Atemlose Crunchtime

ThSV Eisenach erobert mit einem 31:31 bei der HSG Wetzlar den ersten Pluszähler/ Felix Aellen markiert 9 Treffer aus 11 Versuchen/ Mittelhessen legen Einspruch ein/ Wartburgstädter wollen im Heimspiel am Donnerstag gegen die SG BBM Bietigheim doppelt punkten 

„In der vergangenen Saison mussten wir bis weit in die Rückrunde auf unseren ersten Auswärtspunkt warten, jetzt ist er uns schon im zweiten Auswärtsspiel gelungen. Und dieser Punktgewinn, nur kurz nach der 9-Tore-Heimniederlage gegen den starken Aufsteiger HBW Balingen-Weilstetten, das spricht für uns“, erklärte schmunzelnd Eisenachs Tillman Leu. Ähnlich  sah es Moritz Ende. „Wir hatten uns nach der Heimspiel-Pleite viel vorgenommen, haben im Hessischen wieder unser Eisenacher Gesicht gezeigt“, unterstrich der ThSV-Außen.  „In hitziger Atmosphäre haben wir einen Zähler mitgenommen. Eine deutlich bessere Abwehr im zweiten als im ersten Abschnitt, die Steigerung auf der Torwartposition sprachen für uns“, argumentierte ThSV-Rückraumspieler Elias Scholtes. Vor der Pause kam das Eisenacher Torwartduo Matija Spikic/ Mats Grupe auf einen einzigen abgewehrten Ball. Für Bart Ravensbergen, dem Keeper der Gastgeber, standen bis dahin 8 Paraden. Nach Wiederanpfiff steigerte sich ThSV-Schlussmann Matija Spikic, parierte 7 Bälle. „Das ist ja auch meine Aufgabe, dafür bin ich Torhüter geworden“, betonte der 30-jährige Kroate. „Im ersten Abschnitt kamen viele Wetzlaer frei zum Wurf“, versuchte Matija Spikic die bescheidene Fangquote während der ersten 30 Minuten etwas zu entschuldigen. Er war nach 20 Minuten für den glücklosen jungen Mats Grupe gekommen.  „Die guten Phasen unserer 2-Tore-Führung konnten wir leider nicht ausbauen“, merkte Elias Scholtes selbstkritisch an. Einen 11:15-Rückstand (28.) wandelten die Thüringer, geführt von einem starken Spielgestalter Felix Aellen, in eine 20:18-Führung um (43.). Kam David More auf Linksaußen in Ballbesitz, klingelte es im Kasten der Hausherren. Der von den Rhein-Neckar Löwen gekommene 21-Jährige versenkte 6 Bälle aus 7 Versuchen. Beim 27:29 (55.), Felix Aellen hatte vom Strich verwandelt und seinen 9 Treffer markiert, war der ThSV Eisenach einem Sieg nahe. Runar Sigtyggsson, der Coach der HSG Wetzlar, stellte auf eine 5:1-Abwehr um, verunsicherte damit die Gäste von der Wartburg.  Mit frischen Kräften (Doruk Pehlivan) setzten die Hausherren zum Schluss-Spurt an. Nikolaj Laesö schnürte den Doppelpack zum 29:29 (56.). Eine atemlose Crunchtime war längst eingeläutet. Felix Aellen knallte schmerzhaft auf den Rücken. Dominik Solak und Jona Schoch rasselten zusammen.  Einen Eisenacher Ballverlust nutzte Marti Soler zur 31:30-Führung für die Gastgeber (58.). Nichts für schwache Nerven! Die trotz eines Montags angereisten 150 blau-weißen Fans feuerten lautstark ihr Team an.  Der im gesamten Spielverlauf immer wieder aus dem linken Rückraum den Weg zum Tor suchende oder mit klugen Anspielen zum Kreis überzeugende Dominik Solak wuchtete zum 31:31 ein (58.). Der entgegen der Vorankündigung bei der HSG Wetzlar mitwirkende Regisseur Dominik Mappes jagte das Leder über den Eisenacher Kasten. Den folgenden Wurf der Männer aus der Werner-Aßmann-Halle parierte Keeper Bart Ravensbergen mit seiner 11. Parade. (Ihm gelangen auch 2 Treffer aus dem eigenen Kreis ins verlassene ThSV-Gehäuse!).  Längst hielt es keinen der 3.413 Zuschauer in der Buderus Arena mehr auf den Sitzen. Die Mittelhessen waren im Ballbesitz, wollten das Leder bis zum finalen Wurf in ihren Reihen behalten. Die sicher amtierenden jungen Unparteiischen Leon Bärmann und Nico Bärmann entschieden auf Zeitspiel, sodass der vermeintliche 32. Treffer der HSG Wetzlar keine Anerkennung fand. Die Grün-Weißen trieb es zur Weißglut. Sieben Sekunden vor Ultimo kamen die Thüringer nochmals in Ballbesitz. Die letzte Aktion, ein direkter Freiwurf, von Peter Walz ausgeführt, landete am Kopf von Nikolaj Laeso, der zu Boden ging. Der Weg in die Kabine führte die Eisenacher am Fanblock der HSG Wetzlar vorbei. Peter Walz & Co. ließen sich nicht provozieren, marschierten ruhigen Schrittes in die Katakomben, traten nach einem Imbiss mit einem Bus von „Gabriel Reisen“ die Heimfahrt an.  

