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Ein deutliches Warnzeichen an den ThSV Eisenach

Wartburgstädter unterliegen beim Dessau-Roßlauer HV mit 31:35 (16:17) / Kapitän Alexander Saul verletzt ausgeschieden/ Samstag Heimspiel gegen Rimpar Wölfe

Ja, die Corona bedingte mehrwöchige Zwangspause scheint dem ThSV Eisenach nicht gut bekommen. Aus den 9 Punktspielen zuvor verbuchten die Wartburgstädter 12:6 Punkte. Dass die Wartburgstädter zum „Wiedereinstand“ nach 5 Wochen gegen ein Topteam der Liga, den VfL Gummersbach, 35 Gegentore kassierten (und 27:35 unterlagen), darf noch als „normal“ bezeichnet werden. Doch nun setzte ihnen mit dem Dessau-Roßlauer HV ein Team aus der unteren Tabellenhälfte 35 Bälle ins Netz. Die 63. Auflage des Derbys sah den ThSV Eisenach am Mittwochabend als 31:35 (16:17) –Verlierer. Ein Schuss vor den Bug oder ein deutliches Warnzeichen!

Der Dessau-Roßlauer HV, vor dem Anpfiff wie der ThSV Eisenach 23 Punkte aufweisend, verbuchte zwei wichtige Zähler. Die Mannschaft aus Sachsen-Anhalt, gerade aus einer Quarantäne zurück, konnte in den vorausgegangenen Partien die 20-Tore-Marke mal gerade so überspringen, bei der 20:22-Heimniederlage gegen die Rimpar Wölfe und bei der 21:27-Niederlage in Ferndorf. „Im Moment sind einige Spieler aufgrund von gesundheitlichen Problemen nicht in der körperlichen und konditionellen Verfassung, die man in der 2. Handball-Bundesliga benötigt“, beschrieb Uwe Jungandreas den Zustand seines Teams am Tag zuvor. Der Trainerfuchs begann früh mit dem Rotieren, um die Kräfte aller effizient einzuteilen. Der ohnehin nur in der Offensive kommende Kapitän Vincent Sohmann teilte sich die Aufgabe als Regisseur mit Max Scheithauer. Jeder stellte seine Qualitäten in den Dienst der Mannschaft, setzte das vorgegebene Konzept um. Der sonst so kritische Uwe Jungandreas war sichtbar stolz auf seine Truppe: “Wir kriechen auf dem Zahnfleisch, präsentieren uns dennoch so erfolgreich. An den 35 Gegentoren traf die eingesetzten ThSV-Schlussleute Blaz Voncina und Thomas Eichberger nicht die Hauptschuld. Sie hatten starke Phasen, Blaz Voncina zu Beginn mit 4 parierten Bällen zum 7:7 Zwischenstand (17.), Thomas Eichberger kurz vor und nach der Pause mit 8 Paraden, als seine Teamkollegen, angeführt von einem ganz viel Verantwortung übernehmenden 20-jährigen Spielgestalter Jannis Schneibel (insgesamt 7 Treffer), einen 14:17-Rückstand (29.) in eine 23:21-Führung verwandelten (40.). Der durchgängig bessere Keeper stand mit Philipp Ambrosius im Kasten der Gastgeber. Er wurde mit 15 abgewehrten Bällen notiert. Der 28-Jährige bekam aber auch durchweg mehr Unterstützung von seinen Vorderleuten als seine Kollegen auf der Gegenseite. Als die Eisenacher im Schlussabschnitt beim 29:28 für die Hausherren die Ausgleichschance von der Siebenmeterlinie hatten, meisterte der „Spannemann“ von Philip Ambrosius, der 21-jährige Julian Malek, den Ball von Ivan Snajder (52.). Im Gegensatz zum Hinspiel am 12.12.2020, in dem der Dessau-Roßlauer HV eine 6-Tore-Führung nicht behaupten konnte und der ThSV Eisenach einen 32:29-Erfolg bejubelte, ließen sie bei der Neuauflage nichts anbrennen. Sie trafen durch den einen Glanztag erwischenden Rückraum-Linken Timo Löser (9 Treffer) zum 31:28 (55.) und 33:30 (57.). Die auf eine 5:1-Variante umgestellte Eisenacher Deckung vermochte die 14. Saisonniederlage nicht mehr abzuwenden. Als dann auch Willy Weyhrauch an Keeper Philip Ambrosius scheiterte, war die Punktevergabe geklärt. Der Jubel in den Reihen der Gastgeber war groß. Enttäuscht schlichen die Wartburgstädter in die Kabinen. „Wir wollen uns nicht auf andere verlassen, dann ist man oft verlassen“, hatte Uwe Jungandreas auf die Situation im Abstiegskampf erklärt. Seine Mannschaft, obwohl ohne einige Stammkräfte, darunter ohne zwei Linkshänder, hatte an diesem Mittwochabend verstanden.

