Der ThSV Eisenach knackt die 20-Punkte-Marke

Wartburgstädter brillieren beim 33:28 (17:14) über den TVB Stuttgart und sind dem Klassenerhalt ganz nahe

Bildquelle: © Ch. Heilwagen / ThSV Eisenach
ThSV-Kapitän Peter Walz lässt sich nicht stoppen.

Standing ovations bereits während der Auszeiten, lange vor dem Abpfiff schallte „Oh, wie ist das schön“ durch die Werner-Aßmann-Halle. Inbrünstig wurde nach der Sirene Thüringens Nationalhymne, das „Rennsteiglied“, intoniert. Der ThSV Eisenach verzückte seine nahezu 3.000 Fans, brillierte beim 33:28 (17:14)-Erfolg über den TVB Stuttgart, knackte die 20-Punkte-Marke, schloss nach Zählern zu den Gästen aus dem Schwäbischen auf und ist dem Klassenerhalt ganz nahe.

Der Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz beträgt weiterhin 5 Zähler. Vor Saisonbeginn hatte das kaum jemand dem Aufsteiger zugetraut. Zu den Punktezuwächsen auf dem Parkett passte die Nachricht aus der HBL-Zentrale über die Lizenzerteilung für die kommende Saison ohne Auflagen.

Unser Dank geht an unsere Sponsoren und Partner, ebenso an unsere Zuschauer, die hierzu erheblich beigetragen haben, betonte ThSV-Geschäftsführer Rene Witte.

Wir haben auch heute wieder gezeigt, wir gehören in diese Liga. Eine solch erfahrene Mannschaft wie der TVB Stuttgart fand über weite Strecken keine Lösungen gegen uns. Wir variierten in der Abwehr, schlossen vorn konsequent ab, strahlte Eisenachs Rechtsaußen Moritz Ende.

Mit einer ganz starken Abwehrleistung sind wir zu Beginn der zweiten Halbzeit davongezogen, beleuchtete Manuel Zehnder die Phase vom 17:14 (30.) zum 22:15 (37.).

Ein Vorteil, wir haben einen breit besetzten Kader, jeder hat zum Sieg beigetragen, vermerkte der Toptorjäger der Liga (230 Treffer).

Ex-Eisenacher Fynn Hangstein gratulierte

Zu den ersten Gratulanten gehörte Fynn Hangstein, einer der Eisenacher Aufstiegshelden der Vorsaison und Torschützenkönig der 2. Liga der Saison 2022/2023, jetzt beim TuS Nettelstedt-Lübbecke, mit dem er am Vortag gegen den Dessau-Roßlauer HV nicht über ein 26:26-Remis hinauskam.

Der ThSV Eisenach bot eine Top-Leistung mit konzentriertem Angriffsspiel. Die Abwehr wusste einen starken Mateusz Kornecki als Rückhalt im Tor, konstatierte der mit viel Beifall begrüßte Rückraumspieler. Ich habe die Stimmung und den herzlichen Empfang genossen, bekannte Fynn Hangstein.

In der Kabine mit den ehemaligen Teamkollegen fühlte er sich pudelwohl.

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Mateusz Kornecki bejubelt einen seiner 14 abgewehrten Bälle.

Marko Grgic trumpfte auf

Von seiner Nominierung zum Lehrgang der deutschen Handballnationalmannschaft geradezu beflügelt, brannte Marko Grgic ein wahres Angriffsfeuerwerk ab, versenkte bei 12 Versuchen 9 Bälle. „Marko für Deutschland“ schallte es von den Rängen. Eisenachs Geschäftsführer Rene Witte bat darum, beim 20-jährigen Rückraumspieler, der bei der Wartburg-Sparkasse eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolviert, die Bälle flach zu halten. Eisenachs Trainer Misha Kaufmann, zwei Tage zuvor das 40. Lebensjahr vollendend, sprach von einer „Riesen-Energieleistung“ seines Teams. Aus einer starken Mannschaftsleistung hob er neben Marko Grgic noch Philipp Meyer und Yoav Lumbroso heraus.

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Eisenachs Marko Grgic markierte 9 Treffer.

Vorn und hinten bärenstark: „Comisario“ Peter Walz

Unser Kapitän bot einen Riesenkampf, wartete mit einer Riesenmentalität auf, zollte der Eisenacher Trainer seinem Spielführer Peter Walz ein Sonderlob.

