„Kribbeln“ soll in positive Energie umgewandelt werden

ThSV Eisenach empfängt zum Erstbundesligaauftakt den Bergischen HC

Der ThSV Eisenach ist mal wieder zurück in der 1. Handballbundesliga. Bei den letzten beiden Aufstiegen (2013 und 2015) wurde es nur ein einjähriges Intermezzo. Anders war es 1997, als der Thüringer Traditionsverein 7 Jahre am Stück dem Oberhaus angehörte. Nun also ein erneuter Versuch. Das „System Kaufmann“ machte es mit einer jungen und erfolgshungrigen Mannschaft möglich. Allerdings, zehn Spieler der Vorsaison stehen aus den unterschiedlichsten Gründen (auch Karriereende) nicht mehr im Aufgebot. Neun neue Namen finden sich im Kader der Saison 2023/2024. Realistisch, ja mit drastischen Worten, wird die bevorstehende Saison charakterisiert.

Wir wissen, was uns bevorsteht. Wir wissen, wo wir in der Nahrungskette stehen, so Geschäftsführer René Witte.

Mit dem kleinsten Etat, der kleinsten Halle, der jüngsten Mannschaft, mit Spielern nahezu ohne Erstbundesligaerfahrung, wen wundert es, die Fachleute stufen den ThSV Eisenach als Absteiger ein.

Wir werden allen zeigen, wo die Wartburg steht, so trotzig der Tenor in der blau-weißen Fangemeinde.

Das Finale furioso mit dem Aufstieg in die 1. Handballbundesliga der Männer ist Geschichte. Nun geht es in der stärksten Liga der Welt um Tore und Punkte. Der ThSV Eisenach startet mit einem Heimspiel gegen den Bergischen HC am Samstag, 26.08.2023 um 19.00 Uhr in die Erstbundesligasaison 2023/2024. (Eintrittskarten sind online unter www.thsv-eisenach.de und am Spieltag (dann allerdings mit einem Aufschlag von 4 Euro) an der Tageskasse erhältlich.

© Ch. Heilwagen / ThSV Eisenach
Der neue VIP-Raum neben der Werner-Aßmann-Halle. Die 320 Quadratmter-Leichtbau kann über die Woche von allen Vereinen genutzt werden.

Fleißiges Werkeln in und um die Werner-Aßmann-Halle • Veränderte Parkplatzsituation

Seit Wochen wird in und um die Werner-Aßmann-Halle gebaut, um die Erstbundesligakriterien zu erfüllen. Der Sender DYN wird alle Spiele live übertragen. Mehrere Kameras werden positioniert. Für die mit PkW anreisenden Zuschauer ist zu beachten, dass die Parkplätze im Sportkomplex Katzenaue ausschließlich Medienvertretern sowie Sponsoren und Partner mit Parkschein vorbehalten sind. Zum Heimspiel gegen den Bergischen HC stehen der Parkplatz „Spicke“ in der Adam-Opel-Straße sowie die Parkplätze der Dualen Hochschule in der Amrastraße und Ebertstraße zur Verfügung. Der ThSV Eisenach bittet das unbedingt zu beachten!

Jobgarantie für Trainer Misha Kaufmann

Der ThSV Eisenach ließ schon vor dem ersten Pfiff aufhorchen. Das gibt es im Profisport nur selten: Handball-Bundesligist ThSV Eisenach hat Trainer Misha Kaufmann eine Beschäftigungsgarantie bis zum Saisonende gegeben.

Wir sind uns in allen Gremien einig, dass er genau der richtige Mann ist, um unser Schiff durch die 1. Bundesliga zu steuern, erklärte Manager René Witte kurz vor dem Saisonstart. Wir haben uns als Verein ganz bewusst für den gemeinsamen Weg mit unserem Trainer entschieden und sind vor ein paar Wochen mit dem Aufstieg belohnt worden. Deshalb wird es auch keine Diskussionen über seinen Job geben – von der ersten Minute der Saison bis zum Abpfiff am 34. Spieltag.

Kaufmann hatte vor dem Wechsel nach Thüringen in seiner Schweizer Heimat beim damaligen Europacup-Teilnehmer HSC Suhr Aarau gearbeitet. Im Oktober 2021 erhielt er die Anfrage des ThSV, der sich zu diesem Zeitpunkt in der Zweitliga-Abstiegszone befand und gerade die Trennung von Markus Murfuni vollzogen hatte. Der Schweizer Verein gab grünes Licht für einen Wechsel mitten in der Saison. Kaufmann sagte zu und erwies sich als Volltreffer für den Thüringer Traditionsverein. Nur gut anderthalb Jahre nach dem Amtsantritt des 39-Jährigen war der Sprung ins Oberhaus geschafft, was Witte „mehr als eine Sensation“ nannte.

© Ch. Heilwagen / ThSV Eisenach
Der junge Manuel Zehnder, vom HC Erlangen ausgeliehen, wird mit der Rolle des Spielgestalters beauftragt.

Mut und Demuth

Eigentlich ist fast alles eine Kopfsache, im Sport und im Handball ist das nicht anders, sagt Misha Kaufmann. Wenn wir versuchen, die Weltklassespieler auf Seiten unserer Kontrahenten mit deren Mitteln zu besiegen, werden wir keine Chance haben.

Also müsse man sich etwas anderes überlegen, um die Klasse zu halten. Was heißt das?

In drei Sätzen schaffe ich das nicht, so Misha Kaufmann zur Saison-Eröffnungs-Pressekonferenz in den Geschäftsräumen des neuen Hauptsponsors „Mantos Int. Food GmbH“, versuchte aber zumindest einen Einblick in seine Taktik zu geben. Was wir machen, hat viel mit Mut, Kreativität, Timing und Pressing zu tun, beinhaltet aber auch Demuth.  Es gibt viele Weltklassespieler, mit denen wir es in der Saison zu tun bekommen werden. Aber bei den meisten ist es so, dass sie nicht in jedem Aspekt Weltklasse sind.

