„Mit Alibi-Angriffshandball war der TVB Lemgo Lippe nicht zu gefährden“

Bildquelle: TBV – Die PHOENIX CONTAKT arena, einst Lipperlandhalle, war nahezu voll besetzt
ThSV Eisenach bleibt auswärts weiter punktlos, bezieht beim TBV Lemgo Lippe eine klare 19:28 (9:13) -Niederlage
Es bleibt dabei, der ThSV Eisenach kann im Lipperland nicht gewinnen. Es bleibt ebenso dabei, der ThSV Eisenach kehrt in der aktuellen Saison von Reisen mit leeren Händen zurück. Am Freitag kassierten die Wartburgstädter beim TBV Lemgo Lippe eine klare 19:28 (9:13) -Niederlage. Es war die 11. Niederlage bei 12 Bundesligagastspielen in Lemgo (bei einem Remis), es war zugleich die 6. Auswärtsniederlage im 6. Auswärtsspiel der aktuellen Saison. Der TBV Lemgo Lippe untermauerte eine bisher bärenstarke Saison, hat sich mit nunmehr 19:7 Punkten im Spitzenfeld der Tabelle festgesetzt, sieht mit Vorfreude den Partien gegen die Füchse Berlin und die SG Flensburg-Handewitt entgegen.
„Wir brauchen in allen Bereichen eine Top-Leistung über die gesamte Distanz, um eine Chance zu haben“, hatte Eisenachs Coach Sebastian Hinze im Vorfeld erklärt. „Wir wollen ein unglaubliches Heimspiel abliefern“, hatte Florian Kehrmann, der Trainer des TBV Lemgo Lippe, mit Blick auf die Partie gegen den ThSV Eisenach erklärt. Vor fast ausverkaufter Halle (4.417 Zuschauer) lieferten die Kehrmann-Schützlinge – mit reichlicher Unterstützung der Gäste – auch ein unglaubliches Heimspiel. Den Eisenachern unterliefen 16 technische Fehler (dem Gastgeber nur 7). Bei der Wurfquote lag der TBV Lemgo Lippe mit 67 zu 54 Prozent vorn. Trotz eines stark beginnenden Matija Spikic, auch das Torhüterduell ging an die Hausherren. Ein halbzeitübergreifender 12:2-Lauf, vom 8:8 (23.) zum 20:10 (42.), sorgte für die Entscheidung. Der beim Heimsieg über den TVB Stuttgart bei seinen 8 Treffern mit einer 100-Prozent-Wurfquote aufwartende Linksaußen Vincent Büchner blieb bei seinen drei Versuchen gegen TVB-Schlussmann Constantin Möstl erfolglos, wurde in der 42. Minute von Timothy Reichmuth abgelöst. „Der 20-minütige Negativlauf wirft uns vollkommen aus der Bahn. Im Angriff fehlte uns die Tiefe. Mit Alibi-Angriffen konnten wir den TBV Lemgo Lippe nicht ernsthaft gefährden“, fand ThSV-Rückraumspieler Stephan Seitz klare Worte.
Peter Walz, der Kapitän des ThSV Eisenach, hatte auf ein „Spiel auf des Messers Schneide gehofft“, konstatierte nach den 60 Minuten „einen schlechten Angriff, zu viele technische Fehler, einen schlechten Rückzug und eine miserable Chancenverwertung.“ Er markierte 4 Treffer, ließ aber zwei glasklare Wurfchancen ungenutzt, scheiterte am guten Österreicher Constantin Möstl im TBV-Kasten.

Miserable 20 Minuten mit 2:12 Lauf
„Die Lemgoer spielen seit Jahren souverän ihren Stiefel herunter, sind diese Saison besonders stark. Der TBV stellt eine ganz starke Abwehr einschließlich zwei guter Torhüter. Wir wollen aber versuchen, den Auswärtsbann zu brechen“, hatte der Ex-Lemgoer Fynn Hangstein im Vorfeld erklärt. „Ganz miserable 20 Minuten haben uns das Spiel gekostet. Uns unterliefen zu viele einfache Fehler im Angriff. Auch die Schadensbegrenzung gelang uns nicht. Der TBV Lemgo Lippe hat nachgewiesen, dass er eine Top-Mannschaft ist“, konstatierte Fynn Hangstein nach der Partie.
