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Hätten wir nur einen gesunden Spieler mehr auf der Bank gehabt

Bildquelle: © Ch. Heilwagen / ThSV Eisenach
Nicht zimperlich die TuS-Abwehrm, hier gegen Jonas Ulshöfer.

ThSV Eisenach unterliegt mit kleinem Kader Titelanwärter TuS Nettelstedt-Lübbecke mit 27:29 (12:16)

Der ThSV Eisenach, verletzungsbedingt nur mit kleinem Kader antretend, zudem nach 22 Minuten bereits seinen linken Rückraumspieler Daniel Dicker mit der dritten Zeitstrafe verlierend, lieferte Aufstiegsanwärter TuS Nettelstedt-Lübbecke einen packenden Fight, unterlag den cleveren Gästen aber am Ende knapp mit 27:29 (12:16). Das Team des TuS Nettelstedt-Lübbecke jubelte ausgelassen, die 629 Zuschauer in der Werner-Aßmann-Halle verabschiedeten ihr Team mit ganz viel Beifall.

Es hat gekribbelt, nach 7 Monaten ein Punktspiel in heimischer Halle und das vor Zuschauern bestreiten zu können, ließ Eisenachs Kapitän Alexander Saul wissen.

Gewaltiger Kraftakt im Organisationsbereich
Die Eisenacher Verantwortlichen um Manager Rene Witte zeigten sich erleichtert, dass der immense Kraftakt zur Umsetzung des Hygienekonzeptes zur Zulassung von Zuschauern gelungen war. Der Dank richtete sich an die vielen ehrenamtlichen Helfer, aber auch ebenso an die Mitarbeiter der Geschäftsstelle der THSV-Markting-GmbH.

Wir haben binnen zwei Tagen nahezu 500 Dauerkarten und 200 Tagestickets verkauft. Die Menschen-Schlange vor unserer Geschäftsstelle reichte bis weit in das Sportparkgelände hinein. Nahezu alle bisherigen Dauerkarten-Inhaber wurden wir kontaktiert. Alle Wünsche konnten wir nicht erfüllen, berichtet Rene Witte.

Er zollte dem zuständigen Gesundheitsamt in Bad Salzungen Anerkennung und Dank für die gute Zusammenarbeit. Der ThSV Eisenach hofft, auch beim bereits am Mittwoch, 21.10.2020 angesetzten Heimspiel gegen die HSG Konstanz auf eine ähnliche Zahl zugelassener Zuschauer. Sobald grünes Licht vorliegt, wird der ThSV Eisenach informieren.

Bildquelle: © Ch. Heilwagen / ThSV Eisenach
Emotional an der Seitenlinie: Eisenachs neuer Cheftrainer Markus Krauthoff-Murfuni.

Frühe rote Karte gegen Daniel Dicker

Unsere schmal besetzte Bank ließ kein Rotieren zu. Hätten wir nur einen gesunden Spieler mehr auf der Bank gehabt , sinnierte Eisenachs Ante Tokic.

Wir mussten die Partie mit gerade einmal 9 Feldspielern bestreiten, konkretisierte Rene Witte, der Manager des ThSV Eisenach.

Justin Mürköster, Krauthoff-Murfuni. Mit „frischen Beinen“ habe Roman Becvar das Adrian Wöhler, Luka Kikanovic und Kristian Volar fehlten vollends. Martin Potisk, der etatmäßige Regisseur, mit starken Schmerzen im Fuß zunächst auf der Bank, kam in der 42. Minute und biss sich durch. Kristian Beciri, der Vollbluthandballer, kämpfte 60 Minuten auf dem Parkett stehend in Abwehr und Angriff wie ein Löwe. Er hätte mit fortschreitender Spieldauer so dringend mal eine Verschnaufpause gebraucht.

Wir haben einen 4-Tore-Rückstand zur Pause in eine 2- Tore-Führung verwandelt, strich Willy Weyhrauch heraus.

Der Tus Nettelstedt-Lübbecke, mit dem aus Aue gekommenen Benas Petreikis, war mit einer 16:12-Führung zu den Pausengetränken gegangen, schien die Partie im Griff zu haben. Nach 50 Minuten lag aber der ThSV Eisenach mit 24:22 vorn. Mit hohem Tempo hatten die Wartburgstädter den Abwehrrecken der Gäste um Routinier Marko Bagaric mächtig eingeheizt. Alexander Saul (8 Treffer bei 11 Versuchen) ließ sich nicht stellen.

