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Gute Abwehrarbeit fand im Angriff keine Fortsetzung

Eine gute Abwehrleistung im Zusammenspiel mit Torhüter Radek Musil fand im Vorwärtsgang keine Fortsetzung. Eine Vielzahl technischer Fehler im Spielaufbau und das Auslassen hochkarätiger Tormöglichkeiten waren Ausdruck mangelnden Selbstvertrauens in der Angriffsgestaltung. In Serie scheiterten die Eisenacher am zur Hochform auflaufenden Erlanger Keeper Andreas Bayerschmidt. In der Summe führte das zu einer 18:23 (10:13)-Niederlage des ThSV Eisenach beim HC Erlangen. «Die geringe Zahl der Gegentore spricht für unsere Abwehrarbeit. Unsere Wurfquote spricht für unsere Verunsicherung», bilanzierte Eisenachs Trainer Adalsteinn Eyjolfsson. Eigentlich wollten die Wartburgstädter, die auf die erkrankten Daniel Luther und Alexander Schiffner verzichten mussten, geduldig und beharrlich beim Abwehrbollwerk der Liga aufspielen, doch sie ließen sich von den verschiedenen Deckungsvarianten der Franken gleich zu Beginn aus dem Konzept bringen.

Die Gastgeber entwickelten vor einer stimmungsvollen Kulisse, darunter 70 mit blauen Zipfelmützen sicht- und hörbare Fans aus Eisenach, viel Angriffsdruck, mehrfach mit einstudierten Ballstafetten zum Kreis, trafen zum 4:1 (6.) und 8:4 (12.). Nach Ballgewinnen verloren die Eisenacher beim Versuch von Tempogegenstößen das Leder. Doch sie steckten keinesfalls den Kopf in den Sand, fighteten vehement. Nach Wiederanpfiff waren die Eisenacher drauf und dran, der Partie eine andere Richtung zu geben. Jetzt rührten sie in der Abwehr geradezu Beton an, hebelten mit kreativem Angriffsspiel die Deckung der Hausherren aus. Kapitän Benjamin Trautvetter verkürzte bis auf zwei Treffer (14:12, 36.).

Der HC Erlangen wankte, fiel aber nicht. «Die kämpferische Seite stand da im Mittelpunkt. Beide Teams glänzten mit großer Leidenschaft. Es war ein Ringen um jeden Meter, es ähnelte dem American Football. Als Fels in der Brandung erwies sich unser Keeper Andreas Bayerschmidt», skizzierte Frank Bergemann, der Trainer des HC Erlangen, die erste Viertelstunde der zweiten Halbzeit. Am Torwarthünen bissen sich die Eisenacher die Zähne aus. Der an der Kreismitte freigespielte Adrian Wöhler (38.) scheiterte ebenso wie der allein auf das Gehäuse zustürmende Nick Heinemann (40.) am 34-jährigen Schlussmann, der insgesamt 21 Bälle parierte. Branimir Koloper setzte das Leder von der Kreismitte neben den Kasten. Bei einem Sklenak-Ball tauchte Andreas Bayerschmidt blitzschnell in die bedrohte Ecke ab. Vorbei die Chancen zum Ausgleichstreffer. Die Gastgeber schwammen sich wieder frei, trafen zum 17:12 (Nienhaus, 44.). Dem ThSV Eisenach gelangen in den ersten zwanzig Minuten der zweiten Halbzeit – trotz bester Gelegenheiten – nur vier Treffer. Beim HC Erlangen übernahm der selbst torgefährliche Daniel Pankofer (9 Treffer) die Regiefäden, strukturierte das Angriffsspiel seiner Farben zum 22:15 (Krämer, 55.). Der HC Erlangen freute sich nach dem Überraschungscoup der Vorwoche, einem 26:20-Auswärtserfolg bei TUSEM Essen, über einen Doppelpunktgewinn im fränkisch-thüringischen Nachbarschaftsvergleich und festigte seinen 5. Tabellenplatz. «Wir müssen gemeinsam an der Behebung unseres Formtiefs arbeiten», richtete Eisenachs Trainer Adalsteinn Eyjolfsson den Blick nach vorn.
Am Samstag, 10.12.2011 empfangen die Wartburgstädter, nun auf Tabellenplatz 14 der zwanzig Teams umfassenden Liga, den HC Empor Rostock und brauchen unbedingt einen Doppelpunktgewinn.

