„Großen Bruder“ im zweiten Abschnitt erfolgreich Paroli geboten
ThSV Eisenach unterliegt bei Champions-League-Sieger SC Magdeburg 28:34 (10:17) / Max Beneke markiert 10 Treffer/ Wartburgstädter empfangen am Sonntag die MT Melsungen
Im „Bruderduell“ der DAIKIN-Handballbundesliga bezwang der SC Magdeburg den ThSV Eisenach mit 34:28 (17:10). Der „große Bruder von der Elbe“, der Champions-League-Sieger, verbuchte den erwarteten Sieg über den „kleinen Bruder von der Wartburg“. Mit ihrer gegenüber der Vorsaison völlig neuformierten Mannschaft versteckten sich die Eisenacher in der mit 6.600 Zuschauern ausverkauften GETEC-Arena keinesfalls, netzten im zweiten Abschnitt mit dem taktischen Mittel des 7. Feldspielers den Hausherren 18 Tore ein, entschieden damit die zweiten 30 Minuten sogar mit 18:17 für sich. Eisenachs Linkshänder Max Beneke trug sich mit 10 Treffern ins Spielprotokoll ein, war damit bester Werfer der Partie insgesamt. Für den SC Magdeburg markierte Omar Ingi Magnusson mit einer 100-Prozent-Wurfquote 8 Treffer.
Zu Beginn gedachten beide Teams, alle in der Halle, der im Alter von 73 Jahren verstorbenen SCM-Legende Harry Jahns. Ein bewegender Moment. 17 Jahre trug Rückraumspieler Harry Jahns das SCM-Trikot, wurde achtmal Meister und dreimal Pokalsieger in der DDR. Er traf in vielen Spielen auch auf Motor Eisenach. Zudem gewann Harry Jahns zweimal den Europapokal der Landesmeister und die Vereins-Europameisterschaft.
SCM-Coach Wiegert: Im Bundesliga-Alltag zählen die Punkte
„Wir haben eine gute erste Halbzeit abgeliefert. Der 17:10-Pausenstand war überragend. Mit dem zweiten Abschnitt bin ich nicht so ganz zufrieden. Eisenach hat mit dem 7 gegen 6 das Tempo des Spiels bestimmt. Wir hätten uns das Tempo so nicht aufzwängen lassen dürfen. Im Bundesliga-Alltag zählen Punkte und derer zwei haben wir am Mittwochabend verbucht“, konstatierte Bennet Wiegert, der Coach des ThSV Eisenach.
So sahen die Eisenacher die Partie
ThSV-Geschäftsführer Rene Witte: „Ein verdienter Sieg des SC Magdeburg, der uns in der ersten Halbzeit schnell den Zahn gezogen hat. Wir hatten zu viel Respekt, lagen dadurch zur Halbzeit mit 10:17 hinten. Beleg für einen deutlich bessere zweite Halbzeit, die zweiten 30 Minuten haben wir mit einem Tor gewonnen, selbst 18 Bälle eingenetzt. Insgesamt haben wir uns gut aus der Affäre gezogen, die Hallen des Champions-League-Siegers erhobenen Hauptes verlassen. Glückwunsch an unsere Jungs für eine starke zweite Halbzeit. Unser Dank geht an die an einem Mittwoch in die Elbestadt mitgereisten Fans, die uns nach Kräften unterstützt haben. Für unsere Mannschaft heißt es jetzt regenerieren, am Sonntag wartet zum Abschluss einer englischen Woche das Heimspiel gegen die MT Melsungen.“
Abwehrchef Philipp Meyer: „In der ersten Halbzeit haben wir gegen eine absolute Top-Mannschaft zu viel Lehrgeld gezahlt. Wir agierten hinten und vorn nicht konsequent genug, haben uns nicht an unseren Matchplan gehalten. Das wurde in der zweiten Halbzeit deutlich besser. Wir brachten dann das auf die Platte, was wir uns vorgenommen hatten, spielten mit Geduld. 18 Tore im zweiten Abschnitt gegen den SC Magdeburg sind Beleg für eine Super-Angriffsleistung. Das 7 gegen 6 hat gut funktioniert. Die eine oder andere unüberlegte Aktion weniger, wir hätten vielleicht sogar noch mehr verkürzen können. Wir müssen die einfachen Fehler abstellen. Matija Spikic hilft uns dann in der Schlussphase mit 5 abgewehrten Bällen.“
Rückraumspieler Fynn Hangstein: „Vor der Pause operierten wir zu zaghaft im Angriff, kassierten selbst zu einfache Tore. Nach dem Seitenwechsel setzten wir erfolgreich auf das 7 gegen 6. Wir minimierten unsere eigenen Fehler, standen dann auch in der Abwehr kompakter. In der Summe über 60 Minuten freilich zu wenig, um aus Magdeburg was mitzunehmen. Wir laufen ja mit der Maßgabe auf, jedes Spiel zu gewinnen.“
Zum Spielverlauf
Im Gegensatz zum Saisonauftakt gegen den SC DHfK Leipzig besetzte ThSV-Coach Sebastian Hinze die Außenpositionen mit Timothy Reichmuth (links) und Moritz Ende (rechts). Vukasin Antonijevic begann im linken Rückraum und erzielte kurz vor der Halbzeitsirene auch seinen ersten Bundesligatreffer. Der Favorit startete erwartet selbstbewusst, seine bekannten individuellen Qualitäten nutzend. Die Eisenacher agierten zu zaghaft. Beim 7:3 (11.) rief ThSV-Coach Sebastian Hinze zur ersten Auszeit, beorderte kurz darauf Max Beneke in den rechten Rückraum. Doch Elvar Jonsson traf erst einmal zum 9:3 für den SC Magdeburg (13.). Die Gäste, inzwischen mit Silvio Heinevetter im Tor sowie Kapitän Peter Walz am Kreis, legten ihren Respekt ab, agierten mutiger. Peter Walz und Max Beneke netzten ein (12:8/ 22.). Die Magdeburger nutzten Ballgewinne zu Tempogegenstößen, kamen mit Durchbrüchen (Lagergren, Saugstrup), einem Treffer von Keeper Sergej Fernandez ins leere Eisenacher Tor und einem verwandelten Siebenmeter (Magnusson) zum 16:9 (27.). Die Wurfquote der Magdeburger lag im ersten Abschnitt bei 81 Prozent (17 Treffer aus 21 Versuchen), die der Eisenacher bei 53 Prozent (10 Treffer aus 19 Versuchen).