Nach der frühen roten Karte gegen Daniel Dicker sind wir noch enger zusammengerückt, resümierte Alexander Saul.

Ja, der ThSV Eisenach brachte uns mit einem sich steigernden Torwart ins Wanken, räumte TuS-Coach Emir Kurtagic ein.

Er hatte noch ein Ass auf der Bank, brachte den tschechischen Nationalspieler Roman Becvar als Spielgestalter.

Was für ein Luxus, raunte Eisenachs neuer Cheftrainer Markus Angriffsspiel der Gäste bereichert.

Geschlaucht vom intensiven Schlagabtausch fehlten den Hausherren die entscheidenden Körner.

Fehler bei eigener Überzahl werden besonders teuer. Diese unterliefen uns im Schlussgang, ärgerte sich der erneut treffsichere Willy Weyhrauch (6 Tore bei 7 Versuchen).

Beim 26:26, dem wahrscheinlichen Kulminationspunkt der Partie, unterliefen den Hausherren die wohl den Spielausgang letztlich bestimmenden Fehler, die die Gäste zum 26:28 nutzten (58.).

Leider haben wir uns selbst nicht belohnt, befand ein schweißgetränkter Willy Weyhrauch.

Wir haben die Ruhe bewahrt. Unsere neuformierte Mannschaft hat schon Reife gezeigt, freute sich Emir Kurtagic.

Sein wenige Tage vor dem Trip nach Thüringen aus Athen verpflichtete Ex-Eisenacher Bogdan Criciotoiu durfte nur einen Angriff ran.

Er wird uns künftig aber sicherlich noch sehr helfen, ist sich Emir Kurtagic sicher. In Eisenach Handball zu spielen, das ist immer ein Erlebnis. Wir sind sehr froh, beide Punkte mitzunehmen. Das wird nicht vielen Mannschaften gelingen. Wir waren einen Tick cleverer, das gab wohl letztendlich den Ausschlag, konstatierte der inzwischen 30-jährige Rumäne, der alte Kontakte auffrischte.

Bildquelle: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Ein Vollbluthandballer mit ganz viel Emotionen: Eisenachs Kreisläufer Kristian Beciri.

ThSV Eisenach geht mit 4-Tore Rückstand in die Halbzeitpause
Für den durch eine Fußverletzung gehandicapten Martin Potisk übernahm Jonas Ulshöfer bis Mitte der zweiten Halbzeit die Spielführung. Die kantigen Hünen in der Gästeabwehr setzten frühzeitige Stoppzeichen. Nur beim 2:2 (Saul, 9.Min.) leuchte ein Gleichstand an der Anzeigetafel. Mit einem doppelten Angriffs- und Abwehrwechsel behielten die Gäste das Zepter in der Hand. Benas Petreikis, in der Vorsaison mit dem EHV Aue auf die Wartburgstädter treffend, initiierte das Angriffsspiel. Valentin Spohn zog aus dem Rückraum zum 3:5 (13-) und 4:6 (15.) ab. Eisenachs Daniel Dicker hatte bei seinen Distanzwürfen das Visier nicht richtig eingestellt. Mit viel Engagement und Herzblut wehrten sich die Hausherren. Die Fehlerquote vermochten sie nicht klein zu halten. Dominik Ebner traf in den verwaisten Eisenacher Kasten zum 5:10 (18.). Obwohl in dieser Phase nahezu stetig in Unterzah, Alexander Saul (2) und der eingewechselte Ante Tokic verkürzten bis auf zwei Treffer (9:11, 22.). Die Aufholjagd wurde jäh gestoppt, als die im ersten Abschnitt kleinlich entscheidenden jungen Unparteiischen gegen Daniel Dicker die dritte Zeitstrafe verhängten, was das vorzeitige Aus für den österreichischen Nationalspieler bedeutete (22.). Andre Obranovic musste die Aufgabe im linken Rückraum übernehmen, fehlte nun, um Kristian Beciri eine Pause zu verschaffen. Der 2-Meter-Mann rackerte wie ein Löwe am gegnerischen Kreis (traf zum 11:14, 26.). und im Deckungsinnenblick. Die Gäste nutzten Eisenacher Fehler zum 11:16 (Spohn, 23.). Andrej Obranovic traf zum 12:16-Pausenstand.

