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Miniaufgebot des ThSV wehrte sich tapfer

HBW Balingen-Weilstetten marschiert mit Riesenschritten in die 1. Handballbundesliga. Auch der ThSV Eisenach konnte erwartungsgemäß den Tabellenführer nicht von diesem Kurs abbringen. Doch die Eisenacher wehrten sich in der kleinen, mit 800 Zuschauern prall gefüllten, weder zweitliga-, geschweige erstligatauglichen Längenfeldhalle, mit ihrem Miniaufgebot über weite Strecken mit viel Herzblut. Die Gastgeber können nach dem 30:22 (14:11) -Erfolg schon einmal den Meisterschafts- und Aufstiegssekt kalt stellen.

Meisterlich spielten sie zwar nicht auf, durften zudem auf den deutlichen Bonus eines Tabellenführers bei den Unparteiischen Maier/Stehle vertrauen. ThSV-Coach Zdenek Vanek standen gerade einmal acht Feldspieler und zwei Torhüter zur Verfügung. Der 17-jährige Keeper Sven Luckert nahm erstmals als Reservist in einem Zweitligaspiel auf der Bank Platz. Kapitän und Torhüter Karsten Lehmann wartete über 60 Minuten erneut mit einer guten Leistung im ThSV-Kasten auf, wehrte 19 Bälle ab. Krisztian Szep-Kis und Zbynek Vesely, beide Linkshänder sowie Markus Dau schauten verletzungsbedingt weiterhin zu. Bei HBW Balingen-Weilstetten nahmen die Wechselspieler dicht gedrängt auf der Bank Platz. Auf Eisenacher Seite klaffte indes gähnende Leere. «Vor der couragierten Leistung der jungen Garde ziehe ich den Hut», zollte Zdenek Vanek seinen Youngstern ein dickes Lob. Bis Mitte der zweiten Halbzeit (21:17, 45.Min.) blieben die Eisenacher auf Tuchfühlung. Stefan Kneer agierte an seiner künftigen Wirkungsstätte gehemmt. Seine Dynamik und Explosivität kam nicht zum Ausdruck. Ihm unterliefen einige technische Fehler.

Geduldiger Spielaufbau war zunächst beim ThSV Eisenach angesagt. Genau das richtige Rezept. Mit Tomas Sklenak auf der Regieposition, Philipp Emmelmann am Kreis und Marcel Liebetrau als Rechtshänder auf der Rechtsaußenposition suchten und fanden die Eisenacher die Lücken. Eine temperierte Steilvorlage von Schlussmann Karsten Lehmann versenkte Marcel Liebetrau zum 1:2 (5.). Balingens Angriffsbemühungen indes endeten spätestens bei Karsten Lehmann. In Unterzahl traf Tomas Sklenak zum 3:4 (8.). Andrej Kastelic verwertete eine Kneer-Ablage zum 3:5 (9.). Marcel Liebetrau schloss eine Ballstafette von Rechtsaußen zum 4:6 (14.) ab. Die wahrlich nicht in der Gunst der Schiedsrichter stehenden Eisenacher mussten in zweifacher Unterzahl den Ausgleich kassieren (6:6, 16.). Mit einem Torwartwechsel und einem veränderten Abwehrsystem stellte Dr. Rolf Brack, der HBW-Coach und Handball-Lehrer, die Weichen für sein Team. Er ließ Tomas Sklenak und Stefan Kneer offensiv decken. Das brachte Sand ins ThSV-Getriebe. Technische Fehler und Missverständnisse beim ThSV Eisenach. Balingen ging mit 12:7 (25.) in Führung. Lars Klüttermann traf immer wieder aus der zweiten Etage. Wurfpech gesellte sich bei Holztreffern auf Eisenacher Seite hinzu. Stephan Mellack kam als Regisseur, Tomas Sklenak rückte für den blassen Till Riehn in den rechten Rückraum. Neuer Schwung in den Gästereihen. Philipp Emmelmann traf vom Kreis zum 12:9 (27.). Vielfache Diskussionen mit den Schiedsrichtern durch die sich benachteiligt fühlenden Eisenacher prägten die Halbzeitpause.

