Ich habe nicht die richtigen Knöpfe gedrückt

Eisenachs Coach Misha Kaufmann nimmt 25:30 (11:16)-Heimniederlage gegen den TBV Lemgo Lippe auf seine Kappe

Bildquelle: © Ch. Heilwagen / ThSV Eisenach
Auch die eindringlichen Worte von Eisenachs Kapitän Peter Walz am Vorabend seines 30. Geburtstages fruchteten nicht.

Eisenachs Trainer Misha Kaufmann war der Ärger über die 25:30 (11:16)-Heimniederlage gegen den TBV Lemgo Lippe deutlich anzumerken. Er hatte im Vorfeld seine Schützlinge gewarnt, den 5-Punkte-Vorsprung zur Abstiegszone nicht leichtfertig zu gefährden. Das Schulterklopfen allerorts schien seiner Mannschaft nicht bekommen zu sein.

Sie war während der Woche zu locker, zu sicher. Ich hatte kein gutes Gefühl. Ich hätte sie noch eindringlicher ermahnen, noch mehr gegensteuern müssen. Scheinbar habe ich nicht die richtigen Knöpfe gedrückt. Das ist ein Lernprozess für mich und die Mannschaft, übte Misha Kaufmann Selbstkritik, nahm die Niederlage gar auf seine Kappe.

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Hochgradig verärgert und zornig, Eisenachs Trainer Misha Kaufmann.

Einen Tag nach einem historischen Datum, die Werner-Aßmann-Halle, seinerzeit noch „Sporthalle Katzenaue“, war am 25.04.1984, also vor 40 Jahren, eröffnet worden, wäre der ThSV Eisenach mit einem weiteren Doppelpunktgewinn dem Klassenerhalt ganz nahe gerückt. „Keiner will Rechenspiele, das heißt, wir müssen kommenden Freitag in Balingen gewinnen“, betonte Eisenachs Abwehrchef Philipp Meyer.

Die Konkurrenz schläft nicht, die Partie in Balingen wird eine ganz wichtige. Wir sind noch lange nicht durch, pflichtete Eisenachs Geschäftsführer Rene Witte dem Abwehrchef seines Teams bei.

Die über 3.000 Zuschauer verabschiedeten ihr Team mit tosendem Beifall. Auch als Mutmacher für kommenden Freitag…

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Vor dem Anpfiff wurde die B-Jugend des ThSV Eisenach als Thüringer Landesmeister geehrt.

Endstation bei TBV-Keeper Finn Zecher

ThSV-Kapitän Peter Walz fand klare Worte:

Was uns in der Vorwoche beim Sieg über den TVB Stuttgart ausgezeichnet hat, dass jeder seinen Job gemacht hat, war gegen die Lipperländer nicht der Fall. Wenn bei jedem ein oder zwei Prozent fehlen, dann reicht das eben nicht. Zudem haben wir dem Gästetorhüter warm geworfen.

Hinter einer kompakt stehenden Abwehr des TBV Lemgo Lippe lief Torhüter Finn Zecher zu großer Form auf. Er war für den leicht angeschlagenen Urh Kastelic in die Startformation gerückt, parierte in der Anfangsviertelstunde gleich zwei Siebenmeter von Eisenachs Torjäger Manuel Zehnder (3./14.).

Wir haben Eisenach zu Würfen gezwungen, die wir haben wollten, konstatierte Florian Kehrmann, der Coach des TBV Lemgo Lippe.

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Malte Donker kam nur selten so frei zum Wurf.

Sein Keeper Finn Zechner erstickte nach dem Seitenwechsel den Versuch einer Eisenacher Aufholjagd im Keim. Mit 7 Paraden im ersten Abschnitt trug er wesentlich zur 16:11-Führung der Gäste beim Seitenwechsel bei.

Wir haben gut herausgespielte Chancen nicht genutzt. Das wird auf diesem Niveau bestraft. Der Gästetorwart hat das Spiel förmlich an sich gerissen. Uns fehlte in der Abwehr die Aggressivität, unsere Torhüter bekamen von uns wenig Unterstützung, gestand Philipp Meyer.

