Da war mehr möglich
Verkorkste erste Halbzeit ist nicht mehr zu reparieren/ ThSV Eisenach unterliegt bei den Rhein-Neckar Löwen 28:31 (11:16)
Am Samstagabend verlor der ThSV Eisenach sein Punktspiel bei den Rhein-Neckar Löwen mit 28:31 (11:16). Eine starke Phase nach der Halbzeitpause und ein fantastisch haltender Schlussmann Matija Spikic genügten den Wartburgstädtern nicht, um die große Hypothek aus Durchgang eins zu egalisieren.
Die langzeitverletzten Jannis Schneibel und Aleksandar Capric ausgenommen, konnte ThSV-Coach Sebastian Hinze beim ersten Wiedersehen mit seinem alten Verein personell aus den Vollen schöpfen. Rechtsaußen Moritz Ende stand im Vergleich zum Melsungen-Heimspiel wieder im Kader, Alexander Saul rotierte heraus. Premiere feierte das neue Auswärtsdress des ThSV Eisenach. In der Saison 2025/26 huldigen die Thüringer ihrem Bundesland, dem grünen Herzen Deutschlands. So tragen sie die Farbe des Thüringer Waldes und das Landeswappen auf dem Arm. In Mannheim gelang den Eisenachern in Person von Spielmacher Felix Aellen aus der Rückraummitte das erste Tor der Partie, auf das Nationalspieler Jannik Kohlbacher prompt mit dem 1:1 antwortete. Letzterer drehte von Spielbeginn an richtig auf, erzielte die ersten drei Löwen-Tore allesamt vom Kreis.
Nach sieben Minuten setzte Kroatiens Nationaltorhüter und Eisenachs Schlussmann Matija Spikic der Kohlbacher-Show ein Ende und parierte einen freien Wurf sensationell. Dennoch konnten die Hausherren sich in der Folge erstmals ein wenig Puffer verschaffen, zogen durch ein Tor von Rückraumspieler Edwin Aspenbäck auf 6:3 davon. Immer wieder konnten sich die Keeper der beiden Teams ins Spiel bringen, beim Stand von 8:6 verhinderte Nationaltorhüter David Späth den Eisenacher Anschlusstreffer, auf das 9:6 folgte eine Parade Spikics gegen Mannheims Linksaußen Tim Nothdurft.
Mal unnötig, mal kurios: Zeitstrafen spielen Löwen zur Pause in die Karten!
Wiederholt wurden die Bemühungen der Gäste von leichten, unnötigen Fehlern ausgebremst. Aufgrund eines Wechselfehlers musste Schwede Oskar Joelsson zwei Minuten pausieren, sah von der Bank mit an, wie die Löwen durch Patrick Groetzki von Rechtsaußen und per Siebenmeter von Nothdurft auf 12:6 erhöhten. Stephan Seitz erwischte nun eine gute Phase, bereitete zunächst für Joelsson den achten Eisenacher Treffer vor, traf dann selbst erst per Heber, dann im Alleingang gegen Späth zum 14:10.
Wenige Sekunden vor der Pause nahm Vincent Büchner in einer Spielunterbrechung den Ball auf, um ihn den Löwen für deren Freiwurf zu geben. Schiedsrichter Baumgart/Dinges interpretierten die Szene als Zeitspiel Büchners und brummten ihm eine Zeitstrafe auf. Linkshänder Lukas Sandell brachte die Löwen vor der Pause noch mit 16:11 in Front.
Eisenach stärker, Spikic läuft zu Höchstform auf: Halbzeit zwei
Schon fünf Minuten nach der Pause hatten die Eisenacher den Löwen-Vorsprung wieder auf drei Tore eingedampft, Felix Aellen war nach Stephan-Seitz-Anspiel frei in der Mitte und konnte zum 17:14 an den Kreis marschieren. Um aber auf zwei Treffer ranzukommen, brauchten die Eisenacher einige Anläufe. Spikic parierte beim Stand von 18:15, Attenhofer vergab im Alleingang gegen Späth. Zwei Löwen-Würfe geblockt und einen weiteren pariert, traf Seitz auf der Gegenseite nur den Pfosten. Doch noch einmal machte Spikic sich groß und hielt gegen den freigespielten Timmermeister, Oskar Joelsson konnte die Eisenacher Chance zum 18:16 aus dem linken Rückraum dann nutzen. Er brachte den ThSV mit einem gewaltigen Wurf auch auf 19:17 ran.
