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Im 98. Traditionsderby der 46. Sieg des ThSV Eisenach

Bildquelle: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Eisenachs Kreisspieler Peter Walz lässt sich von der EHV-Abwehr nicht stoppen.

Wartburgstädter bejubeln 33:30 (17:13) – Erfolg über den EHV Aue und untermauern Platz in der oberen Tabellenhälfte

Vor dem Anpfiff war die Bilanz ausgeglichen. Nach 97 Aufeinandertreffen seit jenem 11:10-Erfolg im Jahr 1961 von Motor Eisenach auf dem Großfeld über Wismut Aue standen je 45 Siege in der Statistik, dazu 7 Remis. Am Vorabend des Tages der Arbeit lieferten sich beide Teams ein Torspektakel, so recht nach dem Geschmack der Zuschauer. In der 98. Auflage dieses Traditionsderbys bejubelte der ThSV Eisenach vor nahezu 1.500 Zuschauern einen 33:30 (17:13) -Erfolg über den EHV Aue und kletterte mit 35:27-Punkten in der Tabelle der 2. Handballbundesliga auf den 5. Tabellenplatz.

Wir haben ab der 22. Minute geführt, vermerkte Eisenachs Manager Rene Witte mit einer gehörigen Portion Stolz.

Der EHV Aue bleibt mit 19:45 Zählern Tabellen-Schlusslicht. Der Rückstand zum rettenden Ufer beträgt drei Zähler. Angesichts des Restprogrammes gegen mitgefährdete Teams eine durchaus lösbare Aufgabe. Beide Vereine wollen in der nächsten Saison das 99. und 100. Derby bestreiten. Gemeinsam in der 2. Handballbundesliga!

Bildquelle: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Schon nach 5 Minuten: Rot für Kevin Roch (EHV Aue).

ThSV-Keeper Fran Lucin verhindert den Ausgleichstreffer
Vielleicht die Szene des Abends in der 57. Minute. EHV-Torwart Erik Töpfer (in der nächsten Saison beim ThSV Eisenach) parierte einen Ball. Mit einem Wurf aus der eigenen Hälfte in den verwaisten ThSV-Kasten wollten die Gäste zum 30:30 ausgleichen. Doch in Windeseile war Eisenachs Keeper Fran Lucin von der Wechselbank auf das Feld geeilt und ergatterte das Leder noch vor der Torlinie.

Bei dieser famosen Stimmung in der Halle war ich wie alle in unserem Team hoch fokussiert, erreichte im Sprint den Ball noch, erklärte ein aufgekratzter Fran Lucin, der vertragsgemäß die Wartburgstädter im Sommer wieder verlässt.

Er hatte ein Hauptanteil, dass das Pendel im Torhüterduell zugunsten des ThSV Eisenach ausschlug. Für Fran Lucin und Johannes Jepsen (beide Eisenach) wurden 13, für Eric Töpfer und Sveinbjörn Petursson (beide Aue) 8 parierte Bälle notiert.

Bildquelle: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Ivan Snajder vollendet per Gegenstoß.

Ivan Snajder bleibt bis zum Sommer 2023

Grandios diese Stimmung, die uns förmlich zum Sieg trug, betonte Ivan Snajder nach seiner 100-Prozent-Torquoto (5 Treffer bei 5 Versuchen).

Nach dessen Treffer zum 12:11 (20.) gaben die Hausherren die Führung nicht wieder ab. Ivan Snajder wird seinen bis zum Sommer 2023 gültigen Vertrag erfüllen. Wechselabsichten wurden ad acta gelegt.

Was dann passiert, warten wir einfach ab, erklärte der 24-jährige Linksaußen nach der Partie lächelnd in der Kabine.

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Jannis Schneibel beim Torwurf.

ThSV Eisenach mit effizientem Umschaltspiel
Die Anfangsphase der Partie ging mit Vorteilen an das Team aus dem Erzgebirge.

Wir haben geduldig auf unsere Chancen gewartet und mit Konsequenz abgeschlossen, konstatierte Stephan Just.

