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Keeper Erik Töpfer kam vom EHV Aue zum ThSV Eisenach

Der Ex-Eisenacher Radek Musil war sein Mentor

Keeper Erik Töpfer kam vom EHV Aue zum ThSV Eisenach und ist überzeugt vom „System Kaufmann“

Außerhalb des Handballparketts ist Erik Töpfer eher der ruhige Typ, geht gern im Wald spazieren. Auf dem Handballspielfeld ist der 97 Kilo auf die Waage bringende 1,90 Meter Mann ein lauter und emotionaler Torwart. Erik Töpfer, in Leipzig geboren, gehört zum Torhüterteam des Handball-Zweitbundesligisten ThSV Eisenach. Der 25-Jährige wechselte im Sommer vom Erzgebirge ins Thüringische, von einem Traditionsverein zu einem anderen, vom EHV Aue zum ThSV Eisenach. In 8 Serien bestritt er für den EHV Aue 208 Zweitliga-Punktspiele. Radek Musil, der Ex-Eisenacher, war sein Mentor. Der gebürtige Sachse, in Leipzig geboren, ist überzeugt vom in Eisenach beschrittenen Handballweg, überzeugt vom „System Kaufmann“, will ein Teil davon sein. „Seine Ansicht von Handball, das ist genau das, was ich gesucht habe“, erklärt der ledige, aber in einer festen Beziehung lebende Erik Töpfer. Der gelernte Einzelhandels-Kaufmann und Wirtschaftsfachwirt, der tschechischen Gulasch mit Knödeln als sein Leibgericht benennt, dessen Musikinteresse von klassisch bis modern reicht, will unter der Wartburg in seiner persönlichen Entwicklung einen großen Schritt nach vorn vollziehen und mit dem ThSV Eisenach erfolgreich sein.

In der Vergangenheit wechselten etliche Spieler von Eisenach nach Aue (Alexander Urban, Zbygnev Vesely, Timo Meinl, Radek Musil, Alexander Koke), nun vollzieht ein Spieler den umgekehrten Weg. „Natürlich ist es schade, wenn ein Spieler, der sich in acht Jahren Aue zu einem sehr guten Torwart entwickelt hat, den Verein verlässt. Aber man muss auch den Tapetenwechsel, wie Erik es sagte, akzeptieren. Ich wünsche ihm viel Glück bei seinem neuen Verein“, erklärte Rüdiger Jurke, der Manager des EHV Aue.

Der Pflichtspielstart steht unmittelbar bevor, wir sprachen mit Eryk Töpfer:

Wann haben Sie mit dem Handball begonnen?

Ich bin erst mit 14 Jahren zum Handball gekommen. Bis dahin stand ich auf dem Bolzplatz im Fußballtor. Freunde haben mich dann zum Handball mitgenommen. Zuvor war ich mit meinem Vater schon ab und zu als Zuschauer in der Handballhalle. So landete ich in der C-Jugend des Bornaer HV. Frank Klingler und Benjamin Wurzer waren meine ersten Übungsleiter. Die Stimmung, wenn der Torhüter einen Ball pariert, faszinierte mich von Beginn. Seinerzeit imponierte mir Henning Fritz. Ich blieb im Tor.

Im A-Jugend-Alter ging es in Erzgebirge?

Kirsten Weber aus dem Trainerstab des EHV Aue war auch Auswahltrainer in Sachsen. Er wurde auf mich aufmerksam. Nach einigen Gesprächen wechselte ich zum EHV Aue; Jugendbundesliga zu spielen, das reizte mich. Wir schafften die Qualifikation. Zum Training und zu den Spielen bin ich von Leipzig nach Aue gependelt. Als ich meine Ausbildung in Leipzig mit 40 Stunden in der Woche absolvierte, fuhr ich auch zum Training nach Aue. Der EHV unterstützte mich mit Sprit-Geld.

Von 2015 an gehörten Sie schon zum Zweitbundesligakader. Radek Musil, von 2008 bis 2013 beim ThSV Eisenach, danach beim EHV Aue, gehörte zu Ihren Torhüterkollegen und war auch Torwarttrainer. Mit Mitte 40 gab er nochmals sein Comeback in der Liga…

Des einen Pech ist des anderen Glück. Die Verletzung von Radek Musil öffnete mir die Tür zu vielen Einsätzen im Zweitligateam. Sveinbjörn Pétursson war mein Torwartkollege. Der Isländer wechselte 2016 zum UMF Stajrnan und kehrte 2020 nach Aue zurück. Trotz seiner Knieprobleme hat Radek Musil mittrainiert und stellte sich mit 45 Jahren nochmals ins Tor. Er war stets bereit, alles zu geben. Er war immer gut gelaunt. An ihm konnte ich mich orientieren, profitierte von seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz. Er war mein Mentor. Er ist ein guter Freund!

Was ist Ihnen aus 208 Ligaspielen von 2015 bis 2022 für den EHV Aue haften geblieben?

Mit dem Sieg über den TBV Lemgo im DHB-Pokal feierte ich einen Traumeinstand. Im Laufe der Jahre habe ich viele Menschen mit ihren Charakteren, viele Persönlichkeiten kennengelernt. Die Fluktuation war groß. Negativ war natürlich der Abstieg zum Ende der Vorsaison.

