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Keeper Thomas Eichberger machte den Unterschied

ThSV Eisenach verabschiedet sich mit einem 24:23 (13:14) -Erfolg über Bayer Dormagen aus der Saison / Vertrag mit Trainer Markus Murfuni verlängert / Emotionale Verabschiedungen

Andrej Obranovic blockte den letzten direkt auszuführenden Freiwurf von Andre Meuser. Der knappe 24:23(13:14) -Sieg des ThSV Eisenach über den Tabellen-Sechsten Bayer Dormagen war perfekt. Es war zugleich die letzte Aktion von Andrej Obranovic für die Wartburgstädter. Der 24-jährige linke Rückraumspieler wurde ebenso wie Kristian Volar (26) nach dem Spiel mit ganz viel Beifall der 654 Zuschauer und der Mannschaftskameraden verabschiedet. Ihre Verträge wurden nicht verlängert. Rückraum-Mitte-Mann Kristian Volar zog sich im August 2019 im DHB-Pokal gegen Erstligist HC Erlangen eine schwere Verletzung zu und konnte seitdem kein Pflichtspiel für den ThSV Eisenach bestreiten. Verabschiedet wurden nach der Partie auch Rechtsaußen Armend Alaj und Torhüter Andreas Fehr (beide beruflich mit einem Volltime-Job), die wieder in das Thüringenligateam des Vereins zurückkehren. Armend Alaj wird als Stand-by Spieler bei Bedarf zur Stelle sein. Der langjährige Geschäftsstellen-Mitarbeiter, einstige Trainer der C-Jugend und zweiten Männermannschaft Benjamin Riemann wurde ebenso verabschiedet. Er wirkt künftig im Marketing-Bereich des VfB Suhl. Corona bedingt waren nach der Saison 2019/2020 keine Verabschiedungen vor Zuschauern möglich. Das holte der ThSV Eisenach nach. Nicht alle eingeladenen Akteure kamen. Mit prasselndem Beifall wurden Ex-Kapitän Duje Miljak (Karriere-Ende) sowie Noah Streckhardt (zum Studium nach Würzburg und handballerisch zum HC Bad Neustadt) verabschiedet. Noch einmal schallten die Duje-Duje-Rufe aus dem blau-weißen Fanblock.

Thomas Eichberger mit einer Fangquote von 36 Prozent
Der ThSV Eisenach verabschiedete sich mit einem knappen, aber nicht unverdienten Sieg aus der Saison 2020/2021. Am letzten Spieltag sind die Wartburgstädter spielfrei und damit in der Zuschauerrolle, müssen hoffen, dass ihre 33 Pluspunkte für Platz 12 (oder besser) zur Qualifikation für den DHB-Pokal reichen.

Eisenach hat ein richtig gutes Spiel gemacht, deshalb auch kein Vorwurf an meine Mannschaft. Im zweiten Abschnitt fehlte bei uns der Druck, warfen wir nur noch 9 Tore, bilanzierte Dusko Bilanovic, der Coach von Bayer Dormagen.

Die magere Trefferausbeute der Gäste lag allerdings auch an Thomas Eichberger im Eisenacher Kasten. Er wurde mit einer Fangquote von 36 Prozent notiert.

Wir freuen uns alle, dass bei ihm am letzten Spieltag der Knoten geplatzt ist, erklärte ThSV-Coach Markus Murfuni.

Der Österreicher selbst stufte seinen nahezu 60-minütigen Einsatz als seine beste Saisonleistung ein.

Wir hatten zwei frühzeitige Ausfälle wegzustecken, Rot für unseren einzigen Rückraum-Rechten und Kapitän Alexander Saul sowie verletzungsbedingt Daniel Dicker. Ante Tokic hat die Rolle im rechten Rückraum bestens übernommen. Durch unsere starke Abwehrarbeit, insbesondere im Innenblock, konnten wir uns ein paar Fehler im Vorwärtsgang erlauben. Nach einer für mich schweren Saison, erstmals bei einem Verein im Ausland, einem Bandscheibenvorfall und die gesamte Corona-Problematik, bin ich froh, am letzten Spieltag solch eine gute Leistung abzurufen. Ich freue mich jetzt auf Urlaub in der Heimat, ich freue mich zugleich auf die nächste Saison in Eisenach, erklärte ein aufgekratzter Thomas Eichberger.

Sein Landsmann Daniel Dicker, Verdacht auf Bänderverletzung, hofft trotz der Verletzung auch auf Heimaturlaub. Zu einem kurzen Saisonabschluss fand sich die Eisenacher Mannschaft mit dem Team um das Team sowie einigen ehrenamtlichen Helfern am Sonntagvormittag vor der ThSV-Sportlerklause ein.

Ganz wichtig, in dieser ganz schweren Zeit hielten unsere Partner und Sponsoren, unsere Fans, unsere ehrenamtlichen Helfer uns die Treue, betonte Rene Witte.

Der Eisenacher Manager informierte auch, dass der Vertrag mit Trainer Markus Murfuni um ein Jahr verlängert wurde.

