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Leidenschaftlicher Fight

Rassige Handballkost beider Teams begeisterte knapp 1000 Zuschauer im Sport- und Kulturzentrum Delitzsch. Der ThSV Eisenach erkämpfte sich bei der Mannschaft der Stunde, bei Concordia Delitzsch, zuletzt neun Siege in Folge, ein 31:31 (15:13)-Remis und verbleibt in der Tabelle auf einem einstelligen Rang. Die Anhänger aus beiden Lagern sorgten für beste Handballstimmung auf den Traversen.
Nachdem sich die Wogen der Emotionen in der Schlussphase geglättet hatten, sahen alle Beteiligten den Spielausgang als durchaus gerecht an. Die Gastgeber haderten mit den Unparteiischen Brandt/Veit ob des nicht anerkannten Treffers drei Sekunden vor Ultimo. Die Eisenacher setzten den ausgebliebenen Pfiff der Referees kurz zuvor bei einer Attacke an Benjamin Trautvetter entgegen. «Beide Mannschaften haben vor einer stimmungsvollen Kulisse bravourös gekämpft und sich einen Punkt verdient. Wir haben im Angriffsspiel zugelegt. Unsere Defizite im Abwehrbereich waren jedoch augenscheinlich. Daran müssen wir ganz intensiv arbeiten. Unsere Abwehr muss stabiler werden», bilanzierte Adalsteinn Eyjolfsson, der neue Coach des ThSV Eisenach, der Martin Hoffmann (9 Treffer) eine herausragende Leistung bescheinigte.
Der gebürtige Mecklenburger lief im wohl drittletzten Punktspieleinsatz für die Wartburgstädter zur Hochform auf, glänzte als Vollstrecker nach präzisen Steilvorlagen (mehrfach von Keeper Radek Musil) oder mit gewiefter Wurftechnik von Rechtsaußen, mit Hebern über Concorden-Schlussmann Gabor Pulay. Notiert hat sich Adalsteinn Eyolfsson, der Isländer in Diensten der Thüringer, die Patzer seiner Schützlinge ausgerechnet in Überzahl (12., 22., 26.). Die «Abwehrschränke» im Innenblock der Deltzscher Deckung, die kantigen Hünen Alexander Pietzsch und Cristian Telehuz, teilten kräftig aus und kassierten Zeitstrafen. Kapital aus diesen Überzahlsituationen vermochten die Wartburgstädter daraus jedoch nicht zu schlagen. Im Gegenteil. «Die unorthodoxe Abwehr der Delitzscher in Unterzahl bereitete uns in der ersten Halbzeit arge Probleme», stellte Adalsteinn Eyjolfsson fest.

