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Eine handballbegeisterte Region brüsk vor den Kopf gestoßen

Zu: Schiedsgericht der HBL weist Klage des ThSV Eisenach ab

Wider jeglichem normalen Menschenverstand! Ein Aufsteiger in die 1. Handballbundesliga darf keines seiner Heimspiele in seiner Heimhalle austragen. Warum? Weil in der 3.000 Zuschauer fassenden Halle an der zweiten Längsseite sieben Zuschauerreihen fehlen. Einfach unglaublich! So ergeht es gerade dem ThSV Eisenach. Eine ganze handballbegeisterte Region wird brüsk vor den Kopf gestoßen. Die Sportler selber, die Fans und die vielen kleinen Firmen und Gewerbetreibende, die mit jedem Euro rechnen müssen und dennoch ihren Handballverein unterstützen. Weil hier der Handball gelebt wird. Wenn der ThSV Eisenach spielt, muss keine Stimmung aus Lautsprechern eingespielt werden, hier sorgen die Zuschauer selber für eine fantastische Atmosphäre. Ausgerechnet der für Handball zuständige Verband knallt dem THSV Eisenach die Tür zu, entzieht ihm eine sportliche und wirtschaftliche Chance. Andreas Thiel, den wir alle als exzellenten Torhüter geschätzt haben, zeigt sich nun als Funktionär als Hardliner gegen den Sport. Der ThSV Eisenach hatte gegen den Entscheid geklagt, doch der HBL-Vertreter Andreas Thiel hat nicht mit sich reden lassen. Und hinterher rühmt sich dieser Handballverband noch seiner Standhaftigkeit. Der ThSV Eisenach solle seine Heimspiele in einer Halle austragen, wo an beiden Längszeiten Zuschauertribünen sind. Etwa in einem anderen Bundesland, im hessischen Rotenburg. Das würde den ohnehin nicht auf Rosen gebetteten Verein wesentlich höhere Ausgaben und wesentlich weniger Einnahmen bringen. Warum soll der Fleischer, Bäcker, Energieversorger, Maler oder Autohändler aus Eisenach in Rotenburg werben? Viel schlimmer, der ThSV Eisenach wird seiner einzigartigen Heimspielatmosphäre beraubt. Zusätzliche Kosten und Zeit kann nicht jeder Fan aufbringen! Zu DDR-Zeiten wurde Motor Eisenach gezwungen, seine Heimspiele auswärts auszutragen. Eigentlich dachten wir, solche Zeiten sind vorbei. Damals waren die BSG-Mannschaften der Sportführung ein Dorn im Auge. Sollen heute die mit riesigem ehrenamtlichem Engagement untersetzten kleinen Vereine kaputt gemacht werden? Im Jahr 1958 wurde Motor Eisenach allen Unkenrufen zum Trotz Deutscher Meister im Feldhandball der DDR. Die größtenteils bereits verstorben Helden von einst drehen sich im Grab, wie die Sportführung im wiedervereinigten Deutschland mit ihren Nachfolgern umgeht. Eisenach hat es nach der Wende unter ganz schwierigen Bedingungen geschafft, Leistungshandball am Leben zu erhalten. Nach wie vor wird auch ganz viel in den Nachwuchs investiert. Was sollen denn die Talente von den Verbandsoberen denken? Wie fühlen die sich?
Der Umbau der Werner-Aßmann-Halle steht zudem unmittelbar bevor. Einer Halle, die durch unzählige freiwillige Arbeitsstunden 1984 entstanden ist, was in den alten Bundesländern sicher keiner versteht. 1997 wurde sie bereits erweitert. Im April rollen die Bagger wieder an, um auch die sieben fehlenden Zuschauerreihen zu bauen.
Gibt es in der Handballführung Deutschlands tatsächlich keine vernünftigen Köpfe? Oder steckt gar etwas ganz anderes dahinter? Wird mit einem Verzicht der Eisenacher gerechnet, um Horst Bredemeiers eigentlich abgestiegenes GWD Minden in der Liga zu halten?

Günter Oppel, Eisenach

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