierte einen Einstand nach Maß und stoppte nach 5 Niederlagen in Folge den Abwärtstrend der Eisenacher Mannschaft.

Der 37-jährige Schweizer hatte sein neues Team taktisch und emotional umgekrempelt. Eisenachs einstiger Klasse-Rechtsaußen Bernd Fichtner brachte es auf den Punkt: „Misha Kaufmann hat unserer Mannschaft das Gewinner-Gen wieder eingeimpft. Beeindruckend das Zusammenspiel zwischen Trainer und Mannschaft sowie Mannschaft und Trainer. Er hat von der 1. bis zur 60. Minute mit den Spielern geredet, ist auf jede Situation eingegangen. Der den Siegestreffer erzielende Ante Tokic verwies auf die Abwehrarbeit als Grundstein des Erfolges. „Unter Leitung unseres neuen Trainers lag der Focus im Training auf der Abwehr. Im Angriff unterliefen uns allerdings noch etliche Fehler, durch die wir auch drei Gegentreffer ins leere Tor kassierten“, erklärte der Rechtsaußen. Der Sieg wackelte allerdings mächtig, als die Wartburgstädter eine 5-Tore-Führung (22:17, 49. Min.) aus der Hand gaben. „Wir hätten da den Sack zumachen müssen“, merkte Misha Kaufmann kritisch an. Der starke Aufsteiger von der Ostseeküste, unterstützt durch eine lautstarke Fan-Gruppe, glich durch Robin Breitenfeld sieben Sekunden vor Ultimo zum 26:26 aus. Wir wollten nach der 5-Tore-Führung keinen Fehler im Angriff machen, sind zu sehr in die Breite gegangen, haben quer gespielt. Nach dem Ausgleich sind wir volles Risiko gegangen, haben über die schnelle Mitte den sich Rechtsaußen in Wurfposition bringenden Ante Tokic angespielt, der mit einem Sensationstor zum verdienten Sieg einnetzte“, konstatierte Fynn Hangstein, der selbst 10 Bälle versenkte und zugleich als Spitze einer 5:1-Abwehr nahezu 60 Minuten eine überzeugende Leistung ablieferte. Als der 21-Jährige in der 26. Minute, beim 7:9-Rückstand, vom linken Rückraum auf die Spielmacherposition rückte, bekam das Eisenacher Spiel einen entscheidenden Impuls. Dieser Wechsel sei reine Intuition gewesen, so Misha Kaufmann. „Letztendlich hat aber die Kollektiv-Leistung entschieden. Alle haben zum Erfolg beigetragen. Jannis Schneibel hat beispielsweise einen Riesenjob auf Linksaußen gemacht. Jonas Ulshöfer hat uns in wichtigen Momenten geholfen“, betonte der neue Eisenacher Coach. Rückraumspieler Jonas Ulshöfer feierte nach 10-monatiger Verletzungspause (nach einem Kreuzbandriss) bei seinen Kurzeinsätzen ein starkes Comeback. „Ich sollte ins 1:1 gehen. Ich habe einen Siebenmeter und zwei Zeitstrafen herausgeholt“, sah der 28-jährige Hesse seine Aufgabe bestens erfüllt. „So kann es weitergehen, am besten gleich am Mittwoch im Auswärtsspiel beim TV Hüttenberg“, erklärten Jonas Ulshöfer und Malte Donker unisono. „Alles, was den Handballsport ausmacht, haben wir heute gesehen. Schön, dass Empor Rostock zurück auf der Karte der Bundesligen ist, es diese Derbys wieder gibt. Nach dieser für uns nicht einfachen Woche hat unsere Mannschaft super gefightet. Letztendlich gab unsere leidenschaftliche aggressive Abwehr den Ausschlag“, resümierte Eisenachs Manager Rene Witte. Zum gelungenen Handballabend trugen zweifellos auch die Unparteiischen Marcus Hurst und Miko Krag bei, die diesem von beiden Seiten intensiv geführten Spiel zwei sichere Leiter waren.

Empor Coach Wiechers: Hier zu spielen, hat richtig Spaß gemacht!

„Dieses 70. Derby war für mich das erste. Ich hatte ja schon viel von der Stimmung in der Werner-Aßmann-Halle gehört, ich muss sagen, es hat richtig Spaß gemacht, hier zu spielen. Auch wenn das Ende für uns sehr unglücklich verlief. Wir haben prächtig gefightet. Die Partie hätte auch anders ausgehen können“, bilanzierte Till Wiechers, der Coach des HC Empor Rostock.

Nach 7:9-Rückstand noch zur 11:10-Pausenführung

Misha Kaufmann hatte schon im Vorfeld erklärt, er werde an der Abwehrarbeit was ändern.Die Eisenacher setzten auf eine 5:1-Abwehr. Daniel Dicker und Malte Donker kamen zunächst für Abwehraufgaben. Misha Kaufmann postierte sich an der Seitenlinie auf der Höhe seiner Abwehr, kommunizierte ständig mit seinen Spielern. Nach Eisenachs 2:0-Führung (7.Min.) demonstrierten die Ostseestädter, weshalb ihnen als Aufsteiger der Saisonauftakt mit 8:4 Punkten überaus gelungen ist. Der Ex-Dresdner Jonas Thümmler wurde immer wieder am Kreis gesucht. Die Abwehr der Gäste provozierte technische Fehler der Hausherren. Die Männer von der Waterkant trafen selbst vom 7:6 (20.) zum 7:9 (23.). Mit zwei Treffern ins leere Eisenacher Gehäuse! ThSV-Coach Misha Kaufmann instruierte während einer Auszeit seine Schützlinge neu, nahm personelle und taktische Veränderungen vor. Fynn Hangstein rückte vom linken Rückraum auf die zentrale Position, Daniel Hideg kam für den linken Rückraum. Ballstafetten zu Rechtsaußen Ante Tokic hieß die Erfolgsformel für den Angriff. Alexander Saul traf zum 9:9 (27.). Bei eigener Überzahl operierten die Gastgeber mit zwei Kreisspielern (Walz und Sousa). ThSV-Keeper Johannes Jepsen parierte gegen den freien Nick Witte, der von Außen zur Kreismitte eingelaufene Jannis Schneibel markierte die 11:10-Pausenführung für die Thüringer.

