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Erste Heimniederlage für Misha Kaufmann

„In den unpassendsten Augenblicken haben wir gepatzt“ – ThSV Eisenach unterliegt nach leidenschaftlichem Fight und „kuriosen Begleitumständen“ der SG BBM Bietigheim 25:27 (11:11)

Jede Serie reißt einmal. Nach 9:1-Punkten seit seinem Amtsantritt Mitte Oktober bezog der ThSV Eisenach unter Trainer Misha Kaufmann seine erste Heimniederlage. Nach turbulenten 60 Minuten unterlag der ThSV Eisenach vor 500 Zuschauern (mehr waren nicht zugelassen) der SG BBM Bietigheim knapp mit 25:27 (11:11). Das Team aus Baden-Württemberg mit Ex-Weltmeister Iker Romero als Coach revanchierte sich damit für die 26:29-Hinspielniederlage zum Saisonauftakt. Der ThSV Eisenach empfängt am Mittwoch, 16.02.2022, bereits um 19.00 Uhr (!!), in einem Nachholspiel TuSEM Essen, zu dem erneut nur 500 Zuschauer zugelassen sind. Tickets im freien Verkauf gibt es am Montag und Dienstag in der ThSV-Geschäftsstelle. Solange der Vorrat reicht!

Ich möchte mich bei den Spielern beider Teams für ihre Disziplin bedanken, erklärte Eisenachs Sportlicher Leiter Maik Nowak mit Blick auf die Begleitumstände.

Der ehemalige DHB-Auswahltrainer spielte dabei auf die viel Öl ins Feuer gießenden Schiedsrichter sowie Zeitnehmer und Sekretär an. Er gratulierte den Gästen sportlich fair zum Sieg

auch wenn wir vielleicht einen Punkt verdient hätten, sinnierte Maik Nowak.

Die personell sehr gut besetzten Gäste haben sehr clever gespielt. Unser Keeper Johannes Jepsen, einer der Garanten unseres Auswärtssieges, bekam in der zweiten Halbzeit leider keinen Ball zu fassen. Wir kassierten viele fragwürdige Zeitstrafen, büßten unsere 14:12-Führung durch eine doppelte Unterzahl ein. Ein Riesenkompliment an meine Jungs, wie sie 5- und 4-Tore-Rückstände wegsteckten und am Ende ganz nah an einem Zähler waren, betonte ThSV-Coach Misha Kaufmann. Seine Spieler gaben selbstkritisch ihre Schwächen zu.

Wir kassierten zu viele Gegentreffer über die Mitte. Im Angriff spielten wir zu viel quer. In den letzten zehn Minuten haben wir gezeigt, dass wir es besser können, steuerten mit Power das gegnerische Tor an, aber das kam wohl zu spät, so ThSV-Linkshänder Alexander Saul, der 5 Bälle einnetzte.

Wir haben zu viele freie Wurfchancen ausgelassen. In den unpassendsten Augenblicken patzten wir und standen am Ende mit leeren Händen da, erklärte Eisenachs Rückraumspieler Daniel Hideg.

Er hatte kurz nach dem Seitenwechsel zum 13:11 eingenetzt (32.). Doch nach dem 14:12 (34.) und einer Vielzahl heftig umstrittener Schiedsrichterentscheidungen gaben die Eisenacher die Spielkontrolle aus der Hand. Die Gäste um ihren torgefährlichen Rückraum-Mitte-Mann Juan de la Pena (7 Treffer bei 8 Versuchen) brachten ihre individuellen Qualitäten zum Tragen. Vielfach wurde über Dominic Claus abgeschlossen, dessen abgefälschter Ball zum 16:20 im Eisenacher Kasten zappelte (44.). Alexander Saul und Fynn Hangstein scheiterten zuvor an Konstantin Poltrum im Gästekasten, ein Jannis-Schneibel-Ball klatschte ans Holz, ein Zuspiel auf Willy Weyhrauch war zu hoch angesetzt, landete im Seitenaus. Die Stürmerfoul-Auslegung der Unparteiischen erhitzten die Gemüter auf Parkett und Rängen. Die Eisenacher kassierten das 18:23 nach einem Ballgewinn von Jan Asmuth und dessen Wurf in das leere Eisenacher Tor (49.). Jannis Schneibel blies mit zwei Treffern zum Eisenacher Schlussspurt. Trainer Misha Kaufmann beorderte den in die Nahtstellen der Abwehr marschierenden Martin Potisk auf das Parkett. Die Wartburgstädter forcierten noch einmal deutlich das Tempo, zeigten mehr Geradlinigkeit im Angriffsspiel. Martin Potisk bediente den aus der Bewegung zum 23:24 abziehenden Alexander Saul (54.). Kurz darauf schickten die Spielleiter Eisenachs Daniel Hideg auf die Bank. Johannes Fischer traf mit „viel Dusel“ zum 23:55 (55.). Einen an Jonas Ulshöfer verwirkten Siebenmeter verwandelte Fynn Hangstein mit seinem 7. Treffer zum 24:25 (55.). Der folgende Gäste-Wurf landete neben dem Eisenacher Kasten. Zum Entsetzen aller Eisenacher entschieden die Referees auf Eckball. Kurz darauf folgten Turbulenzen am Kampfgericht? Wann lag nun die grüne Karte der Gäste? Es ging drunter und drüber, im Spielprotokoll ist später von einem 25:25-Ausgleichstreffer zu lesen, doch der fiel nicht. Christian Schäfer versenkte für die Gäste vom Siebenmeter-Strich zum 24:26. Dem 5. Treffer von Alexander Saul (in erneuter Unterzahl) zum 25:26 und einer Gäste-Auszeit folgte das 25:27 durch Dominik Claus. Der Endstand. Die Gäste jubelten.

