Ein atemberaubendes Finale vor einer Rekordkulisse 

Bildquelle: Trotz der Ehrung mit der Bronzemedaille, unmittelbar nach dem Abpfiff war dem Team des ThSV Eisenach II um Spielertrainer Qendrim Alaj (li.) nicht nach Jubeln – Foto: Th. Levknecht

ThSV Eisenach II unterliegt beim VfB TM Mühlhausen hauchdünn mit 31:32 (14:19) und wird am Ende mit Bronze geehrt 

Es knisterte am letzten Spieltag der Handballoberliga der Männer in der Sporthalle der Beruflichen Schulen in Mühlhausen. Von einem „Spiel mit Finalcharakter“ sprach Karsten Knöfler, der Coach des VfB TM Mühlhausen. „Ein echtes Handballfest vor großer stimmungsvoller Kulisse im Aufeinandertreffen von zwei der besten Teams der Liga“, erklärte Philipp Urbach, der Kapitän des ThSV Eisenach II. Beide Teams lieferten sich einen intensiven Schlagabtausch, der trotz 34 Strafminuten und drei roter Karten nicht in Unfairness abdriftete. Die Schiedsrichter Sascha Hauke und Christian Lindig sowie Jens Hanse als Technischer Delegierter waren allerdings voll gefordert. 

Nahezu 800 Zuschauer, darunter Harald Zanker, der Landrat des Unstrut-Hainich-Kreises, Mühlhausens Oberbürgermeister Dr. Johannes Bruns, Eisenachs Kreissport-Präsident Michael Klostermann und Misha Kaufmann, der Coach der am Vortag beim 34:21-Sieg in Balingen wichtige Zähler für den Klassenerhalt erobernde Erstbundesliga-Handballer des ThSV Eisenach, mussten bis zur letzten Sekunde warten, bis der Landesmeister 2024 feststand. Erst als Adrian Winkler, der Torhüter der Gastgeber, kurz vor der Sirene den letzten Eisenacher Wurf parierte, stand mit dem hauchdünnen 32:31 (19:14) -Erfolg des VfB TM Mühlhausen über den ThSV Eisenach II der Titelträger fest. Überschäumender Jubel war in den Reihen der Gastgeber angesagt. Volker Krempel, Vizepräsident des Thüringer Handballverbandes, überreichte den Meisterpokal und die Medaillen an das Team des VfB TM Mühlhausen. Bronze ging an den ThSV Eisenach II, der von seine mitgereisten Fanschar während der gesamten Partie lautstark unterstützt wurde. Der neue Titelträger verzichtet allerdings auf das Aufstiegsrecht in die Mitteldeutsche Oberliga. Dieses wird wohl nun der Vizemeister SG Suhl/Goldlauter mit seinem Mehrnationenteam wahrnehmen. Der aufstiegswillige ThSV Eisenach II verbleibt in der Oberliga. „Eine höhere Trainingsbelastung aus beruflichen Gründen ist nicht möglich. Auch finanziell müssten wir einiges umbauen. Mit einem Aufstieg würden wir vielleicht sogar unsere Stärke verlieren“, begründete Karsten Knöfler den Aufstiegsverzicht. Moritz Rahn, einst im Nachwuchs des ThSV Eisenach, der nach seiner Einwechslung für frischen Wind sorgte, auch wichtige Gegenstoßtreffer markierte, arbeitet beispielsweise von Montag bis Freitag in Zeulenroda, kann nur am freitäglichen Abschlusstraining teilnehmen. Torjäger Markus Lentzko beendet zudem (zumindest vorerst) seine Karriere, wird dem VfB TM Mühlhasen künftig sehr fehlen. Mit seinen 11 Treffern hatte er auch erheblichen Anteil am Sieg seines Teams am letzten Spieltag. Er netzte im Saisonverlauf in 16 Spielen 133 Bälle ein, was einem Schnitt von über 8 Treffern je Partie entspricht. Mit donnerndem Beifall wurde der 31-jährige Rückraum-Shooter, seit der D-Jugend im Verein, verabschiedet. 

Zusammenhalt wird in beiden Teams großgeschrieben 

„Am Ende waren wir einen Tick cleverer. Eigentlich hatte das Spiel keinen Sieger verdient. Ende der ersten Halbzeit standen wir im Innenblock mit guter Beinarbeit besser, gingen mit einem 5-Tore-Plus in die Pause. Die etwas offensivere Abwehr der Eisenacher im zweiten Abschnitt bereitete uns dann Probleme“, bilanzierte Markus Lentzko. Der mannschaftliche Zusammenhalt habe seine Mannschaft während der gesamten Saison ausgezeichnet. „Jeder hat an den Erfolg geglaubt, jeder hat für den anderen eingestanden. Das war unser Vorteil“, betonte Markus Lentzko.  Er wolle erst einmal 1 Jahr Abstand vom Handball gewinnen, könne sich eine Rückkehr, eventuell als Nachwuchstrainer, durchaus vorstellen. 

