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Ein Austria-Linkshänder gehört zum Torhüterteam des ThSV Eisenach

Thomas Eichberger im Interview

Bei der letzten Handball-Europameisterschaft rückte Thomas Eichberger ins internationale Rampenlicht. Der Torhüter der HSG Graz, ein Linkshänder (!), begeisterte mit der Nationalmannschaft der Republik Österreich nicht nur die Fans in der mit 8.000 Zuschauern ausverkauften Wiener Stadthalle, im Wintersportland Österreich rückte der Handball urplötzlich in den Focus. Ganz Österreich feierte seine Euro-Helden für begeisternde Auftritte. Die Austria-Auswahl, in die Hauptrunde eingezogen und die EM auf Platz 8 beendend, sorgte national und international für Schlagzeilen. Für positive!

Thomas Eichberger wechselte im Sommer nach Deutschland, gehört zum Torhüterteam des Handball-Zweitbundesligisten ThSV Eisenach. Dem am 20.08.2020 das 27. Lebensjahr vollendenden Keeper lagen auch Angebote aus Russland und Spanien vor.

Das aus Russland war finanziell lukrativ, doch das sportlich attraktivste kam aus Thüringen, erläutert Thomas Eichberger, der nach dem Gymnasium ein Lehramtsstudium Sport und Geschichte erfolgreich abschloss.

Der Austria-Auswahl-Schlussmann ist seit 5 Jahren mit seiner Freundin Betti liiert. Er trug von 2011 bis 2020 das Trikot der HSG Graz, seit dem 01.07.2020 steht er beim ThSV Eisenach unter Vertrag, mit dem er sich unter Corona-Bedingungen auf die Saison 2020/2021 im deutschen Handballunterhaus vorbereitet.

Thomas Eichberger besuchte in seiner Jugend die Handballakademie des Bundesgymnasiums hib Graz-Liebenau. In der Saison 2010/11 lief er für ATV Trofaiach in der Handball Bundesliga Austria auf. Seit 2011 spielte er bei der HSG Graz.

Wir sprachen mit dem 1,95-Meter-Mann aus der Landeshauptstadt der Steiermark:
Wie kommt man im Wintersportland Österreich zum Handball?
Zum Skispringer fehlt mir die entsprechende körperliche Statur. In der Jugend bin ich Ski gelaufen, in der Schule habe ich nahezu parallel Handball gespielt. Mit 13 Jahren habe ich mich für die Mannschaftssportart Handball entschieden, habe dann 4 Jahre die Handballakademie in Graz besucht.

Wie sind Sie ins Tor gekommen?
In der Schülermannschaft stand seinerzeit kein Torhüter im Aufgebot. Ich wurde gefragt, rückte in den Kasten und habe mich wohl ganz passabel angestellt. Als Linkshänder bin ich fortan im Tor geblieben.

Linkshänder sind im Handball ja eigentlich für die rechte Angriffsseite, im Rückraum oder auf Außen, prädestiniert?
Für das Feld standen seinerzeit in der Schülermannschaft eine eingespielte Linkshänder-Fraktion und, ich sagte es eben, für das Tor war Not am Mann. Ein Linkshänder im Tor, ja das ist eine absolute Rarität. Ich persönlich kenne keinen weiteren.

Welchen Torwarttyp verkörpern Sie?
Im Spielfeld bin ich emotional, außerhalb des Handballparketts eher der ruhige Typ.

Spielen Sie lieber hinter einer defensiv oder einer offensiv ausgerichteten Abwehr?
Eine kompakt stehende 6:0-Abwehr mit dem Block liegt mir mehr. Sie macht es für den Torhüter leichter. Bei einer offensiven, vielleicht 3:2:1 oder ähnlichen Formationen, wird es für den Keeper schwerer.

Haben Sie ein Vorbild?
Thierry Omeyer, das war ein absoluter Weltklasse-Mann! Mit Matthias Andersson, viele Jahre ein Top-Keeper auch in Deutschland, dann Torwarttrainer der österreichischen Nationalmannschaft, habe ich viel gearbeitet und viel von ihm gelernt.

Kommen wir auf den Handball in Österreich zu sprechen. Welchen Stellenwert besitzt er dort? Wie viele Zuschauer kommen zu den Punktspielen der 1. Liga? Wie viele zu Länderspielen?
Seit der Europameisterschaft im eigenen Land erlebt der österreichische Handball einen deutlichen Aufschwung. Leider bremste diesen die Corona-Pandemie aus. Wichtig zu wissen, die 1. Liga in Österreich ist keine komplette Profiliga. In den Mannschaften stehen viele Studenten, aber auch im normalen Berufsleben stehende Sportler. Auch in Graz waren nur wenige Profis im Aufgebot. Finanzstarke Clubs, wie die Wiener Vereine mit großem Einzugsgebiet und etlichen Profis, stehen zumeist in der Tabelle vorn. Die HSG Graz spielt in einer großen Halle mit einem Fassungsvermögen von etwa 3.000 Zuschauern. Im Schnitt kommen zu den Heimspielen der HSG Graz 600 bis 800 Zuschauer. Viele Vereine tragen ihre Heimspiele in kleineren Hallen aus, die zwischen 1.000 und 1.500 Zuschauern fassen. Bei Länderspielen, auch abhängig von der Attraktivität des Kontrahenten, ist die 8.000 Zuschauer fassende Wiener Stadthalle zumeist gut gefüllt. Dann entsteht ein tolles Flair, das zusätzlich beflügelt.