Es war seine erste Cheftrainer-Stelle, die er Corona bedingt nahezu ohne Kontakt zu Fans und Sponsoren zu bewältigen hatte, würdigte Rene Witte den Coach. Wir können mit der Saison zufrieden sein, auch angesichts der vielen Unwägbarkeiten. Ich bin ein emotionaler Typ und dennoch besonnen. Wir müssen mit Demut arbeiten, wissen wo wir herkommen, erklärte der 44-jährige Ex-Bundesligaspieler.

Mit dem 59-jährigen Maik Nowak als Sportlichen Leiter weiß er einen erfahrenen Handball-Lehrer par excellence an seiner Seite. Einer der neuen Akteure für die nächste Saison saß mit Johannes Jepsen schon mal auf der Tribüne. Der 21-jährige 2,02-Meter-Mann verstärkt nächste Saison das Eisenacher Torhüterteam.

Dormagen 17, Eisenach 16 technische Fehler
Bei tropischen Temperaturen in der Werner-Aßmann-Halle fabrizierten beide Teams zusammen 33 technische Fehler.

Das war vielleicht auch der Hitze geschuldet, befand Rene Witte. Der Ball war extrem nass. Freilich für beide Mannschaften, pflichtete Dusko Bilanovic ihm bei.

Für seine Schützlinge stehen noch zwei Punktspiele an, am Mittwoch ein Nachholspiel beim TuS Ferndorf, bei dem der Vertrag mit dem Ex-Eisenacher Abwehrchef Branimir Koloper um ein weiteres Jahr verlängert wurde, und am Samstag im heimischen Bayer-Sportcenter vor Zuschauern gegen den HC Elbflorenz.

Wir wollen die Saison vernünftig zu Ende spielen, unterstrich Dusko Bilanovic.

Mit einem Platz im oberen Tabellendrittel würden die Dormagener gern die Ziellinie überqueren. Dafür hätten sie aus Eisenach gern einen oder zwei Punkte mitgenommen. Doch die Gastgeber drehten unter den Klängen von Thüringens Nationalhymne, dem Rennsteiglied, ihre Siegerrunde auf dem Parkett der Werner-Aßmann-Halle, wurden von den Getreuen auf den Rängen mit stehenden Ovationen gefeiert. Das war zugleich Balsam auf die empfindliche 10-Tore-Niederlage drei Tage zuvor an gleicher Stelle gegen den TV Großwallstadt.

Daniel Dicker verletzt ausgeschieden, Rot gegen Alexander Saul
Zunächst liefen die Eisenacher einem Rückstand hinterher. Die Gäste brachten das von Ian Hüter initiierte Angriffsspiel auf den Punkt, Eisenachs Abwehr hatte zunächst Probleme. Benjamin Richter versenkte zwei Strafwürfe binnen 40 Sekunden zum 3:5 (8.). Die Eisenacher operierten mit einem doppelten Angriffs- und Abwehrwechsel. Ante Tokic kam für Alexander Saul, Daniel Dicker für Daniel Hideg zu Abwehraufgaben. ThSV-Keeper Thomas Eichberger parierte im großen Stil gegen den freien Andre Meuser. Im Gegenzug tankte sich Martin Potisk zum 6:6-Ausgleich durch (10.). Beim 7:8 durch den vom Kreis einnetzenden Patrick Hüter (12.), hatten die Gäste die Nase knapp vorn. Alexander Saul bediente Peter Walz zum 8:8 (12.). Daniel Hideg wuchtete zum 9:8 (13.) und 10:9 (15.) ein. Ein Alexander-Saul-Ball sprang von der Lattenunterkante zurück ins Feld. Andrej Obranovic ersetzte den verletzt ausgeschiedenen Daniel Dicker in der Defensive. Jannis Schneibel übernahm von Martin Potisk die Regieposition. Zwei Treffer von Andre Meuser, die Gäste lagen beim 10:11 (20.) wieder vorn. Kein Team vermochte mehr als einen Treffer vorzulegen. Ante Tokic schloss per Gegenstoß zum 12:11 ab (23.). Jakub Sterba netzte für die Bayer-Sieben zum 12:13 ein (26.). Kurz zuvor zeigten die Referees Eisenachs Alexander Saul nach einer Abwehraktion den roten Karton. Alle Proteste von der Eisenacher Bank nutzten nichts. Mit dem Kapitän ging der einzige Linkshänder für den rechten Rückraum auf die Tribüne. Der zweite schmerzliche Verlust binnen weniger Minuten! Kapital daraus vermochten die Gäste nicht zu ziehen. Den Ausgleichstreffer von Ante Tokic beantworte zwar Benjamin Richter mit einem Distanzwurf aus zentraler Position zum 13:14-Halbzeitstand, doch die Eisenacher improvisierten nach dem Seitenwechsel bestens!

