„Der Klassenerhalt genießt oberste Priorität!“

Bildquelle: Rene Witte nach dem Heimsieg über GWD Minden – sportfotoseisenach

Nachgefragt bei Rene Witte, Geschäftsführer des ThSV Eisenach

Vor der Wiederaufnahme der Punktspiele in der DAKIN Handballbundesliga sprachen wir mit Rene Witte, dem Geschäftsführer des ThSV Eisenach.

Die EM ist vorbei. Die deutsche Nationalmannschaft holte Silber, nahezu 13 Millionen Menschen sahen das Endspiel im ZDF, was einem Marktanteil von über 50 Prozent entspricht. Hinzu kommen noch jene Handballfans, die über DYN dabei waren. Wir ordnen Sie das ein?

Wir können stolz auf unsere Nationalmannschaft sein, stolz auf das, was sie geleistet hat. Sie hat Silber gewonnen, nicht Gold verloren, auch wenn man im Finale steht und gern gewonnen hätte. Die EM hat gezeigt, unsere Auswahl ist näher an Dänemark herangerückt, kann in der Weltspitze mithalten. Und das mit einer jungen Truppe. Das ist herausragend! Nahezu 13 Millionen Menschen bei den Öffentlich- Rechtlichen sowie zusätzlich ganz viele bei unserem Haussender DYN. Unsere Sportart erhöht ihre Ausstrahlungskraft. Aufgabe der Proficlubs ist es, das Produkt Handball bei DYN zu bewerben, damit viele Abbos abgeschlossen werden. Das DYN-Team um Christian Seifert leistet hervorragende Arbeit. Wir als Handballclub sind gefragt, noch mehr Werbung für dieses Produkt zu machen. Die Einnahmen von DYN kommen schließlich uns zugute.

Die DAIKIN Handballbundesliga startet nun in Teil 2 der Punktspielsaison 2025/2026. Der ThSV Eisenach rangiert mit 13 Pluspunkten auf dem 13. Tabellenplatz. Vor der Saison stuften viele Experten Ihre Mannschaft nach personellen Veränderungen im Sommer als heißen Abstiegskanditen ein. Was sprach dafür, dass es ganz anders kam?

Wir wurden als Abstiegskandidat Nummer 1 gehandelt. Wir haben von Beginn an unser Team, unsere Spieler und unseren Trainer geglaubt. Ich bin sehr froh, dass es funktioniert hat. Sebastian Hinze und das gesamte Team leisten sehr gute Arbeit. Ich freue mich, das jeden Tag sehen zu können, zu beobachten, wie sich das Team Stück für Stück weiterentwickelt. Ich warne aber davor, dass wir schon durch sind appelliere an alle, Mannschaft und Umfeld, auch wenn bei uns 13 Zähler auf der Habenseite stehen, klar im Kopf zu bleiben. Nach der EM-Pause fangen wir bei Null an.

Alle 13 Punkte wurden im heimischen Wohnzimmer, der Werner- Aßmann-Halle, geholt. Woran hapert es auswärts noch?

Wir bestreiten die Saison mit einer neuen und jungen Mannschaft. Oftmals entscheiden in dieser Liga nur Kleinigkeiten über Sieg und Niederlage, über Punke. Auswärts können wir noch nicht alles abrufen. In heimischer Halle, mit der Unterstützung unserer Fans, klappt das besser. Wir sind eben noch nicht so weit. Ich darf erinnern, auch im ersten Jahr 1. Liga brauchten wir Zeit für Auswärtspunkte. Unsere junge Mannschaft durchlebt einen Entwicklungsprozess. Wir wissen, wir brauchen Auswärtszähler, um unser großes Ziel Klassenerhalt zu schaffen. Festzustellen gilt aber auch, der Unterschied zwischen Heim- und Auswärtsauftritten ist auch bei renommierten Mannschaften auszumachen.

ThSV-Coach Sebastian Hinze mit Neuzugang Dominik Solak – Foto: ElAntaki

Der ThSV Eisenach vermeldete personelle Veränderungen. Neu im Team steht der tschechische Nationalspieler Dominik Solak. Was erwarten Sie vom 1,98 Meter großen Rückraum-Linken?

Ich freue mich, dass es geglückt ist, Dominik Solak für den ThSV Eisenach zu verpflichten. Bereits im August war der Deal perfekt, dass er nach der EM zu uns stößt. Bei der EM hat er gezeigt, welch Potential in ihm steckt. Bei seinem Heimatverein, ja in gesamt Tschechien, hat er den Status eines „Volkshelden“. Wir können uns überglücklich schätzen, ihn nun im Trikot des ThSV Eisenach zu sehen. Wir werden die nächsten 2 ½ Jahre ganz viel Freude an Dominik Solak haben. Uns muss aber auch bewusst sein, für ihn ist die Handballbundesliga völliges Neuland. Er braucht Eingewöhnungszeit. Wir dürfen nicht ungeduldig werden. Er muss in unser Team hineinfinden, unser System und die DNA ThSV Eisenach verinnerlichen. Das ist ein Prozess, der etwas Zeit braucht.