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Für die Eisenacher Schlussleute Matija Spikic und Mateusz Kornecki, im mehrfachen Wechsel, stand nur eine Fangquote von 25 Prozent. Finn Zecher auf der Gegenseite ging mit einer Fangquote von 34,2 Prozent in die Statistik ein.

Selten, dass in unseren Heimspielen der gegnerische Torhüter bessere Quoten als unser Keeper aufweist, so Misha Kaufmann.

Der TBV Lemgo Lippe präsentierte sich bestens vorbereitet auf die Eisenacher Spielweise und die Atmosphäre in der Halle.

Mit der sehr guten Torwurfeffektivität und einem ausgezeichneten Finn Zecher im Tor legte der TBV Lemgo Lippe im ersten Abschnitt den Grundstein zum Erfolg, ließ nach dem Seitenwechsel nichts mehr anbrennen, konstatierte Louis Kleinschmidt, ehemaliger Eisenacher Nachwuchstorhüter, jetzt in der Lemgoer Drittligamannschaft und als Zuschauer gekommen.

Eisenacher Aufholjagd bleibt aus

Nach dem Seitenwechsel haben wir das Tempo bestimmt, auch das 7 gegen 6 der Eisenacher gut verteidigt. Im Angriff nutzten wir Freiwurfsituationen, Eisenachs Schwachstelle. Egal, in welcher Formation Eisenachs Abwehr agierte, ob im 3:3, 5:1 oder 6:0, wir haben Lösungen gefunden, freute sich Florian Kehrmann, seit 1999 beim TBV Lemgo Lippe, erst als Spieler, ab 2014 als Trainer.

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Eisenachs Israeli Yoav Lumbroso (am Ball) gegen Österreichs Lukas Hutecek (Nr.2) in den Reihen des TBV Lemgo Lippe.

Sein Team blieb nach Wiederbeginn spielbestimmend. Tim Suton und Lukas Hutecek hielten die Spielzügel fest in der Hand. Tim Suton versenkte zum 15:22 (43.). Die Weichen waren klar gestellt. ThSV-Coach Misha Kaufmann versuchte es mit mehrfachem Personalwechsel. Ohne Erfolg. Niels Verstejnen netzte gar zur 9-Tore-Führung für die Gäste ein (17:26, 48.). Trotz der zwei zu Beginn der Partie ausgelassenen Siebenmeter schritt Manuel Zehnder weiter zum Strich und verwandelte noch zwei Strafwürfe. Samuel Zehnder, nicht verwandt mit Eisenachs Manuel Zehnder, versenkte alle 4 dem TBV Lemgo zuerkannte Siebenmeter. Trotz des 9-Tore-Rückstandes fighteten die Eisenacher weiter, lautstark vom eigenen Anhang unterstützt. Ivan Snajder lochte zum 23:28 (56.) und 25:29 (59.) ein. Per Kempa traf Tim Suton zum 25:30-Endstand.

Stimmungsvolle Verabschiedung für Torben Hübke

Die Halle ist ja der Wahnsinn. Sensationell wie die Fans die Halle zum Beben bringen, erklärte Florian Kehrmann.

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Torben Hübke (Mitte) wurde offziell von ThSV-Präsident Shpetim Alaj (2. v.l.) und Geschäftsführer Rene Witte (r.) verabschiedet.

Er hatte für den verletzten Jan Brosch den Ex-Eisenacher Torben Hübke aus der eigenen Drittliga-Mannschaft nominiert. Florian Kehrmann entschied sich während der Partie bei der Besetzung der Kreisposition neben Leos Petrovsky für den eigentlichen Rückraumspieler und Abwehrspezialisten Frederik Simak. Für Torben Hübke gab es in dessen ehemaliger Heimspielstätte keine Einsatzzeit. Der ehemalige ThSV-Spieler konnte die Stimmung im Thüringer Handballtempel aber noch einmal genießen. Er war im Sommer 2022 von der SG Flensburg-Handewitt zum ThSV Eisenach gekommen, hatte hier in 35 Pflichtspielen 5 Treffer markiert, war im Februar zum Team HandbALL nach Lemgo gewechselt. Der ThSV Eisenach nutzte die Gelegenheit, um den knapp 2-Meter-großen Kreisläufer offiziell zu verabschieden. Die über 3.000 Zuschauer dankten dem 22-Jährigen mit lang anhaltendem Beifall. Seine ehemaligen Mannschaftskameraden wünschten alles Gute.

