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Kein Nachsitzen für den ThSV

Ein zentnerschwerer Stein fiel den Eisenachern vom Herzen. Zwar nicht alles gut, aber Ende gut. Nach einer verkorksten Saison, mit argen finanziellen Schwierigkeiten, inbegriffen der Gang zum Insolvenzgericht, wurde am letzten Spieltag durch einen 33:30 (13:18) Erfolg über die HSG Nordhorn aus eigener Kraft der sportliche Verbleib in der Beletage des deutschen Handballs gesichert. «Das war Balsam auf unsere Wunden. Wir brauchten nicht nach Gummersbach zu schielen», erklärte ein geschaffter ThSV-Präsident Frank Seidenzahl.
Doch lange Zeit sah es nicht nach einem Eisenacher Erfolg aus. Die Gäste aus der Grafschaft, mit dem sicheren Tabellenplatz 5, spielten leicht und locker auf. Die Gastgeber wirkten verkrampft. Sie vermochten die leichtfüßige Nordhorner Deckung mit einem guten Peter Gentzel nicht zu knacken. Jeder Fehlversuch, jeder Abspielfehler der Eisenacher endete in präzisen Tempogegenstößen über Jan Filip. Der knapp 30-jährige Tscheche spielte seine Konterqualitäten nach Herzenslust aus, steuerte 4 Treffer zum 3:7 (11.) bei. Zu stereotyp legten die Thüringer ihre Angriffsaktionen an. Oliver Behling und Stephane Joulin scheiterten zudem vom Punkt an Peter Gentzel. Aber auch die Abwehr der Wartburgstädter war alles andere wie sattelfest. Holger Glandorf traf zum 8:13 (21.), Jan Filip zum 8:15 (23.). Unmut machte sich auf den Traversen breit. Eisenachs Coach Peter Rost setzte ein besonders Signal. Mit der Rückennummer 62 (sein Geburtsjahr) lief Co-Trainer Matthias Allonge auf. Der einstige Zweitligaleitwolf wollte «neues Feuer entfachen», stachelte seine Nebenleute auch bis zur Halbzeit mächtig an. Während der zweiten 30 Minuten konzentrierte er sich jedoch ausschließlich auf seine Co-Trainer-Aufgaben. Beim 13:20 (33.) schienen dennoch für die Thüringer alle Messen gelesen, zumal bei Holztreffern auch das nötige Glück fehlte. In schier aussichtsloser Lage zeigten die ThSV-Mannen, was in ihnen steckt. Mit einem sich prächtig steigernden Dragan Jerkovic im Gehäuse gewann die offensiver ausgerichtete Abwehr merklich an Sicherheit. Nordhorns Spielfluss wurde gestoppt. Der Eisenacher Angriffsturbo kam auf Touren. Die scheidenden Jonny Jensen und Stephan Just powerten unaufhörlich in Richtung Gentzel-Kasten. Stephane Joulin erinnerte Rechtsaußen an glanzvolle Tage, öffnete seine Trickkiste. Treffer um Treffer wurde aufgeholt. Nach einer Regelwidrigkeit an Elmar Romanesen überwand Stephan Just Nordhorns Schlussmann per Strafwurf zum 21:22 (43.). Jonny Jensen tankte sich zum 22:22 Ausgleich durch (45.). Aus schier unmöglichem Winkel lochte Stephane Joulin zum 23:22 (47.) ein. Doch noch gaben sich die Gäste nicht geschlagen. Sie hatten zunächst die richtige Antwort parat, obwohl ihr eigentlicher Regisseur Ljubimir Vranjes komplett auf der Bank blieb. Eiskalt konterten sie die stürmisch anrennenden Eisenacher zum 24:26 (50.) und 26:28 (53.) aus. «Teufelskerkl» Dragan Jerkovic im ThSV-Tor vernagelte nun seinen Kasten. Jonny Jensen konnte nur regelwidrig gestoppt werden. Stephan Just traf zum 28:28 (54.). Wie im Rausch überrannten die Eisenacher, von ihrer Anhängerschaft stehend nach vorne gepeitscht, nun die Gäste. Elmar Romanesen und Stephane Joulin markierten das 30:28 (57.). Der schönste Treffer brachte die endgültige Entscheidung: Stephane Joulin bediente von Rechtsaußen den in den Kreis fliegenden Jonny Jensen, der zum 31:28 einlochte (58.).

Nach dem Spiel wurden Elmar Romanesen, Martin Reuter, Stephane Joulin, Eric Amalou, Stephan Just und Jonny Jensen vom ThSV verabschiedet.

STATISTIK
ThSV Eisenach: Lehmann (1.-11.), Jerkovic (11.-60.); Romanesen (5), Wöhler (1), Joulin (6), Vildalen (2), Urban (n.e.); Bitterlich (1), Jensen (5), Just (12/6), Göhl (1), Auer (n.e.), Behling, Allonge.
HSG Nordhorn:
Gentzel, Rigterink (bei 1 Siebenmeter); Machulla (1), Lindgren, Jansen (8), Filip (8/1), Glandorf (5), Larsson (2), Fog (2), Vranje (n.e.), Leissink, Schumann (4)

Zeitstrafen: Eisenach 4×2 Min. (Wöhler, Romansen, Bitterlich, Just je 1×2 Min.); Nordhorn 5×2 Min. (Fog 3×2 Min. und Rot 45. n. 3. ZS, Machulla und Schumann je 1×2 Min.)

Siebenmeter: Eisenach 8/6 (Just verwandelt 5 mal gegen Gentzel und 1 mal gegen Rigterink, Behling und Joulin scheitern je 1 mal an Gentzel);
Nordhorn: 3/1
Zuschauer: 2050

Spielfilm: 3:7 (11.), 7:8 (15.), 8:15 (23.), 12:17 (28.), 13:20 (33.), 22:22 (45.), 23:22 (47.), 23:25 (49.), 26:28 (53.), 31:28 (58.), 33:30 (60.)

TRAINERSTIMMEN
Peter Rost (Eisenach):
Ohne nach Gummersbach schielen zu müssen haben wir durch eigene Kraft die Erstligazugehörigkeit gesichert. Meine Mannschaft hat in der 2. Halbzeit gezeigt, wozu sie in der Lage ist, wenn sie gemeinsam mit Leidenschaft Handball spielt. Als «Muntermacher» an Mannschaft und Fans habe ich kurz vor der Halbzeit meinen Co-Trainer Matthias Allonge ins Rennen geschickt. Letztendlich gab der Zusammenhalt, in äußerst angespannter finanzieller Situation, den Ausschlag zum Klassenerhalt.

Kent-Harry Andersson (Nordhorn):
Mit meiner Verabschiedung beim Heimspiel gegen Gummersbach war die Saison wohl für alle bereits beendet. Unser 5. Platz und das Ticket für das internationale Geschäft waren gesichert. Wir hatten Probleme, uns nochmals vollends zu motivieren. Dennoch lief es in der 1. Halbzeit bestens. Die Deckungsumstellung der Eisenacher in der 2. Halbzeit, ihr Kampfgeist, bereiteten uns dann erhebliche Schwierigkeiten.

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