Von Abwehrvarianten aus dem Konzept bringen lassen
Herzlich begrüßter Gast in der Karl-Heinz.Hiersemann-Halle war Eisenachs Handballurgestein Rainer Osmann, der vor einigen Jahren auch einmal auf der Erlanger Trainerbank saß und noch heute viele Freunde hier hat. Er sah einen ungewohnt angriffsfreudigen HC Erlangen, der durch Daniel Pankofer zum 4:1 einnetzte (6.). Der Treffer von Nick Heinemann nach exakt einer Minute zum 1:1 sollte bereits der letztmalige Gleichstand sein. Der ThSV Eisenach, mit Branimir Koloper zunächst auch in der Offensive, hatte sichtbare Probleme im Positionsspiel gegen die weit vor dem eigenen Kreis postierte Abwehr der Hausherren mit Bastian Krämer als «Indianer». Adalsteinn Eyjolfsson rief mittels grüner Karte seine Schützlinge zusammen, brachte im Angriff Girts Lilienfelds (im rechten Rückraum) und Benjamin Trautvetter (am Kreis). Duje Miljak und Branimir Koloper kamen für Abwehraufgaben. Nach Regelwidrigkeit am eingelaufenen Adrian Wöhler versenkte Eisenachs Kapitän Benjamin Trautvetter den fälligen Siebenmeter (11.). Begünstigt durch lapidare Fehler der Eisenacher behielten die Hausherren Oberwasser, spielten in Überzahl Benedikt Schwandner auf Rechtsaußen lehrbuchEine Steilvorlage von Torhüter Radek Musil verwertete Nick Heinemann zum siebenten Eisenacher Treffer (9:7, 16.). Doch dann begann die Bayerschmidt-Gala. Die Macher des Erlanger Hallenjournals hatten mit einem Foto ihres Schlussmannes den richtigen «Riecher» für diese Partie. Er baute sich vor Adrian Wöhler auf und kaufte Eisenachs Linksaußen das Leder ab (18.). Frank Bergemann, der erfahrene Erlanger Trainer, sorgte mit zwischenzeitlich zwei Kreisspielern für Aufregung im Eisenacher Deckungsverband (11:7, 19.). Der schnelle Girts Lilienfelds sorgte im Eisenacher Angriff für neuen Schwung. Er bediente Benjamin Trautvetter, der bis auf zwei Treffer verkürzte (11:9, 24.). Tomas Sklenak verlor bei einem Tempogegenstoß kurzzeitig die Übersicht – und die Eisenacher den Ball. Zu wenig Überraschungsmomente im Eisenacher Positionsangriff, um die Erlanger Defensive entscheidend ins Straucheln zu bringen. «Nach der frühzeitigen 4-Tore-Führung agierten wir schon zu kreativ, zog Bruder Leichtfuß ein. Eisenach kam zu Tempogegenstößen. Torhüter Andreas Bayerschmidt sicherte uns die Halbzeitführung», fand Frank Bergemann, der Coach des HC Erlangen, auch Kritisches.

Ringen um jeden Ball – Beide Trams mit großer Leidenschaft
Mit großer Intensität fighteten beide Teams nach Wiederanpfiff um jeden Ball, um jeden Meter. Mit großer Leidenschaft agierte der ThSV Eisenach in der Abwehr und im Angriff. Ballgewinne im Abwehrverband konnte jedoch nicht zu Treffern genutzt werden. Da stand immer wieder der Teufelskerl im Erlanger Kasten im Wege. Nach dem 14:12 (36.) boten sich den Thüringern hochkarätige Chancen, doch die möglichen Treffer zum Ausgleich (oder gar mehr) gelangen einfach nicht. Stattdessen machte sich spürbare Verunsicherung breit. Die Gastgeber erholten sich von ihrem Hänger, rissen das Zepter wieder fest an sich, trafen zum wichtigen 17:12 (44.). Eisenachs Coach Adalsteinn Eyjolfsson reagierte, betraute Roel Adams mit der Rolle des Regisseurs und Philipp Lindner mit der Linksaußenposition. Die Gewichte zu verlagern, gelang nicht. Bis zur 50. Minute wies die Statistik nur 14 Eisenacher Treffer aus. Nun mit Duje Miljak im rechten und Tomas Sklenak im linken Rückraum, Roel Adams auf der mittleren Aufbauposition war das Bemühen der Eisenacher unverkennbar. Die selbstbewusst auftrumpfenden Gastgeber waren freilich nicht zu beeindrucken, konterten ihre Gäste vielmehr zum 22:15 (53.) aus. Mehr als ein Aufflackern war aus Eisenacher Sicht nicht mehr möglich. Philipp Lindner sorgte im Nachsetzen für den achtzehnten Eisenacher und zugleich letzten Treffer der Partie.

Statistik

HC Erlangen: Bayerschmidt, Selke; Hock, Müller, Schwandner (4), G. Münch, H. Münch, Krämer (5), Nienhaus (4), Hess, Schneck, Pankofer (9/5), Schmidtke, Stumpf (1)

ThSV Eisenach: Musil, Gorobtschuk; Trautvetter (5/2), Sklenak, Wöhler (2), Miljak (1), Kaluzinski (1), Adams (1), Heinemann (5/1), Lilienfelds (2), Koloper, Lindner (1)

Zeitstrafen: HC Erlangen 4 x 2 Min., Rot für Schneck nach 3. ZS, 48.; ThSV Eisenach: 4 x 2 Min.

Siebenmeter: HC Erlangen 5/5 – ThSV Eisenach 3/3

Schiedsrichter: Behrens/Fasthoff

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