Alexander Saul mit Verletzung der Wurfhand frühzeitig ausgeschieden
„Letztendlich waren wir nicht clever genug“, konstatierte Alexander Saul mitschmerzverzerrtem Gesicht. Beim Wurf bekam der Eisenacher Kapitän Mitte der ersten Halbzeit einen Schlag auf die Wurfhand und musste ausscheiden. Die Diagnostik wird Genaueres ergeben. Da, wie auch bereits gegen Gummersbach, Ante Tokic verletzungsbedingt nicht zur Verfügung stand, mussten die Eisenacher den Großteil der Partie mit einem Rechtshänder im linken Rückraum operieren; zunächst mit Andrej Obranovic, im zweiten Abschnitt überwiegend mit Daniel Hideg. Die Crux lag an diesem Tag aber in der Abwehr. „Wir haben die Zweikämpfe in der Abwehr verloren und auch unser Rückzugsverhalten war nicht gut“, resümierte ein enttäuschter ThSV-Coach Markus Murfuni. Die Torwurfeffektivität lag trotz 31 Treffern nur bei 55 Prozent. Eisenachs Manager Rene Witte lief mit versteinerter Miene über das Parkett, wollte aus Frust nicht angesprochen werden, hatte er doch für eine Top-Spieltages-Vorbereitung gesorgt.

Der erste Doppelpunktgewinn von insgesamt noch 6 Punkten bis zum vorzeitigen Klassenerhalt sollte es in der Anhalt-Arena werden. Stattdessen wuchs der Druck wieder. Am Samstag, 15.05.2021 kommt mit den DJK Rimpar Wölfen „ein sich mausernder Dorfclub“ aus dem Raum Würzburg, der am Mittwoch den TuS Ferndorf mit 27:23 bezwang und nun 27 Pluspunkte vorzuweisen hat. Der EHV Aue siegte beim TV Großwallstadt überaus deutlich mit 33:24 und ist mit 28 Pluszählern schon fast im gesicherten Hafen. Der ThSV Eisenach verharrt bei 23 Punkten und hat noch ein kleines Polster zu den Abstiegsrängen. Noch.

Ausgeglichene erste Halbzeit
Die Auftaktviertelstunde ging mit leichten Vorteilen an die Eisenacher, bei denen Jannis Schneibel die Regieposition übernahm. Ivan Snajder netzte per Gegenstoß zum 0:1 nach 35 Sekunden ein. Daniel Dicker traf zum 2:3 (5.). ThSV- Keeper Blaz Voncina parierte mehrfach prächtig. Einen Ballgewinn von Daniel Hideg, der zunächst Alexander Saul für Abwehraufgaben ablöste, verwertete Willy Weyhrauch zum 4:5 (12.), der letztmaligen Gäste-Führung im ersten Abschnitt. Es häuften sich Fehler und Fehlwürfe. Uwe Jungandreas, der Coach des Dessau-Roßlauer HV, rotierte, brachte frühzeitig neues Personal. Die Eisenacher hielten zunächst weiterhin dagegen, auch wenn Ivan Snajder einen an Daniel Hideg verwirkten Siebenmeter an den linken Pfosten setzte. Keeper Philip Ambrosius wurde bei den Hausherren zunehmend ein Faktor. Timo Löser brachte die Hausherren mit 6:5 in Führung (15.). Hannes Iffert glich vom Kreis zum 7:7 aus (17.). Kurz darauf mussten erst Alexander Saul und wenig später Daniel Dicker verletzt vom Parkett. Die Hauherren erhöhten die Schlagzahl, nutzten Eisenacher Fehler, netzten zum 11:9 ein (22.). Der ins ThSV-Gehäuse gekommene Thomas Eichberger führte sich mit zwei Glanzparaden bestens ein. Im energischen Nachsetzen drückte Peter Walz (insgesamt 5 Treffer bei 6 Versuchen) das Leder zum Anschlusstreffer über die Linie (24.). Der „neue“ Eisenacher Rückraum mit Daniel Hideg, Jannis Schneibel und Andrej Obranovic brauchte Zeit zur Findung. Die Hausherren vollendeten zum 17:14 (29.). Willy Weyhrauch und Jannis Schneibel antworteten noch mit dem Anschlusstreffer. Mit einem knappen 16:17-Rückstand gingen die Eisenacher in die Kabine.

