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 | Bildquelle: sportfotoseisenach (Frank Arnold)

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Bildquelle: sportfotoseisenach (Frank Arnold)

Der erste Ball muss möglichst im Netz zappeln

Weimarer Moritz Bewie will beim ThSV Eisenach durchstarten/
Leistungssport und berufliche Ausbildung erfordern den ganzen Kerl

Der ThSV Eisenach, nach wie vor die Nummer 1 im Thüringer Männer-Handball, hatte Moritz Bewie, den torgefährlichen linken Rückraumspieler im Nachwuchs des HSV Weimar, schon seit einigen Jahren auf dem Zettel. Christian Roch, bis zum Vorjahr Jugendkoordinator unter der Wartburg (jetzt Landestrainer), wollte den Blondschopf für das Eisenacher Jugendprojekt gewinnen, Handball unter leistungssportlichen Kriterien, einhergehend mit schulischer Ausbildung. Die Eltern beharrten auf ihrer (verständlichen) Auffassung, der Filius möge erst seine Schule abschließen, bevor es zu einem Vereinswechsel kommt. Ex-Nationalspieler Dirk Schnell übernahm im Vorjahr, gemeinsam mit Detlef Henkel, dem ehemaligen Erstligakapitän von Motor Eisenach, neben der C- auch die B-Jugend des ThSV Eisenach. Das Werben um Moritz Bewie wurde intensiviert. Ebenso stieg das Interesse von Moritz Bewie selbst. Schließlich hat er einen Traum: Profi-Handballer.

Engagierte Eltern als Chauffeure
Mit Beginn der Saison 2017/2018 trug der heute 1,90 Meter große und 82 Kilo auf die Waage bringende junge Rückraumspieler das Trikot des ThSV Eisenach. Nicht selten gab es Doppelschichten am Wochenende, spielte er doch für die B- und auch die A-Jugend. Seine Eltern fahren ihn drei Mal, manchmal vier Mal in der Woche, von Weimar nach Eisenach zum Training und am Wochenende zum Punktspiel. Judith und Georg Bewie chauffierten ihren Sohn seitdem über 40.000 Kilometer. In der Pestalozzi-Regelschule in Weimar hat er gerade die 10. Klasse erfolgreich abgeschlossen. Die Abschlussfeier fand in der Vorwoche statt.

Kein Zuckerschlecken: Leistungsorientierter Handball und Berufsausbildung
Und doch hätte es mit einem Umzug nach Eisenach fast nicht geklappt. Das Potential des Moritz Bewie hatte sich über die Landesgrenzen herumgesprochen. Der TBV Lemgo streckte seine Fühler aus, lud den Weimarer Jungen in sein Nachwuchsleistungszentrum mit Internat ein. Alles Spitze! Der Renommierverein wurde bei der Suche nach dem gewünschten Ausbildungsplatz jedoch nicht fündig. Der ThSV Eisenach besitzt einen breitgefächerten Sponsorenpool. Viele Firmen der Region sehen im ThSV Eisenach einen vortrefflichen Werbepartner, unterstützen die Nachwuchsarbeit. Der handballbegeisterte Amigo Kaufmann, Chef vom „Amigo Kaufmann-Schwimmbadservice“ in Schwarzhausen (Landkreis Gotha) wird der Ausbildungsbetrieb von Moritz Bewie zum Fachangestellten für Bäderbetrieb. Inbegriffen in die 3-jährige Ausbildung ist theoretische Unterricht in Blockform an einer Berufsschule in Chemnitz. Dann bezieht er in Chemnitz Quartier, trainiert abends bei einem Chemnitzer Handballverein mit. Ansonsten hat er sein Quartier in Eisenach. Im neuen modernen Lehrlingswohnheim der Stadt hat der ThSV Eisenach einige Zimmer belegt. Das ehemalige vereinseigene Internat und die Wohngruppe wurden geschlossen. An einem der Einzelzimmer im ThSV-Trakt des Lehrlingswohnheimes prangt ab August der Name Moritz Bewie. Doch das wird alles andere als ein Zuckerschlecken! Der Tag beginnt dann schon vor 5.00 Uhr. Um 5.15 Uhr fährt der Stadtbus zum Busbahnhof. Dann geht es mit dem Überlandbus und Umsteiger in Seebach nach Schwarzhausen. „Im Sommer versuche ich mit dem Moped zu fahren“, erklärt Moritz Bewie. Er will es schaffen, den Spagat zwischen beruflicher Ausbildung und Leistungshandball. Simon Ernst vom VfL Gummersbach imponiert ihm am meisten. Was die Abwehrarbeit betrifft, da ist Oliver Roggisch das Maß aller Dinge.