Handball-Hitchcock in den Schlussminuten
Seine Crew schien, auch Dank der besseren Wechselmöglichkeiten, den längeren Atem zu haben, beim 26:29 durch Kapitän Pavel Prokopec (54.) auf dem Weg zu beiden Zählern. «Einfach grandios, wie meine Mannschaft, fast auf dem Zahnfleisch kriechend, nochmals alle Kräfte mobilisierte», zollte Uwe Jungandreas, der Coach der finanziell angeschlagenen Delitzscher, seinem Team höchstes Lob. Die Hoffnung, dass es weiter Bundesliga-Handball bei Concordia Delitzsch geben wird, erhielt, so Manager Ronald Rosenkranz, in den letzten Tagen durch viele tatkräftige Mitreiter gewichtige neue Nahrung. Sportlich gehen Mannschaft und Trainer vorbildlich voran! Ein paar mehr Zuschauer (und damit mehr in der Kasse) hätte diese grandiose Erfolgsserie im finanziellen Überlebenskampf schon verdient! Allein die Schlussminuten zeigten alles, was Handball so fasziniert. Die Hausherren glichen den 3-Tore-Rückstand mit Leidenschaft pur zum 29:29 (Rene Boese, 56.) aus. Ein Handball-Hitchcock war eingeläutet. Die Eisenacher antworteten mit Herzblut und Leidenschaft. Linksaußen Adrian Wöhler spritzte in ein Delitzscher Abspiel, angelte sich das Leder und vollendete kaltblütig zum 29:30 (57.). Steve Baumgärtel fackelte nicht lange, zog scharf und platziert mit seinem achten Treffer zum 30:30-Ausgleich ab. Die Stimmung in der Halle erreichte ihren Siedepunkt. ThSV-Schlussmann Radek Musil war bei einem Wurf von Daniel Warmuth zur Stelle. Die Phonstärken im Eisenacher Fanblock stiegen in die Höhe. Martin Hoffmann netzte von Rechtsaußen zum 30:31 (59.) ein. Beim Gegenzug wusste sich die Eisenacher Defensive nur auf Kosten eines Strafwurfes zu helfen. Ulrich Streitenberger behielt gegen den Siebenmetertöter der Liga, gegen Eisenachs Torhüter-Routinier Radek Musil, die Nerven, versenkte zum 31:31. Da waren noch exakt 90 Sekunden zu absolvieren. Viel Zeit im schnellen Handball. Die Eisenacher initiieren eine Angriffsstafette zum am Kreis meist bestens abgeschirmten Benjamin Trautvetter. Der Stoß gegen den Lockenkopf beim Versuch der Ballannahme bleibt ungeahndet. Concordia Delitzsch kommt 60 Sekunden vor Ultimo in Ballbesitz, hat alle Zeit zum Siegtreffer. Die Eisenacher Abwehr um Pavel Prokopec und Daniel Luther leistet Schwerstarbeit, bietet keine Lücke. Die Uhr tickt. Die Spielzeit läuft herunter. Freiwurf aus halbrechter Position für Concordia Delitzsch. Drei Sekunden vor der Sirene. Riesenjubel im Delitzscher Lager, das den Siegtreffer gesehen haben will. Die Spielleiter lassen den Freiwurf wiederholen, der nun ein direkter sein muss, weil die Spielzeit abgelaufen ist. Der Ball wird von Eisenachs Abwehr abgeblockt. Erzürnte Delitzscher Zuschauer, die die unter Schutz rasch den Innenraum verlassenden Spielleiter versuchen zu attackieren und ihren Unmut in Richtung der Eisenacher auslassen. Das Eisenacher Team läuft zum vollbesetzten Gästeblock, feiert gemeinsam mit ihrer blau-weißen Anhängerschar den Auswärtspunkt. Erste Glückwünsche auch von einem Ex-Eisenacher: Kilian Kraft, kurzzeitig der «Vulkan» im Eisenacher Spiel, jetzt bei Regionalligist Pirna, klopft zuerst Martin Hoffmann anerkennend auf die Schulter.

ThSV Eisenach patzt ausgerechnet in Übezahl
Nach neun Siegen in Folge, darunter einer «Demontage» des Bergischen HC, startete Concordia Delitzsch mit dem Ex-Eisenachner Till Riehn auf der Regieposition mit viel Selbstbewusstsein sowie Angriffspower mit viel Körpereinsatz in die Partie, profitierte von den Schwachstellen in Eisenachs Abwehr, marschierte in die Nahtstellen, wie beim 5:4 durch Steve Baumgärtel (7.). Daniel Luther glich zweifach für Eisenach aus (6:6, 9.). Dann rissen die Sachsen die Abwehr der Gäste über beide Außenpositionen zum 8:6 (Streitenberger, 11.) auf. Kurz darauf «fällte» Abwehrrecke Cristian Telehuz Eisenachs Tomas Sklenak und wurde zum «Nachdenken» auf die Bank geschickt. In Überzahl endete Eisenachs Angriffszug jedoch im Seitenaus. Stattdessen passt Till Riehn zum eingelaufenen Rene Boese, der zum 9:7 vollendet (13.). Die Eisenacher setzten auf Rechtsaußen Martin Hoffmann, der per Tempogegenstoß immer wieder einlochte, mit seinem 5. Treffer zum 9:9 ausglich (15.). Einen zurückspringenden Ball versenkte Rene Boese zum 11:9 für die Gastgeber. Die Eisenacher wechseln durch: Nick Heinemann kommt auf Rechts- und Adrian Wöhler auf Linksaußen, Alexander Koke übernimmt die Regieposition, Tomas Sklenak besetzt den rechten Rückraum. Tomas Sklenak konnte auch in der Folge mehrfach nur regelwidrig gebremst werden, wie durch Alexander Pietzsch (21.). In Überzahl patzte der ThSV Eisenach erneut und kassierte stattdessen den Treffer zum 12:11 für die Hausherren (Oehlrich, 22.). Alexander Pietzsch, kaum von der Strafbank zurück, fand sich rasch auf der selbigen wieder. Doch die Eisenacher verlieren erneut den Ball. Martin Hummel wird nicht angegriffen und netzt zum 14:12 (28.) ein.

