Anzeige

Höhenflug abrupt gestoppt

Erst Freude über zwei Vertragsverlängerungen – dann tiefe Enttäuschung: ThSV Eisenach kassiert empfindliche 23:33 (11:18) -Heimniederlage gegen den TV Großwallstadt

Vor dem Anpfiff brandete Beifall auf. Hallensprecher Jürgen Hausburg informierte über die Vertragsverlängerungen von Jannis Schneibel und Peter Walz. Der 20-jährige Spielmacher Jannis Schneibel, kurz vor dem Weihnachtsfest von den Rhein-Neckar Löwen gekommen, bleibt dem ThSV Eisenach bis 2023 erhalten. Kreisspieler Peter Walz (27 Jahre), Anfang Februar von Drittligist HG Saarlouis ins Thüringische gekommen, unterzeichnete einen neuen Kontrakt bis 2024. Er war bisher Angestellter der Landespolizei des Saarlandes. Ab dem 01.07.2021 wechselt er zur Landespolizei Thüringens und wird hier in die Sportfördergruppe aufgenommen. Diese beiden Informationen sollten nahezu die letzten guten des Abends werden. Eisenachs kleiner Höhenflug, mit drei Siegen in Folge und dem damit einhergehenden Klassenerhalt, wurde abrupt gestoppt. Die Wartburgstädter kassierten im Nachholspiel gegen Aufsteiger TV Großwallstadt eine empfindliche 23:33 (11:18) -Niederlage, die dritte im zweistelligen Bereich der Saison, wobei die vorherigen (21:32 in Bad Schwartau und 23:33 in Hamm) noch aus der Hinrunde stammen. Der TV Großwallstadt ist trotz zwischenzeitlicher Corona-Zwangspause seit 5 Spielen ohne Niederlage, kletterte auf den 8. Tabellenplatz. Der ThSV Eisenach rutschte auf Rang 12 ab, der zum Saisonende noch zur direkten Qualifikation für den DHB-Pokal berechtigt. Um das im Blick zu behalten, benötigen die Wartburgstädter in ihrem bereits letzten Saisonspiel am Samstag, 19.06.2021 – erneut in heimischer Halle und vor Zuschauern – einen vollen Erfolg. Anwurf ist um 19.30 Uhr. Tagestickets sind online erhältlich unter www.thsv-eisenach.de. Von 15.00 bis 18.00 Uhr besteht im Hallenbereich die Möglichkeit für einen Corona-Test. Die drei G´s (geimpft, genesen, getestet) sind erneut eine Grundvoraussetzung das Live-Erlebnis Handball.

Manager Witte: „Vielleicht habe ich einen Tag zu viel freigegeben.“

Wir glaubten uns einen Schritt weiter, sinnierten Manager Rene Witte und Trainer Markus Murfuni.

Beide entschuldigten sich bei den 600 Zuschauern, die ihre Mannschaft von Beginn lautstark unterstützten. Noch am Wochenende landete der ThSV Eisenach bei der bis dato erfolgsverwöhnten SG BBM Bietigheim einen 35:32-Auswärtserfolg.

So darf man in Eisenach einfach nicht spielen. Ich nehme die Niederlage auf meine Kappe, erklärte ein sichtlich schockierter Manager zur Pressekonferenz und damit großes Staunen auslösend.

Auf Nachfrage wich er zunächst aus, das sei eine mannschaftsinterne Angelegenheit, fand dann aber doch zu einer erklärenden Formulierung:

Vielleicht habe einen Tag zu viel frei gegeben.

„Fünf ausgelassene Freie waren schon fast der Anfang vom Ende.“

Im ersten Abschnitt fanden wir in der Abwehr keine Bindung. Zum Ende der ersten Halbzeit ließen wir 5 freie Bälle ungenutzt, brachten zwei Siebenmeter nicht unter. Das war schon fast der Anfang vom Ende, konstatierte Jannis Schneibel.

