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Eisenachs famose Aufholjagd bleibt unbelohnt

Wartburgstädter unterliegen Aufstiegsanwärter SG BBM Bietigheim 23:26 (8:13)
Die Emotionen kochten in der mit knapp 2.000 Zuschauern gut gefüllten Eisenacher Werner-Aßmann-Halle hoch! Die Gastgeber hatten nach einem 8:14-Rückstand (31.) trotz mehrfacher Unterzahl eine von Jonas Ulshöfer initiierte famose Aufholjagd gestartet, waren beim 23:24 (58.) drauf und dran, der SG BBM Bietigheim einen Punkt abzuknöpfen. Der Aufstiegsfavorit um Ex-Weltmeister Michael Kraus wankte. Zum Entsetzen der Eisenacher verhängten die Referees Lucas Hellbusch und Darnel Jansen eine heiß umstrittene Zeitstrafe gegen Ivan Snajder, zückten wenige Sekunden später auch gegen Andrej Obranovic Rot. Christian Schäfer verwandelte von der Siebenmeterlinie zum 23:25 (60.). Die Spielentscheidung! Letztendlich unterlag der ThSV Eisenach der von seinem ehemaligen Spielgestalter Hannes Jon Jonsson trainierten SG BBM Bietigheim 23:26 (8:13). Die Gäste, durch diesen Doppelpunktgewinn nur noch durch das Torverhältnis von einem Aufstiegsplatz getrennt, tanzten ausgelassen. Die Schiedsrichter wurden mit „Schieber! Schieber!“-Rufen in die Kabine geleitet. ThSV-Coach Sead Hasanefendic war stinksauer auf die Gesamtleistung der Referees. Sein Team sieht sich seit Wochen ungerecht behandelt.

Notierens wert!
Schöne Geste von Michael „Mimi“ Kraus; er stellte sich nach dem Abpfiff bereitwillig zu Fotos, verteilte fleißig Autogramme. Und auch das ist zu vermerken: Eisenachs einstiger Coach Adalsteinn Eyjolfsson (2010 bis 2014 beim ThSV), kürzlich von Erstbundesligist HC Erlangen beurlaubt und nächste Saison in der Schweiz, sowie der Top-Torjäger der 1. Handballbundesliga, der in der aktuellen Saison mit 189 Treffern die Torjägerliste von Deutschlands Eliteliga anführender Bjarki Elisson (TBV Lemgo), von 2013 bis 2015 beim ThSV Eisenach, weilten in der Werner-Aßmann-Halle und waren vom einzigartigen Fluidum begeisterte. Ihre eigene Eisenacher Zeit lebte noch einmal auf. Auch die Ex-ThSV-Spieler Nicolai Hansen, Benjamin Trautvetter und Daniel Luther weilten in der Halle. Hannes Jon Jonsson, der Coach der SG BBM Bietigheim, von 2012 bis 2015 als Spielgestalter maßgeblich an Eisenachs Erfolgen inklusive des Erstbundesliga-Aufstiegs beteiligt, mit ganz viel Beifall an seiner einstigen Wirkungsstätte begrüßt, trat mit seinem Team nicht die Heimreise an. Er feierte am Sonntag mit seiner Familie und geladenen Freunden seinen 40. Geburtstag in der Wartburgstadt.

Alexander Saul: Uns fehlt die Konstanz

Zur Halbzeitpause sah es nach einer deutlichen Heimniederlage aus, nach der zweiten Halbzeit hatte die Partie keinen Sieger verdient, fasst Eisenachs einstiger Klasse-Rechtsaußen Bernd Fichtner die 60 Minuten zusammen.

Erste Halbzeit pfui, zweite Halbzeit hui, so Stanislaw Gorobtschuk, der an diesem Abend nicht zum Aufgebot zählende ThSV-Keeper.

