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Bitter! Bitter! Niederlage in der Schlusssekunde!

Mit einer ganz bitteren 31:32(14:18)-Niederlage beim HSC Coburg startete der ThSV Eisenasch nach der WM-Pause in den zweiten Teil der Punktspielsaison. Hochdramatische Schlussminuten erlebten 1200 Zuschauer in der restlos ausverkauften Dreifachsporthalle in Coburg.
Der Siegestreffer der Hausherren resultierte aus einem in allerletzter Sekunde verwandelten Strafwurf, überschäumende Freude bei den Franken, tiefe Niedergeschlagenheit bei den Thüringern – nach der neunten Niederlage im elften Auswärtsspiel – auslösend.
Beim 29:25 (50.) durch den neunten Treffer des energiegeladenen gerade 34 Jahre alt gewordenen Ex-Nationalspieler Christian Rose schienen die seit dem Oktober vom
ehemaligen Eisenascher Spieler und Trainer Zdenek Vanek betreuten Franken auf sicherem Weg zum für sie so gewichtigen Doppelpunktgewinn.
Die Eisenascher mussten ab der 32. Minute ohne ihren Stammkeeper Radek Musil auskommen. Beim Versuch, einen Konter zu unterbinden, zögerte der Routinier zunächst beim Herauslaufen, geriet dann in Körperkontakt mit Coburgs Ronny Göhl. Die neue Regel konsequent auslegend, zeigten die Spielleiter nach Konsultation die rote Karte. Doch die Eisenacher setzten zum leidenschaftlichen Schlussspurt an. Mittels Sonderbewachung durch Tomas Sklenak wurde Christian Rose an die kurze Leine gelegt. Eisenachs Abwehr unterband den Spielfluss der Hausherren, Torhüter Stanislaw Gorotschuk bekam nun das Leder auch vor der Linie zu greifen. Im Vorwärtsgang wurde die Schlagzahl deutlich erhöht. Daniel Luther stellte seine Torwurfqualitäten einmal mehr unter Beweis, lochte zum Anschlusstreffer ein (30:29, 54.). «Jetzt geht’s los», skandierten die über 100 mitgereisten Anhänger aus Eisenach.
Die Hausherren wankten, produzierten nach einer Auszeit gleich einen technischen Fehler. In Überhast vermochten die Eisenacher kein Kapital daraus zu schlagen. Siebenmeter für Coburg. Doch Stanislaw Gorobtschuk, der junge ThSV-Keeper, blieb im Duell mit Coburgs Strafwurfspezialisten Alexander Auerbach Sieger (56.). Beim Gegenzug wehrte Coburgs Schlussmann Havard Martinsen einen Sklenak-Ball ab. Die Eisenacher erkämpften sich mit aufopferungsvoller Abwehrarbeit das Leder zurück, bedienten per Steilvorlage den links lossprintenden Alexander Schiffner, der zum 30:30-Ausgleich einnetzte (57.). Die Partie auf dem Siedepunkt! Jonathan Rivera zog aus dem Rückraum zum 31:30 für den HSC Coburg ab (58.). Die Eisenacher brachten Daniel Luther in Wurfposition, dessen Ball zum 31:31 im Netz zappelte. Da waren noch knapp zwei Minuten zu spielen. Der folgende Wurfversuch der Gastgeber wird eine Beute von ThSV-Torhüter Stanislaw Gorobtschuk. Eisenachs Coach Adalsteinn Eyjolfsson zückt den grünen Karton und holt sein Team zur Besprechung der letzten Aktionen zusammen. Nach nur wenigen Ballwechseln steigt Daniel Luther stark bedrängt zum Wurf hoch – und scheitert am Coburger Keeper. Der Freiwurfpfiff blieb aus. «Er wollte uns helfen, doch der Abschluss war einfach zu früh», so Adalsteinn Eyjolfsson zu dieser Szene. Da zeigte die Hallenuhr noch fast dreißig Sekunden Spielzeit an. Die Coburger initiierten einen Angriffszug über die linke Angriffsseite. Eisenachs Abwehraktion gegen Sebastian Kirchner werteten die Unparteiischen Ronny Dedens/Nico Deckert als strafwurfwürdig, sprachen dem HSC Coburg den achten Siebenmeter zu (Eisenach erhielt nur zwei!). Alexander Auerbach, obwohl kurz zuvor gescheitert, schnappte sich selbstbewusst das Leder und sorgte für die Entscheidung und wurde von seinen Mannschaftskollegen vor Freude schier erdrückt.
»Mit Leidenschaft und Disziplin hat sich Coburg die Punkte verdient. Über weite Strecken offenbarten wir große Lücken in der Abwehr, traten zu früh heraus, was Christian Rose mit all seiner Erfahrung nutzte. Vorteilhaft für die Coburger, sie bekamen mehrfach eine zweite Wurfchance zugesprochen», erklärte Eisenachs Coach Adalsteinn Eyjolfsson und wurde dafür ausgebuht. Nicht der einzige Missklang an diesem Tag! «Nach der Deckungsumstellung der Eisenacher mit der Sonderbewachung gegen Christian Rose wurde das gesamte Team von einem black out heimgesucht. In einem von beiden Seiten guten Spiel vor durch beide Fanlager stimmungsvoller Kulisse wurde letztendlich unsere disziplinierte und effektive Spielweise belohnt. In der ersten Halbzeit verzeichneten wir ganze zwei Fehlwürfe. Das war schon ganz wichtig. Vor dem Anpfiff war der Druck des Siegenmüssens gewaltig», resümierte Zdenek Vanek, dessen Team dieser Doppelpunktgewinn die Hoffnung auf einen einstelligen Tabellenplatz und die Qualifikation für die neue eingleisige 2. Handballbundesliga nährte.

