Der Klassenerhalt ist ein Marathon

Nachgefragt bei Rene Witte, Geschäftsführer des ThSV Eisenach 

Der ThSV Eisenach rückt dem Punktspielstart in der 1. Handballbundesliga der Männer näher. Wir sprachen mit Rene Witte, dem Geschäftsführer des Thüringer Traditionsvereines: 

Ihre Mannschaft vermeldet einen kolossalen personellen Umbruch, der eigentlich so nicht gewollt war?

Fürwahr, ein sehr großer Umbruch. Aus den unterschiedlichsten Gründen, zu denen ich mich nicht weiter äußern möchte. Wir schauen nach vorn. Wir haben eine gute schlagkräftige Truppe, die das Unternehmen Klassenerhalt angeht. Mit dem kleinsten Etat kämpfen wir um den Klassenerhalt in der stärksten Liga der Welt. 

Wie sollen die Abgänge kompensiert werden, insbesondere des 300-Tore-Mannes Marko Grgic?

Von einem Einzelspieler nicht. Wir wollen das in der Gruppe lösen. In den vergangenen Jahren spielten mit Fynn Hangstein und Manuel Zehnder auch die Top-Torjäger der jeweiligen Liga in unseren Reihen, deren Weggänge wir kompensiert haben. Das wollen wir auch jetzt. In der vergangenen Saison war das ganze Konzept auf Marko Grgic abgestellt, jetzt haben wir einen neuen Trainer mit neuem Konzept und anderen Möglichkeiten. 

sportfotoseisenach – Geschäftsführer Rene Witte, Gesellschaftersprecher und Co-Hauptsponsor Günter Oßwald, Ralf Weber vom Hauptsponsor MANTOS Int. Food GmbH

Das gute Vorjahresergebnis dürfte nur ganz schwer zu wiederholen sein. Mit welchen Vorstellungen gehen Sie in die neue Saison?

Für uns steht an oberster Stelle der Klassenerhalt. Diesem Ziel werden wir alles unterordnen. Über andere Ziele machen wir uns keine Gedanken. Das wäre Utopie. 

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Mit dem Trainerwechsel wird sich auch die Art des Handballs verändern?

Mit Sebastian Hinze konnten wir einen erfahrenen Trainer gewinnen, der mit seinen bisherigen Mannschaften erfolgreich gearbeitet hat. Ich bin mir sicher, er wird bei uns eine Mannschaft aufbauen, die unsere Werte wie Kampfgeist und Emotionen auf die Platte bringt. Sebastian Hinze identifiziert sich hundertprozentig mit unserer DNA. Sie wird die Grundlage zum Klassenerhalt bilden. 

Das gute Vorjahresergebnis löste einen Run auf Dauerkarten aus, damit verbunden aber auch eine hohe Erwartungshaltung des Umfeldes? 

Mit knapp 1.850 Dauerkarten können wir einen neuen Rekord vermelden. Wir sind damit näher am Limit als je zuvor. Ich kann die Erwartungshaltung um Umfeld verstehen, auch wenn es keiner hören will, unser Ziel ist es, unseren Klub in der Bundesliga zu etablieren, jedes Jahr als oberstes Ziel den Klassenerhalt auszugeben. Schauen wir auf die Konkurrenz, mit deren finanziellen Möglichkeiten, heißt es für uns demütig und geduldig zu sein. Euphorie ist schön, doch der Klassenerhalt steht als realistisches Ziel. Und das wird ein Marathon! Wichtig, wieder zu Ruhe in unseren eigenen Reihen zurückzukehren. Geräusche von innen und außen dürfen unseren Weg zum Klassenerhalt nicht beeinträchtigen. 

sportfotoseisenach – Die Rückraum-Rechten Alexander Saul (li.) und Stephan Seitz während der Saisoneröffnung auf der Wartburg

Welchen Spielern trauen Sie eine besondere Rolle zu?

Trotz seiner jungen Jahre ist Felix Aellen ein besonderer Führungsspieler mit der besonderen Gabe, Vorgaben und Punkte des Trainers umzusetzen. Er ist ein unfassbarer Teamplayer, der alle mit einbezieht. Er verfügt über ein sehr großes Potential, das uns von ihm noch viel erwarten lässt. 

Wie sieht es wirtschaftlich aus für das 3. Jahr in Folge 1. Liga? 

Unsere wirtschaftliche Lage bezeichne ich als stabil. Im Rahmen unserer Möglichkeiten haben wir alles getan, um einen Etat aufzustellen, der es uns gestattet, die Klasse zu halten. Wir sind weiter dabei, unsere Infrastruktur auszubauen, haben einen Physiotherapeutenraum und einen Videoanalyse-Raum geschaffen, sind dabei, einen eigenen Kraftraum aufzubauen. Auch auf dem strukturellen Gebiet entwickeln wir uns Stück für Stück weiter. 

Th. Levknecht

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