Eisenach kann 23:21-Führung nicht behaupten
Mit Beginn des zweiten Abschnittes kehrte Daniel Dicker zurück. Der Österreicher im linken und Daniel Hideg auf der Alexander-Saul-Position im rechten Rückraum sowie Jannis Schneibel an den Schaltknöpfen, in dieser Rückraum-Besetzung bestritt der ThSV Eisenach überwiegend die zweiten 30 Minuten. Die Wartburgstädter forcierten deutlich das Tempo. Jannis Schneibel übernahm Verantwortung, auch von der Siebenmeterlinie. Ivan Snajder vollendete zum 18:19 und Willy Weyhrauch zum 19:20. Dessau markierte zwei Treffer zur 21:20- Führung (35.). Die Antwort der Thüringer kam prompt. Gestützt auf einen sich steigernden Thomas Eichberger im Tor erhöhten die Wartburgstädter ihre Schlagzahl. Ivan Snajder verwandelte zwei an Jannis Schneibel und Daniel Dicker verwirkte Siebenmeter zum 21:23 (40.). Die Thüringer schienen das Zepter an sich zu reißen, die Nervosität in den Gastgeber-Reihen war spürbar. „Doch der Rückstand hat uns nicht umgeworfen“, resümierte Uwe Jungandreas rückblickend. Sein Team bekam allerdings „Aufbauhilfe“ aus Thüringen. Jannis Schneibel hatte Pech bei einem Holztreffer. Daniel Hideg scheiterte an Philip Ambrosius. Beim 24:24 leuchtete wieder ein Gleichstand auf der Anzeigetafel. Beim 24:23 lagen die Hausherren wieder vorn. Daniel Dicker egalisierte (24:24, 45.). Treffer fielen in kurzen Abständen. Jannis Schneibel (25:26, 46.) und der im linken Rückraum eingewechselte Martin Potisk (26:27, 47.) brachten die Thüringer wieder in Vorhand. Timo Löser ließ das Eisenacher zum 28:27 zappeln. Im Gegenzug besorgte Peter Walz den 28:28-Ausgleich (50.). Der letztmalige Gleichstand. Erstaunlicherweise schienen die Gastgeber mehr Körner für die Schlussphase zu haben. Eisenachs Ivan Snajder scheiterte von der Siebenmeterlinie (52.). Vincent Sohmann, der Kapitän des Dessau-Roßlauer HV, zeigte wie es geht, versenkte vom Strich zum 30:28 (54.). Timo Löser ließ das 31:28 folgen (55.). Die Eisenacher trafen sich mittels grüner Karte zur Besprechung. Sie stellten auf eine 5:1-Deckung mit Ivan Snajder vorgezogen um. Die Gastgeber setzten weiter auf ihr breites Angriffsspiel (33:30, 57.), ließen sich, den Sieg vor Augen, nicht beirren. Den Eisenachern gelang zu wenig Zielführendes. Die Hausherren netzten noch zum 35:31 ein und tanzten nach dem Abpfiff auf dem Parkett der Anhalt-Arena, die einst ZAB-Halle hieß. Für sie geht es am Wochenende nach Dresden, bevor kurz hintereinander die Top-Teams aus Gummersbach und Hamburg zu Gast sind. Für den ThSV Eisenach stehen weitere Spiele gegen Mitkonkurrenten um den Klassenerhalt an. Dem Heimspiel gegen Rimpar folgen Auswärtsauftritte in Emsdetten und Ferndorf.

Statistik
Dessau-Roßlauer HV: Malek (bei 1 Siebenmeter/ 1 Parade); Ambrosius (15 Paraden); Löser (9), Hrstka (6), Sohmann (5/2), Bielzer (2), Schmidt, Danneberg (1), Neumann, Persson (1), Scheithauer (1), Emanuel (5), Seidler, Zahradnicek (5)

ThSV Eisenach: Voncina (1.-22. u. 51.-60./ 4 Paraden), Eichberger (22.-51./8 Paraden) Fehr; Iffert (1), Wöhler (1), Potisk (1), Walz (5), Hideg (1), A. Alaj, Dicker (3), Obranovic, Schneibel (7/1), Snajder (7/3), Weyhrauch (5), Saul

Siebenmeter:
Dessau-Roßlauer HV: 2/3ThSV Eisenach: 4/6

Zeitstrafen:
Dessau-Roßlauer HV: 8 Min.ThSV Eisenach: 2 Min.

Schiedsrichter:
Susann Kruska/
Sarah Lange

Zuschauer:
keine

Th. Levknecht  

 

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