Guter Matchplan, aber zu viele technische FehlerThSV Eisenach II unterliegt beim Tabellen-Dritten SV AnhaltBernburg 37:47 (20:25)
Die knapp 400 Zuschauer in der Sporthalle Bruno Hinz in Bernburg hatten an einem rasanten MHV-Regionalliga-Punktspiel der Männer ihre helle Freude. Sie sahen binnen 60 Minuten im Aufeinandertreffen von zwei jungen Teams 84 Tore, bis zur Halbzeit bereits 45. Das Team des ThSV Eisenach II, Durchschnittsalter 21,5 Jahre, setzte gegen den gastgebenden SV Anhalt Bernburg (Durchschnittsalter knapp 24 Jahre) auf eine offensive Abwehrvariante, zumeist eine 4:2-Formation, mit Leif Katzwinkel und Marec Stupka vorgezogen. Conrad Ruppert trat auch früh heraus. Alle drei sind noch unter 20 Jahren. „Unser Matchplan war gut, doch uns unterliefen zu viele einfache Fehler, die letztendlich gegen uns entschieden“, resümierte Eisenachs Rückraumspieler Ole Gastrock-Mey nach der 37:47 (20:25) -Niederlage seines Teams beim Tabellendritten. Die Männer von der Wartburg mussten auf Routinier Duje Miljak (berufsbedingt), Kapitän Julian Rothhämel und Bastian Freitag (verletzt), Ardit Ukaj (erkrankt) verzichten. Der an einem Lehrgang teilnehmende Stanislaw Gorobtschuk stand auch nicht zur Verfügung. Die jungen Schiedsrichter Fynn Herne und Nils Karpe waren der Partie zwei sichere Leiter.
Mark Dragunski als Coach auf der Bank
„Unser kämpferischer Einsatz war super. Die Mannschaft hat in dieser Abwehrformation noch nicht gespielt. Da war im Vorfeld klar, dass noch nicht alles zu 100 Prozent klappt. In der Summe entschieden unsere einfachen Fehler bei Ballbesitz. Der SV Anhalt Bernburg hat diese eiskalt mit seinem Umschaltspiel, vielfach über die schnelle Mitte, genutzt, seine Qualität gezeigt“, konstatierte Mark Dragunski. Der erfahrene Nachwuchskoordinator des ThSV Eisenach hatte das Coaching auf der Bank übernommen. Spielertrainer Qendrim Alaj konzentrierte sich auf seine Rolle als Spieler. „Das nahm ein Stück Last von seinen Schultern“, befand Mark Dragunski, der sich erinnerte, vor knapp 34 Jahren als Spieler mit TuSEM Essen mal in Bernburg gastiert zu haben. Der Ex-Nationalspieler will im weiteren Saisonverlauf die Zweite des ThSV Eisenach beim Training und beim Spiel unterstützen. „Der Zug zum Klassenerhalt ist noch nicht abgefahren“, betonte Qendrim Alaj. Die Leistung von Bernburg mache Mut. Insbesondere für das Kellerderby am nächsten Wochenende beim HC Aschersleben.
Erfolgreicher Trainereinstand beim SV Anhalt Bernburg
„Der ThSV Eisenach II hat uns mit seiner offensiven Abwehr überrascht. Wir hatten die Gäste anders erwartet. Es dauerte, bis wir uns darauf eingestellt hatten. Über unsere kompakte Abwehr gelangen uns dann viele Kontertore“, bilanzierte Claus Luther, der Coach des SV Anhalt Bernburg. Er hatte erst am Vortag den Dänen Dan Muurholm Jürgensen als Trainer abgelöst. „Eine Anpassung im sportlichen Bereich“, war von Vereinsseite der Wechsel begründet worden. Es habe Verschiedenes nicht gepasst, mehr wollte Claus Luther zum Wechsel auf der Trainerbank nicht sagen. Er jubelte nach dem Abpfiff ausgelassen mit dem Team und den einheimischen Zuschauern. „Wir können weder auf- noch absteigen, sodass ich in Ruhe mit der Mannschaft in den nächsten Wochen arbeiten kann“, erklärte Claus Luther. Dabei kann er auch auf den dänischen Ex-Profi Villads Raahauge Jensen bauen. Der wuchtige Kreisspieler versenkte am Samstag 12 Bälle, Mit jeweils 10 Treffern wurden Christian Marco Froschauer und Nico Richter notiert. Reuben Neal Wardle, Nationalspieler von Großbritannien, übernahm auch am Samstag die Regierolle. Er fachsimpelte vor und nach der Partie mit Armend Alaj, der am Samstag 10 Bälle einnetzte. Der Rechtsaußen-Spieler des ThSV Eisenach ist Nationalspieler des Kosovo. Großbritannien und der Kosovo trafen kürzlich in der WM-Qualifikation aufeinander. So standen sich zwei Nationalspieler in der 4. Liga gegenüber. Reuben Neal Wardle (23 Jahre) wollte unbedingt in Deutschland Handball spielen. In Bernburg bot sich ihm die Chance im Paket Beruf und Sport.