Mit Angriffschwung das Zepter übernommen
Unmittelbar nach Wiederanpfiff versenkt Eisenachs Kapitän Pavel Prokopec in Unterzahl das Leder zum Anschlusstreffer (15:14, 31.). Mit einem sich zur Kreismitte orientierenden Rechtsaußen Martin Hoffmann und einem über Rechtsaußen seine Qualitäten ausspielenden Girts Lilienfelds narren die Eisenacher die Gastgeber. Girts Lilienfelds trifft mit gefühlvollem Heber zum 16:16 (35.). Dann lässt es Tomas Sklenak zum 16:17 krachen (35.). Der ersten Eisenacher Führung! Die Concorden antworten resolut zum 19:17 (39.). Auf ThSV-Seite ist es nun immer wieder Tomas Sklenak, der aus dem Rückraum durchstartet, sich von Pfiffen der Zuschauer nicht beirren lässt. Der Eisenacher Rückraum mit Alexander Koke, Girts Lilienfelds und Tomas Sklenak hat die richtige Betriebstemperatur erreicht. Eine Sklenak-Fackel schlägt zum 19:20 (42.) ein. Eric Jacob und Ulrich Streitenberger, mit außerordentlicher Einsatzbereitschaft und Willenskraft, bringen Concordia Delitzsch wieder mit 21:20 (43.) in Vorhand. Die technisch feinere Klinge schlägt der ThSV Eisenach. Martin Hoffmann startet im ICE-Tempo zum 22:23 (46.) und 23:24 (47.) durch. Ein Streitenberger-Ball landet am Holz des Eisenacher Tore. Der eingewechselte Adrian Wöhler trifft von Linksaußen schnörkellos zum 23:25 (48.). Dramatik pur, allerhöchste Kampfbereitschaft sind angesagt. Pavel Prokopec tankt sich zum 26:29 (54.) durch und streckt die Faust in die Höhe. Doch dann findet ein ThSV-Zuspiel nicht den Mitspieler, landet auf den Presseplätzen, setzt Alexander Koke zu früh und vergeblich zum Torwurf an, kassierte Benjamin Trautvetter eine Zeitstrafe. Delitzsch gleicht zum 29:29 aus.

Zum letzten Heimspiel kommt am Samstag der EHV Aue
Der ThSV Eisenach empfängt zum letzten Heimspiel der Saison am Samstag, 15.05.2010 im Traditionsderby den EHV Aue. Anwurf in der Werner-Aßmann-Halle ist dann bereits um 18.00 Uhr. Der ThSV Eisenach empfiehlt den Ticketvorverkauf zu nutzen!

Statistik

Concordia Delitzsch: Pulay, Bliß; Müller, Akatsuka, Streitenberger (7), Hummel (2), Baumgärtel (8), Oelrich (4), Warmuth, Boese (7), Jacob (2), Riehn (1), Pietzsch, Telehuz

ThSV Eisenach: Musil, Nositschka; Hoffmann (9), Trautvetter (1), Sklenak (6), A. Wöhler (2), Luther (2), Bitterlich, Schiffner, Lindner, Heinemann, Lilienfelds (5), Koke (4/2), Prokopec (2)

Siebenmeter: Delitzsch 3/3; Eisenach 2/2
Zeitstrafen: Delitzsch 6 x 2 Min.; Eisenach 2 x 2 Min.

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