Nach dem 8:8 wuchs die Fehlerquote an
Die Eisenacher mussten verletzungsbedingt erneut auf Max Beneke verzichten, konnten Gian Attenhofer aber wieder aufbieten. Sie starteten Mit Vincent Büchner auf Links- und Moritz Ende auf Rechtsaußen, Oskar Joelsson, Felix Aellen und Stephan Seitz im Rückraum, Tillmann Leu am Kreis und Matija Spikic im Tor, Philipp Meyer kam für Abwehraufgaben. Nach nicht einmal 5 Minuten kassierte Tillman Leu eine Zeitstrafe, es sollte die einzige für den ThSV Eisenach bleiben. Die Gastgeber begannen mit einem 4-Mann-Rückraum, mit Tim Suton, Lukas Hutecek, Nicolai Theilinger und Hendrik Wagner. Ihr sonst so treffsicherer Samuel Zehnder scheiterte mit einem Strafwurf an Eisenachs Schlussmann Matija Spikic, der von Beginn auf Betriebstemperatur war. Felix Aellen traf zum 2:3 (9.), Philipp Seitz zum 3:4 (11.), der in Überzahl gekommene Alexander Saul zum 4:5 (16.). Der im Eisenacher Rückraum inzwischen eingewechselte Ex-Lemgoer Fynn Hangstein egalisierte die 6:5-Führung der Hausherren zum 6:6 (19.). Auch Peter Walt stand inzwischen auf der Platte. Allerdings wies die Statistik zu diesem Zeitpunkt bereits den 4. Technischen Fehler der Eisenacher auf. Beim TBV Lemgo Lippe sorgte der eingewechselte Niels Versteinen für erhöhte Torgefahr. Tillman Leu (vom Kreis zum 7:7, 11.) und der sich aus dem rechten Rückraum behauptende Stephan Seitz (zum 8:8, 23.) glichen aus. Danach erhöhte sich die Eisenacher Fehlerquote, dankten die Hausherren mit Treffern zum 13:9-Pausenstand.
Keine Lösungen gegen die Abwehr des TBV Lemgo Lippe
Die Gastgeber stoppten nach Wiederanpfiff weiterhin das Eisenacher Angriffsspiel, netzten selbst zum 20:10 ein (42.). Die zaghaften Angriffsbemühungen der Eisenacher endeten spätestens beim TBV-Keeper Constantin Möstl. Personelle Wechsel, Silvio Heinevetter kam ins Tor, Gian Attenhofer auf Rechts-, Timothy Reichmuth auf Linksaußen, änderte nichts. Der sein Comeback feiernde Jan Mudrov netzte zum 23:13 ein (48.). Oskar Joelsson und Peter Walz brachten das Leder nicht an TBV-Keeper Constantin Möstl vorbei (48./51.). Der beim ThSV Eisenach eingewechselte Vukasin Antonijevic markierte den 15. Treffer für sein Team, ließ sich kurz darauf bei einem Gegenstoß von Bobby Schagen das Leder abnehmen (53.). Sebastian Hinze versuchte es mit einer erneuten Auszeit (54.). Die Spielfreude der Lemgoer war nicht mehr zu bremsen. Die über 4.400 Zuschauer stimmten „Ihr könnt nachhause fahren“ an. Niels Verstejnen netzte mit seinem 6. Treffer zum 27:17 (56.). Peter Walz markierte die letzten beiden ThSV-Treffer zum 28:19-Endstand.

Stimmen zum Spiel
Sebastian Hinze (Trainer des ThSV Eisenach):
„Mit der Leistung bis zum 8:9 bin ich einverstanden. Wir profitieren von Paraden unseres Torhüters, agieren griffig unterbinden das Spiel der Gastgeber mit Stoppfouls. Dann lassen wir gleich vier klare Torchancen aus. Der TBV Lemgo Lippe steigert sich in der Abwehr, war uns in den Zweikämpfen überlegen. Unter dem Druck unterlaufen uns viele technische Fehler. Wir haben es nicht geschafft, wieder Kontrolle über das Spiel zu bekommen. Der TBV Lemgo Lippe hat unsere Unsicherheiten clever ausgenutzt. Kompliment für die Defensivarbeit der Gastgeber.“
Florian Kehrmann (Trainer des TBV Lemgo Lippe):
„Die ersten 20 Minuten war es ein sehr enges Spiel. Stepan Seitz hat da sehr viel investiert. Wir ließen ein paar gute Chancen aus. In den letzten 5 Minuten der ersten und in den 10 Minuten zu Wiederbeginn boten wir eine ganz starke Abwehrleistung. Überhaupt, unser Innenblock, egal in welcher Formation, war top. Wir haben ab der 20. Minute das Spiel kontrolliert. Uns unterliefen nicht so viele technische Fehler. Mit einem 10-Tore-Vorsprung lässt es sich freilich leicht aufspielen. Vor solch einer Kulisse wie heute macht es für alle richtig Spaß Handball zu spielen.
