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Auch der ThSV Eisenach hat einen Erling Haaland

Der heißt Johannes Jepsen und steht allerdings im Tor

Die Ähnlichkeit von der Statur ist frappierend, zwischen dem Fußball-Toptorjäger Erling Haaland von Borussia Dortmund und Handball-Torhüter Johannes Jepsen vom ThSV Eisenach. Beide sind im Jahr 2000 geboren, sind um die 2 Meter groß und haben blonde Haare. Beim in Leeds (England) geborenen norwegischen Nationalspieler bringen sich gerade die europäischen Spitzenklubs in Stellung. Der in Flensburg geborene und dort das Handball-ABC erlernende 42-fache deutsche Nachwuchs-Auswahltorhüter, Anfang Juli vom TuS Nettelstedt-Lübbecke ins Thüringische gewechselt, bereitet sich gerade mit dem ThSV Eisenach auf die Punktspielsaison vor. Der Ähnlichkeit wegen wird Johannes Jepsen inzwischen von seinen Teamkollegen und Freunden Erling Haaland gerufen. „Damit kann ich mich durchaus anfreunden. So ein Spitzname soll ja was Lustiges verkörpern“, erklärt der aufgeschlossene Handballtorhüter.

„In dieser jungen und erfolgshungrigen Mannschaft bin ich richtig.“

Mit den Westfalen stieg Johannes Jepsen gerade in die 1. Handballbundesliga auf. Doch weshalb nun der Wechsel zum in der 2. Handballbundesliga spielenden Traditionsverein von der Wartburg? „Ich möchte mich sportlich weiterentwickeln, mir viele Einsatzzeiten erarbeiten. Ich empfinde das Projekt in Eisenach mit einer jungen Mannschaft sehr spannend. Die Gespräche mit Manager Rene Witte, Trainer Markus Murfuni und dem Sportlichen Leiter Maik Nowak haben mich überzeugt. Schon die ersten Wochen in Eisenach zeigen, in dieser erfolgshungrigen Mannschaft bin ich richtig. Wir unternehmen auch viel gemeinsam außerhalb der Handballhalle. Ich habe einen sehr netten Vermieter gefunden, der mir hilft. Das Einleben fällt mir leicht“, erklärt Johannes Jepsen. Der Wohlfühlfaktor stimmt also beim privat ungebundenen Neuzugang des ThSV Eisenach. Als Hobbys nennt er Tennis, abends Essen gehen und im TV Fußball schauen. Sein Herz schlägt für den derzeit leidgeprüften HSV. Burger und Pommes nennt er bei seinen Lieblingsspeisen. „Eine schöne frischzubereitete Scholle mit Bratkartoffeln steht aber ganz oben“, so der Blondschopf. Musikalisch sagt ihm moderne Musik der 80er und 90er Jahre zu. Als Hauptinformationsquelle bezeichnet er von Journalisten gründlich recherchierte und fachlich untersetzte Beiträge im Internet.

Konkurrenzkampf auf der Torwartposition

„Wir sind in der Breite sehr gut besetzt. Wir wollen in dieser noch an Qualität zugewonnen Liga so viele Spiele wie möglich gewinnen, rasch fleißig für den frühzeitigen Klassenerhalt punkten, auch gegen die Top-Teams der Liga auf Sieg spielen“, ergänzt er. Doch zunächst steht der interne Konkurrenzkampf an. Der ThSV Eisenach geht mit einem Torhüter-Dreigestirn in die Saison: der 38-jährige einstige slowenische Auswahlkeeper Baz Voncina, der 28-jährige österreichische Nationalmannschafts-Schlussmann Thomas Eichberger und der 21-jährige Johannes Jepsen. „Erreiche ich mein gewohntes Niveau, kann mich noch steigern, rechne ich mit vielen Einsatzzeiten. Ich will meiner Mannschaft bestmöglich helfen. So ein Konkurrenzkampf ist für die Mannschaft ohnehin nicht schlecht“, beschreibt Johannes Jepsen die Situation auf der Torwartposition aus seiner Sicht. Als eine Stärke bezeichnet er das Abwehren der Würfe aus der Distanz, da habe er sich schon ganz gute Technik angeeignet. Reserven sieht er bei Würfen von den Außenpositionen. „Da muss ich noch länger stehen bleiben. Zudem gewinne ich mit jedem Spiel mehr an Erfahrung“, so Johannes Jepsen. Die Frage, welchen Torwarttyp er verkörpere, beantwortet er mit „einer Mischung aus Niklas Ladin und Silvio Heinevetter, verstärkt allerdings Niklas Ladin“. Beim Dirigieren der Abwehr müsse er noch etwas an Lautstärke zulegen. Aber auch das sei eine Erfahrungssache. In punkto Abwehrstabilität habe der ThSV Eisenach ja noch Nachholbedarf.