Auf Ihrer Vita stehen null Zeitstrafen, aber zwei rote Karten?

Bei einem Konter der Gegner eilte ich aus dem Tor, es kam zum Zusammenstoß. Regelkonform sah ich die rote Karte. Wichtig für alle Beteiligten, der Zusammenstoß blieb ohne Folgen. Die zweite rote Karte kassierte ich in der Vorsaison gegen den VfL Lübeck-Schwartau. Nach einem Kopftreffer ließ ich mich zu einer Pöbelei hinreißen. Ich weiß, das sollte mir eigentlich nicht passieren. Aber ich war mächtig in Rage.

Wie sah es mit Verletzungen aus?

Ich hatte schon zwei Kreuzbandrisse und eine Schulterverletzung auszukurieren, die längere Handballpausen zur Folge hatten. Derzeit bin ich vollkommen fit. Dass das so bleibt, daran arbeite ich gemeinsam mit unserem Physio und Athletiktrainer Alexander Nöthe.

Da kommen Ihnen die Regelveränderungen als Torwart recht?

Generell, der Mensch ist nicht so geschaffen, um Bälle mit hoher Geschwindigkeit an den Kopf zu bekommen. Eine Bestrafung bei freien Würfen aus dem Feld halte ich vollauf für gerechtfertigt. Zuletzt gab es schon vermeidbare Gesichtstreffer ohne Konsequenz. Die Gesundheit der Spieler steht an erster Stelle. Hierbei hilft die neue Regel.

Was waren die Faktoren für den Abstieg des EHV Aue zum Ende der Saison?

Ich glaube, das waren keine handballerischen Faktoren. Die Corona-Zeit hat viele Menschen verändert. Der Zusammenhalt war nicht so wie in den Jahren zuvor. In Endphasen der Spiele sind wir auseinandergebrochen. Es funktionierte einfach im Kopf nicht. Da konnte der Trainer machen, was er wollte….

Der EHV Aue ist ja ein besonderer Verein, fast schon ein „Familienunternehmen“?

Das ist definitiv so! Rüdiger Jurke, Mandy Münch und Renato Lades rocken den Verein. Sie waren stets für uns da. Sie sorgen für alles. Hut ab, was diese drei Menschen für den EHV Aue bewerkstelligen!

Was ist in Eisenach anders als beim EHV Aue?

Die Struktur ist etwas professioneller. Der „offizielle Bereich“ ist breiter aufgestellt. Das betrifft die Geschäftsstelle und den Trainerstab. Die Trainingsumfänge sind ähnlich. Die Trainingsinhalte sind anders. Ja auch ein Grund, weshalb ich nach Eisenach gekommen bin.

Vom Erzgebirge nach Thüringen; wie kommst Du im neuen Umfeld zurecht?

Die Stadt Eisenach, auch wenn größer als Aue, verkörpert ein Kleinstadtflair. Ähnlich wie in Aue ist der Altersdurchschnitt der Bewohner der Stadt und wohl auch bei den Handballbesuchern relativ hoch. In unserer Mannschaft freilich nicht. Die Mentalität der Menschen ist gleich. Ich fühle mich wohl.

Die Erwartungshaltung in Eisenach ist groß. „Seitdem ich in Eisenach tätig bin, gab es um die enorm wichtige Position des Torhüters immer wieder Unsicherheiten und Diskussionen. Mit Erik Töpfer konnten wir nun nicht nur einen ehrgeizigen Torhüter im besten Alter, sondern aus unserer Sicht auch einen optimalen Kollegen zu Johannes Jepsen gewinnen. Dieses Torhüterduo wird uns mit Sicherheit Freude machen“, kommentierte der Sportliche Leiter Maik Nowak die Bekanntgabe Ihrer Verpflichtung. Wie gehen Sie damit um?

Mehr Verantwortung zu übernehmen, einer der Gründe, weshalb ich in Eisenach bin. Ich will persönlich einen großen Schritt nach vorne machen, das Projekt des ThSV Eisenach vollenden, ein Teil davon sein.

Was würden Sie als Ihre Stärken bezeichnen, wo sehen Sie „Luft nach oben“?

Gelassenheit und Coolness, Solidität bei Würfen aus dem Rückraum und von Außen, würde ich als meine Stärken bezeichnen. An den Schwachstellen arbeite ich gerade.

Stehen Sie lieber hinter einer defensiv oder offensiv ausgerichteten Abwehr?

Ist mir egal, ich kann mich auf beides einstellen. Ich kenne meine Aufgaben, die ich zu erfüllen habe. Egal ob die Deckung vor mir defensiv oder offensiv ausgerichtet ist.

Was ist aus Ihrer Sicht für den ThSV Eisenach in dieser Saison möglich?

Wenn jeder seinen Job macht, zum Erfolg der Mannschaft seinen Teil beiträgt, können wir gegen jede Mannschaft der Liga siegreich sein. Daran arbeiten wir jeden Tag. Wir wollen uns weiterentwickeln, als Team zusammenwachsen und harmonieren. Wir werden dann sehen, was am Ende herausspringt.

Ist die 1. Handballbundesliga für Sie ein greifbares Ziel?

Ja.

Danke für das Gespräch.

Thomas Levknecht

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