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Hinten und vorn zu viele Fehler

Schmerzhafter als die 26:34-Niederlage in der Klingenhalle Solingen könnte für den ThSV Eisenach eine Szene kurz nach dem Seitenwechsel werden. Nach einer geharnischten Kabinenpredigt, die bis ins Pressezentrum zu hören war, zeigte der ThSV Eisenach die erhoffte Reaktion, setzte nach einem 12:19-Halbzeitrückstand zur Aufholjagd an. Das Eisenacher Angriffsspiel hatte endlich Fahrt aufgenommen. Da wurde Daniel Luther in der Luft derart attackiert, das er unkontrolliert auf das Parkett aufschlug, sich vor Schmerzen krümmend liegen blieb. Herbeigerufene Sanitäter trugen den Eisenacher Rückraumspieler vom Parkett. Erste Diagnose: Hüft- und Rückenverletzung.

Der Sünder Maximilian Weiß sah die rote Karte, an deren Berechtigung auch BHC-Coach Sebastian Hinze keinen Zweifel ließ, zugleich beste Wünsche an Daniel Luther übermittelte.

Ungeachtet dieser Schrecksekunde powerte das Eisenacher Team weiter, allen voran der vor Tatendrang sprühende Dener Jaanimaa, der auch nach eigenen Fehlern immer wieder die Verantwortung beim Torwurf übernahm, insgesamt acht Bälle versenkte. Beim 22:19, nach einem Treffer von Nicolai Hansen, waren die Eisenacher wieder auf Tuchfühlung heran. «Unsere Deckung stand in dieser Phase besser. Uns gelangen Treffer über Tempogegenstöße in der zweiten Welle. Unser Spiel wies eine bessere Struktur auf. Doch dann verfielen wir in alte Laster», bilanzierte Adalsteinn Eyjolfsson, der Coach des ThSV Eisenach.

«Eisenach wurde stärker, wir verzettelten uns, befreiten uns dann selbst, fanden wieder zu unserem strukturierten Spiel», analysierte BHC-Trainer Sebastian Hinze. Der schickte, als es eng wurde, wieder den «Chef», Regisseur Viktor Szilagyi, auf das Parkett. Der 172-fache österreichische Nationalspieler übernahm die Spielführung, dirigierte und bediente seine Mitspieler. Emil Berggren schloss immer wieder kaltblütig ab, markierte neun Treffer. Stanko Sabljic behauptete sich am Kreis. Der Bergische HC zog auf 25:19 davon (47.) und steuerte dem dritten Sieg in Folge an, findet sich nach einer «historischen Woche» mit Erfolgen über den HSV Hamburg (34:27), VfL Gummersbach (30:25) und nun über den Mitaufsteiger aus Thüringen mit 6:2 Punkten auf dem fünften Platz wieder. «Wir genießen einfach den Augenblick, sind darauf bedacht, keine Zufriedenheit einziehen zu lassen», merkte ein aufgekratzter und selbstbewusster Sebastian Hinze an.

Sein Eisenacher Kollege Adalsteinn Eyjolfsson konstatierte wieder einmal «eine zu lange Anlaufzeit». Nach dem 3:3 (5.) dominierten der Bergische HC vor mit 2713 Zuschauern nahezu ausverkauftet Klingenhalle, zog auf 17:8 (25.) davon. «Unsere Abwehr stand schlecht. Wir kassierten zu einfache Gegentore, auch über die Kreismitte.

Einfache Mittel reichten aus, um unsere Abwehr auszuhebeln. Wir fanden zu keiner spielerischen Linie, gerieten durch Tempogegenstöße klar in Rückstand. So wie in der ersten Halbzeit, insbesondere in der Deckung, dürfen wir uns nicht verkaufen», fasste Adalsteinn Eyjolfsson die sechzig Minuten zusammen.

«Wir müssen weiter ganz intensiv arbeiten», fügte der Isländer an, der den langzeitverletzten Girts Lilienfelds (Bruch des rechten Armes) schmerzlich vermisst, zugleich darauf verwies, das Tomas Sklenak nach langwierigen Verletzungen von einstiger Stärke noch weit entfernt sei. Der Tscheche und auch Hannes Jon Jonsson vermochten dem Eisenacher Angriffsspiel keine gefährliche Note zu verleihen. Die Torhüter der Gastgeber brauchten nur selten einzugreifen, ihre Vorderleute regelten das vielfach. Einzig Dener Jaanimaa und phasenweise Aivis Jurdzs hatten mit ihren Würfen Erfolg. Zu wenig wurde der Linksaußen in die Angriffsaktionen einbezogen. Um keinen zweiten Deckungs- und Angriffswechsel vollziehen zu müssen, hatte sich Adalsteinn Eyjolfsson dazu entschlossen, die Rechtsaußenposition nach dem Seitenwechsel mit Branimir Koloper zu besetzen. Der an gesundheitlichen Problemen laborierende Linkshänder Nick Heinemann war im ersten Abschnitt im Angriff auf Rechtsaußen am Ball. Er und Dener Jaanimaa wurden in der ersten Halbzeit für Abwehraufgaben durch Branimir Koloper und Peter Pucelj abgelöst. Zwei Angriffs- und Deckungswechsel sind allerdings in einem temporeichen Spiel mit einem großen Risiko verbunden.

