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Im Angriff soll mehr in die Tiefe gegangen werden

ThSV Eisenach empfängt im Nachholspiel TuSEM Essen, bei dem ein Politikwissenschaftler auf der Trainerbank sitzt

Zwei englische Wochen für den ThSV Eisenach inklusive drei Heimspielen binnen 10 Tagen. In einem Nachholspiel vom 12. Spieltag (ursprünglicher Termin war der 20.11.21), das aufgrund von Corona-Fällen seinerzeit abgesagt werden musste, empfangen die Wartburgstädter im Aufeinandertreffen von zwei Handball-Traditionsvereinen am Mittwoch, 16.02.2022 um 19.00 Uhr den TuSEM Essen. Erneut sind 500 Zuschauer unter der 2 G plus-Regel erlaubt. Dank der Hilfe der Johanniter wird es ab 17.00 Uhr ein Corona-Testzentrum vor Ort (im Wartburgstadion) geben. Rest-Tickets sind ab 17.30 Uhr an der Tageskasse der Werner-Aßmann-Halle erhältlich.

Auf der Vita des Turn- und Sportvereines Essen-Margarethenhöhe (kurz TuSEM Essen) stehen drei Deutsche Meistertitel. National und international renommierte Handballer trugen einst das TuSEM-Trikot. Doch das ist Geschichte. Nach etlichen Jahren 2. Liga gelang nach der Saison 2019/2020 die ersehnte Rückkehr ins Oberhaus. Es wurde nur ein einjähriges Intermezzo. Aktuell rangieren die Ruhrpott-Männer mit 21:17 Punkten auf dem 9. Tabellenplatz der 2. Handballbundesliga. Sie werden von einem überaus interessanten jungen Mann trainiert. Der 35-jährige Jamal Naji ist Politikwissenschaftler.

Wie so oft im Leben kommt es häufiger anders als man denkt. Ich bin per se kein Typ, der Lebensabschnitte langfristig kalkuliert. Ich versuche immer das zu machen, was mir gerade Spaß macht. Über den Weg als Jugendtrainer habe ich dann irgendwann gemerkt, dass man auf mich aufmerksam wurde und TUSEM Essen war dann der Verein, bei dem ich diesen Schritt gehen wollte, erklärt der in Königswinter aufgewachsene gebürtige Bad Honnefer mit marokkanische Wurzeln.

Sein Ruf in Deutschlands Handballkreisen ist inzwischen so gut, dass er nächste Saison bei Erstligist Bergischer HC auf der Bank sitzt. Gemeinsam mit Ex-Nationalspieler Michael Hegemann an der Seite will er aktuell Erfolg mit einer gegenüber der Erstbundesligasaison nur wenig veränderten TuSEM-Mannschaft haben. Eingespieltheit ist also ein Faustpfand. Die Mannschaft ist qualitativ und quantitativ bestens besetzt. Jeder wirft Tore, jeder übernimmt Verantwortung. Ein Shooter steht nicht im Team. Rückraumspieler Eloy Morante Maldono rangiert als bester Werfer mit 84 Toren in 19 Spielen auf Platz 23 der Torjägerliste der Liga. Im Torhüterteam finden wir mit Sebastian Bliß ein TuSEM-Dauerbrenner (seit 2010 in Verein, damals aus Delitzsch gekommen).

Eisenachs Coach Misha Kaufmann hofft, dass die jüngste Heimniederlage gegen die SG BBM Bietigheim, die erste unter seiner Regentschaft, ein Ausrutscher bleibt.

Ich bin kein Freund von Statistiken. Jede Niederlage schmerzt bei mir gleich schlimm. Ich mag das Gefühl und den Gedanken einer Niederlage nicht, weder im Test- oder im Punktspiel, erklärt der 37-jährige Schweizer.

Wieder vor Zuschauern spielen zu dürfen, freut alle beim ThSV Eisenach.

Wir sollten den Trumpf Halle noch mehr ausspielen. Gemeinsam. Als wir mit zwei oder drei Toren zurücklagen, war es mir am Samstag zu leise. Mir ist schon bewusst, dass die Emotionen vom Parkett auf die Ränge überspringen müssen, damit die Fans mitziehen, meint Misha Kaufmann.

Unter der zweijährigen Corona-Pandemie und der Abstinenz von der Halle hat nicht nur in Eisenach die Stimmung gelitten. ThSV-Cheftrommler Manolo (Volker Staer) wird jedenfalls seine Trommelstöcke nicht ruhen lassen.

Personell hat der ThSV Eisenach, mit 17:19 Punkten auf dem 13. Tabellenrang, alle an Deck. Misha Kaufmann bastelte am taktischen Konzept.

Unsere Gäste setzen auf eine ausgesprochen robuste Abwehr, aus der extrem schnell zur 1. und 2. Welle angesetzt wird. Kempa-Treffer gehören zum Repertoire. Sie lieben es auch, mit 7 gegen 6 anzugreifen, ergab seine Analyse.

Die Wartburgstädter hoffen, dass das junge Torwartduo Johannes Jepsen/ Fran Lucin sich ergänzend hinter einer stabilen Abwehr zum Rückhalt wird. Im Angriff wird Misha Kaufmann vermutlich mit seiner Stammformation beginnen: Ivan Snajder auf Links- sowie Ante Tokic oder Willy Weyhrauch auf Rechtsaußen, Fynn Hangstein, Jannis Schneibel und Alexander Saul im Rückraum und Kapitän Peter Walz am Kreis.

Wir müssen mehr in die Tiefe gehen, hatte Linkshänder Alexander Saul nach der Partie gegen die SG BBM Bietigheim betont.

Für „besondere Aufgaben“ stehen Jonas Ulshöfer und Martin Potisk bereit. Adrian Wöhler, der Dienstälteste, kann stets „ins Feuer geworfen zu werden“. Daniel Hideg kann im linken und rechten Rückraum spielen. Reserven hat der am vergangenen Sonntag seinen 24. Geburtstag feiernde Linkshänder Malte Donker. Für das Agieren mit zwei Kreisläufern kann Misha Kaufmann neben Peter Walz auch auf Ruben Sousa und Hannes Iffert bauen. Was der Eisenacher Coach ausgetüftelt hat, der Mittwochabend wird es zeigen….

Th. Levknecht

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