Vielerlei Misstöne
Das rabiate Einsteigen einiger Ordner des HSC Coburg gegen Zuschauer aus Eisenach sorgte für Unmut und Unverständnis. Während Coburger Zuschauer bei laufendem Spiel mit gefüllten Bierbechern an der Seitenlinie und teilweise auf der Spielfläche geduldet worden, waren die weit von der Spielfläche entfernt postierten Eisenacher Zuschauer beim Anfeuern ihrer Mannschaft immer wieder Zielscheibe des Eingreifens, des körperlichen Eingreifens mit sichtbaren Folgen. HSC-Coach Zdenek Vanek selbst schaltete sich nach dem Abpfiff beim völlig überzogenen Einschreiten Coburger Ordnungskräfte gegen Eisenacher Zuschauer ein.
Da in Coburg kein Presseraum zur Verfügung steht, die Journalisten aus Thüringen mit Stehpatzkarten zur Berichterstattung abgespeist wurden, mussten sich diese beim Versuch von Nachfragen an die Trainer auf dem Parkett mit verbalem Nachdruck eine Arbeitsfläche (ein Stehtisch) sichern. Da passte es auch so richtig ins Bild, dass zur Behandlung einer Platzwunde im Gesicht von Eisenachs Girts Lilienfelds keine medizinische Versorgung vor Ort war. Über das Hallenmikrofon wurde ein Arzt gesucht?!
Völlig deplatziert aber auch die Pöbeleien einiger ganz weniger Eisenacher «Fans» gegenüber den Schiedsrichtern bei deren Abfahrt auf dem Parkplatz. ThSV-Verantwortliche um Mannschaftsleiter Knut Schauer griffen ein und deeskalierten die Situation.

