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„Der ThSV Eisenach wird immer mein Verein bleiben!“

Torhüter Stanislaw Gorobtschuk blickt mit offenen Worten auf 10 Jahre ThSV Eisenach zurück – Er wechselt zu Drittligist HSC Bad Neustadt

Stanislaw Gorobtschuk, am 16.04.1988 in Frankfurt/Oder geboren, von 2005 bis 2009 beim VfL Gummersbach, gehörte insgesamt 10 Jahre zum Torhüterteam des ThSV Eisenach, vom 2009 bis 2015 und von 2016 bis 2020. Dazwischen lag eine Spielzeit bei der SG BBM Bietigheim. Zum 30.06.2020 endet sein Vertrag beim ThSV Eisenach. Dieser wurde nicht verlängert. Die Corona-Pandemie und das damit einhergehende vorzeitige Ende der Punktspielsaison in der 2. Handballbundesliga verhinderte eine Verabschiedung von Stanislaw Gorobtschuk vor großer Kulisse auf dem Parkett.

Wir sprachen mit dem 32-jährigen jungen Familienvater:

Sie trugen in zwei Etappen das Trikot des ThSV Eisenach; wie unterschieden sich diese?

Das waren ganz unterschiedliche Zeiten, muss man rückblickend sagen. Die erste Etappe von 2009-2014 war wirklich eine tolle Zeit. Der Verein war damals einfach dass, was er sein sollte, ein lebendiger Traditionsverein, sehr familiär. Auf der Geschäftsstelle gab es Ute Seybold, die dort wirklich das „Mädchen für alles“ war. Unterstützung erhielt sie von Knut Schauer, der diese Aufgabe auf Mannschaftsebene ausführte. Was er geleistet hat, blieb zumeist im Verborgenen:  Spieler vom Flughafen abholen, kein Problem; Spieler ins Krankenhaus fahren: kein Problem, sich dann noch um die Jugendspieler im und außerhalb des Internates zu kümmern und trotzdem zumeist gut gelaunt zu sein…Respekt. Leider ist er nicht mehr unter uns. Außerdem gab es noch Levi (Thomas Levknecht), der mit Herzblut und viel Engagement seinen Teil zum Erfolg beigetragen hat. Und das nicht nur als Pressesprecher.

Karsten Wöhler und Gero Schäfer haben seinerzeit als Team fungiert und hatten eine Vision für den Verein, die mit der Anstellung von Adalstein Eyolfssonweitere Konturen annahm.

Über die Mannschaften in der Zeit kann ich nur schwärmen. Es waren nicht nur Lippenbekenntnisse, dass wir ein Team waren. Stand ein Umzug eines Spielers an, waren immer alle da. Bis auf Nick Heinemann aber der hatte seine anderen Stärken….Abends,  nach dem Training noch in der Kabine mit einem kühlen Getränk bis 22 Uhr sitzen und über Handball oder Persönliches sprechen, war keine Seltenheit. Nach Auswärtsniederlagen zusammen im hinteren Teil des Busses gemeinsam zu sitzen und darüber zu reden, was schief gelaufen ist und sich mal klar die Meinung zu sagen, wurde nicht als negative Kritik angesehen, sondern als Versuch jemanden und dadurch das Spiel der Mannschaft besser zu machen. Teamabende wurden als Highlight angesehen und nicht als Zwang, Siege wurden gemeinsam gefeiert. Dadurch entstand eine Verbundenheit, die sich auch aufs Training und die Spiele niederschlug. Man läuft den halben Meter eher für seinen „Freund“ als nur für einen Arbeitskollegen. Man hört doch eher mal zu, wenn es was zu kritisieren gab, weil jeder wusste, dass es gut gemeint war. Danke an die Jungs wie Tomas, Girts, Jurdzi, Kalu, Addi, Eisen, Bjarki und die ganzen anderen, dass ihr damals dabei ward. Das war bis heute meine schönste Handball-Zeit.

Der zweite Teil fing eigentlich gut an, gutes Konzept mit einem jungen hungrigen Trainer und Spielern. Was dann im zweiten Jahr passiert ist, ist nicht so einfach zu beschreiben. Vieles lief irgendwie aus dem Ruder, ob in der Mannschaft oder in der Führungsetage. Wie, warum und weshalb kann man schwer sagen und obliegt mir nicht, weil ich als Spieler der Mannschaft auch Teil des Problems war. Mit dem Abstieg fing dann ein Neues Kapitel des ThSV an. Mit dem Wiederaufstieg und dem Klassenerhalt auch kein unerfolgreiches für den Verein. Für mich persönlich, hätte es jedoch etwas besser laufen können.

Ich werde den weiteren Verlauf verfolgen und hoffe nur das Beste.

In diesen 10 Jahren trainierten Sie unter verschiedenen Trainern, was ist da zurückblickend zu sagen?