In der Folge des 20:18 durch Peter Walz im Tempogegenstoß erstarkten allerdings die Mannheimer wieder, zwangen die Eisenacher zu teils leichten Ballverlusten und erhöhten offensiv die Schlagzahl. Einen Siebenmeter gegen Silvio Heinevetter sowie je ein Tor Aspenbäcks, Baijens‘ und Jaganjacs später stand es 24:18, gut elf Minuten vor Schluss. Eine Auszeit Sebastian Hinzes trug Früchte: Felix Aellen verkürzte nach Toren von Stephan Seitz und Timmy Reichmuth auf 24:21. Doch der Bock, den die Gäste verzweifelt umzustoßen versuchten, blieb an diesem Abend stehen.
Noch einmal kam Eisenach nicht auf zwei oder weniger Tore ran, der offene Schlagabtausch, den die zweite Halbzeit darstellte, konnte die nicht zufriedenstellende Leistung des ersten Durchgangs nicht mehr kaschieren. Drei Minuten vor Schluss traf Groetzki von Rechtsaußen zum 28:24 und machte damit den Deckel drauf auf eine Partie, die sich der ThSV mit etwas mehr Geschick zu Beginn durchaus schmackhafter hätte machen können. Mit der Schlusssirene traf Felix Aellen zum Endstand von 31:28 zugunsten der Rhein-Neckar Löwen, die damit ihren dritten Saisonsieg einfuhren und ihre gute Form aus den ersten Spielen bestätigen konnten.
„So baust du den Gegner schnell wieder auf“ – Fazit
„Aufgrund der ersten Halbzeit ist das ein verdienter Sieg für die Löwen. Mit der bin ich sehr unzufrieden“, erklärte ThSV-Trainer Sebastian Hinze nach dem Spiel. „Wir haben es nicht geschafft, die nötige Sturheit ins Angriffsspiel zu bringen. Wir vergeben auch Siebenmeter und freie Bälle, aber in der Summe waren viele Kleinigkeiten das Problem. In Halbzeit zwei haben wir mit hoher Intensität, mit viel Breite agiert, und gesehen, dass wir so Lösungen finden. Da spielen wir ein starkes Tempospiel und verteidigen gut mit Felix im Innenblock. Unser 7-gegen-6 kriegen die Löwen sehr gut verteidigt. Insgesamt eine gute zweite Halbzeit mit viel Druck auf den Gegner, mit der ersten Halbzeit sind wir alles andere als zufrieden.“
Löwen-Coach Maik Machulla stimmte wenig überraschend glücklichere Töne an: „Gerade mit der ersten Halbzeit bin ich sehr zufrieden, da hatten wir eine unglaubliche Präsenz. Nach ein paar Wechseln hat mir nicht gefallen, dass wir etwas nachgelassen haben, da lassen wir Eisenach auf drei Tore ran. Im zweiten Durchgang ist das ein Spiel auf Augenhöhe, das war intensiv und zweikampflastig. Hier haben wir unsere Geduld im Angriffsspiel verloren und zu viele Fehler gemacht. Aber Eisenach hat es dann auch gut gemacht, man spürt, dass sie diese Lust haben, dem Gegner das Leben so schwer wie möglich zu machen.“
Eisenachs Abwehrchef Philipp Meyer hob nach der Partie besonders seinen Schlussmann hervor: „Wir hatten mit Matija heute eine überragende Torwartleistung. Wenn du die hast, musst du alles dafür tun, auch mit zwei Punkten heimzugehen. Wir haben uns heute, gerade in der ersten Halbzeit, nicht an das halten können, was wir uns vorgenommen hatten. Wenn wir mal die Chance hatten, ranzukommen, haben wir meist überhastete und leichtsinnige Fehler gemacht. So baust du den Gegner schnell wieder auf.“
Beim nächsten Spiel haben Meyer und seine Teamkollegen wieder die heimische Werner-Aßmann-Halle hinter sich. Am kommenden Samstag empfängt der ThSV die HSG Wetzlar in Eisenach. Ab 19 Uhr haben die Wartburgstädter dann die Chance, ihren zweiten Saisonsieg einzufahren.
