„Ich bin nicht der filigrane Typ.“ 

Im Interview: Tillman Leu, Neuzugang beim ThSV Eisenach 

Der in Schwerin geborene Tillman Leu gehört seit dieser Saison zum Kreisläuferteam des ThSV Eisenach. Er kam vom Zweitbundesligisten Dessau-Roßlauer HV zum Thüringer Traditionsverein. Der 1,97 Meter große und 104 Kilogramm wiegende 24-Jährige zeichnet eine ausgesprochen robuste Art aus, packt herzhaft zu. „Ich hab´s nicht so mit Zärtlichkeiten“ titelte eine Thüringer Zeitung einen Beitrag über den Neuzugang des ThSV Eisenach. Dieser jagte – wie viele kleine Jungen – zunächst dem großen runden Leder nach. Sein 7 Jahre älter Bruder Henning Leu nahm ihn mit zum Fußball. (Henning Leu ist seit 2018 beim FC Mecklenburg Schwerin, derzeit mit dem Männerteam in der Landesliga Mecklenburg-Vorpommern, aktiv.)

Wir sprachen mit Tilman Leu, ledig, aber liiert, der ein Studium zum Lehrer für Sport und Biologie aufgenommen hat.

Im Alter von 7 Jahren nahm Sie ein Bekannter Ihres Vaters mit zum Handball, zum SV Post Schwerin (heute Mecklenburger Stiere). Warum entschieden Sie sich dann für das kleine runde Leder?

Ballspiel mit den Füßen, das war nicht so richtig mein Ding. Mit den Händen, das klappt besser. Handball ist körperlicher und kräftiger als Fußball. Ich war sofort begeistert. Diese Begeisterung ist bis heute geblieben. 

Wie ging es dann weiter?

Von der E-Jugend bis in den Männerbereich spielte ich in Schwerin. Axel Stark und Felix Eckert waren meine erste Übungsleiter. Ich begann, meiner Größe wegen, im linken Rückraum, wechselte dann im C-Jugend-Alter an den Kreis und übernahm auch die Rolle des Abwehrchefs. Ab der 5. Klasse lernte ich im Sportgymnasium. Ich wurde mit den Mecklenburger Stieren Landesmeister, erhielt Berufungen in die verschiedenen Landesauswahl-Mannschaften von Mecklenburg-Vorpommern. 

sportfotoseisenach – Kreisspieler ist kein Zuckerschlecken. Tillman Leu hier gegen die Abwehrhünen der MT Melsungen

Der Kreis, wahrlich keine Position zum Zuckerschlecken, ist die richtige Position für Sie?

Ja, da geht es ordentlich zur Sache. Ich bin nicht so der Filigran-Typ. Deshalb bin ich auch vom Rückraum an den Kreis gewechselt. 

Wie kam es dann 2021 zum Wechsel aus Schwerin zum Dessau-Roßlauer HV!

Nach dem Abitur wollte ich weg von Schwerin. Über meinen Berater wurde ein Probetraining in Dessau organisiert. Wahrscheinlich bin ich da ausgesprochen positiv registriert worden. Trainer Uwe Jungandreas hat, für mich unerwartet, gleich gefragt, ob ich nach Dessau kommen will. Das war im Winter während der Corona-Zeit. Im Sommer wechselte ich nach Dessau, absolvierte ein Jahr Bundesfreiwilligendienst für geistig behinderte Kinder an einer Förderschule in Leipzig, nahm im Anschluss in Leipzig mein Studium auf. 

Uwe Jungandreas, viele Jahre Trainer des Dessau-Roßlauer HV, jetzt beim EHV Aue, ist ein besonderer Trainer-Typ…?

Ohne ihn wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Er hat mich ins Team aufgenommen und integriert, mir das Angriffs- und Abwehrspiel im Männerbereich beigebracht. Er hat praktisch einiges aus mir herausgekitzelt. Ich habe stets zu ihm aufgeschaut. Er wusste, was er an mir hatte. Ich wusste, was ich an ihm hatte. 

Kreismitte-Spieler leben vor allem von den Anspielen ihrer Rücktraum-Mitte Kollegen. Wer waren das in Dessau?

