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Da staunte die SAP Arena in Mannheim

«So hat uns hier nur keine Mannschaft gefordert», war der einhellige Tenor im Lager der Rhein-Neckar-Löwen. Die Verantwortlichen des haushohen Favoriten waren am Ende sichtlich froh, gegen den personell gebeutelten Underdog aus Thüringen, dem ThSV Eisenach, mit einem 30:27 (10:15) beide Zähler auf der Habenseite verbuchen zu können.

Der breitere Kader (eine nahezu komplette Mannschaft saß noch hinter der Wechselbank!) sprach am Ende für die Gastgeber. «Eine tolle Kraft-und Energieleistung unseres kleinen Kaders», betonte ThSV-Coach Adalstein Eyjolfsson. Im Schlussgang, nach dem 25:24 (51.), waren die Kräfte bei seinen Schützlingen am Ende. «Wir haben deutliche Fortschritte gezeigt, sind ein Stück reifer geworden. Arbeiten wir weiter so, wird uns auch einmal so eine Sensation gelingen», fügte der Isländer in Diensten der Thüringer an.

«In der Halbzeitpause war es bei uns sehr laut. Gesprochen hat allerdings nur einer», berichtete Thorsten Storm, der Manager der Rhein-Neckar-Löwen. Diese ernteten im ersten Abschnitt vom eigenen Anhang reichlich Pfiffe. «Wir haben in der ersten Halbzeit das Beste aus unseren Möglichkeiten gemacht», konstatierte Eisenachs Trainer Adalsteinn Eyjolfsson. Der Aufsteiger, ohne die Stammkräfte Hannes Jon Jonsson, Daniel Luther und Branimir Koloper (alle verletzt) und ohne den weiterhin erkrankten Nick Heinemann, lösten unter den 4364 Zuschauern immer wieder Raunen aus. Die Wartburgstädter waren das klar dominierende Team! Eine Wurfquote von über 70 % und eine geschickt die Räume verengende Deckung mit einem in den ersten dreißig Minuten starken Rene Villadsen im Tor, sorgte für ein deutliches Übergewicht.

Löwen sehen nur die Hacken der Eisenacher
Nach elf Minuten zückte Löwen-Trainer Gudmundur Gudmundsson bereits das erste Mal die grüne Karte. Der Aufsteiger hatte die Hausherren zum 2:5 (11.) ausgekontert. Doch die verkehrte Welt in der SAP Arena fand ihre Fortsetzung. Jetzt stürzten die Eisenacher mit bestens strukturierten und kreativem Angriffspiel inklusive effizienten Torwurf die Rhein-Neckar-Löwen von einer Verlegenheit in die andere. In der Besetzung mit Bjarki Elisson auf Links- und Varuk Frazalic auf Rechtsaußen, Aivis Jurdzs im linken und Dener Jaanimaa im rechten Rückraum (zunächst für Abwehraufgaben von Peter Pucelj abgelöst), Tomas Sklenak in der Rolle des Spielgestalters und Nicolai Hansen am Kreis spielten die Eisenacher frisch auf. Aivis Jurdzs legte zu Nicolai Hansen ab, der zum 5:8 einnetzte (18.). Weder eine offensivere Abwehrvariante mit Uwe Gensheimer auf vorgeschobener Position noch die zweite Auszeit der Gastgeber beim 6:11 (22.) vermochte den Spielfluss der Eisenacher zu bremsen. Im Gegenteil! Eine Sklenak-Vorlage wuchtete der dynamische Dener Jaanimaa zum 8:13 (25.) ein. In Überzahl wechselten die Gäste Linkshänder Girts Lilienfelds ein, der gleich die Vorlage für Nicolai Hansen zum 9:14 (27.) gab. Dann wieder ein toller Reflex von ThSV-Keeper Rene Villadsen und Bjarki Elisson erhöhte mit seinem fünften Treffer auf 9:15 (29.). Die Löwen-Fans rieben sich verwundert die Augen und hofften auf ein anders Team nach dem Seitenwechsel. Von «Arroganz» sprach gar Löwen-Manager Thorsten Storm. «Wir spielten mit dem Feuer», fügte er an.