Der für den Sommer anvisierte Wechsel von Fynn Hangstein zum Bergischen HC wurde vorgezogen, der Rückraumspieler wechselte nun bereits im Januar zum Aufsteiger…?

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Sein Vertrag würde im Sommer auslaufen. Wir haben uns lange überlegt, ihn zu verlängern. Wir haben das offene Gespräch gesucht. Fynn hat sich dafür entschieden, einen neuen Weg zu gehen, sich nach der Saison einer neuen Aufgabe beim Bergischen HC zu stellen. Die Verantwortlichen des Bergischen HC sind mit der Frage an uns herangetreten, diesen Wechsel schon in der Winterpause zu vollziehen. Nach ausgiebiger Abwägung haben wir der Anfrage des BHC entsprochen, die Ablösemodalitäten geklärt. Vukasin Antonijevic wird mehr Spielanteile bekommen, Aleksandar Capric wird wahrscheinlich Ende März auf das Parkett zurückkehren. Mit Dominik Solak steht ein neuer Spieler in unseren Reihen. Wir danken Fynn Hangstein für seine Leistungen, für sein Engagement in seinen beiden Perioden beim ThSV Eisenach. Er war Teil unserer jüngsten Erfolgsgeschichte, hat sie mitgeprägt! Ihn begleiten unsere besten Wünsche auf seinem weiteren Lebensweg!

Bis zum 07. Juni 2026, dem letzten Spieltag, stehen 15 Punktspiele an. Was erwarten, was erhoffen Sie sich von Ihrer Mannschaft?

Ich erwarte, dass sie mit der gleichen Leidenschaft wie während des ersten Teiles der Saison in das tägliche Training geht, sie sich weiterentwickelt. Ich hoffe, das junge Team wächst, holt im Ligaalltag die für den Klassenerhalt nötigen Punkte. Wir werden von nichts anderem, als den Klassenerhalt reden. Der hat oberste Priorität. Wir wollen Fans und Sponsoren glücklich machen, damit sie auch nächstes Jahr Punktspiele in der stärksten Liga der Welt in Eisenach sehen können.

In heimischer Halle wurden bisher 13 Pluszähler bejubelt – Foto: Ch. Heilwagen

Wie sieht es auf dem wirtschaftlichen Sektor aus?

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist sehr angespannt. Das weiß jeder. Die Zahl der Arbeitslosen ist hoch, hoch ist leider auch die Zahl der Firmenpleiten. Das geht auch am ThSV Eisenach nicht spurlos vorbei. Der Etat für die nächste Saison wird sich kaum erhöhen, eher verringern. Wir hoffen, die gerade vermeldete leichte Erholung der deutschen Wirtschaft setzt sich fort.

Wie ist der aktuelle Stand bei der Wartburg-Arena, der künftigen Heimspielstätte des ThSV Eisenach?

Der Eisenacher Stadtrat hatte mit übergroßer Zustimmung alle Wege für den Bau der Multifunktionsarena freigemacht. Der Bund und das Land Thüringen unterstützen mit großen Zuwendungen. Aus verschiedenen Fördertöpfen kommen weitere Mittel. Die Stadt Eisenach selbst leistet einen großen Beitrag für dieses Großprojekt in einem Industriedenkmal auf dem Gelände des ehemaligen Automobilwerkes, in dem einst der erste BMW vom Band rollte, zu DDR-Zeiten der „Wartburg“ hergestellt wurde. Eigentlich sollte der Baustart Ende Januar erfolgen, doch aufgrund des Winterwetters verzögert sich dieser um zwei Wochen. Wir schauen gespannt und zugleich hoffnungsvoll auf den Fortgang der Arbeiten für die die Wartburg-Arena.

ThSV-Kapitän Peter Walz beim Torwurf – Foto: G. Frömberg

Sie arbeiten sicher schon an der Mannschaft der Saison 2026/2027? Philipp Meyer (zum TVB Stuttgart), Max Benecke (zu Frisch Auf Göppingen) und Timothy Reichmuth (zurück in die Schweiz) verlassen die Wartburgstadt.

Richtig, wir arbeiten intensiv an der personellen Zusammensetzung unserer Mannschaft für die nächste Saison. Wir werden eine gute und schlagkräftige Truppe zusammenstellen. Eile ist nicht geboten. Wir führen viele Gespräche.

Rene Witte, vielen Dank für das umfangreiche Interview.

Thomas Levknecht