sportfotoseisenach – Peter Walz trifft per Tempogegenstoß

„Am Donnerstag, im Heimspiel gegen die SG BBM Bietigheim, wollen wir den ersten Sieg einfahren“, betont Elias Scholtes. Anpfiff gegen den Aufsteiger ist bereits um 19.00 Uhr in der Werner-Aßmann-Halle. Eintrittskarten sind vorab erhältlich online unter www.thsv-eisenach.de sowie am Spieltag an der Abendkasse. 

Stimmen aus beiden Lagern

„Wir haben den letzten Angriff der Hausherren gut wegverteidigt, die Doppelkreuzung weggenommen, dann kam der Pfiff“, so sah ThSV-Coach Sebastian Hinze die umstrittene Szene in den letzten Sekunden. Eine verbesserte Abwehr, mit einer guten Helferkette im zweiten Abschnitt, fand sich in seiner Analyse. „Offensiv haben wir das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten, entschieden viele Eins-gegen Eins-Duelle. Überhaupt, Einstellung und Energie waren sehr gut“, unterstrich Sebastian Hinze. „Riesenkompliment an meine Mannschaft“, fügte der Eisenacher Trainer hinzu. Vom „erwartet engen Spiel“ sprach Runar Sigtryggsson, der Coach der HSG Wetzlar. Die Gäste seien gut in die zweite Halbzeit gestartet. „Wir trafen da fehlerhafte Entscheidungen im Angriff“, ärgerte sich der Isländer. Sein Geschäftsführer Michael Allendorfer hob die gute Leistung des jungen Paul Kompenhans hervor, der im Sommer vom benachbarten Zweitligisten TV Hüttenberg gekommen war. „Das war eine Eisenacher Mannschaft, so wie wir sie und wünschen. Nach dem Balingen-Spiel hat sie die richtige Reaktion gezeigt. Die Crunchtime war extrem unruhig. Zum Ende hätte die Partie in beide Richtungen ausschlagen können, sie endete leistungsgerecht Unentschieden“, bilanzierte Maik Nowak, der Sportliche Leiter des ThSV Eisenach. 

sportfotoseisenach – Daumen hoch! ThSV-Coach Sebastian Hinze in Wetzlar

Einspruch wenig Chancen auf Erfolg 

Hektisch ging es in der Crunchtime zu. Die Verantwortlichen der HSG Wetzlar legten hinsichtlich der letzten Sekunden Einspruch ein. Das Vorwarnzeichen für passives Spiel sei erst angezeigt worden, nachdem der Ball die Hand ihres Spielers Petter Överby verlassen habe, somit dieser Pass nicht hätte in die Passzählung einbezogen werden dürfen. Die HSG Wetzlar monierte im Einspruch auch, dass die Möglichkeit der Überprüfung dieser Situation mittels Videobeweis nicht genutzt wurde, Die in aufgeheizter Atmosphäre sicheren Referees hatten den Lucky-Punch-Versuch der Mittelhessen abgepfiffen. „Wir wollen, auch gegenüber unseren Jungs, nichts unversucht lassen“, argumentierte Michael Allendorfer, Geschäftsführer der HSG Wetzlar. Der Einspruch dürfte wenig Chancen auf Erfolg haben. Eine Tatsachenentscheidung. Als technische Delegierte saß Schiedsrichter-Chefin Jutta Ehrmann neben Zeitnehmer und Sekretär.  