Alexander Saul visierte das Holz an (23.). Ivan Snajder schmetterte das Leder frei ans Gebälk (25.). Willy Weihrauch brachte den Ball nach einem Gegenstoß nicht am Ex-Eisenacher Jan-Steffen Redwitz im Tor des TV Großwallstadt vorbei (26.). Adrian Wöhler setzte einen Strafwurf über den Gästekasten (27.). Ivan Snajder scheiterte von der Siebenmeter-Linie am Großwallstädter Schlussmann (28.). Beim Stand von 11:18 (!) wurden die Seiten gewechselt.

Im zweiten Abschnitt lief dann bei uns nahezu nichts zusammen. Im Ergebnis dessen verlieren wir dann verdient mit 10 Toren Differenz, redete Jannis Schneibel Klartext.

Beim 15:25 durch Rückraum-Shooter Savvas Savvas (46.) leuchtete erstmals eine 10-Tore-Differenz an der Anzeigetafel. Der Großwallstädter-Rückraum-Linke, erst im Saisonverlauf zum Team gestoßen, beim Eisenacher Publikum aufgrund zu viel Theatralik in Ungnade gefallen und bei jedem Ballkontakt mit Pfiffen bedacht, netzte 10 Bälle ein.

Angriffseffektivität von lediglich 39 Prozent

So enttäuscht wie heute war ich in der gesamten Saison nicht. Unsere Angriffseffektivität lag bei gerade einmal 39 Prozent, hinzu kamen 14 technische Fehler. Halbwegs respektabel präsentierten sich Martin Potisk und Ante Tokic. Die Mannschaft ist selbst höchst enttäuscht von sich. Wir haben zuletzt 3 bis 4 Schritte nach vorn gemacht, jetzt haben wir 3 bis 4 Schritte zurück gemacht, erklärte ThSV-Coach Markus Murfuni.

Die Statistik von Mannschaftsleiter Ronny Oelschläger wies auch nur eine Torwurfeffektivität von 51 Prozent auf. Für die 23 Treffer wurden 45 Versuche benötigt.

TVG-Coach Bader: „Wir haben extrem konsequent verteidigt.“
Ralf Bader, der Coach des TV Großwallstadt war ob des Erfolges happy. Im Thüringer Handballtempel gewinnt man ja auch nicht alle Tage mit 10 Toren Differenz, und das als Aufsteiger.

Wir hatten riesigen Respekt vor dem ThSV Eisenach, dessen so überaus positive Entwicklung ich intensiv verfolgt habe. Wir haben konsequent verteidigt. Was dann auf das Tor kam, hat Jan-Steffen Redwitz weggefangen. Wir sind natürlich hoch zufrieden, resümierte der Coach.

Er hatte keine hochklassige Partie gesehen, weil die Statistik insgesamt 25 technische Fehler aufwies. Die Begegnung in der Werner-Aßmann-Halle war der Startschuss zu einem knüppelharten Restprogramm mit 5 Spielen in 10 Tagen inklusiv der Reisekilometer nach Wilhelmshaven und Lübeck. Die letzten Saisonaufgaben dürfte der TV Großwallstadt nach diesem Auftritt unter der Wartburg dennoch relaxt angehen.

Gäste stellen frühzeitig die Weichen
Die Gäste brachten ihr Angriffsspiel von Beginn auf den Punkt, profitierten von den Qualitäten ihres Torjägers Savvas Savvas. Eisenachs Abwehr bekam einfach keinen Zugriff, im Angriff fehlten Schärfe und Präzision. Martin Potisk startete mit drei Treffern in der Anfangsphase gut, dessen 3:4 (5.) war gleichbedeutend mit dem letzten Anschlusstreffer. Beim 5:9 (13.) griff Eisenachs Trainer Markus Murfuni bereits zur grünen Karte. Jannis Schneibel löste Martin Potisk auf der Regieposition ab. Thomas Eichberger kam ins ThSV-Gehäuse. Das schien zunächst zu fruchten. Nach einem Ballgewinn von Jannis Schneibel lochte Daniel Dicker per Gegenstoß ein. Beim 8:11 (16.) durch Ivan Snajder hofften die Getreuen auf den Rängen auf die Wende. Hannes Iffert löste den bis dahin glücklosen Peter Walz ab, nutzte ein Zuspiel von Jannis Schneibel zum 10:13 (19.). Andrej Obranovic kam für Abwehraufgaben. Doch der TV Großwallstadt dominierte, von Mario Stark und Marko Matijasevic dirigiert, schloss seine Angriffszüge zielstrebig ab (10:16, 21.). Jan-Steffen Redwitz im Gästekasten war mehrfach zur Stelle. Gleich fünf dicke Torchancen vermochten die Eisenacher unmittelbar vor der Halbzeitpause nicht zu nutzen. Beim Stand von 11:18 wurden
die Seiten gewechselt.