Haushoher Favorit gelingt Entscheidung erst im Schlussgang
Nationalspieler Uwe Gensheimer sendete nach dem Seitenwechsel wichtige emotionale Signale. «Wir kamen etwas übermotiviert aus der Kabine. Mit Risikopässen luden wir die Löwen zum Kontern ein, gaben den Vorsprung zu naiv aus den Händen», bemängelte Adalsteinn Eyjolfsson. «Wir haben uns in der zweiten Halbzeit deutlich gesteigert, unser normales Niveau erreicht», erklärte Löwen-Trainer Gudmundur Gudmundsson. Nationalspieler Patrick Groetzki glich zum 16:16 (38.) aus. Uwe Gensheimer dokumentierte seine Stärke von der Siebenmeterlinie und brachte seine Farben erstmals mit 17:16 in Führung (40.). Die Gastgeber griffen erneut in die Taktikkiste, brachten für Defensivaufgabe Nikola Manojlovic und Gedeo Guardiola Villaplana. Die Wechselmöglichkeiten der Eisenacher waren mit zehn Feldspielern arg begrenzt. Doch diese boten ein leidenschaftlichen Fight mit beachtlicher handballerischer Klasse. Tomas Sklenak zog trocken zum 17:17 41.) ab. Benjamin Trauvetter versenkte einen an Girts Lilienfelds verursachten Siebenmeter zum 20:20 (45.). Die Eisenacher blieben dran. Die Hausherren profitierten von den Qualitäten von Kreisspieler Bjarte Myrhol und Rückraumspier Andy Schmid. Bis zum 25:24 (51.) blieben die Eisenacher auf Tuchfühlung. Bei den augepowerten Gästen war der Kräfteverschleiß offenkundig. Den Würfen fehlte nun Präzision und Schärfe, aber auch Löwen-Schlussmann Niklas Landin steigerte sich. Die Gastgeber nutzten die sich bietenden Tormöglichkeiten zum 29:24 (58.), einem lehrbuchreifen Kempatreffer von Uwe Gensheimer dessen achten Torerfolg.

Dener Jaanimaa, Aivis Jurdzs und Bjarki Elisson stockten die Eisenacher Trefferausbeute noch auf. Am schmeichelhaften Sieg für die Rhein-Neckar-Löwen änderte das freilich nichts. «Wir hätten fast eine Sensation geschafft, haben die SAP Arena erhobenen Hauptes verlassen», erklärte ThSV-Marketing-Geschäftsführer Karsten Wöhler.

Konzentration auf den Klassiker Eisenach – Magdeburg
Die Eisenacher konzentrieren sich nun auf «das Spiel des Jahres», so Karsten Wöhler, das Derby gegen den SC Magdeburg, am Samstag, 30.11.2013 um 14.30 Uhr in der Eisenacher Werner-Aßmann-Halle.

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Rhein-Neckar-Löwen: Landin, Peribonio; Schmid (4), Gensheimer (8/4),
Roggisch (n.e.); I. Guardiola (5), Manojlovic (1), Gorbok (1), Prodanovic (1), Myrhol (5), Groetzki (2), G. Guardiola (1), Petersoon (1), Ekdahl du Rietz (1)

ThSV Eisenach: Villadsen, Gorobtschuk; Trautvetter (2/2), Elisson (6), Sklenak (3), Wöhler, Jurdzs (3), Luther (n.e.), Pucelj, Jaanimaa (6), Hansen (3), Vrazalic (2), Lilienfelds (2)

Zeitstrafen: Rhein-Neckar-Löwen 3 x 2 Min. – ThSV 2 x 2 Min.

Siebenmeter: Rhein-Neckar-Löwen 4/4 – ThSV 2/2

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