Im Angriff ohne Durchschlagskraft

Tabellenführer ThSV Eisenach muss sich nach schwacher Angriffsleistung mit einem 23:23 (11:9) gegen die MSG Groß-Bieberau/Modau begnügen

Sead Hasanefendic, die Trainerikone des ThSV Eisenach, war zerknirscht. Mit einem 28:28 bei der SG Bruchköbel hatte sich der ThSV Eisenach aus dem Kalenderjahr 2018 verabschiedet. Mit einem 23:23 (11:9) im Heimspiel gegen die MSG Groß-Bieberau/Modau stiegen die Wartburgstädter in das neue Jahr und in den zweiten Teil der Punktspielsaison ein. Nach erneut bescheidener spielerischer Leistung! Und das nach ganz intensiver Vorbereitung. Das ärgerte Sead Hasanefendic besonders.

War der Punktverlust in Bruchköbel nicht Warnung genug, sinnierte Eisenachs Coach.

Die bisher makellose Heimweste erhielt einen kleinen Fleck. Ein sattes Polster an der Tabellenspitze bleibt freilich. Die MSG Groß-Bieberau/Modau jubelte über den Coup auf dem Parkett der Werner-Aßmann-Halle. Nicht unerwähnt sollte bleiben, beide Teams befleißigten sich einer überaus fairen Spielweise, sodass die sicher amtierenden Unparteiischen Marcus Dodt und Benjamin Klappauf auf beiden Seiten nur je eine Zeitstrafe zu verhängen brauchten.

Zu viele Eisenacher ohne Zielwqasser
Als Eisenachs Adrian Wöhler in der Schlussminute beim Stand von 23:23 von Linksaußen das Leder am Besten auf dem Parkett, an Gäste-Schlussmann Martin Juzbasic, nicht vorbei brachte, war die Überraschung perfekt. Aber auch Wöhlers`s Teamkollegen fehlte die Treffsicherheit. Mit einer Torwurfeffektivität von gerade einmal 50 Prozent war dem Tabellen-Zehnten nicht beizukommen. „Unsere Abwehr im Zusammenspiel mit dem Torhüter ist unsere Stärke“, hatte Thorsten Schmid, der Coach der Hessen im Vorfeld wissen lassen.

Es ist ja nicht so, dass wir nicht darauf vorbereitet waren, betonte Sead Hasanefendic.

Allein, es fehlte an der Umsetzung auf dem Parkett. In der Abwehr gelangen kaum Ballgewinne, um zum Gegenstoß anzusetzen. Wurde das Leder erobert und der Gegenstoß ausgelöst, hatte Willy Weyhrauch das Zielwasser vergessen. Er blieb bei 4 Versuchen ohne Treffer. Zu pomadig gestaltete sich der Positionsangriff. Die Außen wurden nur selten einbezogen.

Wir haben zu verhalten gespielt, die Gäste hingegen mit Freude in Abwehr und Angriff, konstatierte Eisenachs Coach Sead Hasanefendic, der auch Neuzugang Yoav Lumbroso zum Einsatz brachte.

Der 18-jährige Israeli deutete seine spezifischen Qualitäten an, braucht aber noch Zeit des Hineinwachsens. Im ersten Abschnitt stand die Eisenacher Deckung noch kompakt, profitierte von einem starken Stanislaw Gorobtschuk. Der Eisenacher Keeper parierte in den ersten 30 Minuten 50 Prozent der Bälle, 9 von 18 Würfen. Dem im zweiten Abschnitt das ThSV-Gehäuse hütenden Neuzugang Blaz Voncina fehlte noch die Abstimmung mit seinen Vorderleuten. Zu selten blitzte das Können der Eisenacher auf. Andrej Obranovic wuchtete eine Freiwurfablage zum 9:7 ein (19.). Daniel Luther verwandelte die seinen Farben zugesprochenen Siebenmeter, wie beim 12:9 (31. nach Foulspiel an Marcel Schliedermann) oder zum 15:12 (36.).