In die gleiche Kerbe schlug Eisenachs Rückraumspieler Alexander Saul:

Uns fehlt einfach die Konstanz über das gesamte Spiel.

Mit dickem Knie die Treppe zur Kabine hochhumpelnd fügte der Linkshänder hinzu:

Im zweiten Abschnitt kämpften wir uns heran, doch die Schiedsrichterpfiffe trafen uns wie Nadelstiche. Ich bekomme beim Torwurf einen Schub. Der Pfiff bleibt aus. Sekunden später die gleiche Aktion auf der anderen Seite. Da ertönt der Freiwurfpfiff.

ThSV-Coach Sead Hasanefendic rang angesichts der Schiedsrichterleistung um Worte.

Uns wurde die Chance auf einen Punkt genommen, unterstrich die Trainerikone.

Für sein Team wurden 18 Strafminuten inklusive zwei roter Karten (Racic 20., Obranovic 60.) verteilt. Das Spielprotokoll wies bei den Gästen ganze 6 Strafminuten aus.

ThSV Eisenach bis zur Pause mit 9 Technik- und Regelfehlern
Für die Betrachtung der Partie müssen freilich mehrere Aspekte in Betracht gezogen werden. Obwohl der Start nicht optimal verlief, Adrian Wöhler scheiterte nach 65 Sekunden per Strafwurf am erst wenige Tage zuvor vom HSV Hamburg zur SG BBM Bietigheim gewechselten 2,05-Meter-Keeper, führte der ThSV Eisenach durch einen im Nachwurf von Marko Racic versenkten Ball mit 5:4 (9.).

Danach gab es einen deutlichen Bruch in unserem Spiel, konstatierte ThSV-Manager Rene Witte.

Bis zur Halbzeitpause gelangen nur noch drei Treffer. Mit 9 Technik- und Regelfehlern bremste sich der ThSV Eisenach selbst aus. Michael Kraus öffnete sein bekanntes Wurfrepertoire, das Zusammenspiel mit dem Kreisläufer klappte bestens. Nach einem der zahlreichen technischen Fehler der Gastgeber netzte Christian Schäfer per Gegenstoß zum 5:9 ein (17.). Kurz darauf war für Eisenachs 2-Meter-Keisläufer Marko Racic wegen zu ungestümen Einsteigens die Partie mit Rot vorzeitig beendet (20.). Justin Mürköster kam für dessen Aufgaben am Kreis und in der Deckung. Yoav Lumbroso übernahm die Regierolle. Ivan Snajder besetzte die Linksaußen-Position. Der junge Marius Noack löste bis kurz vor der Halbzeitpause Blaz Voncina im ThSV-Kasten ab. Das Fehlerfestival ging weiter. Gäste-Keeper Aron Edvardsson konnte sich bei den wenigen Eisenacher Würfen auszeichnen. (Er parierte im gesamten Spiel 9 Bälle, ebenso viel wie beide ThSV-Torhüter.) Nikola Vlahovic traf über rechts zum 6:12 (27.). Beim Stand von 8:13 wurden die Seiten gewechselt.