„Unser Glückwunsch geht an den VfB Mühlhausen zum verdienten Titel. Er hat mit konstant guten Leistungen gepunktet. Beide Teams betrieben im Saisonfinale beste Werbung für unsere schöne Sportart“, erklärte Eisenachs Spielertrainer Qendrim Alaj. „Die Punktverluste in eigener Halle entschieden wohl letztendlich in der Titel- und Aufstiegsfrage gegen uns. Besonders die Heimniederlage gegen die HSG Werratal erwies sich als folgenschwer“, bilanzierte Philipp Urbach. „Auch wenn uns nach der Niederlage in Mühlhauses ein anderes Gefühl befällt, wir können stolz auf die Saison sein“, ergänzt der Kapitän des ThSV Eisenach II. „Jeder einzelne Spieler ist stolz, das Trikot des ThSV Eisenach zu tragen. Wir sind über das Jahr als Mannschaft zusammengewachsen. Jeder ist für den anderen da. Auf und neben dem Spielfeld. Es gibt keine Grüppchenbildung. Wir definieren uns als echtes Team“, betont Qendrim Alaj. Auch das hilft, damit der junge Ole Gastrock-Mey nach einem Kreuzbandriss immer besser zurückfindet. Erst ganz behutsam über Kurzeinsätze in der Abwehr. In Mühlhausen blitzten alte Torjägerqualitäten auf. Er ließ bei 9 Treffern das Netz im Mühlhäuser Kasten zappeln. Der gute Torhüter Adrian Winkler hatte das Nachsehen. Er entschied das Torhüterduell mit seinen Kollegen Bastian Freitag und Christian Trabert auf Eisenacher Seite ganz knapp für sich. So knapp, wie auch das Spiel ausging. 

ThSV Eisenach II gibt 10:7 Führung leichtfertig aus der Hand und geht mit 14:19-Rückstand in die Halbzeitpause

„Die fantastische Stimmung in der Halle wurde von uns Spielern förmlich aufgesaugt, motivierte einen jeden zusätzlich. Wir haben gleich Geschwindigkeit aufgenommen“, erklärte Philipp Urbach. Es war von Beginn Feuer unter dem Hallendach. „Zwei gleichwertige Mannschaften schenkten sich nicht“, so Philipp Urbach. Die Gastgeber agierten zu unsauber, standen im ersten Abschnitt vielfach in Unterzahl auf dem Parkett, verloren bereits in der 8. Minute Yannick Fritzlar nach grobem Foulspiel an Armend Alaj. „Da sah ich schon unsere Felle davon schwimmen, ist Yannick Fritzlar eine Säule unserer Abwehr“, gestand Karsten Knöfler. Die Rolle im Innenblock der Mühlhäuser übernahm Marko Wiegand. „Er wurde zu einem unserer Matchwinner“, lobte Karsten Knöfler den 32-Jährigen. Der Mühlhäuser Coach wurde wegen zu starkem Reklamieren mit einer Zeitstrafe belegt. „Eigentlich war das Momentum nun auf unserer Seite“, befand Qendrim Alaj, der kurz darauf sein Team mit einem verwandelten Strafwurf in Führung brachte (4:5, 11.). Das Spiel beruhigte sich zunächst nicht. „Wir vermochten unsere permanente Überzahl nicht effektiv zu nutzen, kassierten selbst dumme Zeitstrafen“, ärgerte sich Qendrim Alaj. Sein Linkshänder Florian Müller netzte von Rechtsaußen zum 7:10 ein (19.). Markus Lentzko spielte seine Zweikampfqualitäten aus. Der eingewechselte Moritz Rahn belebte das Angriffsspiel der Hausherren, beschäftige auf Linksaußen die Eisenacher Abwehr, glich zum 11:11 aus (22.). „Uns unterliefen in dieser Phase viele technische Fehler, Würfe landeten nicht im Netz“, ärgerte sich Qendrim Alaj. „Wir setzen unsere Außen erfolgreich in Szene“, freute sich Karsten Knöfler. Eisenachs Abwehr bekam keinen Zugriff. Moritz Rahn versenkte Gegenstöße zum 13:11 (24.) und 15:11 (26.). Markus Lentzko ließ sich nicht stoppen, „vernaschte“ seine Gegenspieler zum 17:13 (28.). VfB-Schlussmann Adrian Winkler bediente per Steilpass Moritz Rahn, der zur 19:14-Halbzeitfühung versenkte (30.)