Der „Comisario“ markierte 6 Treffer bei 7 Würfen. In der Abwehr gab es kein Vorbeikommen an ihm.

Wir waren von Beginn voll da, haben uns an unseren Plan gehalten. Torhüter Mateusz Kornecki hat uns sehr geholfen. Wir sind gemeinschaftlich aufgetreten, jeder hat seinen Job gemacht, da wird es für jede Mannschaft ganz schwer, gegen uns zu gewinnen, erklärte Peter Walz. Auf den erreichten 20 Punkten dürfen wir uns nicht ausruhen, wollen weitermachen, möglichst jedes der noch anstehenden Spiele gewinnen, fügte der Eisenacher Kapitän und Kreisspieler hinzu.

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War er am Ball, brannte es in der Deckung des TVB Stuttgart lichterloh. Beim 25:18 (44.) war der ThSV Eisenach drauf und dran, den TVB Stuttgart im Torverhältnis ein- oder überzuholen. Das dies nicht gelang, ärgerte Eisenachs Coach Misha Kaufmann.

Es geht um jedes Tor, da fehlte uns dann die Kaltschnäuzigkeit, befand der Schweizer.

Das ärgerte auch sein Landsmann Timothy Reichmuth, der bei seinen 4 Treffern mit einer 100 Prozent-Wurfquote aufwartete.

Nach unserer 7-Tore-Führung bekamen wir Probleme mit dem 7 gegen 6 der Gäste, bekannte der Linksaußen.

Am sicheren Sieg änderte das freilich nichts.

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ThSV-Kapitän Peter Walz in Pose.

TVB Stuttgart Coach Michael Schweikardt haderte mit seiner Abwehr

Wir hatten uns defensiv viel vorgenommen, doch wir kassierten 33 Gegentore. Wir verteidigten nicht gut, bekamen unser Zentrum nicht zu, offenbarten viele Freiräume, analysierte ein sichtlich unzufriedener Michael Schweikardt, Coach des TVB Stuttgart.

Er vertraute über 60 Minuten Miljan Vujovic im Tor. Dieser habe zuletzt mit der besseren Form aufgewartet und an dessen Leistung habe es nicht gelegen. Ex-Nationalmannschaftstorhüter Silvio Heinevetter, ab 01.07.2024 zum Torhüterteam des ThSV Eisenach gehörend, verfolgte die Partie von der Wechselbank. Als er von dieser zu lautstark protestierte, verhängten die Schiedsrichter Nils Blümel und Jörg Loppaschewski gegen ihn eine Zeitstrafe (28.). Das Torhüterduell ging klar an Eisenachs Mateusz Kornecki, für den eine Fangquote von nahezu 38 Prozent notiert wurde, der freilich von seinen Vorderleuten bis zur 45. Minute eine leidenschaftliche Unterstützung erfuhr. Eisenachs Abwehr erlaubte dem zuletzt so treffsicheren Nationalspieler Kai Häfner ganze zwei Tore. Er wurde zwischenzeitlich durch den Ex-Eisenacher Jan Forstbauer, eigentlich Abwehrspezialist, ersetzt.

Wir haben kein einziges Mal geführt. Der ThSV Eisenach kam absolut zu beiden Punkten. Wir müssen uns deutlich steigern, um noch Punkte zu holen, betonte Michael Schweikardt.

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Timothy Reichmuth beim Torwurf.

Yoav Lumbroso narrt leichtfüßig die Gästeabwehr

Beim 2:2 (6.), Marino Maric hatte vom Kreis eingenetzt, leuchte bereits zum letzten Mal ein Gleichstand auf der Anzeigetafel. Die Hausherren stellten in wechselnden Formationen die Gastgeber immer wieder vor neue Aufgaben. Selbst im Innenblock wurde gewechselt. ThSV-Keeper Mateusz Kornecki war sofort auf Betriebstemperatur, parierte gegen die freien Asam Lönn (10.) und Marino Maric (13.). Der kleine Yoav Lumbroso narrte gleich doppelt die Abwehr der Gäste, lochte zum 11:7 ein (18.). Michael Schweikardt rief zur Auszeit, die blau-weiße Anhängerschar bedachte ihr Team bereits mit stehenden Ovationen (18.). Peter Walz zog zum 13:10 ab (20.). Den Anschlusstreffer durch Jorge Serrano Villalobos (13:12, 23.) beantworten die Eisenacher durch Treffer von Manuel Zehnder, Marko Grgic und Moritz Ende zum 16:12 (28.). Eisenachs Mait Patrail angelte sich das Leder beim Versuch der Gäste, ins leere ThSV-Gehäuse zu treffen. Der Oldie wurde mit reichlich Beifall bedacht.