Der Ex-Eisenacher, 1997 als 17-Jähriger mit dem ThSV Eisenach in die 1. Handballbundesliga aufgestiegen, hat wenige Tage zuvor zur „Mission Klassenerhalt“ das Traineramt beim EHV Aue übernommen, seinen Vertrag als Coach der SCM-YoungsterS vorzeitig aufgelöst. Der Ex-Nationalspieler musste frühzeitig auf Kevin Roch verzichten, der nach einer überharten Attacke an Jannis Schneibel von den sicher amtierenden Referees Jan und Manuel Lier die rote Karte sah (5.).

Die kann man durchaus geben, befand auch EHV-Manager Rüdiger Jurke.

Aus dem linken Rückraum lochte Adrian Kammlodt immer wieder für die Gäste ein. Dieser besorgte mit seinem 5. Treffer das 7:9 (13.). Nach einer Umstellung in der Eisenacher Deckung gelangen dem im Sommer zum TV Großwallstadt wechselnden Torjäger nur noch 2 Treffer.

Eisenach hat dann besser verteidigt. Uns unterliefen einfache Fehler, räumte Stephan Just ein. Die Hausherren fanden bessere Antworten, wir kassierten zu vielen Gegenstoßtreffer, konstatierte auch Kreisspieler Bengt Bornhorn vom EHV Aue.

Ballgewinne in der Abwehr wurden zu schnellem und präzisen Umschaltspiel genutzt. Ein 9:2-Tore-Lauf bescherte den Wartburgstädtern eine 17:13-Pausenführung. Fynn Hangstein, der Toptorjäger der Liga, der auch mit einer 100-Prozent-Wurfausbeute glänzte (9 Treffer mit 9 Versuchen), Jannis Schneibel und Alexander Saul forcierten aus dem Rückraum das Eisenacher Angriffsspiel.

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ThSV-Kapitän Peter Walz jubelt nach einem seiner 4 Treffer.

EHV Aue markiert mehrfach den Anschlusstreffer

Der Start in die zweite Halbzeit gelang uns nicht, erklärte Stephan Just.

Während Aki Egilsnes frei am Eisenacher Schlussmann Fran Lucin scheiterte, vollendete im Gegenzug in Unterzahl Peter Walz zum 19:13 (34.). Nach Regelwidrigkeit am Eisenacher Kapitän verwandelte Fynn Hangstein gegen seinen künftigen Teamkollegen Erik Töpfer zum 21:15 (37.). Alexander Saul traf zum 22:16 (39.).

Weshalb wir mit der eigenen 6-Tore-Führung im Rücken unser Spiel beschleunigt haben, kann ich nicht verstehen, merkte Eisenachs Coach Misha Kaufmann kritisch an. Wir bewiesen nach diesem klaren Rückstand eine tolle Moral, markierten mehrfach den Anschlusstreffer, vermerkte Bengt Bornhorn.

Die Achse Goncalo Ribeiro (Rückraum Mitte) und Bengt Bornhorn (Kreis) war maßgeblich für die Aufholjagd des EHV Aue verantwortlich. Sebastian Paraschiv war von der Regieposition auf Linksaußen gewechselt. Eisenachs Vorsprung schmolz und schmolz. Mit personellen Wechseln im Rückraum, Martin Potisk und Jonas Ulshöfer kamen, versuchten die Thüringer neue Akzente zu setzen. Bengt Bornhorn scheiterte vom Siebenmeter-Strich, doch Goncalo Ribeiro traf im Nachsetzen (25:22, 45.). Beim 26:25 (Aki Egilsnes, 50.) war der Ausgang der Partie wieder völlig offen.

Unsere junge Mannschaft ist ruhig geblieben, freute sich Misha Kaufmann

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Alexander Saul zieht bedrängt ab.

ThSV-Coach Kaufmann: Alexander Saul war der Spieler des Abends
Besonders im Schlussabschnitt übernahm Eisenachs rechter Rückraumspieler Alexander Saul ganz viel Verantwortung.