Ballschule Weimar war der Ausgangspunkt
Moritz Bewie kam im Alter von 5 Jahren zur Ballschule in Weimar. „Wir wünschten eine Mannschaftssportart“, bekennen die Eltern. Die Mannschaftssportart Handball hat es ihrem Sohn angetan. Peter Arndt war der erste Übungsleiter. Mit dem HSV Weimar wurde Moritz Bewie Thüringenmeister im D-Jugend-Bereich, Vizelandesmeister der C- Jugend und gehörte 5 Jahre zur Thüringer Landesauswahl. Sicherlich auch aufgrund seiner Größe, die inzwischen alle Wachsprognosen überschritten hat, besetzt der Rechtshänder nahezu von Beginn den linken Rückraum, kommt aber auch im rechten Rückraum zurecht. „Der erst Ball muss sitzen, dann läuft es“, bekennt Moritz Bewie. Würfe aus dem Fernwurfbereich und das Zweikampfverhalten nennt er als seine Stärken. Abwehrarbeit, von vielen ungeliebt, mache ihm Spaß. In punkto Selbstvertrauen will er noch zulegen. „Ich muss mir mehr zutrauen“, bekennt der junge Rückraumspieler (geb. 22.04.2002). In der Vorsaison wurde er mit dem ThSV Eisenach Vizelandesmeister der B- und auch der A-Jugend. Er trägt am liebsten die Nummer 9. Zu DDR-Erstligazeiten lief Lutz Sinke, einer der besten Eisenacher Linkshänder, mit dieser Nummer auf. Der einstige Eisenacher Leitwolf Matthias Allonge trug die Nummer 9. Seit vielen Jahren ist sie in Besitz von Daniel Luther, der gerade in sein 21. Jahr beim ThSV Eisenach geht. Daniel Luther spielt im linken Rückraum. Vielleicht beerbt ihn Moritz Bewie?

Riesige Herausforderung: Mitteldeutsche Oberliga
In der kommenden Saison geht der ThSV Eisenach – nach einjähriger Pause – wieder in der Mitteldeutschen Oberliga der B-Jugend an den Start. Im Jahr 2014 eroberten die ThSV-Talente den Titel des Mitteldeutsachen Meisters der männlichen Jugend B. Vor dem SC Magdeburg und dem SC DHfK Leipzig! Jetzt schwimmen die 15/16-jährigen Eisenacher mit Moritz Bewie im Rückraum wieder in diesem Handballbecken, mit den Großen wie dem SC Magdeburg, dem SC DHfK Leipzig, BSV Magdeburg und der NSG EHV/Nickelhütte Aue, aber auch mit den Thüringer Teams des SV Town & Country Behringen/Sonneborn und HSV Apolda, die erstmals für diese Spielklasse meldeten. „Es wird schwer, auch weil wir nur einen ganz kleinen Kader haben“, weiß ThSV-Coach Dirk Schnell. Kann er seinen Ehrgeiz auf seine Schützlinge übertragen, im Training und im Wettkampf, dürfte es zu einigen Punkten reichen. Moritz Bewie freut sich auf dieses Abenteuer. Seine Eltern werden sicherlich erneut viele Autobahn-Kilometer auf dem Tacho haben, um ihren Sprössling in den Punktspielen der Mitteldeutschen Oberliga zu sehen….

Steffen E. | | Quelle:

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