J. Gante
Weitere Stimmen aus dem Lager des ThSV Eisenach
Rene Witte (Geschäftsführer des ThSV Eisenach):
Rückblickend, wir haben die ersten 20 Minuten verschlafen, haben vier sogenannte Hundertprozentige ausgelassen, uns unterlaufen 4 oder 5 technische Fehler. Wir hätten zur Halbzeit führen können, gehen aber mit einem 5-Tore-Rückstand in die Pause. In der zweiten Halbzeit machen wir vieles richtig, verkürzen bis auf zwei Treffer. Unsere Abwehr mit einem 17 Bälle abwehrenden Matija Spikic, was einer Fangquote von 38 Prozent entspricht, steht gut, unser Angriffsspiel läuft gut, doch wir können den Bock nicht mehr umstoßen. Wir haben wieder Punkte liegen gelassen. Über 60 Minuten war es ähnlich wie gegen Melsungen, da waren es die letzten 20 Minuten, in Mannheim die ersten 20 Minuten. Das ist bitter. Nun konzentrieren wir uns auf das Heimspiel gegen die HSG Wetzlar am kommenden Samstag.
Vincent Büchner (ThSV Eisenach, Linksaußen-Spieler):
„Wir sind schlecht ins Spiel gestartet, haben nicht das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Nach dem Seitenwechsel präsentieren wir uns deutlich besser, verkürzen bis auf zwei Treffer, schaffen den Gleichstand aber nicht. Wir kassieren einfache Tore, weil uns zu viele einfache Fehler unterlaufen. Leider lassen wir erneut Siebenmeter aus. Unterm Strich, gute und weniger gute Szene wechselten sich ab. Wir müssen und werden auch aus dieser Partie lernen.
Moritz Ende (ThSV Eisenach, Rechtsaußen-Spieler):
Wir sind selbst schuld an dieser Niederlage. Die erste Halbzeit war geprägt von Unkonzentriertheiten, von dummen Fehlern. Der Focus war vom gesamten Team nicht ausreichend. Uns fehlten Focus und Gier. Von kleinen Fehlern haben wir uns ablenken lassen. Ganz anders die zweite Halbzeit mit Tempospiel, strukturierten in die Tiefe gehenden Angriffsaktionen, gute Abwehr in Verbindung mit einem starken Torhüter. Wir waren drauf und dran, den 5-Tore-Rückstand aufzuholen. Wenn wir in der ersten so wie in der 2. Halbzeit aufgespielt hätten, die Chance zu punkten wäre da gewesen.
Th. Levknecht
Statistik: Rhein-Neckar Löwen – THSV Eisenach 31:28 (16:11)
R-N Löwen: Jensen, Späth (10/2P); Rohde Larson 2, Timmermeister 1, Nothdurft 5/3, Jacobsen, Sandell 3, Heymann, Steenaerts, More, Groetzki 4, Thrastarson, Jaganjac 1, Baijens 5, Aspenbäck 6, Kohlbacher 4
ThSV Eisenach: Spikic (17P), Heinevetter, Joelsson 5, Reichmuth 1, Beneke 1/1, Hangstein, Attenhofer 1, Walz 3, Ende, Aellen 6, Meyer 3, Antonijevic, Seitz 7, Kurch, Büchner 1, Leu
Siebenmeter
Rhein-Neckar Löwen: 3/3
ThSV Eisenach: 1/4
Zeitstrafen
Rhein-Neckar Löwen 2 x 2 Min.
ThSV Eisenach: 5 x 2 Min.
Schiedsrichter: Baumgart/Dinges
Zuschauer: 5.439 in der SAP Arena Mannheim