Diese Aspekte durch akribische Analysen herauszufiltern, das hat Misha Kaufmann vor.

Wie stehen wir auf dem Feld, wie ist die Positionierung, wie flexibel spielen wir? Das sind unsere Themen. Wir wollen versuchen, für die Gegner wenig lesbar zu sein.

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Dass das Erstliga-Spieljahr trotzdem ein Ritt auf der Rasierklinge wird, ist allen im Eisenacher Lager klar.

Es wird Niederlagen geben, auch hohe Niederlagen. Einfach abhaken, das sagt sich so leicht. Aber solche Ergebnisse hinterlassen etwas im Kopf, so unser Coach und fährt fort. Im Kopf liegt die größte Kompetenz von uns allen. Und es macht doch das Leben aus, positiv an die Herausforderungen heranzugehen.

Man könne wie das Kaninchen vor der Schlange kuschen und vorrangig die Gefahren sehen – oder man könne alle Spiele im Oberhaus als Herausforderungen annehmen, an denen man wachse. Auch gleich das erste, gegen den Bergischen HC.

Voller Zuversicht, Energie, Vorfreude und Mut sehen wir den kommenden Aufgaben entgegen. Ja auch Demut, vor allem aber Mut. Denn Mut kommt am Anfang, Glück am Ende, erklärt Misha Kaufmann, der Vater des sportlichen Höhenfluges.

(Nicht zu vergessen, in der Saison 2018/2019 spielte der ThSV Eisenach erstmals in seiner langen Geschichte nur in der 3. Liga.) Misha Kaufmann baut wie in der starken Vorsaison auf Mentalität, den Glauben der Mannschaft an sich selbst.

Wir haben nicht die Einzelspieler mit herausragender individueller Qualität, schon gar nicht die Erfahrung; das Team muss über sich hinauswachsen, lautet das Credo des Schweizers auf der Eisenacher Bank.

Das werde bei jedem einzelnen im Kopf entschieden.

Rückschläge, die kommen werden, müssen wir gemeinsam verdauen. Mannschaft, Vereinsführung, Fans und Partner, unterstreicht Misha Kaufmann.

Interessant, welche Antworten die Konkurrenz auf die bissige 5:1-Abwehr findet. Mit Toptorjäger und zumeist als Deckungsspitze fungierenden Fynn Hangstein (jetzt bei Zweitligist TuS N-Lübbecke) und den vorerst an einer langwierigen Schulterverletzung laborierenden Spielmacher Jannis Schneibel fehlen zunächst zwei Protagonisten des Vorjahres.

Wir sind uns da alle einig – so wie Fynn Hangstein bei uns kein Star war, so werden wir auch zukünftig keine Stars für den notwendigen Mannschafterfolg haben. Alle Beteiligten wissen, dass es nur zusammen geht, erklärt Maik Nowak.

Den Torhütern kommt eine herausragende Wertigkeit zu.

Bei unserer Spielanlage über die Flügel sind sie besonders gefordert, unterstreicht Misha Kaufmann.

In der Stammformation dürften Ivan Snajder auf Links- und Willy Weyhrauch auf Rechtsaußen, Marko Grgic im linken und Alexander Saul im rechten Rückraum, Manuel Zehnder auf der Regieposition, Kapitän Peter Walz am Kreis und Mateusz Kornecki im Tor stehen. In der Defensive wird Abwehrchef Philipp Meyer auf das Parkett kommen. Fragezeichen stehen für Samstag hinter Marko Grgic (erkrankt) und Peter Walz (angeschlagen).

© Ch. Heilwagen / ThSV Eisenach
Auf Torhüter Mateusz Kornecki, aus Kielce gekommen, ruhen große Hoffnungen.

Bergische Löwen wollen in Eisenach gleich zuschlagen

Ja, es kribbelt, es juckt in den Fingern. Die Vorfreude auf die erste Partie ist groß. Das Kribbeln soll in positive Energie umgewandelt werden. Mit dem Bergischen HC empfangt der ThSV Eisenach den Tabellen-Zwölften der Vorsaison, der sich fest in der 1.  Handballbundesliga etabliert hat. Mit dem jungen Trainer Jamal Naji (vormals TuSEM Essen) im zweiten Jahr auf der Bank, soll mit drei namhaften Neuzugängen, insgesamt einem Mix aus Jung und Alt, zugelegt werden. Der Däne Mads Andersen kommt mit einigen Vorschlusslorbeeren zum BHC. In der vorigen Saison war er in der dänischen Liga der beste Feldtorschütze. Die Frage steht, wie schnell wird sich der Rückraum- Rechtshänder an das neue Level gewöhnen. Der BHC macht kein Hehl daraus, beide Auftaktpartien, in Eisenach und gegen Balingen-Weilstetten, gewinnen zu wollen. Das müsse der Anspruch sein, verlautet aus dem Lager des BHC.

Schön, dass dieser Traditionsverein wieder in der Bundesliga spielt. Die Werner-Aßmann-Halle steht für Intensität und Lautstärke. Ich kann mir vorstellen, dass die Mannschaft alles investiert, unglaublich kämpfen wird. Ich glaube, keine Mannschaft wird gern in Eisenach spielen. Das gilt auch für den Saisonauftakt, bei dem beide Mannschaften noch nicht genau wissen, wo sie stehen, erklärte Jamal Naji.

Mit der Unterstützung seiner blau-weißen Fangemeinde will der ThSV Eisenach die Bergischen Löwen in Schach halten….

Th. Levknecht

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