Das mir jeder Trainer etwas für mein Leben mitgegeben hat, leider auch, das persönliche Einstellungen die sportliche Expertise beeinflussen können und damit in einigen Phasen nicht neutral und erfolgsorientiert gehandelt wird. Fakt ist, dass mich die Trainer menschlich sehr geprägt haben, positiv wie auch negativ. Außerdem sehe ich jede Trainer-Entlassung während meiner Zeit als persönliche Niederlage, da die Mannschaft und ich zum größten Teil durch sportlichen Misserfolg dafür verantwortlich waren. Ein Trainer kann bis zu einem gewissen Grad auf die Mannschaft einwirken und steuern, einiges muss aber – in meinen Augen – die Mannschaft selber regeln. Es ist immer einfach, die Schuld bei anderen zu suchen, schwerer ist es bei sich selbst anzufangen.

Welche Höhepunkte, welche schmerzliche Stunden gab es in diesen 10 Jahren aus Ihrer Sicht?

Natürlich sind die Aufstiege in die 1.Liga zu nennen. Das waren schon Highlights. Der Aufstieg von der 3. zurück in die 2.Liga hat sich, um ehrlich zu sein, nicht wie ein Aufstieg eingefühlt, sondern mehr wie eine Wiedergutmachung den Fans, Sponsoren und der Stadt gegenüber. Womit wir auch zu der schmerzlichen Stunde kommen, der Abstieg in die Drittklassigkeit. Die Art und Weise ärgert mich bis heute.  Christoph Jaurnik hatte die Chance verdient und im ersten Jahr lief es trotz Verletzungen gut. Im Abstiegsjahr mussten wir einige Abgänge verkraften, die wir so nicht auffangen konnten. Nicht sportlich, sondern viel mehr menschlich und als Führungspersönlichkeiten. Nicolai Hansen, Nick Heinemann, Oli Ragnarssonwurden verabschiedet. Dazu kam noch, dass sich Daniel Luther und Marcel Schliedermann sich von ihren langen Verletzungen zurück kämpfen mussten. Das einige Jungs, die die Führungsrollen einnehmen sollten, nicht besonders fit aus dem Urlaub zurückkamen, tat ein Übriges. Ich bin der Meinung, dass man als junger Trainer es schwer hat, wenn es in der Mannschaft keine klare Hierarchie gibt, mit klaren Leadern, auf die die Mannschaft hört. Ich nehme mich da selber nicht raus, denn ich spielte leider selber unter Niveau und rückblickend war ich viel zu negativ gegen und mit Mitspielern, anstatt konstruktiv zu diskutieren und zu führen. Durch Niederlagen wuchs natürlich auch die Unzufriedenheit und anstatt es gemeinsam anzupacken, entstanden Gruppen, die viel mehr gegeneinander gearbeitet haben, sei es in der Mannschaft oder im Verein. Es wurde von Vereinsseite trotzdem so ziemlich alles versucht, um das Ruder noch rumzureißen. Nicolai wurde zurückgeholt, der Trainer wurde gewechselt, ein Sportpsychologe wurde angestellt, aber nix fruchtete. Das war schon sehr bitter und frustrierend und beschäftigt mich bis heute.

Mit welchem Torhüter ergänzten Sie sich am besten?

So pauschal kann man es nicht sagen. Von Radek Musil konnte ich sehr viel lernen, was Trainingsfleiß und Einstellung betrifft. Valter Matosevic, der zwar nur drei.Monate da war, hat aber viel individuell mit mir gearbeitet und mich voran gebracht. Im Allgemeinen hatten wir, bis auf eine Saison, die mit dem Abstieg in die 3.Liga verbunden war, immer ein solides bis gutes Gespann. Dieses Jahr hat ja mehr oder weniger nur ein Torhüter gespielt, was ich persönlich sehr schade fand, weil keiner so richtig eine Chance bekommen hat, sich hinter Blaz Voncina zu etablieren.

Wie hat sich das Torhüterspiel in den letzten 10 Jahren verändert?

Es gibt nicht mehr die klassischen Stile, wie sie es früher einmal gab. Sprich, die vielen verschiedenen Torhüter-Techniken und Schulen gehen ineinander über. Man kann nicht mehr sagen, dass ist ein klassischer YugoTorwart oder das ist eine klassische schwedische Schule. Außerdem ist festzuhalten, dass der Torhüter eine größere Rolle einnimmt, um einen Angriff einzuleiten, sei es mit der ersten Welle, mit einem guten Pass für die zweite Welle oder zur schnellen Mitte. Über die Wechselei für den 7. Spieler brauchen wir nicht reden, da muss man immer hellwach bleiben.

Kam das Nichtverlängern Ihres Vertrages für Sie überraschend? Schmerzt das nach all den Jahren?