Zunächst Vincent Sohmann, letzte Saison Marcel Nowak, der mir viele Bälle aufgelegt hat. 

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Nun tragen Sie das Trikot des ThSV Eisenach?

Erste Liga, das war mein großer Wunsch. Dieser wurde nun Realität. Nach dem Auskurieren einer Kreuzband-Verletzung habe ich mit dem Dessau-Roßlauer HV 2024 eine starke Rückrunde gespielt. Wie ich hörte, hatte mich der ThSV Eisenach da schon auf dem Zettel. Während der Vorbereitung auf die Saison 2024/2025 bestritt der Dessau-Roßlauer HV ein Testspiel gegen den ThSV Eisenach, das Eisenachs Interesse an mir verstärkte. Im September 2024 entstanden die ersten Kontakte. Ich hatte nicht damit gerechnet. Ich brauchte nicht lange zu überlegen, um Ja zu sagen, einen Vertrag zu unterzeichnen. Einen Vertrag für die 1. Handballbundesliga! Ich hatte noch andere Angebote, habe mich frühzeitig für den ThSV Eisenach entschieden.  

sportfotoseisenach – Die 4 Kreisspieler des ThSV Eisenach: (v.l.) Peter Walz, Philipp Meyer, Tillman Leu, Justin Kurch

Wie sehen Sie Ihre Rolle im Eisenacher Kreisläuferteam?

Ich habe nicht vermutet, so rasch so viele Einsatzzeiten zu erhalten, sogar beginnen zu dürfen. Von Peter Walz kann ich mir im Angriff ganz viel abschauen. Was die Abwehrarbeit betrifft, bin ich mit Philipp Meyer und Justin Kurch im Austausch. Ich muss ein neues Raumgefühl entwickeln, nicht nur den Ball und den Gegenspieler im Auge behalten. Ich haue mich in jedes Training voll rein, um nicht auf der Bank zu landen. Ich will Angriff und Abwehr spielen. 

Wo sehen Sie Ihre Stärken, wo Reserven, wo Nachholbedarf?

In der 1. Liga muss man als Kreisspieler mindestens 100 Kilo wiegen. Das tue ich. Ich will trotzdem ein schneller und vielseitiger Spieler bleiben, achte auf meine Ernährung.  Ich glaube, ich kann im Angriff ganz gut Räume schaffen, Sperren stellen. Abwehrarbeit liegt mir.  Als junger Spieler sehe ich überall Reserven und Nachholbedarf. Im Angriff gilt es eine Schippe drauf zu packen. Wie Peter Walz sich bewegt, da kann ich mir vieles abschauen. Aber auch in der Abwehr will ich stabiler werden.  Mit unserem Trainer Sebastian Hinze und Philipp Meyer bin ich in punkto Taktik vor jedem Spiel im regen Austausch. 

Das Team des ThSV Eisenach erlebte im Sommer eine personelle Zäsur. Was geht diese Saison?

Der Auftakt mit dem Heimsieg über Leipzig verlief sehr gut. Die ersten Spiele insgesamt stufe ich besser ein als in der Vorbereitung. Ich bin mir sicher, wir werden ausreichend Punkte für den Klassenerhalt sammeln. Alle im Team sind hungrig. Uns zeichnet eine tolle Moral aus. Viele absolvieren Extra-Training, beschäftigen sich ausgiebig mit Video-Analysen. Die Gespräche in der Kabine drehen sich um unseren nächsten sportlichen Gegner. Unser Coach bereitet uns bis ins kleinste Detail vor. So auch auf das bevorstehende Heimspiel gegen die HSG Wetzlar, in dem wir unbedingt punkten wollen. 

Wo soll Ihr sportlicher Weg hingehen?

Der Traum 1. Bundesliga hat sich erfüllt. Wenn ich mal weiter träumen darf, einmal für die Nationalmannschaft zu spielen, mit dem Adler auf der Brust auflaufen. 

Welche Musik hören Sie gern?

Deutschen und amerikanischen Rap.

Sie kochen gern selbst. Hähnchen Teriyaki sollen ganz gut gelingen. Was ist Ihr Lieblingsgericht?

Ganz eindeutig, Muttis Rinder-Rouladen. 

Vielen Dank für die Einblicke in Ihr Leben.
Th. Levknecht

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