sportfotoseisenach – Gut gelaunt. Eisenachs Linksaußen David More

Zum Spielverlauf

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Der ThSV Eisenach spielte in den Vereinsfarben blau und weiß und wurde von Beginn von den blau-weißen Fans lautstark unterstützt. Beide Teams waren mit 0:4 Punkten in die Saison gestartet. Die Wartburgstädter zeigten sich gut erholt vom 27:36-Heim-Desaster gegen HBW Balingen-Weilstetten. David More und Moritz Ende besetzten die Außenpositionen. Der junge Mats Gruppe erhielt im Tor den Vorzug. Peter Walz nutzte ein Zuspiel für den Treffer zum 2:3 (6.). Bart Ravensberger im Kasten der HSG Wetzlar war von Beginn auf Betriebstemperatur. Peter Walz lieferte sich in der Abwehr harte Duelle mit Nicolaj Laese. Im Rückraum der Hessen sorgte Niklas Theiß (7 Treffer aus 7 Versuchen) für ganz viel Torgefahr. Er markierte auch das 5:4 (12.). Ein Zuspiel von Dominik Solak verwerte David More zum 6:6-Ausgleich (14.). Beim 9:7 (17.) traf Niklas Theiß bereits zum fünften Mal. ThSV-Kapitän Peter Walz steuerte völlig frei den Wetzlar Kasten an, scheiterte aber am blitzschnell reagierenden Bart Ravensbergen (18.). Kurz zuvor vermochte Moritz Ende nicht von Rechtsaußen den Keeper der Hausherren zu überwinden. Felix Aellen tankte sich zum 9:9 durch (20.), versenkte einen an ihm selbst verwirkten Siebenmeter zum 10:10 (21.). Die Hausherren schlossen über Nikolaj Laeso und Paul Kompenhans zum 14:11 (27.). Keeper Bart Ravensberger zirkelte das Leder zum 15:11 in den verwaisten Eisenacher Kasten (28.). Die Fans der HSG Wetzlar waren happy. David More konnte noch verkürzen. 

sportfotoseisenach – Eisenachs Linkshänder Stephan Seitz behauptet sich gegen Paul Kompenhans und Marti Soler

Mit neuem Schwung und Gian Attenhofer auf Rechtsaußen kamen die Eisenacher aus den Kabinen. Die Abwehr stand kompakter, Keeper Matija Spikic parierte, im Angriff wurde konsequent abgeschlossen. Felix Aellen und Gian Attenhofer glichen zum 16:16 aus (35.). Einen an Dominik Solak verursachten Strafwurf brachte Felix Aellen nicht unter (36.), doch der junge Schweizer ließ sich davon nicht irritieren, powerte weiter. Die Eisenacher wechselten mehrfach im Deckungs-Innenblock. Elias Scholte kam phasenweise im Angriff. Einen präzisen und wohl temperierten Steilpass von Matija Spikic netzte Peter Walz zum 18:19 ein (42.). Oskar Joelsson behauptete sich zum 18:20 (44.). Den Ausgleichstreffer der Gastgeber zum 20:20, erneut durch deren Keeper ins leere Eisenacher Tor (46.), beantworte Felix Aellen per Schlagwurf zum 20:21 (46.). Stephan Seitz traf zum 21:22 (47.). Ein offener Schlagabtausch war angesagt. Vukasin Antonijevic versuchte Akzente zu setzen, traf zum 22:23 (49.). Runar Sigtryggsson wechselte mehrfach im Rückraum. Ballstafetten zu Marti Solar auf Linksaußen hieß nun eines der hessischen Erfolgsrezepte. Stephan Seitz narrte den Deckungs-Innenblock der Hausherren zum 23:25 (52.). In Sekundenabständen fielen Treffer auf beiden Seiten. Felix Aellen traf zum 25:27 (53.), Oskar Joelsson zum 26:28 (54.), Felix Aellen per Siebenmeter zum 27:29 (55.). Mit Tillman Leu und Dominik Solak im Deckungs-Innenblock ging der ThSV Eisenach in die letzten 5 Minuten. Zwei Ballverluste nutzte die HSG Wetzlar nach dem 29:30 (Oskar Joelsson) zum 31:30 (58.) und schien die Partie noch für sich zu entscheiden. Doch letztendlich gab es keinen Sieger! Dominik Solak wuchtete 126 Sekunden vor der Sirene zum 31:31 ein – und dabei blieb es. 

sportfotoseisenach – Emotionen auf der Eisenacher Bank

Statistik

HSG Wetzlar:
Ravensbergen (11 Paraden/ 2 Tore), Bartucz (1 Parade); Kirschner (2/2), Mappes (1), Theiß (7), Överby (3), Piroch (1), Pehlivan (3), Akakpo, Schoch, Soler (5), Laeso (4), Löwen, Kompenhans (3), Nafea

ThSV Eisenach:
Spikic (8 Paraden), Gruppe; Joelsson (4), Scholtes, Capric, Attenhofer (2), Walz (4), More (6), Ende, Aellen (9/5), Solak (1), Antonijevic (1), Seitz (4), Kurch, Montebovi, Leu

Siebenmeter:
HSG Wetzlar 2/2 – ThSV Eisenach 5/6

Zeitstrafen:
HSG Wetzlar 3 x 2 Min. – ThSV Eisenach 5 x 2 Min. 

Schiedsrichter:
Leon Bärmann/ Nico Bärmann 

Zuschauer:
3.413

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