Eisenachs Abwehr ohne Stabilität – 18 Gegentore in der ersten Halbzeit
Tomas Sklenak besorgte zwar die Eisenacher Führung (0:1, 3.), doch die Coburger mit den routinierten Jonathan Rivera und Christian Rose im Rückraum, mehrfach mit zwei Kreisspielern Räume in Eisenachs Abwehr schaffend, übernahmen nach dem 1:2 (Trautvetter, 4.) die Initiative. Zu passiv, ohne Feuer, die Eisenacher Mannschaft. Ganz anders die Gastgeber, in dem Wissen, nur ein Sieg lässt auf die Qualifikation für die neue eingleisige 2. Liga hoffen. Christian Rose traf per Tempogegenstoß zum 5:2 (7.). Der Oldie mit schon etwas lichtem Haar glänzte als Konterspezialist. Kapitän Ronny Göhl, der Ex-Eisenacher, verblieb zunächst auf der Bank. Gabor Langhans vermochte sich einmal durchzusetzen, traf zum Anschlusstreffer für den ThSV Eisenach (7:6, 11.). Auch der Deckungsinnenblock mit Eryk Kaluzinski und Daniel Luther konnte nicht für mehr Stabilität im Eisenacher Deckungsverband sorgen. Zu schwach die Angriffszüge der Eisenacher, zu lau beispielsweise der Torwurf von Eryk Kaluzinski (16.). Im Gegenzug explodierte Jan Kästner zum 12:7 für den HSC Coburg (17.). Mit Angriffszügen über Linksaußen, über Adrian Wöhler, schienen die Eisenacher das richtige Rezept gefunden zu haben. Als dieser von Jonathan Rivera «gefällt» wurde, verkürzte Alexander Koke vom Punkt bis auf zwei Treffer (12:10, 22.). Dank der Treffer von Adrian Wöhler blieb der ThSV Eisenach auf Tuchfühlung (15:13, 28.): Pastzer verhalfen Coburg zur 4-Tore-Führung zur Pause. Ein direkt verwandelter Freiwurf (!) durch die Abwehrarme der Eisenacher als letzte Aktion der ersten Halbzeit bescherte den Franken den 18. Treffer.

Rot für ThSV-Keeper Musil – im dramatischen Finish dennoch alles möglich
Die zweite Halbzeit begann praktisch mit der Disqualifikation für ThSV-Schlussmann Radek Musil, eine harte aber vertretbare Entscheidung (32.) und dem 15. Eisenacher Treffer durch Nick Heinemann. Die Gastgeber, mit einem Plus über die Distanz auf der Torhüterposition, behaupteten Dank ihrer «Füchse» Rivera und Rose sowie der Kaltschnäuzigkeit von Alexander Auerbach vom Punkt die Führung. Beim Stand von 23:21 hatte Benjamin Trautvetter den Anschlusstreffer der Eisenacher auf der Hand, doch sein Ball von der Kreismitte landete links neben dem Tor (41.). In Unterzahl zirkelte Christian Rose das Leder zum 24:21 (42.) ins Netz. Der Routinier wurde von seinen Mitspielern immer wieder in Szene gesetzt, traf – ohne entscheidend gehindert zu werden – schier nach Belieben. Für einen Ballverlust von Tomas Sklenak bedankte sich Sebastian Kirchner mit dem 26:21 (44.). Erst als Christian Rose mit einer Sonderbewachung bedacht wurde, stotterte das Coburger Angriffsspiel erheblich. «Vielleicht hätte ich mich frührer zu dieser Maßnahme entscheiden sollen. Hinterher ist man stets schlauer», sinnierte Eisenachs Trainer Adalsteinn Eyjolfsson. So ergaben sich für die Wartburgstädter noch die Möglichkeiten auf ein oder gar zwei Zähler. Am Ende standen sie freilich auswärts wieder einmal mit leeren Händen da …..

Im Heimspiel gegen Frankfurt ist ein Sieg Pflicht
Am kommenden Samstag, 12.02.2011 empfängt der ThSV Eisenach die HSG FrankfurtRheinMain (Anwurf um 19.30 Uhr). Um auf Kurs neue 2. Liga zu bleiben, ist ein Doppelpunktgewinn Pflicht! Tickets sind im Vorverkauf erhältlich.

Statistik
HSC Coburg: Martinsen, Selke; Werner (1), Göhl (2), Rose (9), Andersson (2), Kelm (1), Karapetjan, Kirchner (2), Kästner (1), Auerbach (10/7), Munzert, Rivera (4)

ThSV Eisenach: Gorobtschuk, Musil; Trautvetter (3), Sklenak (5), Wöhler (6), Koke (2/2), Luther (4), Bitterlich, Kaluzinski, Adams, Schiffner (1), Langhans (3), Heinemann (5), Lilienfelds (2)

Siebenmeter: Coburg 8/7; Eisenach 2/2

Zeitstrafen: Coburg 7 x 2 Min.; Eisenach 3 x 2 Min., Disqualifikation R. Musil (32.)

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