Um ehrlich zu sein, war es mir im letzten Jahr schon klar, dass es wohl meine letzte Verlängerung sein wird. Man hat als Sportler ein Gefühl dafür, ob man noch gefragt ist oder nicht. Ich hatte schon gegen Ende der letzten Saison nicht mehr das Gefühl, dass der Verein mich unbedingt noch halten will. Durch die Verpflichtung von Denis wurde das Gefühl nur verstärkt und im Endeffekt hat es sich auch bewahrheitet. Die Saison möchte ich für mich persönlich vergessen. Jeder, der behauptet, dass er die Probleme von der Arbeit nicht mit nach Hause nimmt, liebt seinen Job nicht richtig. Ich konnte es jedenfalls nicht. Unter diesen Voraussetzungen hätte ich auch kein Vertragsangebot angenommen; nur Handball zu trainieren und das mit manchmal 5 Torhütern macht auf Dauer keinen Spaß. Irgendwann verliert man es, den Sinn darin zu sehen, wenn man sich am Wochenende wieder einmal auf der Tribüne wiederfindet. Das letzte Jahr hat mich schon sehrt geprägt. Einfach war es jedenfalls nicht. So ziemlich jeder in meinem Umfeld hat es gemerkt und mir auch den Rat gegeben, entweder aufzuhören oder eine andere Herausforderung zu suchen. Wie gesagt, berufliches und persönliches lässt sich nicht so einfach trennen. Um auf die Frage zurück zu kommen, die Art und Weise schmerzt.  

Was bleibt generell aus 10 Jahren ThSV Eisenach bei Ihnen haften?

Hm…, das ist schwierig zu sagen, Fakt ist, dass ich während der Zeit beim ThSV erwachsen geworden bin. Mit vielen tollen Menschen zusammenarbeiten durfte, viele Erfolge feiern und auch einige Niederlagen erleben durfte. Der ThSV Eisenach wird immer mein Verein bleiben, in guten wie in schlechten Zeiten!

Was möchten Sie den ThSV-Fans sagen?

Erstmal natürlich ein dickes Dankeschön; es hat meistens Spaß gemacht, vor euch zu spielen, und die Male,  wo es nicht so war, waren wir immer selber daran schuld. Wir werden uns noch des Öfteren in der Werner-Aßmann-Halle sehen und das als gleichgesinnte Fans auf der Tribüne oder in der Schlange für Getränke oder Speisen. Den Verein unterstützen und zujubeln, werden wir von der Tribüne aus gemeinsam.

Mit 32 Jahren befinden Sie sich im besten Torhüter-Alter.  Kommende Saison streifen Sie sich das Trikot von Drittligist HSC Bad Neustadt über. Es gab sicherlich noch andere Angebote. Spielte es eine Rolle, dass Ihr ehemaliger Mannschaftskollege Benjamin Trautvetter beim HSC Bad Neustadt spielender Co-Trainer ist? Welche sportlichen Ziele hat Stanislaw Gorobtschuk für die nächste Zeit?

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es nicht eine Rolle spielt. Benne ist ein toller Typ und ein Leader, nicht umsonst war er langjähriger Kapitän. Schade, dass solche Leute nicht beim ThSV gehalten werden konnten. Für mich persönlich gilt, einfach wieder Spaß am Handball zu finden, der ist mir leider im letzten Jahr vergangen. Nur mit Spaß am „Job“ kann man auch sein Leistungsvermögen abrufen. Unser primäres Ziel wird in Bad Neustadt der Klassenerhalt sein, dazu möchte ich meinen Beitrag leisten. Was nach den zwei Jahren passiert, muss man sehe. Wie sagt man so schön, alle guten Dinge sind drei….

Ihr Lebensmittelpunkt bleibt aber Eisenach? Wie bekommen Sie Arbeit, Familie sowie Training und Punktspiel mit dem HSC Bad Neustadt unter einen Hut?

Mein Lebensmittelpunkt ist und bleibt Eisenach. Vor 10 Jahren habe ich hier meine Frau kennengelernt, wir haben mittlerweile eine Familie gegründet und ich hätte es natürlich begrüßt, da brauche ich niemanden etwas vormachen, wenn es die Möglichkeit gegeben hätte, meine Karriere hier mit Würde zu beenden. Die neue sportliche Aufgabe  wird natürlich eine Herausforderung, aber meine Familie, insbesondre meine Frau und der kleine Mann, mein Sohn,  verstehen, dass ich SO nicht aufhören konnte. Privat muss man da schon Abstriche machen, aber ohne Handball zu leben und zu spielen bin ich auch nicht die selbe Person.

Mein Arbeitgeber, die Autohaus Automat GmbH mit den „Chefs“ Corinna und William Schuhmacher, kommen mir auch sehr entgegen, sodass ich meine Zeiten so einteilen kann, dass es für alle Parteien klappt.           Th. Levknecht

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