Finale furioso

ThSV Eisenach II wandelt 30:32-Rückstand binnen 4 Minuten in 35:32-Sieg über den SV BW Goldbach/Hochheim um • Über 300 Zuschauer bildeten stimmungsvolle Kulisse

Vier Minuten vor Ultimo wähnten sich das Team und die zahlreich mitgereisten Fans des SV Blau-Weiß Goldbach/Hochheim auf sicherem Weg zum Sieg. Alexander Werner hatte per Strafwurf zum 30:32 getroffen, ein ThSV-Zuspiel landete im Seitenaus. Doch nun startete der ThSV Eisenach II zum Finale furioso, zum 5:0-Tore-Lauf. Keeper Bastian Freitag sendete mit zwei parierten Bällen wichtige Signale. Julius Brenner powerte zum 31:32 ein (57.). Joel Stegner schloss per Gegenstoß zum 32:32 ab (58.). Florian Müller eroberte das Leder aus den Gäste-Reihen, erhielt dieses wenige Augenblicke später auf Rechtsaußen zurück und vollendete zum 33:32 (59.). Kurz darauf bekam der an diesem Tag vom Oliver Taubert gecoachte SV BW Goldbach/Hochheim seinen 9. Siebenmeter zugesprochen, 7 hatte Alexander Werner bis dahin verwandelt. ThSV-Keeper Bastian Freitag postierte sich auf der Linie, schien den Werfer damit zu irritieren. Der Ball von Alexander Werner landete am rechten Pfosten und dann im Toraus. Da waren noch 70 Sekunden zu spielen.

Wir waren nun kopf- und planlos, bekannte der Ex-Eisenacher Maximilian Manys im Aufgebot der Gäste, nach langer Verletzungspause zu Kurzeinsätzen auf dem Parkett.

Zu Beginn der letzten Minute versenkte Hristijan Remenski vom Kreis zum 34:32. Die Gäste aus dem Landkreis Gotha waren völlig konsterniert. Julius Brenner setzte mit seinem 6. Treffer zum 35:32 (15:17) den Schlusspunkt.

Wir haben aus Dummheit verloren, erklärte ein sichtlich gefrusteter Florian Schneegaß.

Der 37-jährige Keeper hatte mit insgesamt 18 abgewehrten Bällen einen beträchtlichen Anteil daran, dass sein Team über weite Strecken der Partie vorn lag, wie beim 10:13 (22.) und 20:24 (42.). Bei den von Eisenachs Spielertrainer Qendrim Alaj verwandelten 5 Strafwürfen bekamen er und Torwartkollege Andreas Fehr, vor zwei Jahren mit dem ThSV Eisenach in der 2. Handballbundesliga, keine Hand an den Ball.

Wir haben bis zum Ende an uns geglaubt, sprudelte es aus Aron Büchner heraus, der mit Bastian Freitag das Eisenacher Torhüterduo bildete.

ThSV Eisenach II mit mehr Torwurfeffizienz nach dem Seitenwechsel
Ein strahlender Qendrim Alaj, Spielertrainer, Kapitän, Regisseur und sicherer Siebenmeter-Werfer des ThSV Eisenach II, war happy, bedankte sich für die lautstarke Unterstützung von der mit über 300 Zuschauern gut gefüllten Haupttribüne der Werner-Aßmann-Halle. Der „Fanclub Unterellen“ und Nachwuchsspieler des eigenen Vereins feuerten mit Trommeln und Sprechhören an. (Gegenseitig Hilfe: Die ThSV-Zweite hatte im Vorspiel die B II des Vereins beim 25:22-Erfolg im Thüringenliga-Punktspiel über die JSG Saalfeld lautstark unterstützt.)

Bei der Besprechung vor dem Spiel sind wir nicht auf den sportlichen Gegner eingegangen, haben vielmehr an die Tugenden unseres Vereins, Kampf, Leidenschaft, Herz und des niemals Aufgebens, appelliert, berichtet Qendrim Alaj.

Während einer Auszeit beim 21:25-Rückstand habe er nochmals an diese Tugenden appelliert, zugleich gefordert, weder auf die Anzeigetafel noch auf die Uhr zu schauen. Seine Mannschaft zeigte sich im zweiten Abschnitt deutlich effektiver, wurden in den ersten 30 Minuten 20 Fehlwürfe registriert, waren es derer nach dem Seitenwechsel nur noch 5. Aus einer grandiosen Mannschaftsleistung hob Qendrim Alaj Linkshänder Florian Müller (mit drei ganz wichtigen Ballgewinnen!), Linksaußen Joel Stegner und dem sich zum richtigen Zeitpunkt steigernden Torhüter Bastian Freitag heraus. Sein eigenes Licht stellte er unter den Scheffel. Im Glücksgefühl des Sieges spielte es keine Rolle, dass die Spezialität Kempa-Treffer an diesem Tag nicht klappte. Erst der 5. Versuch führte zum Erfolg, in der Co-Produktion zwischen Florian Müller und Qendrim Alaj in der 29. Minute (zum 14:16). Zwei weitere Kempa-Versuche (37. und 44.) unterbanden die Gäste nur auf Kosten von Strafwürfen. Einer führte zum 18:18-Ausgleich (38.), dem die Gäste allerdings die Treffer zum 20:24 (Bohrt, 42.), 21:25 (Wellendorf, 43.) und 22:26 (Rothhämel, 45.) folgen ließen. Zwei Ballgewinne von Florian Müller waren das Signal zur Eisenacher Aufholjagd, bei der Julius Brenner immer wieder an den Ketten zerrte.