Bernburg nutzt Eisenacher Fehler zu Tempogegenstößen
Die hohe Zahl an Gegentoren des ThSV Eisenach II resultierte zum einen aus den vielen technischen Fehlern. Mannschaftsleiter Patrick Theuvsen hatte deren 14 gezählt. Tempogegenstoß auf Tempogegenstoß rollte in Richtung des ThSV-Kastens. Zum anderen hatten die jungen Wartburgstädter bis zur 40. Minute keine Torwartleistung. Bis dahin standen gerade einmal 3 Paraden. Der beim Stand von 33:24 eingewechselte 17-jähige Lukas Mingram parierte dann noch 6 Bälle, verhinderte damit, dass die Gegentorezahl die 50 überschritt. Julius Brenner bestritt den zweite Spielabschnitt mit einem Kopfverband. Bei einer Angriffsaktion war er an der Stirn verletzt worden und musste zur Pause behandelt werden.
Treffer fallen auf beiden Seiten wie reife Früchte
„Wir haben durchgängig ein anders Gesicht gezeigt als bei der Heimniederlage gegen den SV Oebisfelde. Mit der Leistung in Bernburg hätten wir gegen Oebisfelde gewonnen“, orakelte Qendrim Alaj. Sein Team strahlte ganz viel Emotionen aus. Jede erfolgreiche Aktion wurde auch auf der Bank bejubelt. Die Eisenacher, mit Leif Katzwinkel auf Links- und Marec Stupka auf Rechtsaußen, Ole Gastrock-Mey, Qendrim Alaj und Armend Alaj im Rückraum, Conrad Ruppert am Kreis und Aron Büchner im Tor beginnend, hielten von der ersten Sekunde das Gaspedal durchgedrückt, führten durch einen Treffer von Leif Katzwinkel 4:3 (3.). Treffer fielen auf beiden Seiten wie reife Früchte. Die Gastgeber schloßen immer wieder über ihren starken Kreisläufer Villads Raahauge Jensen ab, führten nach 11 Minuten 12:7 (11.). ThSV-Keeper Aron Büchner musste nach einem Kopftreffer blutend vom Parkett, kehrte aber nach einer kurzen Behandlung zurück (14.). Mit ihrer offensiven Ausrichtung in der Abwehr bereiteten die Eisenacher den Hausherren Probleme. Wären da nicht die Fehler bei Ballbesitz gewesen? Mehr als auf drei Treffer zu verkürzen, wie beim 15:12 (Armend Alaj, 17.), war durchaus möglich. „Zwanzig Tore im ersten Abschnitt, 37 insgesamt, sprechen für unsere Angriffsleistung“, vermerkte Qendrim Alaj. Zwischenzeitlich operierten die Eisenacher mit 4 Rückraumspielern. Bei Holztreffern fehlte ihnen das Wurfglück. Armend Alaj und Julius Brenner brachte mit je zwei Treffern den ThSV Eisenach II beim 21:19 (26.) auf zwei Treffer heran. Zuspiele zur Kreismitte konnten dann nicht unterbunden werden, sodass beim Stand von 25:20 die Seiten gewechselt wurden.
„Leider unterliefen uns gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit mehrere Fehler, die die Gastgeber eiskalt bestraften“, bekannte Qendrim Alaj. Sieben Minuten nach Wiederbeginn leuchtete ein 31:22 auf der Anzeigetafel. Die Eisenacher brachten zunächst den 17-jährigen Tim Nothum im Rückraum, der furchtlos die gegnerische Abwehr ansteuerte, auch Marec Stupka bediente, der von Rechtsaußen vollendete (38.). Die Eisenacher resignierten nicht, wenngleich die Partie längst entschieden war. Auch die Hausherren wechselten durch. Beim ThSV Eisenach II kam Felix Cech (47.), der aus dem Rückraum mit scharfen Würfen 4 Treffer markierte. In der Schlussphase kam mit Leif Katzwinke, Tim Nothum, Louis Kryeziu, Felix Cech, Marec Stupka, Max Schlotzhauer, Jannes Rehm und Lukas Mingram eine komplette Jugendbrigade zum Einsatz. Das muntere Torerwerfen hielt auf beiden Seiten bis zur Schluss-Sirene an. Die Bernburger wollten gern die 50-Tore-Marke knacken. Jannes Rehm markierte wenige Sekunden vor dem Ende den 37. Eisenacher Treffer zum 47:37-Endstand.
Statistik
SV Anhalt Bernburg: Mohns, Hrkac; Gühne (4), Jensen (12), Wardle (4), Friedrich, Klimaschewski, Frischauer (10), Grafenhorst, Rosenkranz (1), Steitmann (1), Richter (10/1), Zirkler, Kaaterud (2), Egsgaard (3)
ThSV Eisenach II: Büchner, Mingram; Brenner (4), Rehm (1), Nothum, Stupka (3), Ruppert (3), Schlotzhauer, Kryeziu (1), Gastrock-Mey (4), Cech (4), A. Alaj (10), Katzwinkel (3), Q. Alaj (4/3)
Siebenmeter: SV Anhalt Bernburg 1/1 – ThSV Eisenach II 3/3
Zeitstrafen: SV Anhalt Bernburg 3 x 2 Min. – ThSV Eisenach II 1 x 2 Min.
Schiedsrichter: Herre/Karpe
Zuschauer: 386
Bilder: Thomas Levknecht