Rene Witte (Geschäftsführer des ThSV Eisenach)
„Wir kriegen es auswärts noch nicht hin, über eine längere Spielzeit in der Bahn zu bleiben. Wir haben gut angefangen, es zum Ende der ersten Halbzeit aber abreißen lassen. In der zweiten Halbzeit hat man gesehen, wenn wichtige Spieler wie Felix Aellen und Stephan Seitz hart gedeckt werden, wird es für uns sehr schwer durchzukommen. Wir müssen daran arbeiten, das auszumerzen, um auswärts erfolgreich zu sein. Das braucht Zeit und Geduld, die wir auch haben. Der Sieg des TBV Lemgo Lippe ist verdient. Für uns ist jetzt Durschütteln und Regenerieren angesagt, am Freitag wartet auf uns das schwere Heimspiel gegen den THW Kiel.“
Fynn Hangstein (Rückraumspieler des ThSV Eisenach, bis 2021 beim TBV Lemgo Lippe):
„Ganz miserable 20 Minuten haben uns das Spiel gekostet. Uns unterliefen zu viele einfache Fehler im Angriff. Auch die Schadensbegrenzung gelang uns nicht. Der TBV Lemgo Lippe hat nachgewiesen, dass er eine Top-Mannschaft ist.“
Peter Walz (Kapitän des ThSV Eisenach):
„Unser Angriff war schlecht, uns unterliefen viele technische Fehler, die Chancenverwertung war miserabel und auch unser Rückzugsverhalten war unzureichend.“
Philipp Meyer (Abwehrchef des ThSV Eisenach):
„Ich bin von uns enttäuscht. Es ist uns nicht gelungen, die Leistung auf die Platte zu bringen, die wir uns vorgenommen hatten. Zwischen der 20. und 40. Minute haben wir den Anschluss verloren, gerieten wir stattdessen mit 10 Treffern in Rückstand. Wir sind ja gut gestartet, doch mit zunehmender Spielzeit gelang es uns nicht, ausreichend Druck auf die Lemgoer Abwehr zu erzeugen. Der TBV Lemgo Lippe verteidigte auch sehr gut. Wir agierten nicht diszipliniert genug, ließen uns zudem in unnütze Diskussionen ein, verlieren unseren Spielfaden. Die Hausherren waren da, spielten ihren Stiefel mit aller Konsequenz herunter. Das war der Unterschied.
Stephan Seitz (Rückraumspieler des ThSV Eisenach):
„Der 20-minütige Negativlauf wirft uns vollkommen aus der Bahn. Im Angriff fehlte uns die Tiefe. Mit Alibi-Angriffen konnten wir den TBV Lemgo Lippe nicht ernsthaft gefährden.“
Timothy Reichmuth (Linksaußen des ThSV Eisenach)
„Während der ersten 20 Minuten waren wir sogar das bessere Team, nutzten aber unsere Torchancen nicht ausreichend. Dann lassen wir hinten und vorn nach, haben schon vor der Paus große Mühe. Der TBV Lemgo zieht nach dem Seitenwechsel auf 20:10 davon. Kommen wir frei zum Wurf, bekommen wir das Leder nicht unter. Es gilt nun, zu analysieren und uns auf das Heimspiel gegen Rekordmeister THW Kiel vorzubereiten.“
Statistik
TBV Lemgo Lippe:
Möstl, Kastelic; Hutecek (2), Theilinger, Zehnder (5/2), Mudrov (4), Simak (1), Schagen (1), Carstensen (1), Nyfjäll, Suton (3), Willecke (3), Versteijnen (6), Wagner (2), Faust
ThSV Eisenach:
Spikic, Heinevetter; Joelsson (2), Reichmuth, Hangstein (2), Attenhofer (1), Walz (4), Ende, Aellen (4/3), Meyer, Antonijevic (1), Seitz (3), Kurch, Büchner, Saul (1), Leu (1)
Siebenmeter:
TBV 2/3 – ThSV 3/3
Zeitstrafen:
TBV 5 x 2 Min. – ThSV 1 x 2 Min.
Schiedsrichter:
Bona/Frank
Zuschauer:
4.417
Th. Levknecht