Die Eisenacher starteten zwar in die zweite Spielhälfte mit vier technischen Fehlern (Riehn 2, Kneer, Liebetrau), Kapital vermochte Balingen zunächst noch nicht daraus zu schließen. Die hatten nun den Kopf der Mannschaft, Denker und Lenker Alexander Job, auf das Parkett geschickt. Doch die ThSV-Rumpfmannschaft forderte den Spitzenreiter weiter. Daniel Baumgarten löste Philipp Emmelmann für Abwehraufgaben ab. Kurzzeitig explodierte Stefan Kneer, zeigte, weshalb er so heiß begehrt ist, traf per Doppelschlag zum 16:14 (40.). Balingen wechselte kräftig durch. Ein Kommen und Gehen auf dem Parkett. Von solch personellen Alternativen konnte Zdenek Vanek auf der ThSV-Bank nur träumen. Pech beim ThSV: Marcel Liebetrau zirkelte das Leder an den Innenpfosten, wovon es ins Feld zurücksprang (42.). Glück auf der Gegenseite: Ein Innenpfostenball trudelt über die Linie zum 20:15 (Haller, 43.). Die Thüringer fighten vorbildlich. Kastelic und Emmelmann verkürzten auf 21:17 (45.). Doch dann regierte Überhast beim ThSV Eisenach. Zu früh angesetzte Würfe (Sklenak), technische Schnitzer (Kneer, Riehn), ließen Balingen durch Alexander Job sechs kreuzgefährliche Konter setzen. «Mit ihm gewinnt unser Spiel deutlich an Qualität, er ist nahezu existenziell wichtig», lobte Dr. Rolf Brack seinen Mittelmann. Benjamin Herth profitierte von den Job-Vorlagen, zirkelte diese zum 27:20 (52.) ins Netz. Kraft und Konzentration ließen beim ThSV-Rumpfaufgebot merklich nach.Doch selbst nach dem 29:20 (55.) wurde nicht die Flinte ins Korn geworfen. Allein Marcel Liebetrau hatte in der Folge vier ganz dicke Torchancen, doch brachte völlig frei das Leder nicht am Balinger Torhüter Jörg Müller vorbei. «Da fehlt die Erfahrung», gestand Zdenek Vanek zu.

«In der zweiten Halbzeit haben wir zu viele Bälle leichtfertig vergeben, bauten Balingen dadurch regelrecht auf», fügte der ThSV-Coach an. Er hofft bis zum Gastspiel am kommenden Sonntag bei Schlusslicht TSG Groß-Bieberau auf die eine oder andere Rückmeldung aus dem Lazarett. Zunächst waren Mannschaft und mitgereiste Fans froh, die nahezu 450 Kilometer Rückfahrt von Balingen nach Eisenach bei dichtem Schneegestöber sicher bewältigt zu haben.

STATISTIK
HBW Balingen-Weilstetten: Slaby, Müller (ab 15.); Haller (2), Job (3/1), Lobedank, Herth (5), Sauer (1), Hebisch (3), Ettwein (2), Kainmüller (1/1), W. Strobel, Kunze, M. Strobel (6), Klüttermann (7)
ThSV Eisenach: Lehmann, Luckert (n.e.); Kneer (3), Sklenak (2), Riehn (1), Emmelmann (4), Mellack (3), Baumgarten, Kastelic (5/2), Liebetrau (4)
Zeitstrafen: Balingen 4 x 2 Min.; Eisenach 6 x 2 Min.
Siebenmeter: Balingen 1/1; Eisenach 2/2
Schiedsrichter: Maier/Stehle (Mühlhausen/Steißlingen)

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