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Rene Witte hauchte dem Traditionsverein neues Leben ein | Bildquelle: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach

Beschreibung: Rene Witte hauchte dem Traditionsverein neues Leben ein
Bildquelle: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach

Es ist vieles auf den Weg gebracht…

Rene Witte, Geschäftsführer und Manager des ThSV Eisenach, spricht über seinen schwierigen Einstieg, viele Helfer an seiner Seite, den Aufstieg sowie über kurz- und mittelfristige Aufgaben

Der ThSV Eisenach ging als souveräner Meister der Staffel Ost der 3. Liga (mit 12 Punkten Vorsprung vor der SG Nußloch) in die Relegationsspiele gegen den Süd-Staffel-Meister HSG Konstanz. Das Hinspiel, vor nahezu 3.000 Zuschauern in der heimischen Werner-Aßmann-Halle, entschied das Team um Trainerikone Sead Hasanefendic mit 30:25, das Rückspiel in der mit 1.800 Zuschauern ausverkauften Schänzle-Halle in Konstanz ging mit 29:26 an die Wartburgstädter. Der thüringische Traditionsverein kehrte auf die Bundesligabühne zurück.

Wir sprachen mit Rene Witte, Geschäftsführer und Manager, einem der Macher der erfolgreichen Saison:
Glückwunsch zum Aufstieg des ThSV Eisenach in die 2. Handballbundesliga der Männer! Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an Ihren ganz persönlichen Start beim ThSV Eisenach zwei Wochen vor dem ersten Drittliga-Punktspiel im August des Vorjahres denken?
Der Verein befand sich nach dem erstmaligen Abstieg in die 3. Liga in einer Art Schockzustand. Er hat sich nur noch verwaltet. Wir haben eine Neugestaltung ausgelöst, doch dieser Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen. Zwei Wochen vor dem ersten Punktspiel war der ThSV Eisenach kaum auf die 3. Liga vorbereitet. Als Beispiel ist zu nennen, auf den Werbeplakaten prangte noch das Logo der 2. Handballbundesliga. Etliche Sponsorenverträge mussten für die 3. Liga neu gestaltet werden. Mit vielen Sponsoren wurde bis dahin gar nicht gesprochen. Ich habe mich schnellstmöglich in die Abläufe eingearbeitet, gleichzeitig versucht, jeden Stein umzudrehen, Gutes versucht zu bewahren, Neues zu entwickeln. Es galt, verlorenen Boden zurückzugewinnen, Vertrauen im gesamten Umfeld zu schaffen. Mit hochmotivierten Mitarbeitern der Geschäftsstelle, denen mein ausdrücklicher Dank gebührt, haben wir binnen der eingangs erwähnten zwei Wochen vieles noch geregelt. Ich habe ganz viele Menschen vorgefunden, viele ehrenamtliche Helfer und Enthusiasten, die Mitglieder des Fanprojektes, die bereit waren, die Ärmel hochzukrempeln, um „ihrem“ ThSV Eisenach zu helfen. Eingeschlossen die Zuschauer! Im Vergleich mit der vorherigen Zweitbundesligasaison kamen im Schnitt 200 Zuschauer mehr zu den Heimspielen in die Werner-Aßmann-Halle. Mit nahezu 1.700 Zuschauern verzeichneten wir den absoluten Spitzenwert aller vier Drittliga-Staffeln. Im Zuschauerranking der 2. Handballbundesliga hätten wir damit Platz 9 belegt!

Was waren aus Ihrer Sicht die Säulen des Erfolges, wichtige Eckdaten?
Da ist natürlich der auch im Sommer des Vorjahres verpflichtete erfahrene Trainer Sead Hasanefendic zu nennen. Eine Ikone von unschätzbarem Wert! Er hat es perfekt verstanden, eine Einheit zu formen, Freude, Spaß und nötige Ernsthaftigkeit bei einem jeden im Training und Spiel zu wecken und zu stabilisieren. Der Kader war bei meiner Amtsaufnahme sportlich nicht auf eine erfolgreiche Drittliga-Saison mit Relegation ausgelegt. Um unser Ziel zu erreichen, erfolgten im Saisonverlauf die Neuverpflichtungen von Andrej Obranovic, Yoav Lumbroso und Blaz Voncina. Schade, dass sich unser junger Martin Potisk frühzeitig einen Kreuzbandriss zugezogen hat und damit ausfiel. Von ihm erwarte ich noch viel. Er arbeitet täglich hart an seinem Comeback.
Wichtig, die gute Zusammenarbeit zwischen der Marketing GmbH und dem Vereinsvorstand mit Shpetim Alaj und Peter Krauß an der Spitze. Es entstand einer neuer Zusammenhalt, für den ich sehr dankbar bin. Zu nennen natürlich, unsere Fans, die zu den Heimspielen strömten, aber auch zu Hunderten uns auswärts begleiteten und für grandiose Stimmung sorgten.

Foto: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach • Sead Hasanefendic auch mit 70 Jahren noch ein (Handball-)Vulkan.

Was war für die sportliche Entwicklung wichtig?
Wir sind gut damit gefahren, nicht vom Aufstieg zu reden, sondern von Spiel zu Spiel zu denken, jedes Spiel neu anzugehen. Der Punktevorsprung schon zur Saisonhälfte gab uns Recht, stärkte natürlich das Selbstvertrauen. Angeführt seien die souveränen Siege über die SG Nußloch und die HSG Baunatal. Wir sendeten das klare Signal an die Konkurrenz, am ThSV Eisenach gibt es kein Vorbeikommen. Wie Mannschaft und Fans die Aufstiegsrelegation gemeinsam gestaltet haben, das spricht für sich!

