Auszeit mit Yoav Lumbroso (ThSV Eisenach) 

„Der ThSV Eisenach liegt mir seit meinem ersten Engagement am Herzen.“

Der ThSV Eisenach vermeldete im Januar dieses Jahres einen Rückkehrer. Yoav Lumbroso, der nur 1,72 Meter große Israeli, von 2019 bis 2020 beim ThSV Eisenach und mit diesem von der 3.Liga in die 2. Handballbundesliga aufgestiegen, kam von Benfica Lissabon zurück zum Thüringer Traditionsverein. „Er beherrscht die deutsche Sprache, das ist die Voraussetzung in der Kürze der Zeit seine Führungsqualitäten optimal einzubringen. Für ihn sprechen zudem die individuelle Qualität, ob in Kooperation oder die eigene Torgefahr“, argumentiert Maik Nowak, der Sportliche Leiter des Aufsteigers von der Wartburg. 

Wir wollten mehr über den inzwischen 23-jährigen in Boer Sheva geborenen Spielmacher erfahren, trafen uns – vor dem großen Derby des ThSV Eisenach am 31.03.2024 gegen den SC Magdeburg – mit dem Fernstudenten für Ökonomie und Management zu einem Interview.

Wie kamen Sie zum Handball?

In ganz jungen Jahren hatte ich mich in verschiedenen Sportarten ausprobiert, auch im Fußball. Der Trainer von Kfar Menahem, einem kleinen Verein, hat mich angesprochen, so kam ich im Alter von 12 Jahren zum Handball. Drei Jahre später, mit 15, wechselte ich zu Ironi Rehovot, einem renommierten israelischen Verein. Mit 18 Jahren wechselte ich schon ins Ausland, nach Deutschland. Der damalige Eisenacher Co-Trainer Arne Kühr, auch Co-Trainer der slowakischen Nationalmannschaft, hatte erheblichen Anteil daran. Mit der Junioren-Auswahl Israels bestritt ich zu jener Zeit auch ein Testspiel in Eisenach gegen die zweite Mannschaft des ThSV Eisenach. Im Jahr 2020 kam ich dann zum damals in der 3. Liga spielenden ThSV Eisenach. 

Sie stiegen seinerzeit mit dem ThSV Eisenach in die 2. Bundesliga auf, verließen dann aber die Wartburgstadt?

Die Optionen, die ich im Februar 2020, mit Beginn der Corona-Pandemie hatte, waren bis zum Saisonende zu Hause in Eisenach zu bleiben oder die letzten 4 Monate des Vertrages aufzulösen und nach Israel zurückzukehren. Die Entscheidung fiel mir insofern leicht, da ich für die nächste Saison kein Vertrag hatte. Im Mai 2020 erhielt und akzeptierte ich ein Angebot vom Handballverein Limoges in Frankreich, bei dem ich bis 2023 blieb. 

Nun ging es von Benfica Lissabon zurück nach Eisenach. Mit welchen Erwartungen? 

Ich habe während der Zeit bei Limoges Handball und in Lissabon viele Erfahrungen als Spielmacher gesammelt, bin gereifter geworden. Es erreichte mich die Anfrage aus Eisenach. Es folgten gute Gespräche mit Rene Witte und Misha Kaufmann. Dann ging es ganz schnell. Benfica Lissabon hat der Auflösung des Vertrages zugestimmt. Mit Willy Weyhrauch, Alexander Saul, Ivan Snajder und Torwarttrainer Stani Gorobtschuk traf ich noch Mitspieler aus der Zeit meines ersten Engagements in Eisenach. Na klar, es ist ein Vorteil, dass ich den ThSV Eisenach kenne. Er ist auch nach meinem Wechsel 2020 in meinem Herzen geblieben. Dieser tolle Verein in einer handballbegeisterten Stadt, mit seinen fantastischen Fans! Ich freue mich riesig, wieder hier zu sein, will dazu beitragen, die Klasse zu halten. Und dabei sehe ich uns auf einem guten Weg. Wir spielen mit ganz viel Emotionen, entwickeln uns von Trainingseinheit zu Trainingseinheit weiter. Wir profitieren von einem Super-Coach, der uns stets top vorbereitet. 

Wie beurteilen Sie sich selbst? Welche Stärken verkörpern Sie? Wo besteht Nachholbedarf?

Schnelligkeit und das Erkennen der Situation, das Lesen des Spiels, würde ich als meine Stärken nennen. Ich bin noch jung, muss überall noch zulegen. Ich arbeite jeden Tag daran, besser zu werden. 

Wie interpretieren Sie die Rolle des Spielgestalters? 

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Ich kontrolliere und gestalte das Spiel, setzte meine Nebenleute in Szene.  Der Mittelmann ist ein kleiner Trainer auf dem Parkett. In Eisenach wird ein anderer Handball als bei meinen vorherigen Stationen gespielt. An dieses neue System muss ich mich rasch gewöhnen, es klappt aber immer besser. 

Empfinden Sie Ihre Körpergröße von nur 1,72 Meter als Nachteil?

Nein. Im Gegenteil! Das zähle ich zu meinen Stärken. Dadurch bin ich noch schneller, kann variabler werfen. Ein Distanzwerfer bin ich freilich nicht, doch meine Finten sind entscheidend. 

In Ihrer Heimat herrschen kriegsähnliche Zustände. Belastet Sie das?

Das ist sehr schwer für mich. Ich habe viele Menschen verloren, die ich kenne, darunter auch einen meiner besten Freunde. Ich versuche mich so gut es geht auf den Handball zu konzentrieren. 

Ihre Mannschaft steht kurz vor einem großen Derby…?

Wir spielen gegen den SC Magdeburg, die wohl weltbeste Handball-Mannschaft. Wir sehen dieser Partie in heimischer Halle mit riesiger Freude entgegen. Das wird ein Handballfest!

Ihr Lieblingsessen?

Steak. 

Ihre Lieblingsmusik?

Ich höre eigentlich von allem was.

Ihre Freizeitinteressen?

Ich spiele gern Schach. Einen Großteil meiner Freizeit nutze ich für mein Studium. 

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