Für mich der Mann des Abends, verteilte Misha Kaufmann ein dickes Lob an seinen Linkshänder.

Der eingewechselte Jonas Ulshöfer nutzte seine Qualitäten zu den Treffern 28:26 ((52.) und 29:27 (54.). Gonzalo Ribeiro (6 Treffer bei 8 Versuchen) hatte zuvor zum Anschlusstreffer für die Gäste eingenetzt. Nach Regelwidrigkeit an Alexander Saul verwandelte Fynn Hangstein den fälligen Strafwurf trocken zum 30:28 (54.), handelte sich wenig später eine Zeitstrafe ein. Per attraktivem Kempa traf Aki Egilsnes zum 30:29 (55.). Kurz darauf die schon erwähnte Szene, als ThSV-Keeper Fran Lucin von der Bank aufs Parkett eilend, den Ausgleichstreffer verhinderte. Alexander Saul traf zum 31:29 (58.). Goncalo Ribeiro und Bengt Bornhorn sorgten im Duett für den neuerlichen Anschlusstreffer des EHV Aue (31:30, 59.). Willy Weyhrauch und – gegen eine nun völlig geöffnete EHV-Deckung – Peter Walz machten mit ihren Treffern den Deckel zum Eisenacher Derbysieg drauf.

Im zweiten Abschnitt war es über weite Strecken ein ausgeglichenes Spiel. Letztendlich hat die am Ende clevere Mannschaft gewonnen, bilanzierte Stephan Just. Ich habe mich nach so langer Zeit auf die Stadt und die Werner-Aßmann-Halle gefreut. Vieles ist anders als vor 12 Jahren, ergänzte „Apollo“ Just.

Mit Sprechchören „Derbysieg! Derbysieg“ und dem Gesang Thüringens Nationalhymne, dem „Rennsteiglied“, feierte der Eisenacher Anhang den 17. Saisonsieg. Der Auftritt in Eisenach habe, so alle im Lager des EHV Aue, Mut für die restlichen Spiele gemacht.

Bildquelle: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Eisenachs Cheftrommler „Manolo“ (Volker Staer) dreht mit dem Sohn von Eisenachs Ex-Kapitän Daniel Luther mit der blau-weißen Vereinsfahne seine Runde vor dem Anpfiff, begleitet vom Fahnenträger des EHV Aue.

Statistik
ThSV Eisenach: Jepsen (1.-6. u. 43.-49./ 1 Parade), Lucin (12 Paraden); Iffert, Wöhler, Potisk (1), Hangstein (9/5), Ulshöfer (2), Walz (4), Tokic (1), Sousa (1), Dicker, Donker, Schneibel (2), Snajder (5), Weyhrauch (1), Saul (7)
Trainer: Misha Kaufmann
EHV Aue: Töpfer (8 Paraden); Petursson (bei einem Siebenmeter sowie 42.-55./ 0 Paraden), Roch (1), Bornhorn (5), Egilsnes (2), M. Lux (3), Dutschke (2), Sova, Slachta (1), Kammlodt (7), Jerebie (1), K. Lux (1), Paraschiv (1), Halfdansson, Ribeiro (6)
Trainer: Stephan Just
Zeitstrafen: ThSV Eisenach: 4 x 2 Min. (Hangstein, Walz, Dicker, Snajder – EHV Aue: 1 x 2 Min. (Jerebie), Rot für Roch n. grobem Foulspiel (5.)
Siebenmeter: ThSV Eisenach: 5/5 (Hangsteinverwandelt 4 x gegen Töpfer u. 1 x gegen Petursson) – EHV Aue: 0/1 (Bornhorn scheitert 1 x an Jepsen)
Schiedsrichter: Jan Lier/ Manuel Lier
Zuschauer: 1.489
Beste Spieler: ThSV Eisenach: Saul, Snajder, Walz, Hangstein – EHV Aue: Ribeiro, Kammlodt

Th. Levknecht

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