Wille und Einstellung haben bei uns gestimmt, kamen wir nach dem 20:24-Rückstand doch zurück. Zu einem Punktgewinn reichte es aber nicht mehr, erklärte ein niedergeschlagener Eisenacher Kapitän Peter Walz.

Gegen Eisenachs 5:1-Abwehr haben wir sehr gut gearbeitet. In der Abwehr haben wir wichtige Bälle gewonnen und einfache Treffer erzielt. Am Ende konnte die Partie in die eine oder andere Richtung ausschlagen, resümierte Iker Romero, der Coach der SG BBM Bietigheim.

ThSV Eisenach nur 3 Treffer in der Auftaktviertelstunde

Unser Angriffsspiel war schon in den ersten 10 Minuten sehr fragwürdig, gestand Eisenachs Alexander Saul.

Die Gäste riegelten mit ihrer kompakten 6:0 Deckung im Zusammenspiel mit Keeper Konstantin Poltrum ab. Der Ex-Coburger war sofort auf Betriebstemperatur. Gut für die Hausherren, ihr Keeper Johannes Jepsen fischte einen Wesseling- Siebenmeter locker herunter (10.). Der Wecker für seine Vorderleute war das allerdings nicht. Nach 15 Minuten leuchtete ein 3:6 an der Anzeigetafel. Zu durchsichtig und ohne Durchschlagskraft das Eisenacher Angriffsspiel, auch wegen fehlender Torgefahr aus der Distanz. Kapitän Peter Walz zirkelte das Leder aus der eigenen Hälfte in den leeren Bietigheimer Kasten zum 6:7 (18.). Fynn Hangstein besorgte per Gegenstoß den 7:7-Ausgleich (19.). Doch die Eisenacher kamen zu wenig ins Tempogegenstoßspiel. ThSV-Coach Misha Kaufmann versuchte mit personellen Wechseln Einfluss zu nehmen. Malte Donker und Daniel Hideg versuchten sich im rechten Rückraum. Doch Tim Dahlhaus traf im Nachwurf für die Gäste zum 7:10 (24.). Jonas Ulshöfer sorgte für frischen Wind. Er, Daniel Hideg und Peter Walz mit absoluter Willensleitung trafen zum 10:10 (27.). Einem Holztreffer der Gäste ließ Alexander Saul den ersten Führungstreffer der Hausherren zum 11:10 folgen (28.). Mario Urban glich aus. Die letzte Aktion der ersten Halbzeit: ein direkt auszuführender Freiwurf für die SG BBM Bietigheim. Der Ball von Tim Dahlhaus landet im Gesicht von Eisenachs Ivan Snajder. Die Spielleiter Leonard Borna und Malte Frank zückten für den Bietigheimer Rückraumspieler Rot. Turbulente 30 Minuten sollten noch folgen…

Statistik
ThSV Eisenach: Jepsen (6 Paraden), Lucin (45.- 51./ 1 Parade); Iffert, Potisk, Hangstein (7/3), Ulshöfer (2), Walz (2), Hideg (2), Tokic, Sousa (2), Dicker, Donker, Schneibel (3), Snajder (2), Weyhrauch, Saul (5)
SG BBM Bietigheim: Poltrum (11 Paraden), Lehmann; Vlahovic (2), Claus (5), Dahlhaus (1), Schäfer (4/4), de la Pena (7), Urban (1), Barthe (1), Link, Asmuth (2), Wesseling (1/1), Pfeifer, Boschen, Fischer (3)
Siebenmeter: ThSV Eisenach: 3/3 (Hangstein verwandelt 3 x gegen Poltrum) – SG BBM Bietigheim: (Wesseling verwandelt 1 x gegen Jespsen u. scheitert 1 x an Jepsen, Schäfer verwandelt 3 x gegen Jepsen und 1 x gegen Lucin)
Zeitstrafen: ThSV Eisenach: 7 x 2 Min, – SG BBM Bietigheim: 3 x 2 Min., Rot für Dahlhaus nach grober Unsportlichkeit (30.)
Schiedsrichter: Bona/Frank
Zuschauer: 500 (ausverkauft)

Th. Levknecht

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