Sie haben gerade die Zweitbundesliga-Lizenz erhalten. Wirtschaftlich also alles in Butter?
Die Lizenzerteilung ist gerade in schriftlicher Form eingetroffen. Bei meinem Amtsantritt fand ich ein finanzielles Loch im mittleren sechsstelligen Bereich vor. Dank der Hilfe unserer Sponsoren und Gesellschafter konnten wir das Loch schließen, die Liquidität sichern. Allen, die daran mitgeholfen haben, gebührt ein riesengroßer Dank! Es war eine Herkulesaufgabe! Es bleibt indes freilich die Aufgabe, unser negatives Eigenkapital abzubauen, uns weiter zu gesunden. Um es ganz klar zu sagen, wir sind auch in der neuen Saison nicht auf Rosen gebettet, kämpfen um jeden Cent, hoffen auf unsere langjährigen aber auch neue Sponsoren!

Richten wir den Blick nach vorn. Der ThSV Eisenach vermeldete bisher fünfAbgänge: Marcel Schliedermann, Jonas Richardt, Lars Kremnmer, Jonas Bogatzki und Sebastian Brand verlassen den ThSV Eisenach, wechseln zu anderen Vereinen. Mit Daniel Luther beendet ein waschechter Eisenacher nach 22-jähriger Vereinszugehörigkeit seine Kariere. Als Neuzugänge wurden bereits die Rückraumspieler Luka Kikanović (23 Jahre, zuletzt auf Ausleihbasis seines Stammvereins RK Celje bei Bregenz Handball) und Jonas Ulshöfer (25 Jahre, zuletzt bei der SG Bruchköbel und deren Kapitän) vermeldet. Wird es weitere Neuzugänge geben?
Wir werden in den nächsten Wochen über weitere Neuzugänge für verschiedene Positionen informieren. Das Ziel ist klar, unsere Mannschaft zweitligatauglich zu machen, ein stabiler Zweitligist zu werden, der mit dem Abstieg nichts zu tun hat. Wir wollen unseren Fans begeisternden Handball bieten. Das alles wird in der stärksten 2. Liga der Welt, die zur neuen Saison auf 18 Teams reduziert wird, eine ganz schwere Aufgabe. Wir stellen uns dem Konkurrenzkampf.
Parallel dazu müssen wir Strukturen im Verein verbessern. Das gilt für die Infrastruktur der Geschäftsstelle, um optimal arbeiten zu können. Die Betreuung unserer Sponsoren muss verbessert werden. Wir müssen stärker in der Stadt als das sportliche Aushängeschild Eisenachs präsent werden, uns zugleich sozial engagieren. Wir wollen ehemalige verdienstvolle Spieler mit ins Boot nehmen, deren Erfahrungen nutzen, Tradition lebendig gestalten. Da gibt es viele Möglichkeiten.
Die Verzahnung zwischen Hauptverein und Marketing muss weiter vorangetrieben werden. Es gilt, unsere einst vorbildliche und erfolgreiche Nachwuchsarbeit wieder aufzurichten, mittel- und langfristige Strategien zu entwickeln und umzusetzen, um im Nachwuchs in Thüringen die Spitze zu übernehmen, aber auch um überregional beachtet zu werden.
Wir stellen unsere Werbeträger auf die neue Zeit um. Zwei LED-Wände 2 x 20 Quadratmeter, LED-Banden über 2 x 20 Metern hinter den Toren eröffnen unseren Sponsoren völlig neue Möglichkeiten, sich zu präsentieren. Der ThSV Eisenach ist ein idealer Werbepartner!

In und um das handballbegeisterte Eisenach, ja in ganz Thüringen, wird stets die 1. Handballbundesliga thematisiert. Wie stehen Sie dazu?
Na klar, als Geschäftsführer und Manager möchte ich gern mit dem ThSV Eisenach Erstbundesliga-Handball präsentieren. Die Ehrlichkeit gebietet es, das kann derzeit kein Thema sein. Unsere wirtschaftlichen Rahmenbedingungen lassen das nicht zu. Ohne eine neue Arena im geplanten Berufsschul- und Sportzentrum auf dem ehemaligen Gelände des Automobilwerkes Eisenach kann an Erstliga-Handball nicht gedacht werden. Diese bietet den Zuschauern zeitgemäßen Komfort, eröffnet uns zugleich neue Einnahmequellen. Alle Sportvereine unserer Stadt werden zugleich davon profitieren! Unser eindringlicher Appell geht an alle Verantwortlichen auf den verschiedensten Ebenen, das Projekt voranzutreiben! Ohne eine neue Arena sind wir nicht konkurrenzfähig! Unsere Fans haben es verdient, in absehbarer Zeit Erstbundesliga-Handball in Eisenach zu sehen. Sie sind bereits erstklassig!

Der Dauerkartenverkauf für die Zweitbundesliga-Saison steht bevor, mit ausgesprochen lukrativem Angebot für Frühkäufer vom 04. bis 21.06.2019. Warum soll man eine Dauerkarte erwerben?
Alle können versichert sein, wir werden einen Kader zusammenstellen, der sportlich und charakterlich zum ThSV Eisenach passt! Jeder Spieler ist sich der Verantwortung gegenüber unseren Fans und Sponsoren, aber auch der Vorbildwirkung für unseren eigenen Nachwuchs bewusst. Wir werden eine Eisenacher Mannschaft sehen, die um jeden Zentimeter Hallenboden, um jeden Punkt kämpft, also beste Eisenacher Tugenden in sich trägt. Das zu sehen, lohnt sich! Wir wollen zugleich das Gefühl vermitteln, Handball beim ThSV Eisenach ist eines der wichtigsten gesellschaftlichen Ereignisse.

Foto: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach • Trainer und Manager, Sead Hasanefendic und Rene Witte.

Th. Levknecht

Andrea T. | | Quelle:

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