Vereinstreue: Sie haben 9 Jahre (2011 bis 2020) bei der HSG Graz gespielt…?
Als Heranwachsender habe ich beim ATV Trofaiach gespielt. Noch ohne Führerschein war die Trainingsanwesenheit ein extremer Aufwand. Zusagen vom Verein wurden nicht gehalten. Die von mir gewünschte Professionalität war nicht gegeben. In Graz, einer wunderschönen Stadt, passte dann alles bestens, Studium und Handball. Mit dem Verein erlebte ich Höhen und Tiefen, bis wir vor 4 Jahren den Aufstieg in die 1. Liga schafften. Der Klassenerhalt hing im ersten Jahr am berühmten seidenen Faden. Im alles entscheidenden letzten Spiel leitete ich in der letzten Minute mit einer Parade den Gegenstoß zum Treffer für den Ligaerhalt ein. Die vorletzte Saison, mit Platz 3 abgeschlossen, war die beste der Vereinsgeschichte. Die letzte wurde aufgrund der Corona-Pandemie abgebrochen, wir standen auf Platz 8, vermochten die eigenen Erwartungen nicht zu erfüllen.

Im Sommer erfolgte der Wechsel nach Deutschland, zum Zweitligisten unter der Wartburg. Wie kam es dazu?
Nach meinem Länderspieldebüt gab es bereits Angebote aus Deutschland. Ich blieb noch ein Jahr in Graz. Ich glaube, der Wechsel kam zur richtigen Zeit und zum richtigen Verein. Beim ThSV Eisenach kann ich mich weiterentwickeln. Mit guten Leistungen kann ich auf mich aufmerksam machen, um den nächsten Schritt zu vollziehen. Ja, ich will in die 1. Handballbundesliga. Gern mit dem ThSV Eisenach. Die 2. Handballbundesliga ist sehr ausgeglichen, da ist alles möglich. Auch für den ThSV Eisenach.

Sie wechseln aus Graz, der Landeshauptstadt der Steiermark mit über 300.000 Einwohnern, der zweitgrößten Stadt der Republik Österreich, in eine thüringische Kleinstadt mit 43.000 Einwohnern. Eine Umstellung?
In Eisenach geht es schon ruhiger zu. Eisenach ist eine ausgesprochen geschichtsträchtige Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten. Für mich als Geschichtslehrer gibt es da ganz viel zu sehen und zu erkunden.

Wie wurden Sie von Ihrer neuen Mannschaft aufgenommen?
Ich fühle mich sehr wohl. Alles Supertypen. Wir haben trotz anstrengendem Training viel Spaß. Verständigungsprobleme gibt es nicht. Wenn ich den Dialekt aus der Steiermark spreche, werde ich freilich ganz schwer verstanden….

Die Eingewöhnung wurde sicherlich begünstigt durch den Umstand, dass mit Daniel Dicker ein Teamkollege aus Graz mit nach Eisenach kam?
Festzustellen ist, unser beider Wechsel kam unabhängig voneinander zustande. Klar, mit Daniel Dicker wurde die Integration noch leichter. Wir beide kennen und verstehen uns gut, haben in Graz ein paar Jahre zusammengespielt.

Die Corona-Pandemie ist allgegenwärtig. Wie gehen Sie damit um?
Sie war Auslöser, dass es 4 Monate keinen Handball gab. Wir als Mannschaftssportler saßen allein zuhause. Die Lebensqualität allgemein, ich denke da auch an Reisen und Besuch von Konzerten, ist arg eingeschränkt. Zu Bewältigung der Corona-Pandemie müssen wir alle Regeln einhalten. Ich musste mich an die Masken-Pflicht in Deutschland gewöhnen.

Rainer Osmann, ein Urgestein des Handballs in Eisenach, war von 2001 bis 2008 Auswahltrainer in Österreich. Haben Sie das gewusst?
Na klar! Dass Rainer Osmann eine Vereinslegende beim ThSV Eisenach ist, weiß ich natürlich. Persönlich getroffen habe ich ihn bisher nicht, aber das wird sich nun sicherlich mal ergeben.

Th. Levknecht

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