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Der Systemwechsel in der Abwehr bildete die Grundlage für die Trendwende

ThSV Eisenach steht wieder im Trainingsbetrieb • Manager Rene Witte spricht in der Rück- und Vorausschau über Sportliches und Wirtschaftliches

Der Punktspielbetrieb in den Handballbundesligen der Männer ruht aufgrund der Europameisterschaft. Die Fans hierzuladen fiebern mit der neuformierten deutschen Nationalmannschaft, freuen sich über deren 33:29-Auftaktsieg gegen Weißrussland, schauen zugleich auf die Spieler „ihrer Vereine“, die in anderen Auswahlmannschaften bei der Europameisterschaft am Ball sind. Die Teams der 1. und 2. Handballbundesliga bereiten sich – natürlich ohne ihre zur EM weilenden Akteure – unterdessen auf die Punktspiel- Rückrunde vor. Auch Zweitbundesligist ThSV Eisenach hat wieder das Mannschaftstraining aufgenommen. Nicht dabei, die zur EM weilenden Daniel Dicker (Österreich) und Martin Potisk (Slowakei).

Rück- und vorausschauend sprachen wir mit Rene Witte, dem Manager der Wartburgstädter:
Sie wechselten frühzeitig, Mitte Oktober, den Trainer. Misha Kaufmann löste Markus Murfuni ab. Erfüllten sich mit dieser Veränderung Ihre Hoffnungen und Erwartungen?
Grundsätzlich wollten wir den Trainer nicht wechseln, doch nach einer guten Saisonvorbereitung ist die Mannschaft leider in alte Verhaltensmuster zurückgefallen. Der Punktspielauftakt mit 2:10 Zählern veranlasste uns zum Handeln. Die Liga ist sehr ausgeglichen, wir wollten nicht monatelang auf Abstiegsplätzen verweilen, entschieden uns für einen Wechsel auf dem Trainerstuhl. Die danach erreichte Punkteausbeute spricht für die Richtigkeit dieses Schrittes.

Ihre Mannschaft überquerte mit 15:17 Punkten auf Tabellenplatz 12, bei drei Spielen weniger als etliche Konkurrenten, die Schwelle zum Kalenderjahr 2022. Wie sind Sie mit dieser Bilanz zufrieden?
Angesichts des Fehlstartes mit 2:10 Punkten und der aufgrund von Corona-Fällen noch nicht absolvierten drei Hinrunden-Spiele können wir mit 15:17 Punkten zufrieden sein. Doch ich mahne zur Vorsicht, denn diese Bilanz täuscht in allen Ebenen. Warum? Die Ausgeglichenheit der Liga hatte ich bereits erwähnt; das beinhaltet, in dieser Liga ist nichts planbar, jeder kann jeden schlagen. Wenn wir die noch ausstehenden drei Spiele gewinnen, rangieren wir im Tabellen-Vorderfeld, verlieren wir diese drei Partien, hängen wir wieder im Abstiegskampf. Diese Aspekte gilt es unbedingt im Blick zu behalten! Insgesamt sehe ich uns auf einem guten Weg.

Aus sportlicher Perspektive: Was läuft gut, wo sehen Sie noch Reserven?
Überraschend gut, wie unsere Mannschaft in Kürze den Systemwechsel in der Abwehr umgesetzt hat, der den Grundstein für die Punkteausbeute nach der Amtsübernahme durch Misha Kaufmann legte. Unsere Spieler haben die große Herausforderung dieser neuen Abwehrarbeit gut umgesetzt. Reserven sehe ich in der individuellen Abwehrarbeit, im Zweikampfbereich, aber auch auf der Torwartposition, wo wir kontinuierlich gute Leistungen brauchen. Enge Spiele konnten wir nicht optimal beenden. Ich denke da an den Pfostenwurf in letzter Sekunde beim Remis gegen Erstbundesliga-Absteiger Die Eulen Ludwigshafen. Komplett-Aussetzer, wie am letzten Spieltag des Kalenderjahres bei den Rimpar Wölfen, sollten wir unbedingt vermeiden.

Ihr Team hat 16 von 38 Spielen absolviert. Wo soll der Weg hingehen?
Nach den bereits erwähnten 2:10-Saisonauftakt-Punkten haben wir 13:7 Punkte geholt. Eine Tendenz, eine positive, ist erkennbar. Was ist unser Ziel für die Spiele bis zum Saisonende? Konstant unsere Leistung abrufen, dann haben wir die Möglichkeit noch viele Punkte einzusammeln.