ThSV Eisenach: Nur drei Treffer im zweiten Abschnitt bis zur 45. Minute
Wieder mit Martin Potisk auf Rückraum Mitte und Peter Walz am Kreis startete der ThSV Eisenach in die zweiten 30 Minuten. Die erwartete Aufholjagd blieb aus. Taktische Veränderungen und personelle Umstellungen verpufften. Die Gäste behaupteten nicht nur ihr sattes Torpolster, sie bauten dieses, obwohl nicht fehlerfrei, sogar noch aus. Dem ThSV Eisenach gelang kaum etwas. Die Gäste agierten von Minute zu Minute selbstbewusster. Ihr Keeper kaufte den Eisenachern zahlreiche Bälle aus Nahdistanz ab. Eine Auszeit beim 14:22 (43.) blieb wirkungslos. Ex-Nationalspieler Michael Spatz, inzwischen im 39. Lebensjahr und Teammanager, schloss per Gegenstoß zum 14:23 ab (44.). Tom Jansen zirkelte das Leder zum 14:24 (45.) in die Maschen. Dem ThSV Eisenach waren in den 15 Nachpausen-Minuten gerade einmal 3 Treffer gelungen. Die Partie war längst entschieden. Immer wieder war bei Jan-Steffen Redwitz Endstation oder man verhaspelte sich schon auf dem Weg Richtung Gäste-Gehäuse. Beim 18:30 (52.) betrug die Differenz gar 12 Treffer. Ralf Bader brachte seine junge Garde, wie den erst 17-jährigen Keeper Julian Ohm, der noch zwei Bälle parierte.

Statistik
ThSV Eisenach: Voncina (1.-15./ 3 Paraden), Eichberger (15.-53./ 6 Paraden), Fehr (53.-60./ 3 Parden); Iffert (1), Volar, Wöhler (2), Potisk (4), Walz (2), Hideg (1), Tokic (3), Dicker (1), Obranovic, Schneibel (2), Snajder (3), Weyhrauch, Saul (4/2)
TV Großwallstadt: Redwitz (1.-55./ 16 Paraden), Ohm (55.-60./ 2 Paraden); Spatz (1), Messerschmidt, Jansen (7), Eisenträger (2), Bandlow (3), Matijasevic (5), Bransche, Weit (2), Corak (1), Stark (1), Pfeifer (1), Spieß, Savvas (10/2)
Siebenmeter: ThSV Eisenach: 2/4 (Saul verwandelt 1 x gegen Redwitz u. 1 x gegen Ohm, Wöhler wirft gegen Redwitz über das Tor, Snajder scheitert an Redwitz) / TV Großwallstadt: 2/2 (Savvas verwandelt 1 x gegen Voncina u. 1 x gegen Eichberger)
Zeitstrafen: ThSV Eisenach: 8 Min (Walz, Tokic, Snajder, Weyhrauch je 2 Min.) / TV Großwallstadt: 8 Min. (Spieß 4 Min., Messerschmidt, Eisenträger je 2 Min.)
Schiedsrichter: Marvin Cesnik/Jonas Konrad
Zuschauer: 600
Beste Spieler: ThSV Eisenach: keiner / TV Großwallstadt: Redwitz, Matijasevic, Savvas

Th. Levknecht

Anzeige
Anzeige
Top