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In der Summe waren es zu viele Nackenschläge

ThSV Eisenach unterliegt beim TV Hüttenberg mit 28:30 (13:26) / Adrian Wöhler übernimmt nach nunmehr 1.192 Toren die Spitze in der ewigen vereinsinternen Torjägerliste/ Im Heimspiel am Samstag muss ein Doppelpunktgewinn her

Das war bitter, ganz bitter für den ThSV Eisenach! In einem hochexplosiven hessisch-thüringischen Nachbarschaftsvergleich unterlagen die Wartburgstädter beim TV Hüttenberg mit 28:30 (13:16). Sie hatten etliche Nackenschläge wegzustecken, kämpften bis zum Umfallen, wurden aber nicht belohnt. „Wir waren mit einem riesigen Kämpferherzen dabei. Alle haben förmlich bis zum letzten Atemzug gefightet“, betonte Misha Kaufmann, der neue Eisenacher Coach. Er sprach diplomatisch von „unglücklichen Schiedsrichterentscheidungen“, zu denen eine heftig umstrittene rote Karte für Rückraumspieler Fynn Hangstein unmittelbar vor der Pause und 18 Strafminuten gegen die Wartburgstädter gehörten. Vom mitgereisten Anhang wurde das Eisenacher Team mit ganz viel Beifall verabschiedet. Der galt besonders Adrian Wöhler; der Dienstälteste hatte mit seinen 7 Treffern am Abend den die ewige vereinsinterne Torjägerliste anführenden Titel Raduta (1.187 Tore in 216 Pflichtspieleinsätzen zwischen 1993 und 2000) auf Platz 1 abgelöst. Adrian Wöhler steht nun bei 1.192 Toren in 510 Pflichtspieleinsätzen.  

Der ThSV Eisenach steckt mit 4:12-Punkten im Tabellenkeller fest, braucht jeden Zähler, steht im Heimspiel am Samstag, 30.10.2021 um 19.30 Uhr gegen den TV Emsdetten unter Erfolgszwang. „Wir gehen den eingeschlagenen Weg konsequent weiter. Wir müssen einiges korrigieren, unsere Fehler minimieren. Na klar, wir wollen am Samstag zwei Punkte holen. Dabei hoffen wir auf eine ähnlich stimmgewaltige Unterstützung wie vor einer Woche beim Sieg über den HC Empor Rostock“, erklärt Eisenachs neuer Trainer Misha Kaufmann. Die Ostseestädter brachten am Mittwochabend vor 2.500 Zuschauern Ligakrösus VfL Gummersbach mit einem 34:33 die erste Niederlage bei. Der TV Emsdetten feierte einen 32:28-Erfolg über Eintracht Hagen. Die drei Ex-Eisenacher im Trikot der Münsterländer, Marcel Schliedermann (2014 bis 2019 beim ThSV), Dirk Holzner (2015 bis 2017) und Gabor Langhans (Saison 2010/2011) markierten zusammen 19 der 32 Emsdettener Treffer.Na klar, ich freue mich auf viele bekannte Gesichter, hoffe auf ein Schwätzchen mit dem einen oder anderen nach dem Spiel. Via Facebook habe ich schon viele freundliche Nachrichten erhalten. Dass ich mit meiner Mannschaft auch in Eisenach gewinnen will, ist wohl klar. Wir wollen eine starke Abwehr stellen und schnell nach vorn spielen, mit kühlem Kopf die sich bietenden Chancen konsequent nutzen“, lässt Marcel Schliedermann vor der Fahrt in seine eigene Vergangenheit wissen.

Rot für Fynn Hangstein  

Kulminationspunkt am Mittwochabend kurz vor dem Seitenwechsel: Nach Regelwidrigkeit an Peter Walz entscheiden die Referees folgerichtig auf Strafwurf. Fynn Fangstein versucht mit einem „Schulter-Leger“ den Hüttenberger Torwart zu bezwingen. Das Leder landet an der Schulter, streift den Hals und findet nicht den Weg ins Tor. Während die SchiedsrichterThomas Hörath und Timo Hofmann schon wieder gen Mittellinie laufen, sich wohl für Spielfortsetzung entschieden haben, moniert Dominik Plaue, der Torhüter des TV Hüttenberg, Kopftreffer. Die beiden Unparteiischen ziehen nun zum Entsetzen der Eisenacher und zur Verwunderung des Großteiles des Hüttenberger Publikums gegen Eisenachs Fynn Hangstein den roten Karton. Alle Proteste helfen nicht. Für den so wichtigen Eisenacher Rückraumspieler war die Partie in der 28. Minute beendet. Beide Trainer beurteilten diese Szene nach der Partie in der Öffentlichkeit diplomatisch. „Jeder Ball, der das Gesicht berührt, wird inzwischen mit einer roten Karte geahndet“, haderte selbst Johannes Wohlrab, der Coach des TV Hüttenberg, mit der aktuellen Regelauslegung der Schiedsrichter. „Die Spielleiter haben so entschieden. Für uns ist dadurch ein wichtiger Spieler ausgefallen“, erklärte Eisenachs Trainer Misha Kaufmann, verwies hernach aber auf „einige unglückliche Schiedsrichterentscheidungen“. In der Kontaktsportart Handball verhängten die Schiedsrichter gegen den ThSV Eisenach 18 (!) Strafminuten inklusive der roten Karte. Kurz nach Wiederanpfiff standen die Eisenacher durch Zeitstrafen dezimiert gar nur noch zu dritt auf dem Parkett. Die Gastgeber nutzten dies zum 19:15 durch ihren Kapitän Dominik Mappes, über den jeder Angriffszug läuft, der mit 7 Treffern auch bester Werfer seines Teams war.