Eisenach mit big points nach dem 21:22-Rückstand
Mit Ante Tokic im rechten und Daniel Hideg im linken Rückraum, Martin Potisk an den Schalthebeln starteten die Eisenacher in die zweiten 30 Minuten. Doch zunächst traf Patrick Hüter zum 13:15 (32.), kassierte Ivan Snajder eine Zeitstrafe. Für mehr Konsequenz beim Torwurf sorgte der eingewechselte Adrian Wöhler. Von Außen zur Kreismitte eingelaufen traf Eisenachs Dienstältester zum 15:16 (36.) und aus spitzestem Winkel von Linksaußen zum 16:16 (37.). Willy Weyhrauch (von Rechtsaußen) und der trotz Foulspiel durchpowernde Martin Potisk brachten ihre Farben mit 18:16 nach vorn (41.). Zu einer Vorentscheidung reichte es nicht. Beim 18:18 (42.), beim 20:20 (52.), nach Eisenachs 20:18-Führung (46.), glichen die Gäste aus. Eisenachs Willy Weyhrauch brachte das Leder freistehend nach einem Konter nicht an Gäste-Schlussmann Martin Juzbasic vorbei. (Dieser hatte an das Hinspiel ganz ungute Erinnerungen, verlor er doch frühzeitig ein Fingerglied des linken Mittelfingers, als er im Fangnetz hängenblieb, was zu einer 4-monatigen Handballpause führte.) Dem Keeper drohte in der Schlussphase in Eisenach vor allem Gefahr, wenn Daniel Hideg aus dem linken Rückraum abzog, wie beim 21:20 (53.). Dormagens Benjamin Richter scheiterte von der Siebenmeterlinie am eingewechselten Eisenacher Oldie Blaz Voncina, versenkte aber den Nachwurf zum 21:21 (54.). Nach einem Eisenacher Ballverlust konnte der folgende Bayer-Angriff nur auf Kosten reines Strafwurfes gestoppt werden, den Benjamin Richter zum 21:22 versenkte (56.). Adrian Wöhler nutzte den einzigen seinem Team zuerkannten Strafwurf zum 22:22-Ausgleich (57.). Kurz darauf trat Benjamin Richter wieder zur Ausführung eines Strafwurfes für Bayer Dormagen an. Der 20-Jährige setzte gegen Thomas Eichberger das Leder nur an die Lattenoberkante (58.). Daniel Hideg traf über die linke Seite zum 23:22 (58.). Thomas Eichberger kaufte Alexander Senden das Leder ab (58.). Mit purer Willenskraft zog Martin Potisik zum 24:22 ab (59.). Nur 12 Sekunden später zappelte ein Ball von Aron Seesing zum Anschlusstreffer im Eisenacher Netz. Da waren noch 63 Sekunden zu absolvieren. Viel Zeit im Handball dieser Tage. ThSV-Coach Markus Murfuni zückte 37 Sekunden vor Ultimo die grüne Karte. Kurz nach Wiederanpfiff verlor sein Team durch einen technischen Fehler den Ball. Nun rief Dusko Bilanovic seine Schützlinge zur Besprechung zusammen. Die Hallenuhr zeigte eine Restspielzeit von 16 Sekunden. Alles oder Nichts, so die Gästedevise. Sie brachten den 7. Feldspieler. Es reichte nur zu einem Freiwurf, der zunächst vom Eisenacher Block abgewehrt wurde. Doch die Partie war noch nicht angepfiffen. Wiederholung. Eisenachs Abwehrblock postierte sich erneut. Es kam zur letzten guten Tat von Eisenachs Andrej Obranovic beim direkten Wurf von Andre Meuser.

Statistik
ThSV Eisenach: Voncina (bei 2 Siebenmetern/ 1 Parade), Eichberger (1.-60./ 13 Paraden), Fehr; Iffert, Volar, Wöhler (3/1), Potisk (3), Walz (3), Hideg (6), Tokic (3), Dicker, Obranovic, Schneibel (1), Snajder (2), Weyhrauch (3), Saul
TSV Bayer Dormagen: Jubasic (1.-13. u. 41.-60./ 4 Paraden), Bartmann (13.-41./ 4 Paraden); Seesing (1), Senden (3), Meuser (5), Richter (5/3), Iliopoulos, I. Hüter (5), Reimer, Skroblien, Görgen, Noll, P. Hüter (2), Sterba (1), Mast (1)
Siebenmeter: ThSV Eisenach:1/1 (Wöhler verwandelt gegen Juzbasic)  /  TSV Bayer Dormagen: 3/5 (Richter verwandelt 2 x gegen Eichberger und 1 x gegen Voncina, scheitert 1 x an Voncina u. wirft 1 x gegen Eichberger an die Lattenoberkante)
Zeitstrafen: ThSV Eisenach: 4 Min. (Snajder und Obranovic je 2 Min.), Rot für Saul (26.) / TSV Bayer Dormagen: 6 Min. (Seesing 4 Min., Senden 2 Min.)
Schiedsrichter: Gimmler/Rips
Zuschauer: 654
Beste Spieler: ThSV Eisenach: Eichberger, Walz / TSV Bayer Dormagen: I. Hüter, Meuser

Th. Levknecht

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