ThSV-Kapitän Marcel Schliedermann versuchte es noch zu richten
Und dennoch, als Daniel Luther nach Regelwidrigkeit an Justin Mürköster von der Siebenmeterlinie zum 15:12 verwandelte (36.) glaubte jeder auf den erneut mit über 1.600 Zuschauern gut gefüllten Rängen an den 16. Doppelpunktgewinn im 18. Saisonspiel. Doch die ausschließlich mit Amateuren besetzten Gäste witterten ihre Chance beim Ligaprimus und nutzten diese beherzt. Ihr torgefährliche Rückraumspieler Michael Malik glich zum 15:15 aus (39.). Die Hessen verengten geschickt die Räume. Keeper Martin Juzbasic kauften den freien Adrian Wöhler (40.), Justin Mürköster (49.) und Willy Weyhrauch (55.) das Leder ab. ThSV-Kapitän Marcel Schliedermann (der einzige mit 100-Prozent-Wurfquote, 4 Versuche – 4 Treffer) versuchte den drohenden Punktverlust mit der für ihn typischen Zweikampfstärke abzuwenden, fand bei seinen Nebenleuten jedoch nicht die erhoffte Resonanz. Linkshänder Alexander Saul blieb, auch selten in Szene gesetzt blass. Aus 9 Würfen resultierten 4 Treffer. Die Gäste egalisierten mit von Michael Malik, Jost Kus und Till Buschmann initiiertem wohl temperiertem Angriffsspiel immer wieder die 1-Tore-Führungen der Hausherren. Michael Malik besorgte aus dem Fernwurfbereich mit seinem 7. Treffer das 23:23 – und damit den Endstand.

Wir haben die Partie auf die leichte Schulter genommen. Das hat sich gerächt. Wir schlossen unsere Angriffe nicht konsequent ab, ließen selbst freie Bälle weg, Die schlechte Torwurfquote belegt das. Uns gelang es nicht, ein 3-Tore-Plus zu behaupten oder auszubauen. Aber auch in der Abwehr fanden wir nicht zu Kompaktheit, weil wir nicht aggressiv genug agierten. Wenn nicht jeder 100 Prozent gibt, reicht es eben auch gegen Groß-Bieberau nicht zu zwei Zählern, fand Marcel Schliedermann deuliche Worte.

Nachdenklicher Sead Hasanefendic

Nicht die Breite sondern die Qualität des Kaders ist wichtig, betonte Sead Hasanefendic vielsagend.

Mit den Blaz Voncina und Yoav Lumbroso hatte er beide Neuzugänge dabei, somit 18 Spieler für die 14 Plätze auf dem Spielprotokoll. Zum Sieg reichte es nicht. Der ThSV Eisenach hat einen Punkt verloren, das Team aus der nicht einmal 5.000 Einwohner zählenden hessischen Kleinstadt am Tor zum Gersprenz- und Fischbachtal mit einem echten Coup einen Punkt gewonnen. Bestens gelaunt trat das mit zwei Kleinbussen angereiste Team die Heimfahrt über knapp 250 Kilometer an.

Ein Gästetrainer in bester Stimmung
Thorsten Schmid, der Coach der Gäste, freute sich über „ein richtig gutes Spiel“ seiner Crew. Seine Rückraumreihe dosierte bestens das Tempo, spielte die Angriffe effektiv aus.

Wir stellten Eisenach vor große Probleme in Abwehr und Angriff. Sehr gut unsere Rückwärtsbewegung. Wir sind sehr stolz auf diese Leistung, betonte Thorsten Schmid. Wir sind für die nächsten Spiele gewappnet. Ein Auswärtszähler bei der besten Mannschaft der Liga zeigt, wir sind auf dem richtigen Weg unterwegs, fügte Thorsten Schmid hinzu, der Platz 7 oder 8 zum Saisonende als Ziel nennt.

Statistik
ThSV Eisenach: Gorobtschuk, Voncina; Iffert, Wöhler (4), Luther (6/5), Miljak, Schliedermann (4), Richardt, A. Alaj, Streckhardt, Mürköster (2), Obranovic (2), Lumbroso (1), Weyhrauch, Saul (4)
MSG Groß-Bieberau/Modau: Khan, Juzbasic; Arnold (1), Schaeffter, Malik (7/1), Büttner (2/2), Bauer, Buschmann (4), Rivic (1), Weber (3), Jost (1), Ahrensmeier, Dambach (1), Batinovic (3), Lebherz
Siebenmeter: ThSV Eisenach 6/5 – MSG Groß-Bieberau/Modau 4/3
Zeitstrafen: ThSV Eisenach 1 x 2 Min. . MSG Groß-Bieberau/Modau 1 x 2 Min.
Schiedsrichter: Dodt/Klappauf
Zuschauer: 1.601

Th. Levknecht

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