Kollektiver Blackout bei den Gästen
Daniel Bohrt, ein weiterer Ex-Eisenacher, am Kreis und im Deckungsinnenblock über weite Strecken herausragend, 8 Feldtreffer markierend, sogar nach Gegenstößen, zeigte sich verständnislos über den aus seiner Sicht „undisziplinierten Auftritt in den Schlussminuten“.

Alle waren hoch motiviert. Wir agierten mit dem richtigen Tempo, brachten unsere feien Spieler in Ballbesitz. Wir glaubten wohl schon, die Partie gewonnen zu haben. Doch es kam anders. Ein kollektiver Blackout ließ uns das Spiel noch verlieren. Pech, dass unser letzter Siebenmeter am Holz landete, konstatierte der 24-jährige Student.

Rotation im Goldbacher Rückraum zahlt sich aus
Der Auftakt ging an den mit Bastian Kemmler auf Links- und Florian Müller auf Rechtsaußen, Julius Brenner, Qendrim Alaj und Armend Alaj im Rückraum, Hristijan Remenski am Kreis und Aron Büchner beginnenden ThSV Eisenach II. Armend Alaj und Bastian Kemmler trafen zum 4:2 (8.). Frühzeitig rotierten die Gäste im Rückraum, was sich auszahlte. Mehr als beachtlich, die zwischenzeitliche Spielführung durch den erst 18-jährigen Oliver Ruhe, der auch unerschrocken den direkten Weg zum Tor suchte. Keeper Florian Schneegaß war immer wieder zur Stelle. Vielfach waren die Eisenacher Würfe aber auch zu zentral. Daniel Bohrt brachte per Konter die Gäste beim 6:7 in Führung (15.). Beim 8:11 durch Matthias Dreyße (19.) lagen die „Hornissen“ mit drei Treffern vorn. Spielzüge zu Rechtsaußen erwiesen sich bei den Hausherren als erfolgsbringend. Florian Müller schloss mit variierten Würfen ab. Mit den eingewechselten John Katzwinkel und Nawid Karimi-Zand bekam das Eisenacher Spiel frischen Wind. Der platziert abschließende Sven Rothhämel (14:17, 29.), ließ die Gäste vorn bleiben.

Dramatik und Happy End für den ThSV Eisenach II
Mit Marc Wellendorf, Alexander Werner und Julian Rothhämel im Rückraum blieben die Gäste auch nach Wiederanpfiff der sicher amtierenden Referees Jens Hanse und Johannes Rudolph tonangebend. Mit einer leicht veränderten Taktik in der Abwehr, einem etwas offensiver agierenden Armend Alaj, versuchten die Gastgeber dass Goldbacher Angriffsspiel zu bremsen. Beim 18:18 leuchte dann auch ein Gleichstand auf der Anzeigetafel. Drei Eisenacher Fahrkarten nutzten die Hornissen mit konsequent abgeschlossenen Angriffszügen zum 20:24 (42.). Positiv wirkte sich beim ThSV Eisenach II die Einwechslung des 18-jährigen Joel Stegner aus. Der veränderte Eisenacher Deckungsinnenblock stellte die Gäste vor neue Herausforderungen. Der Schlussspurt führte dann zu einer bis zur 45. Minute kaum für möglich gehaltenen Dramatik.

Statistik
ThSV Eisenach II: Büchner, Freitag; Müller (4), Brenner (6), Urbach, Remenski (4), Stegner (2), Kemmler (2), Schlotzhauer (1), Toelke, A. Alaj (6), Karimi-Zand (2), Q. Alaj (8/5), Katzwinkel
SV Blau-Weiß Goldbach/Hochheim: Schneegaß, Fehr; Wellendorf (2), Rothhämel (7), Schlenz (3), Ruhe (2), Manys, Bohrt (8), Erdmann, Obst, Sülzenbrück, Werner (8/7), Dreyße (1), Höfner (1)
Siebenmeter: ThSV II 5/5 – SV Golbach/Hochheim 7/9
Zeitstrafen: ThSV II 5 x 2 Min. – SV Goldbach/Hochheim 4 x 2 Min.
Schiedsrichter: Hanse/Rudolph
Zuschauer: 313

Th. Levknecht

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