Kurz nach Wiederanpfiff markierte Alexander Saul, der Ex-Magdeburger im Eisenacher Trikot, den 11. Gästetreffer. Die Eisenacher setzte nun auf Philipp Meyer und Justin Kurch im Deckungsinnenblock. Beim 7 gegen 6 kam Peter Walz als linker Rückraumspieler. Der ThSV Eisenach heizte den Magdeburgern gehörig ein. Das 7 gegen 6 birgt natürlich auch das Risiko von Treffern ins leere Tor. Das gelang SCM-Keeper Sergey Hernandez insgesamt gleich drei Mal. Das stoppte den Elan der Thüringer nicht. Fynn Hangstein lochte per Gegenstoß ein (38.), Peter Walz schmetterte eine Freiwurfablage am Abwehrblock vorbei ins Netz (41.). Auf der Anzeigetafel leuchtete ein 23:18. Phasenweise standen mit Max Beneke und Alexander Saul gleich zwei Linkshänder im Rückraum des ThSV Eisenach. Max Beneke ließ sich von Fehlwürfen nicht entmutigen, zog immer wieder aus dem Fernwurfbereich ab, überzeugte als Vorlagengeber zum Kreis. Justin Kurch nutzte die Beneke-Zuspiele zu 4 Treffern (aus 4 Versuchen). Die mit Weltklasse-Spielern gespickten Magdeburger zogen wieder an, erhöhten auf 28:20 (46.) und 31:23 (ein „Strahl“ von Felix Claar). Matija Spikic löste den in der 16. Spielminute ins ThSV-Gehäuse gekommenen Silvio Heinevetter ab, parierte ab der 51. Minute 5 Bälle und ermunterte damit seine Teamkollegen, noch einmal das Gaspedal zu drücken. Das taten diese dann auch, abgeschlossen durch Treffer von Max Benecke und Justin Kurch. Mit seinem 10.Treffer besorgte Max Beneke dann auch den Endstand der Partie (34:28).
Heimspiel gegen die MT Melsungen
Mit dem thüringisch-hessischen Nachbarschaftsvergleich gegen die MT Melsungen schließt der ThSV Eisenach am Sonntag, 07.09.2025 um 16.30 Uhr die englische Woche zum Saisonauftakt ab. Noch sind einige Tickets für diese Partie erhältlich, online unter www.thsv-eisenach.de und im Kaffee Time out und ThSV-Fanshop im Eisenacher Stadtzentrum (Marktgasse).
Statistik SC Magdeburg – ThSV Eisenach 34:28 (17:10)
SC Magdeburg: Hernandez (6 Paraden /3 Tore), Mandic (1 P.); Magnusson 8/5, Kristjansson 5, Claar 4, Pettersson 4, Hornke, Jonsson 2, Lagergren 2, Saugstrup 2, Barthold 2, Bergendahl 1, Zechel, Weber, Mertens, O’Sullivan
ThSV Eisenach: Spikic (6 P.), Heinevetter (3 P.); Beneke 10/2, Hangstein 4/1, Kurch 4, Walz 3, Aellen 3, Reichmuth 1, Ende 1, Antonijevic 1, Saul 1, Joelsson, Meyer, Seitz, Büchner, Leu
Zeitstrafen: SC Magdeburg 1 x 2 Min. – ThSV Eisenach 3:2 Min.
Siebenmeter: SC Magdeburg 5/5 – ThSV Eisenach ¾
Schiedsrichter: Mirko Krag/ Marcus Hurst
Zuschauer: 6.600
Th. Levknecht