Mehrfacher Ausgleichstreffer in der Schlussphase

Die Thüringer steckten all die Nackenschläge weg, steigerten sich in der Abwehr, auch Keeper Johannes Jepsen parierte mehrfach, netzten durch den treffsicheren Adrian Wöhler (7 Treffer bei 8 Versuchen) zum Anschlusstreffer (24:23, 47.) ein. Alexander Saul entwischte einmal mehr seinen Gegenübern und traf zum 24:24-Gleichstand (48.). Adrian Wöhler (25:25, 50.), Peter Walz (26:26, 51.) und erneut der starke Alexander Saul (27:27, 53.) sorgten erneut für den Gleichstand. ThSV-Keeper Johannes Jepsen blieb im Siebenmeterduell gegen Ian Weber Sieger (54.). „Wir waren also mehrfach dran, die Partie zu kippen, doch wir schafften es nicht“, konstatierte Eisenachs Manager Rene Witte. Sein Rückraumspieler Jonas Ulshöfer kassierte eine Zeitstrafe, Dominik Mappes verwandelte vom Strich zum 28:27 (57.). Den Eisenachern unterlief ein technischer Fehler, Philipp Schwarz lochte für die Hausherren über Linksaußen zum 29:27 ein (58.). Auf Vorlage von Jannis Schneibel markierte Ante Tokic den Eisenacher Anschlusstreffer. Da waren noch 104 Sekunden zu spielen. Die Hausherren durften das Leder bis 10 Sekunden vor Ultimo behalten, bis Vit Reichl zum 30:28-Endstand traf.

Daniel Dicker trifft aus der eigenen Hälfte, wenig später nahm das Unheil seinen Lauf

Die Eisenacher setzten erneut auf eine 5:1-Deckungsvariante mit Fynn Hangstein vorgezogen. Der im Sommer vom TBV Lemgo gekommene 21-jährige besetzte im Angriff zunächst den linken Rückraum, Martin Potisk die zentrale Aufbauposition und Alexander Saul den rechten Rückraum. Jannis Schneibel begann für den verletzt fehlenden Ivan Snajder auf Linksaußen. Bei den Hausherren, die kurzfristig auf Routinier Christian Rompf und Abwehrchef Moritz Zörb verzichten mussten, kam Co-Trainer Stefan Kneer, von 2002 bis 2006 im Trikot des ThSV Eisenach am Ball, für Abwehraufgaben auf das Parkett. ThSV-Coach Misha Kaufmannsetzte auf einen Angriffs- und Abwehrwechsel, formierte seinen Rückraum frühzeitig und im Spielverlauf immer wieder neu. Der auf Linksaußen eingewechselte Routinier Adrian Wöhler bewies von Beginn Treffsicherheit, wie beim 4:4 (8:9 und 8:8 (15.). Auch Linkshänder Alexander Saul erwischte im Angriff einen guten Tag (insgesamt 6 Treffer). Die Hausherren schlossen über alle Positionen erfolgreich ab. Hendrik Schreiber zog aus der Distanz ab. Beide Eisenacher Torleute fanden zunächst keine Einstellung. Der gerade eingewechselte Malte Donker musste mit einer Zeitstrafe zurück auf die Bank. Die Hausherren trafen zum 10:8 (16.). Fynn Hangstein bediente Peter Walz am Kreis, der zum Eisenacher Anschlusstreffer verwandelte (11:10, 21.). ThSV-Coach Misha Kaufmann versuchte es mit Ruben Sousa, Daniel Dicker und Peter Walz im Deckungsverband. Der ins ThSV-Gehäuse zurückgekehrte Johannes Jepsen parierte, Daniel Dicker zirkelte das Leder aus der eigenen Hälfte zum 13:13-Ausgleichstreffer in den verwaisten Hüttenberger Kasten (24.). Kurz darauf nahm das Unheil aus Eisenacher Sicht mit der roten Karte für Fynn Hangstein seinen Lauf. Die Eisenacher standen kaum noch vollzählig auf dem Parkett.

Der Ausgleichstreffer fiel, zum Happyend kam es aber nicht

Kurz nach Wiederbeginn standen die Wartburgstädter nur noch zu dritt auf dem Parkett. Hendrik Schreiber und Dominik Mappes nutzten das zum 19:15 (35.). Es spricht für die Moral der Eisenacher, wie sie – oft in Unterzahl fighteten, beim 21:20 wieder auf Tuchfühlung waren, auch nach dem 24:21 (45.) mit aller Leidenschaft kämpften, mehrfach zum Ausgleich einnetzten. Zum Happyend kam es für die Wartburgstädter aber nicht.

 

Statistik

TV Hüttenberg: Plaue (11 Paraden), Böhne; Schwarz (4), Kneer, Kirschner (1), Opitz, Theiß (3), Fujita, Weber (3/1), Reichl (4), Mappes (7/1), Hahn (2), Klein, Jockel, Schreiber (6),

ThSV Eisenach: Jepsen (11 Paraden), Eichberger (15.-22./ 1 Parade); Iffert, Wöhler (7), Potisk (2), Hangstein (3/1), Ulshöfer (1), Walz (3), Hideg, Tokic (2), Sousa (1), Dicker (1), Donker, Schneibel (2), Weyhrauch, Saul (6)

Siebenmeter: TV Hüttenberg 2/3 – ThSV Eisenach 1/2

Zeitstrafen: TV Hüttenberg 5 x 2 Min. – ThSV Eisenach 9 x 2 Min., Rot gegen Hangstein (28.)

Schiedsrichter: Hörath/Hofmann

Zuschauer: 720

Th. Levknecht

 

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