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Yoav Lumbroso hat den Schwaben mal wieder die Hacken gezeigt und setzt zum Torwurf an.

Eisenachs Abwehr zum Ende hin nicht mehr so kompakt

Nach Wiederbeginn folgte die stärkste Eisenacher Phase. Keeper Mateusz Kornecki zog die Bälle geradezu magisch an. Vorn schlossen die Eisenacher mit Überzeugung ab. Timothy Reichmuth und Manuel Zehnder versenkten zum 21:15 (35.). Hellwach stibitzte sich Marko Grgic das Leder und vollendete zum 23:16 (40.). Timothy Reichmuth erhöhte von Linksaußen auf 24:17 (41.). Philipp Meyer zirkelte das Leder zum 26:20 ins verwaiste Gästegehäuse (47.).

In der Abwehr standen wir nun nicht mehr so stabil, bügelten das aber mit unserer Effizienz im Angriff aus, beschrieb Timothy Reichmuth die Schlussviertelstunde. Wir hätten zweifelsohne höher gewinnen können, bekannte auch Manuel Zehnder.

Der TVB Stuttgart stockte seine Trefferausbeute auf. Jan Forstbauer traf an seiner einstigen Heimstätte (50.). Jorge Serrano Villalobus markierte die Treffer Nummer 25, 26 und 28. für die Gäste. Eisenachs Timothy Reichmuth beendete den Torreigen mit seinem Treffer zum 33:28-Endstand (60.). Da hatte sie stimmgewaltige Kulisse schon seit mehreren Minuten die Jubelgesänge angestimmt!

© Ch. Heilwagen / ThSV Eisenach
Jubel in der ThSV-Kabine.

Statistik:
ThSV Eisenach: Spikic (55.-59./ 0 Paraden – 3 Gegentore), Kornecki (1.-55. u. 59.-60./ 14 Paraden – 25 Gegentore); Reichmuth (4), Zehnder (6/2), Patrail, Walz (6), Mengon, Grgic (9), Ende (1), Meyer (1), Lumbroso (5), Donker (1), Kurch, Snajder, Weyhrauch, Saul
TVB Stuttgart: Heinevetter (n.e.), Miljan Vujovic (1.-60. / 10 Paraden – 33 Gegentore); Serrano Villalobos (6), Fernandez Jimenez (1), Hanusz (4), Lönn (5), Ivankovic, Röthlisberger (1), Nicolaus, Forstbauer (1), Zieker (1), Pfattheicher (2), Maric (4), Häfner (2), Slaninka (1)
Siebenmeter: ThSV Eisenach 2/3 (Zehnder verwandelt 2 x gegen Vujovic und scheitert beim Stand von 21:15 an Vujovic, 37.) – TVB Stuttgart 1/1 (Fernandez Jimenez verwandelt 1 x gegen Kornecki)
Zeitstrafen: ThSV Eisenach 3 x 2 Min. (Meyer 18., Ende 29., Snajder 42.) – TVB Stuttgart 4 x 2 Min. (Serrano Villalobos 4., Röthlisberger 14., Heinevetter 28., Ivankovic 39.
Schiedsrichter: Blümel/Loppaschewski
Zuschauer: 2.988
Spielfilm: 4:2 (9.), 6:5 (11.), 11:7 (18.), 13:12 (22.), 17:14 (30.), 22:15 (37.), 26:21 (48.), 31:15 (56.), 33:28 (60.)
Beste Spieler: ThSV Eisenach: Grgic, Kornecki, Meyer, Walz – TVB Stuttgart: Serrano Villalobos, Lönn
Empfehlung für die Mannschaft der Woche: Marko Grgic (RL, ThSV Eisenach), Mateusz Kornecki (TW, ThSV Eisenach)

Th. Levknecht