TBV Lemgo Lippe ab der 5. Minute durchgehend in Führung

Eingestimmt wurde der Abend mit der Ehrung der D- und B-Jugend-Teams des ThSV Eisenach als Thüringer Landesmeister. Doch nur beim 1:1 durch Moritz Ende (5.) leuchtete im Männer-Spiel ein Gleichstand auf der Anzeigetafel. Die Eisenacher, mit drei Rechtshändern im Rückraum beginnend, sahen sich mit 1:4 (7.) und gar 4:9 (15.) in Rückstand. Marko Grgic zerrte an den Ketten. Er versenkte bei 11 Versuchen 6 Bälle. Peter Walz verkürzte mit zwei Treffern auf 7:10 (19.), doch die vom stimmgewaltigen Eisenacher Anhang erhoffte Wende fiel aus. Eisenachs flache Bälle waren nach dem Geschmack von Gästetorhüter Finn Zecher. Inzwischen agierten Marko Grgic, Yoav Lumbroso und Malte Donker im Eisenacher Rückraum. Doch der junge Ben Battermann wuchtete zum 10:15 ein (29.). Yoav Lumbroso bediente Justin Kurch, der der vom Kreis den 11. Eisenacher Treffer markierte. Mit der Sirene traf Tum Suton zum 11:16-Pausenstand.

Ihr Linie konsequent beibehaltend, blieben die Kehrmann-Schützlinge auch nach Wiederanpfiff das spielbestimmende Team. Den Treffer von Malte Donker zum 15:19 (40.) beantworteten die Gäste mit drei Treffern zum 15:22 (43.). Dazwischen meisterte TBV-Keeper Finn Zecher Würfe von Manuel Zehnder und Timothy Reichmuth. Beim 17:26 (48.) war mehr als eine Vorentscheidung gefallen.

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Marko Grgic versucht sich gegen die Gästeabwehr durchzusetzen.

Statistik:
ThSV Eisenach: Spikic (5. für einen 7-Meter, 15-30., 42.-44., 48.-56./ 7 Paraden – 15 Gegentore), Kornecki (1.-15., 30.-42., 44.-48., 56.-60./ 3 Paraden – 15 Gegentore); Reichmuth, Zehnder (4/2), Patrail, Walz (2), Mengon (1), Grgic (6), Ende (1), Meyer (1), Lumbroso, Donker (3), Kurch (1), Snajder (3), Weyhrauch (2), Saul (1)
TBV Lemgo Lippe: Kastelic, Zecher (1.-60. / 13 Paraden – 25 Gegentore); Hutecek (5), Theilinger (4), Zehnder (4), Battermann (1), Simak (2), Laerke (2), Schagen, Carstensen (1), Suton (6), Zerbe, Versteijnen (4), Hübke, Petrovsky (1)
Siebenmeter: ThSV Eisenach 2/4 (M. Zehnder verwandelt 2 x gegen Zecher und scheitert beim Stand von 0:1 in der 3. Minute sowie beim Stand 4:8 in der 14. Minute an Zecher) – TBV Lemgo Lippe 4/4 (S. Zehnder verwandelt 2 x gegen Kornecki und 2x gegen Spikic)
Zeitstrafen: ThSV Eisenach 1 x 2 Min. (Patrail 39.) – TBV Lemgo Lippe 2 x 2 Min. (Theilinger 14., Simak 36.)
Schiedsrichter: Hurst/Krag
Zuschauer: 3.030
Spielfilm: 1:4 (7.), 4:9 (15.), 9:12 (24.), 11:16 (30.), 13:18 (37.), 15:21 (48.), 17:26 (56.), 25:30 (60.)

Th. Levknecht

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