Eisenach Online – Aktuelle Nachrichten

Ein völlig ungleiches Duell

Personell auf dem Zahnfleisch kriechend kassierte der ThSV Eisenach gegen den mit allen nationalen und internationalern Stars nach Coburg angereisten Titelanwärter Rhein-Neckar-Löwen eine klare 19:42 (8:22)-Niederlage. Von der HBL beauflagt, weil die heimische Werner-Aßmann-Halle nicht voll umfänglich den geforderten Standards entspricht, trugen die Thüringer dieses «Heimspiel» im Fränkischen aus. Die Wartburgstädter, nach einjährigem Intermezzo in der Eliteklasse wieder in die 2. Handballbundesliga zurückkehrend, mussten mit Tomas Sklenak, Girts Lilienfelds, Daniel Luther, Dener Jaanimaa und Nick Heinemann gleich auf fünf verletzte Stammkräfte verzichten. Nicolai Hansen und Hannes Jon Jonsson, nach Verletzungen noch nicht wieder im Vollbesitz ihrer Kräfte, stellten sich in den Dienst der Mannschaft. Außen Adrian Wöhler hielt nach einer Karambolage mit Andy Schmidt trotz Übelkeit durch, begab sich mit Verdacht auf Gehirnerschütterung nach der Rückkehr in Eisenach sofort ins St. Georg-Klinikum. Ein von Beginn völlig ungleiches Duell! Trotz allen Bemühens vermochten die Eisenacher den von Beginn auf Torejagd gehenden Gästen nicht Paroli zu bieten und mussten mit ihrem Rumpfaufgebot über die höchste Saisonniederlage quittieren.
Torejagd hieß das Motto der Gäste, im Kopf-an-Kopf-Rennen um die Meisterkrone mit dem THW Kiel. Dem Rumpfaufgebot der Eisenacher gelang es nicht, das Tempo zu dosieren. Löwen-Trainer Gudmundur Gudmundsson forderte sein Team unaufhörlich zu offensiver Abwehrarbeit und Ballgewinnen auf. Keeper Niklas Landin zog der Eisenacher Offensive mit einer Vielzahl gehaltener Bälle frühzeitig den Nerv. Der Däne parierte über 50 Prozent der Würfe! Gegenstoß auf Gegenstoß rollte in Richtung Eisenacher Kasten. Andy Schmidt (12 Tore) präsentierte sich in blendender Verfassung. Nach knapp zwanzig Minute netzte Villaplana Guardiola zur erstmaligen 10-Tore-Führung ein (4:14). Er zeichnete sich auch für den Treffer zum 14:34 (50.) verantwortlich. Erfolgreiche Spielzüge besaßen beim ThSV Eisenach Seltenheitswert, unterliefen bei Ballbesitz auch zu viele Patzer. Erfolgreiche Zuspiele zur Kreismitte, zu Nicolai Hansen und Benjamin Trautvetter, besaßen Seltenheitswert. Aus dem Rückraum durchzusetzen vermochte sich hin und wieder Aivis Jurdzs. Rückraum-Kollege Mikel Aguirrezabalaga deutete im zweiten Abschnitt seine Qualitäten an.
«Wir kämpfen mit dem THW Kiel um die Meisterschaft, agierten sechzig Minuten hoch konzentriert. Wir kämpfen um jedes Tor; deshalb auch die Auszeit kurz vor dem Abpfiff», warb Löwen-Trainer Gudmundur Gudmundsson um Verständnis für die grüne Karte 17 Sekunden vor Ultimo, die die Zuschauer mit einem deftigen Pfeifkonzert bedachten. Die schwachen Spielleiter Hörath/Hofmann erkannten dem Titelanwärter noch einen (umstrittenen) Siebenmeter zu, den Andy Schmidt zum Endstand verwandelte. «Wir haben einfach zu viele Fehler gemacht. Über die Fehler anderer an der Partie Beteiligter möchte ich lieber schweigen. Stolz sind wir auf unsere Fans, die das Team sechzig Minuten lautstark unterstützt haben. Das zeichnet den ThSV Eisenach aus», erklärte Adalsteinn Eyjolfsson, der Coach der Wartburgstädter.

HSC Coburg nächste Saison wieder in der 2. Handballbundesliga
Im weiten Rund der HUK-Coburg Arena wurde von den einheimischen Zuschauern nach dem Abpfiff kräftig gefeiert, wurde mittels Leinwand der den Aufstieg des HSC Coburg in die 2. Handballbundesliga bedeutende Auswärtssieg in Pforzheim übertragen. In der nächsten Saison gibt es folglich wieder die Vergleiche um Punkte zwischen dem ThSV Eisenach und dem HSC Coburg. Stimmungsvolle Partien vor großen Zuschauerkulissen sind gewiss.