ThSV Eisenach wird vorentscheidend ausgekontert
Bereits während der ersten 100 Sekunden wurde der ThSV Eisenach gleich doppelt ausgekontert. BHC-Rechtsaußen Arnor Gunnarsson wurde von seinem Landsmann Björgvin Pall Gustavsson auf die Reise geschickt, doch beide Male blieb der Eisenacher Schlussmann Rene Villadsen Sieger, der im weiteren Spielverlauf allerdings nur noch acht Bälle vor der Linie zu fassen bekam. Die Eisenacher setzten auf ruhigen Spielaufbau. Der Überraschungseffekt hielt sich in bescheidenen Grenzen. Nach dem 3:3 drehten die Hausherren auf, zogen zunächst auf 9:4 (14.) davon. Der erst unmittelbar vor dem Saisonbeginn vom ThSV Eisenach zum Bergischen HC gewechselte Duje Miljak hatte mit seinem ersten Ballkontakt eingelocht. Um das Tempo zu forcieren, betraute Eisenachs Trainer nun Tomas Sklenak mit der Aufgabe der Spielsteuerung. Kurzzeitig atmete das Eisenacher Spiel auch Schärfe, doch nach dem 10:7 (17.) überrollte der Bergische HC den Mitaufsteiger von der Wartburg zum 17:8 (25.). Da konnte BHC-Spielmacher Viktor Szilagyi, der für Abwehraufgaben von einem anderen Routinier, vom deutschen Ex-Nationalspieler Michael Hegemann abgelöst wurde, beruhigt auf der Wechselbank Platz nehmen. Nick Heinemann verkürzte im Doppelpack (per Siebenmeter und von Rechtsaußen). Die entscheidenden Zweikämpfe gingen an die Gastgeber, die mit einem klaren 19:12 zu den Pausengetränken gingen. Der massive Innenblock der Gastgeber räumte vor dem eigenen Kasten ab, provozierte die Wartburgstädter zu Fehlern.

«Wir starteten auch in den zweiten Abschnitt gut», befand Sebastian Hinze nach dem 20:12 durch Linkshänder Duje Miljak, der bei seinem neuen Verein, als «Wunschspieler» begrüßt, längere Einsatzzeiten im Angriff erhielt. Doch die Eisenacher Mannen hatten die klaren Worte ihres Trainers während der Pause beherzigt, ließen sich auch vom verletzungsbedingten Ausscheiden von Daniel Luther nicht schockieren und verkürzten durch Aivis Jurdzs, Dener Jaanimaa, und Nicolai Hasen bis auf drei Treffer (22:19, 42.). Die «Bergischen Löwen» fanden die passenden Antworten durch ihren «Anführer». Der «alte Löwe» ließ sich auch von einer zwischenzeitlichen offensiveren Abwehrvariante der Eisenacher nicht beirren. Nach dem 27:23 (49.). trafen die Gastgeber zum 31:24 (55.). Das «Löwen-Rudel» wurde da nur durch Dener Jaanimaa aufgeschreckt. Was der ThSV Eisenach neben Jaanimaa`s Torgefährlichkeit in petto hat, demonstrierte Nicolai Hansen mit seinem spektakulären Rückhandtreffer

Serienmeister am Samstag in Eisenach
«Fehler analysieren» nannte ThSV-Coach Adalsteinn Eyjolfsson als Hauptaufgabe für die nächsten Tage. Viel Zeit bleibt nicht, zum Ende einer englischen Woche kommt der Serienmeister und Ligakrösus THW Kiel. Anwurf am Samstag, 14.09.2013 um 19.00 Uhr in der Werner-Aßmann-Halle. Einige Stehplatzkarten sind noch in der ThSV-Geschäftsstelle erhältlich.

Statistik
Bergischer HC: Gustavsson, Huhnstock (37,.47.); Hoße (3), Sabljic (6), Hegemann, Miljak (2), Gunnarsson (1), Nippes (3), Oelze (5/3), Artmann, Wöss (3), Weiß (1), Szilagyi (1), Berggren (9)
ThSV Eisenach: Villadsen, Gorobtschuk (16.-25.), Trabert (n.e.); Elisson, Sklenak, Wöhler (1), Jurdzs (5), Jonsson (1), Luther (3), Pucelj, Jaanimaa (8), Hanxsen (3), Heinemann (4/2), Koloper (1)

Siebenmeter: Bergischer HC 3/3 – ThSV Eisenach 3/2
Zeitstrafen. Bergischer HC 2 x 2 Min., Rot für Weiß nach grobem Foulspiel (36.) – ThSV Eisenach 5 x 2 Min.

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