Einige Spielerverträge laufen im Sommer aus. Der von Linkshänder Alexander Saul wurde kürzlich um drei weitere Jahre verlängert. Wie sieht es im Bereich „Personelles“ aus?
Wie in diesem Zeitraum üblich, befinden wir uns in Gesprächen mit Spielern, deren Verträge auslaufen. Gleichzeitig schauen wir uns intensiv auf dem Spielermarkt nach Verstärkungen um. Dabei spielen nicht nur sportliche, sondern auch wirtschaftliche Aspekte eine ganz wichtige Rolle. Letzteres lassen wir insbesondere unter Corona-Bedingungen in allen unseren tagtäglichen Gesprächen mit Nachdruck einfließen. Sportlich basteln wir weiterhin an einer potenziell sehr guten Mannschaft, die uns mittelfristig den Weg nach oben öffnet. Festzustellen bleibt, unser Scouting der letzten 1 ½ Jahre mit unseren Neuverpflichtungen, dieser eingeschlagene Weg ist nicht der schlechteste…

Die sportliche Entwicklung dürfte Ihnen weniger Sorgen machen als die wirtschaftliche, angesichts der behördlich verordneten Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Viren mit zunächst begrenzten Zuschauerzahlen und nun Geisterspielen im Thüringer Handballtempel. Fehlende Einnahmen aus Zuschauertickets und Catering reißen ein tiefes Loch. Sie sind Manager des ThSV Eisenach, aber auch die Lokomotive in der Initiative Team Sport Thüringen mit den Profi-Sport-Teams des Landes, die zugleich als Botschafter des Freistaates im gesamten Bundesgebiet und darüber hinaus unterwegs sind, die dringend finanzielle Unterstützung brauchen, um zu überleben. Sie sind in stetigem Kontakt mit den Landesbehörden. Wie lässt sich die aktuelle Situation beschreiben?
Bundes- und Landesregierung haben uns betreffende Maßnahmen mit zunehmend erschwerenden Auflagen getroffen. Anfangs durften wir Zuschauer in begrenzter Zahl unter strengen Hygiene-Regeln (u.a. zunächst 2 G, dann 2 G plus., mit Maske auch am Sitzplatz) in die Halle lassen. Die Zuschauerzahl wurde dann auf 500 reduziert und zuletzt gab es leider Geisterspiele. Wir hatten viel Zeit und Geld in Hygienekonzepte investiert. Uns fehlen die Einnahmen aus dem Ticketverkauf, Catering, Merchandising, After-Show-Party. Der ThSV Eisenach akquiriert 40 Prozent seiner Einnahmen aus diesen Bereichen! Die von der Bundes- und Landesregierung beschlossenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Viren kann ich verstehen und respektiere sie auch, sie gleichen für uns als Verein einem Berufsverbot. Wir, die in der Initiative Team Sport Thüringen organisierten Profi-Vereine, Botschafter unseres schönen Thüringens, brauchen Unterstützung, um zu überleben! Ich kenne die Schwierigkeiten bei einem noch nicht beschlossenen Landeshaushalt, der wohl auch nicht vor März durch den Thüringer Landtag geht, doch ich bitte eindringlich unsere Landesregierung, Zwischenschritte einzubauen, damit wir weiter existieren können. Mit dem Wir meine ich alle Vereine der Initiative Team Sport Thüringen. Wir sind in ständigem Kontakt mit den Landesbehörden, versuchen gemeinschaftliche Lösungen zu erarbeiten. Wenn wir uns in diesen Tagen umschauen, die Politik wird oft für ihre getroffenen Maßnahmen abgestraft. Ich möchte betonen, wir haben auf allen Ebenen gesprächsbereite Partner mit offenen Ohren gefunden. Da sind unsere Landesregierung mit Minister Helmut Holter, unsere Landtagsabgeordneten Raymond Walk (CDU) und Sascha Bilay (Die Linke), unsere Oberbürgermeisterin Katja Wolf sowie Stadtrats- und Kreistagsmitglied Michael Klostermann (SPD) zu nennen, die uns stets mit Rat und Tat zur Seite stehen, die versuchen, uns als ThSV Eisenach und damit auch allen in der Initiative Team Sport Thüringen organisierten Vereinen zu helfen, um uns am Leben zu erhalten. Die Vereine sind der Kit unserer Gesellschaft. Wir Profisportvereine versuchen, den Menschen unseres Landes in schweren Zeiten Freude zu bringen. Spitzensport in Thüringen hat nach Innen und nach Außen einen eminent hohen Stellenwert! Menschen zeigen und sagen, wie stolz sie Fan des Traditionsvereines ThSV Eisenach sind. Wir bringen den Menschen hierzulande in schweren Zeiten auch ein Stück Durchhaltekraft. Ich bitte Politik und Wirtschaft, uns zu helfen!

Th. Levknecht

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