Torwartlegende Jan Holpert war der Mentor bei der SG Flensburg-Handewitt

Wenn man 42 Nachwuchs-Länderspiele absolviert hat, blickt man doch sicherlich auch in Richtung A-Nationalmannschaft, wo gerade einige Plätze auch im Tor frei werden? „Zunächst möchte ich mir, wie bereits gesagt, viele Einsatzzeiten beim ThSV Eisenach erarbeiten, mit meiner Mannschaft, sicherlich auch zur Freude der großen Anhängerschaft, erfolgreich aufspielen. Nun ja, mein persönliches Ziel ist die 1. Liga. Sehr gern mit dem ThSV Eisenach. Das Größte für einen Handballer ist natürlich die Nationalmannschaft, doch aktuell sehe ich da noch viele junge Keeper vor mir. Da muss ich mich hinten anstellen“, beantwortet Johannes Jepsen diese Frage. Er selbst wird seit frühester Jugend von Flensburgs Torwart-Legende Jan Holpert unterstützt. „Er war mein Torwarttrainer und ist mein Mentor“, würdigt Johannes Jepsen den von 1993 bis 2007 das Trikot der SG Flensburg-Handewitt tragenden 625 Bundesligaspiele und 245 Länderspiele absolvierenden Jan Holpert. „Es ist schon cool, wenn man von einer solchen Legende Tipps bekommt“, beschreibt er das Verhältnis zu Jan Holpert.

Wie viele Jungen zog es Johannes Jepsen zunächst zum Fußball. Als fünfjähriger Steppke jagte er beim TSB Flensburg dem großen runden Leder nach. Neben der Kickerei wuchs der Reiz einer neuen Sportart. Sicherlich trug dazu auch der eine oder andere Besuch in der „Hölle Nord“ mit seinen Eltern bei, die schon seit Jahren vom Bazillus SG Flensburg-Handewitt infiziert sind. Eines Tages schaute sich Johannes Jepsen eine Übungseinheit der E-Jugend an. Ein Jahr spielte er Fuß- und Handball, bevor er sich endgültig für das kleine runder Leder entschied. Hauke Grösch nahm Johannes Jepsen in der D-Jugend der SG Flensburg-Handewitt unter seine Fittiche. „Zunächst spielte ich eine Halbzeit im Feld und eine im Tor“, erinnert sich der Neue im Eisenacher Kasten. „Im Tor war mehr Action. Es ist ein besonderer Kick, wenn man einen Ball hält. Mit einer sehr guten Torwartleistung gewinnt das gesamte Team. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass meine Talente im Feld nicht so berauschend waren“, ergänzt Johannes Jepsen. Er pendelte viele Jahre mit dem Fahrrad zwischen dem Elternhaus zur Duburghalle, zum Gymnasium und zur Flensburg-Akademie. Er legte erfolgreich das Abitur ab, wurde in die Sportfördergruppe der Bundeswehr aufgenommen. Für die nahe Zukunft steht ein Studium auf der Agenda, wobei die Fachrichtung noch offen ist.

In den Reihen der Nachwuchsteams eroberte Johannes Jepsen einige Landesmeistertitel. In der Saison 2017/2018 absolvierte er sein erstes Nachwuchs-Länderspiel. Bei der Jugendolympiade 2017 in Ungarn sprang Gold mit der deutschen Auswahl heraus. „Ein nachhaltiges Erlebnis“, schwärmt Johannes Jepsen von diesen Tagen. Vizeweltmeister wurde er mit der deutschen Nachwuchs-Auswahl 2019 in Mazedonien. Er rückte ins Bundesligateam der SG Flensburg-Handewitt auf. Es blieb bei Kurzeinsätzen. Zum Championsleague-Spiel in der Ukraine saß er aber schon mal mit im Flieger.

Angebot vom FC Barcelona ausgeschlagen

Zur Saison 2019/2020 standen große Veränderungen an. Um mehr Spielzeiten und damit Entwicklungschancen zu bekommen, war ein Vereinswechsel angesagt. Er entschied sich letztlich für die Offerte vom TuS Nettelstedt-Lübbecke. Für den westfälischen Zweitligisten schlug er sogar ein Angebot des ruhmreichen FC Barcelona aus. Er war eine Woche am Mittelmeer, genoss die Stadt und besichtigte das Trainingsgelände des ruhmreichen Klubs. Gleich neben den Ballwerfern residierte die Fußballabteilung, Allerdings abgeschottet. „Es fiel mit schwer, abzusagen“, gibt Johannes Jepsen unumwunden zu. „Ich wäre dritter Torwart gewesen und hätte überwiegend in der 2. spanischen Liga gespielt, die längst nicht so stark wie die 2. Bundesliga ist. Die sportlichen Perspektiven erschienen mir in Lübbecke besser“, fügt er hinzu. An der Seite erfahrener Schlussleute reifte er weiter. Seinen nunmehr Ex-Verein sieht Johannes Jepsen vor einer ganz schweren Aufgabe in der Eliteliga. „Alles tolle Typen. Ich hoffe, sie schaffen den Klassenerhalt. Aber es wird ganz eng. Wichtig wäre, dass sie möglichst schnell Punkte sammeln“, erklärt Johannes Jepsen mit Blick auf den TuS Nettelstedt-Lübbecke.

Seine vollste Konzentration gilt freilich dem ThSV Eisenach. In den Testspielen erhielt er zumeist gute Kritiken. Bei seinem Einsatz beim 34:23 über den TV Hüttenberg wurde für ihn eine Fangquote von 60 Prozent notiert. Am Wochenende steht das erste Pflichtspiel mit seinem neuen Verein an. In der 1. DHB-Pokal-Hauptrunde geht es am Sonntag, 29.08.2021 zum Ligakonkurrenten VfL Lübeck-Schwartau. Johannes Jepsen und sein Team wollen den weiten Trip an die Ostseeküste mit dem Erreichen der nächsten Pokalrunde abschließen.

Th. Levknecht

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