Herzschlagfinale mit Happyend für Eisenach

Mit einer 4:2-Abwehr, Maximilian Schütze und Christian Wilhelm vorgezogen, starteten die Ostseestädter in den zweiten Abschnitt. Eisenachs Fynn Hangstein scheiterte vom Strich und im Nachwurf an Empor-Keeper Leon Mehler (34.). Die Eisenacher schüttelten sich kurz. Keeper Johannes Jepsen sendete wichtige Signale, blieb gegen Tim Völzke Sieger. Sekundenspäter zappelte ein verzögerter Wurf von Alexander Saul zum 12:11 im Empor-Kasten (35.). Jonas Ottsen egalisierte. Fynn Hangstein traf ins verwaiste Gästetor (13:12, 26.). Ante Tokic versenkte trotz Foulspiel von Jakub Zboril zum 14:13 (38.). Fynn Hangstein setzte Malte Donker in Szene, der entschlossen zum 15:14 einnetzte (39.). Die Eisenacher gaben mit leidenschaftlichem Fight die Führung nicht wieder ab. Eine Hangstein-Fackel zappelte zum 16:14 im Gästekasten (40.). Adrian Wöhler versenkte von der Siebenmeterlinie zum 17:15 (42.). Die Gäste vermochten Überzahlphasen nicht zu nutzen. Über die Abwehrarbeit erzielte Ballgewinne nutzten die Eisenacher per Gegenstößen zum 21:17 (45.). Längst waren die Phonstärken auf den Rängen deutlich angestiegen. ThSV-Keeper Johannes Jepsen erntete mit drei Glanzparaden in Serie Beifallsstürme. Der eingewechselte Jonas Ulshöfer brachte seine Stärken zum mannschaftlichen Erfolg ein, konnte nur regelwidrig gestoppt werden. Adrian Wöhler versenkte humorlos den fälligen Siebenmeter zum 22:17 (49.) und kam damit dem vereinsinternen Torerekord von Titel Raduta bis auf zwei Treffer nahe! Fynn Hangstein traf aus der Distanz zum 23:19 (51.). Den greifbaren Sieg vor Augen spielten wir nun zu wenig mit Kopf“, ärgerte sich Eisenachs Ante Tokic, der von 10 Würfen 8 Bälle unterbrachte. Christian Wilhelm traf zum Rostocker Anschlusstreffer (24:23, 56.), dem Jannis Schneibel das 25:23 folgen ließ (57.). Spannung pur hielt die über 1.100 Zuschauer nicht mehr auf den Sitzen. Robin Breitenfeld verwandelte seinen sechsten Strafwurf (25:24, 58.). Den Hausherren misslang ein Kempa-Versuch. Jonas Thümmler zirkelte das Leder zum 25:25-Ausgleich ins leere Eisenacher Gehäuse. Fynn Hangstein brachte die Hausherren wieder mit 26:25 in Führung. Da waren noch 39 Sekunden zu spielen. Die Gäste trafen sich zur Besprechung an der Seitenlinie. Robin Breitenfeld markierte mit seinem 10.Treffer das 26:26. Ante Tokic sorgte mit spektakulärem Rückhandtreffer für das Happyend des ThSV Eisenach und für zwei dringend benötigte Punkte. Der Abwärtstrend war gestoppt!

Statistik:

ThSV Eisenach: Eichberger (bei 2 Siebenmetern/ 0 Paraden), Jepsen (10 Parsden); Iffert, Wöhler (2/2), Potisk, Hangstein (10/2), Ulshöfer, Walz, Hideg (1), Tokic (8), Sousa, Dicker, Donker (1), Schneibel (3), Weyhrauch, Saul (2)

HC Empor Rostock: Wetzel (1-45./ 6 Paraden) L. Mehler (ab 45. U. bei 1 Siebenmeter/ 2 Paraden); Wilhelm (2), Steidtmann (1), Ottsen (3), Schütze (2), D. Mehler, Völzke (2), Witte, Schmidt, Zboril, Breitenfeldt (10/6), Kohnagel, Thümmler (3), Pechstein (2), Lößner (1)

 

Siebenmeter

ThSV Eisenach: 4/5 (Hangstein verwandelt 2 x gegen Wetzl u. scheitert 1 x an L. Mehler, Wöhler verwandelt 2 x gegen L. Mehler)

HC Empor Rostock: 6/6 (Breitenfeld verwandelt 4 x gegen Jepsen und 2 x gegen Eichberger)

Zeitstrafen

ThSV Eisenach: 14 Min. (Walz 4 Min., Hangstein, Sousa, Donker, Schneibel, Saul je 2 Min.)

HC Empor Rostock: 12 Min. (Schütze u. Völzke je 4 Min., D. Mehler, Zboril je 2 Min.)

Schiedsrichter: Hurst, Krag

Zuschauer:1.177

 

Th. Levknecht

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