Bildquelle: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Trotz schmerzhafter Fußverletzung, Martin Potisk scheute nach seiner Einwechslung keinen Zweikampf.

Aufholjagd zur 2-Tore Führung – aber ohne Happyend
Mit dem ins ThSV-Gehäuse zurückgekehrten Blaz Voncina stabilisierte sich die Eisenacher Deckung. Einige Würfe der Eisenacher aus der Distanz wurden eine leichte Beute von TuS- Keeper Aljosa Rezar.

Es gab kein Resignieren, stellte Markus Krauthoff-Mufuni fest.

Willy Weyhrauch verwandelte einen Siebenmeter im Nachwurf, Alexander Saul zirkedlte das Leder fast über das ganze Parkett ins verlassene Gästegehäuse (16:18, 37.). Der Anschlußtreffer fiel zunächst nicht. Ivan Snajder und Jonas Ulshöfer scheiterten. Martin Potisk, obwohl fußverletzt, kam und warf sich ins Getümmel, marschierte beherzt in die Nahtstellen der Abwehr, traf zum 19:20 (43.). TuS-Mann Lutz Heiny unterlief ein Schrittfehler. Ein Alexander-Saul-Ball bekam der TuS-Schlussmann erst hinter der Linie zu greifen 20:20 Ausgleich (45.). Willy Weyhrauch stibitzte sich das Leder und vollendete zum 21:20 (46.). Immer wieder stand ThSV-Keeper Blaz Voncina im Brennpunkt, wurde nun ein wichtiger Faktor. Ivan Snajder verwandelte zwei Strafwürfe, an Martin Potisk und Kristian Beciri verwirkt, vom 22:22 (48.) zum 24:22 (50.).

Leider gelang es uns nicht, den Sack zuzubinden, gestand Markus Krauthoff-Murfuni.

Die Gäste, inzwischen mit dem routinierten Roman Becvar an den Schalthebeln, trafen zum 24:25 (54.). Zu aufgeregt und zu geschlaucht patzten die Eisenacher. Auch beim Stand von 2525 (nach einem Siebenmeter-Treffer per Heber von Ivan Snajder, 54.). Dann unterliefen den Eisenachern in Überzahl jene Fehler, die sie um den Lohn und vielleicht zumindest einen Zähler brachten…

Wir haben gesehen, woran wir noch arbeiten müssen, resümierte Markus Krauthoff-Murfuni, der auf die Rückkehr des einen oder anderen verletzt fehlenden Spielers hofft.

Vielleicht schon am Freitag beim Auswärtsspiel in Bad Schwartau.

Bildquelle: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
ThSV-Keeper Blaz Voncina, hier nach einer seiner Glanzparaden, sendete im zweiten Abschnitt wichtige Signale.

Statistik
ThSV Eisenach: Voncina (1.-17. / 31.-60. – 9 Paraden), Eichberger (2 Paraden); Potisk (1), Ulshöfer, Tokic (1), A. Alaj, Dicker (1), Obranovic (3), Beciri (2), Snajder (5/3), Weyhrauch (6/2), Saul (8)
TuS Nettelstedt-Lübbecke: Rezar (1.-45./ 9 Paraden), Jepsen (ab 45./ 2 Paraden); Becvar, Heiny, Ebner (5), Petreikis (3), Bagaric, Strosack (3), Mundus (1), Dräger (4), Spohn (7), Speckmann, Petrovsky, Skroblien (6/3), Criciotoiu
Zeitstrafen: ThSV Eisenach: 12 Min. (Dicker 6 Min. und Rot 31.), Snajder, Weyhrauch, Saul / TuS Nettelstedt-Lübbecke: 14 Min. (Petrowsky 4, Heiny, Ebner, Bagaric, Strosack, Skroblien)
Siebenmeter: ThSV Eisenach: 5/7 (Weyhrauch verwandelt 2 x gegen Rezar und scheitert 1 x an Rezar, Snajder verwandelt 1 x gegen Rezar und 2 x gegen Jepsen, scheitert 1 x an Bezar) / Tus Nettelstedt-Lübbecke: 3/3 (Skroblien verwandelt 2 x gegen Voncina und 1 x gegen Eichberger)
Schiedsrichter: Bona/Frank
Zuschauer: 629
Beste Spieler: ThSV Eisenach: Saul, Beciri / TuS Nettelstedt-Lübbecke: Petreikis, Bagaric, Ebner

Th. Levknecht

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