Kaum personelle Alternativen für ThSV-Coach Adalsteinn Eyjolfsson
Aufgrund der personellen Situation bestanden für ThSV-Coach Adalsteinn Eyjolfsson kaum Spielräume. Nick Heinemann saß zwar auf der Bank, konnte wegen einer Fußverletzung nicht mitwirken. Im Duell David gegen Golliath hatte der underdog gerade einmal neun Feldspieler zur Verfügung. Der ThSV Eisenach begann mit Bjarki Elisson auf Links- und Adrian Wöhler auf Rechtsaußen, Aivis Jurdzs im linken und Faruk Vrazalic im rechten Rückraum, Hannes Jon Jonsson auf der zentralen Aufbauposition (in der Abwehr von Branimir Koloper abgelöst), Nicolai Hansen am Kreis und Rene Villadsen im Tor. Die Gäste wucherten von Beginn mit einer qualitativ und quantitativ voll besetzten Wechselbank. Angesichts ihres hochkarätig besetzten Kaders konnten sie sich den Luxus leisten, Torjäger Uwe Gensheimer zu schonen. Löwen-Keeper Niklas Landin vernagelte sein Gehäuse. Bjarki Elisson brachte gleich einen Siebenmeter nicht am Dänen vorbei (5.). Das Selbstbewusstsein der Eisenacher sackte in die Hose, war beim Schlussmann der Löwen immer wieder Endstation. Die Gäste schalteten blitzschnell zum Gegenstoß (1:5, 7.). Nach einer Eisenacher Auszeit netzten Faruk Vrazalic und Adrian Wöhler ein (3:6, 9.). Die Gäste übernahmen nun die eindeutige Dominanz. Eisenacher Fehler begünstigten ihr Aufstocken der Trefferausbeute zum 3:12 (18.) und 4:14 (22.). Da lagen Handball-Welten zwischen beiden Teams! Die Gäste wechselten kräftig durch. Neidvoll blickte Eisenachs Coach auf die Löwen-Bank.

Löwen schrauben im Schlussgang die Trefferquote noch hoch
Oliver Roggisch, zwar bei der Erwärmung dabei, aber nicht mehr aktiv eingreifend, zum Saisonende seine erfolgreiche Kariere beendend, feuerte seine Teamkollegen hinter der Wechselbank im zweiten Abschnitt unaufhörlich an. Kreisspieler Bjarte Myrhol netzte zum 11:25 ein (35.). Alexander Petersson erhöhte im Doppelpack auf 11:28 (39.). ThSV-Coach Adalsteinn Eyjolfsson betraute Mikel Aguirrezabalag Garcia mit der Rolle des Spielgestalters. Der Spanier sorgte für mehr spielerische Sicherheit in den Eisenacher Reihen! Er initiierte auch einige erfolgreiche Spielzüge, bediente Nicolai Hansen, der vom Kreis zum 12:28 vollendete (40.). Mikel Aguirrezabalala ließ mit knallhartem Wurf dem guten Niklas Landin im Löwen-Kasten keine Chance (41.). Nach einer «Dauerfehde» mit Eisenachs Nicolai Hansen war nach der dritten Zeitstrafe für Nikola Manojlovic die Partie vorzeitig beendet (43.), doch das hatte letztendlich nur statistischen Wert. Löwen-Trainer Gudmundur Gudmundsson stachelte seine Schützlinge weiter unaufhörlich von der Seitenlinie an, forderte weitere Treffer. Torhüter Niklas Landin läutete mit einem abgewehrten Vrazalic-Strafwurf den Schlussspurt des Titelaspiranten ein. Patrik Groetki hob das Leder von Rechtsaußen zum 16:36 ins ab der 41. Minute von Stanilsaw Gorbotschuk gehütete Gehäuse der Wartburgstädter. Aber auch der ThSV Eisenach vermeldete noch zwei sehenswerte Aktionen: eine Ballstafette zum an der Kreismitte aufgetauchten Varuk Vrazalic zum 17:36 vollendete (54.) und eine Dublette zwischen Hannes Jon Jonsson und Benjamin Trautvetter zum 18:38 (56.). Die Löwen indes knackten noch die 40er Grenze und ließen sich vom zahlenmäßig und stimmgewaltigen eigenen Anhang tüchtig feiern. Ein Meisterstück war freilich nicht notwendig, beim personell auf dem Zahnfleisch kriechenden Absteiger, der zudem auf sein Heimrecht verzichten musste….

Statistik

ThSV Eisenach: Villadsen (1.-42.Min.; 6 Paraden/30 Gegentore), Gorobtschuk (ab 42; 2 Paraden/12 Gegentore); Trautvetter (2), Elisson (1), Wöhler (1), Jurdzs (4), Jonsson (2), Hansen (1), Aguirrezabalaga (4), Vrazalic (4/1), Koloper

Rhein-Neckar-Löwen: Landin (21 Paraden/19 Gegentore), Stojanovic (n.e.); Schmid (12/3), Sesum. Guardiola (1), Manojlovic (2), Sigumannsson (4), Gorbok (1), Myrhol (3), Groetzki (5), Guardiola (5), Petersson (6), Ekdahl (3)

Zeitstrafen:
ThSV Eisenach 4 x 2 Min. (Wöhler 2 x 2 Min., Jurdzs u. Hansen je 2 Min.)
Rhein-Neckar-Löwen 4 x 2 Min. (Manojlovic 3 x 2 Min. und Rot nach 3. ZS,
43., Guardiola 2 Min.)

Siebenmeter:
ThSV Eisenach: 3/1 (Elisson und Vrazalic scheitern je 1 x an Landin,
Vrazalic verwandelt 1 x gegen Landin)
Rhein-Neckar-Löwen 3/3 (Schmid verwandelt 2 x gegen Villadsen und 1 x gegen Gorobtschuk)

Schiedsrichter: Hörath/Hofmann

Zuschauer: 2700 in der HUK.Coburg Arena

Beste Spieler:
ThSV Eisenach: Jurdzs
Rhein-Neckar-Löwen: Schmid, Landin

Karl-Heinz Brack | | Quelle:

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