Mit ganz viel Herzblut einem Punkt ganz nahe
Kurz nach Wiederbeginn landete ein Ball von Michael Kraus wieder im von Blaz Voncina gehüteten Eisenacher Kasten zum 8:14 (31.). Das Signal der Hausherren zu einer famosen Aufholjagd mit ganz viel Herzblut. Jonas Ulshöfer, Andrej Obranovic und Alexander Saul trafen zum 11:14 (34.). Zwei Voncina-Paraden machten zusätzlich Mut. Kurz darauf stand der ThSV Eisenach in doppelter Unterzahl auf dem Parkett. Jens Asmuth netzte zum 11:15 ein (36.). Doch Eisenachs Moral war ungebrochen! Das markte auch die blau-weiße Fangemeinde auf den Rängen, die ihre Phonstärke deutlich erhöhte. Jonas Ulshöfer ließ sich nicht stellen, traf in Unterzahl, bediente Ante Tokic, beim 14:15 (39.) lag das Leder zum Anschlusstreffer im Netz. Und immer wieder gossen die Spielleiter mit ihren Entscheidungen Öl ins Feuer! Clever nutzte der Erstbundesliga-Absteiger seine Chancen zum 16:19 (43.). Nach einer Auszeit hatte der ThSV Eisenach einen Spieler zuviel auf dem Parkett. Die Folge: Zeitstrafe für Blaz Voncina und Ball für die SG BBM Bietigheim, die wenig später zum 16:21 einnetzt (48.). Die Moral des ThSV Eisenach war dennoch ungebrochen. Auch wenn ein Potisk-Ball am Holz des leeren Gästekastens landete, Ante Tokic einen Siebenmeter neben das Tor setzte (52.). Der Rechtsaußen brachte seine Qualitäten aus dem Feld ein. Hatten sich seine Mitspieler diese zu spät zu Nutze gemacht? Adrian Wöhler traf per Strafwurf zum 20:22 (55.). Patrick Rentschler antworte zum 20:23 (55.). Ein typischer Michael-Kraus-Wurf landete zum 21:24 im Eisenacher Gehäuse (56.). ThSV-Coach Sead Hasanefendic stellte auf eine 5:1-Abwehr um. Luka Kikanovic und Ivan Snajder lochten per Gegenstoß zum 23:24 ein (58.) ein. Blaz Voncina hatte dazwischen pariert. Dann kam die unsägliche und folgenschwere Schiedsrichter-Entscheidung…!

Manager Rene Witte: Wir müssen Vertrauen in uns selbst haben

Wir waren gegen einen Aufstiegsanwärter bis in die Schlussphase dran. Das zeigt unser Potential. Wir müssen Vertrauen in uns selbst haben. Es gilt Ruhe zu bewahren. Für uns gilt es nun, die kommenden vier Auswärtsaufgaben in Folge anzunehmen, erklärt Rene Witte, Geschäftsführer und Manager des ThSV Eisenach mit Blick auf die kommenden vier Wochen, mit den Auswärtssielen in Hamm (28.02.), Essen (06.03.), Lübeck (13.03.) und Hamburg (22.03.).

Derzeit rangiert der ThSV Eisenach weiterhin auf dem 10. Tabellenplatz

Statistik
ThSV Eisenach: Vonciana (1 Tor, 7 Paraden/ 18 Gegentore), Noack (2 Paraden/ 8 Gegentore); Kikanovic (3), Wöhler (2/2), Potisk, Ulshöfer (4), Miljak, Tokic (6), Richardt, A. Alaj, Mürköster, Obranovic (2), Lumbroso, Snajder (1), Racic (1), Saul (3)
SG BBM Bietigheim: Edvardsson (9 Paraden/ 14 Gegentore), Müller; Vlahovic (1), Rentschler (3), Claus (3), Öhler, Kraus (6), Schäfer (7/5), M. Urban, Ronningen, Dahlhaus (1), Link (2), Asmuth (1), L. Urban, Boschen, Fischer (2)
Siebenmeter: ThSV Eisenach 2/4 (Wöhler verwandelt 2 x gegen Edvardsson und scheitert 1 x an Edvardssn, Tokic wirft gegen Edvardsson vorbei) / SG BBM Bietigheim: 5/6 (Schäfer verwandelt 5 x gegen Voncina und scheitert 1 x an Voncina)
Zeitstrafen: ThSV Eisenach: 18 Min. (Snajder 4, Voncina, Kikanovic, Miljak, Obranovic, Saul je 2, Rot gegen Racic und Snajder) / SG BBM Bietigheim: 6 Min. (Dahlhaus, Link, Asmuth je 2 Min.)
Schiedsrichter: Hellbusch/ Jansen
Zuschauer: 1.938

Th. Levknecht

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