Christian Trabert und Ole Gastrock-Mey initiieren Eisenacher Aufholjagd 

„Zur Halbzeitpause gab es klare Ansagen mit dem Ziel, sich auf unsere Leistung zu konzentrieren“, berichtete Qendrim Alaj. Sein Bruder Armend Alaj musste viel einstecken. Auf dem Parkett und verbal von den Zuschauerplätzen. Das Nervenkostüm des Nationalspielers des Kosovo wurde arg strapaziert. Mit der Einwechslung von Christian Trabert ins Tor und einer offensiveren Abwehr hatten die Eisenacher Erfolg. Christian Trabert parierte gegen Moritz Rahn (34.), blieb auch bei Würfen aus Nahdistanz Sieger (37.) Ole Gastrock-Mey wuchtete zum Anschlusstreffer ein (19:18, 37.). Der Ausgleich fiel aber noch nicht. Per Aufsetzer traf Ivica Lazarovski zum 21:18 (39.). Nach seiner dritten Zeitstrafe war die Partie für Armend Alaj vorzeitig beendet (43.). Aber auch Markus Lentzko musste für zwei Minuten auf die Bank. Per Doppelpack besorgte Ole Gastrock-Mey den 23:23-Ausgleich (44.). Kurz zuvor war Christian Trabert im Duell mit Mühlhausens Mannschaftskapitän Konstantin Fick Sieger geblieben. Beide Teams kassierten Zeitstrafen, auf dem Parkett wurde es übersichtlicher. Der VfB Mühlhausen legte vor, die Gäste von der Wartburg glichen aus. Maarten Elwert tankte sich zum 25:25 durch (47.). Kurz darauf helle Aufregung. Die Referees zückten erneut Rot. Glück für die Gastgeber. Statt für Trainer Karsten Knöfler zeigten sie den roten Karton Mannschaftsbetreuer Andreas Lang (50.).

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Hitchcock- Crunchtime 

Spannung pur war auf dem Parkett angesagt. „Über Kampf, Willen sowie die eine oder andere individuelle Aktion erarbeiteten wir uns gegen spielerisch überlegene Eisenacher unsere Torchancen. Die Gäste suchten und fand über ihren Außen Florian Müller zum Torerfolg“, bilanzierte Karsten Knöfler. „Wir versäumten es, selbst in Führung zu gehen“, merkte Qendrim Alaj selbstkritisch an. „Die Möglichkeit bot sich“, pflichtete ihm Philipp Urbach bei. Pech für die Gäste bei einem Holzknaller von Ole Gastrock-Mey (50.). Der Mazedonier Ivica Lazarovski traf vom Punkt und aus dem rechten Rückraum zum 29:27 (52.) und kurz darauf erneut vom Strich zum 30:28 (56.) für den VfB Mühlhausen. Eine Hitchcock-Crunchtime war eingeläutet. Beide Teams mobilisierten die letzten Kraftreserven, es wurde um jeden Ball, jeden Zentimeter Hallenboden gekämpft. Florian Müller glich mit seinem 8. Treffer zum 30:30 aus (59.). Markus Lentzko brachte seine Farben mit seinem 11. Torerfolg mit 31:30 in Führung (59.). Eisenachs unbekümmerter Youngster Maarten Elwert konnte nur regelwidrig gestoppt werden. Qendrim Alaj blieb auch im 6. Siebenmeter-Wurf gegen Adrian Winkler Sieger (31:31, 60.). Da waren noch 30 Sekunden zu spielen. Die Gastgeber lösten einen Angriffszug zum Kreis aus, den Felix Fick zum 32:31 abschloss (60.). Während einer Auszeit 10 Sekunden vor der Sirene besprachen die Eisenacher ihre letzte Angriffsaktion, wollten mit ihrer Spezialität, einem Kempa, zum Ausgleich kommen. „Mit all seiner Erfahrung wehrte Adrian Winkler den Ball ab“, schilderte Karsten Knöfler die letzte Aktion der Partie. 

Statistik

VfB TM Mühlhausen: Winkler, Randhage; Lentzko (11/2), Ginov (1), F. Fick (3), Hesse, Wiegand (1), K. Fick (2), Brauer, Rahn (4), Harder (3), Stietzel, Fritzlar, Lazarovski (7/3)

ThSV Eisenach II: Freitag, Trabert, Büchner; Müller (8), Rehm, Urbach, Remenski, Stegner, Toelke, Gastrock-Mey (9), Ukaj (3), A. Alaj (2), Katzwinkel, Q. Alaj (8/6), Ruppert, Elwert (1)

Siebenmeter: VfB TM Mühlhausen 5/6 – ThSV Eisenach II 6/6

Zeitstrafen:

VfB TM Mühlhausen 10 x 2 Min., Rot für Fritzlar (8.) u. Betreuer Lang (50.). 

ThSV Eisenach II: 7 x 2 Min., Rot für A. Alj n. 3. ZS, 43.

Schiedsrichter: Hauke/Lindig

Zuschauer: 762

Ole Gastrock-Mey markierte 9 Treffer – sportfotoseisenach
Florian Müller schloss immer wieder von Rechtsaußen erfolgreich ab – sportfotoseisenach
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