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Mit Kempa-Treffer endgültig auf die Überholspur gewechselt

«Auswärtssieg! Auswärtssieg», skandierten die mitgereisten ThSV-Anhänger in den Nachthimmel von Hüttenberg. Sie waren Zeuge eines völlig überraschenden dem Spielverlauf nach aber völlig verdienten 29:27 (17:16)-Erfolges der Schützlinge von Maik Handschke beim Tabellen-Zweiten TV Hüttenberg. Ohne ihren am Oberschenkel verletzten Tomas Sklenak boten die Thüringer «eine richtig starke Leistung, nahmen verdient beide Punkte mit», wie Hüttenbergs Trainer Jan Gorr sportlich fair einräumte.

Beim 5:4 (8.) lag sein Team bereits letztmalig vorn. Nach dem 9:10 (15.) führten die Eisenacher bis auf das 24:24 (48.) und 25:25 (51.) stetig. Mit einem spektakulären Kempa-Treffer in dieser kribbeligen Phase setzten die Eisenacher den entscheidenden Blinker auf die Überholspur. Von Linksaußen legte Adrian Wöhler das Leder zum aus dem Rückraum in den Kreis fliegenden Daniel Luther, der zum 25:26 einnetzte (52.). Mit Tempo und Präzision kombinierten die Wartburgstädter auch in der Schlussphase, wie beim 25:27 durch Benjamin Trautvetter von der Kreismitte (55.). Keeper Radek Musil, über 60 Minuten in Glanzform (wehrte insgesamt 21 Bälle ab), schwang sich zum Fels in der Brandung auf, kaufte auch Hüttenbergs Florian Bilek im Siebenmeterduell das Leder ab (55.), parierte damit den dritten von vier Strafwürfen der Hausherren. Der Routinier im Eisenacher Kasten blieb auch wenig später gegen Hüttenbergs ansonsten einen vortrefflichen Einstand an der Kreismitte feiernden Youngster Mario Fernandez Sieger (57.).

Im Gegenzug traf ThSV-Kapitän Pavel Prokopec, mit einer starken Leistung in der Defensive, aber einigen «Aussetzern» im Vorwärtsgang, zum 25:28 (58.). Doch der Eisenacher Doppelpunktgewinn wackelte nach zwei Lex-Treffern zum 27:28 (60.) noch einmal. Maik Handschke griff zur grünen Karte. Auszeit. Letzte Anweisungen. Lazar Tosic wurde in Wurfposition gebracht, dessen «Fackel» Hüttenbergs Schlussmann Matthias Ritschel zum 27:29 passieren lassen musste. Davon völlig geschockt, verloren die Gastgeber nach dem Anwurf sofort das Leder. Der Überraschungscoup der Thüringer in Hessen war perfekt! Der TV Hüttenberg kassierte gegen den ThSV Eisenach die zweite Heimniederlage der Saison. Die Wartburgstädter bejubelten ihren vierten Auswärtssieg.

Der ThSV Eisenach ließ sich nicht vom Weg abbringen
«Der Schlüssel zum Erfolg war unser diszipliniertes Spiel in Abwehr und Angriff über 60 Minuten», freute sich Eisenachs Coach Maik Handschke. Er hatte seine Crew auf die «jugoslawische Abwehr» der Gastgeber bestens eingestellt. Viel wichtiger, seine Mannen setzten das Konzept über die gesamte Distanz auch um! Rotation und viel Bewegung im Rückraum hieß eine der Devisen. Erstaunlich, wie sich Neuzugang Lazar Tosic engagiert einbrachte, in Angriff und Abwehr. Alexander Koke glänzte als selbst torgefährlicher Denker und Lenker in der Offensive. Das war phasenweise schon Angriffshandball modernster Prägung. Rückraum-Recke Daniel Luther tauchte am Kreis auf, traf zum 6:7 (12.) und 21:23 (44.). Martin Hoffmann lief von Rechtsaußen im Rücken der Abwehr zur Kreismitte ein, wurde bedient und dann regelwidrig gebremst.

Alexander Koke verwandelte den fälligen Siebenmeter zum 17:19 (33.). Hellwach und hoch konzentriert zeigte sich insbesondere Adrian Wöhler bei zurückspringenden Bällen, versenkte im Nachsetzen zum 16:18 (32.) und 18:21 (36.), ebenso Benjamin Trautvetter beim 22:24 (46.). Den Eisenachern fehlten an diesem Abend neben Tomas Sklenak und dem Langzeitverletzten Girts Lilienfelds auch Keeper Andreas Nositschka, der sich am Mittwochabend beim Training eine Verletzung der Schulter zugezogen hatte. Der angeschlagene Alexander Schiffner hielt sich für den Notfall bereit, da auch der junge Philipp Lindner berufsbedingt nicht zur Verfügung stand. Adrian Wöhler machte seine Sache auf Linksaußen jedoch ordentlich. Benjamin Trautvetter konnte aus Krankheitsgründen während der Woche kaum trainieren. Wahrlich keine optimalen Vorzeichen, die der ThSV Eisenach mit mannschaftlicher Geschlossenheit bravourös meisterte.

Jan Gorr: Wir haben nicht die Abwehrqualität der Hinrunde
Der TV Hüttenberg, als Tabellenführer die Jahresschwelle überschreitend, ist nun mit 1:5-Punkten in das Jahr 2010 gestartet. «Wir können nicht mit der Abwehrqualität im Zusammenspiel mit unseren Torhütern wie in der Hinrunde aufwarten», sieht Hüttenbergs junger Trainer Jan Gorr einen Hauptgrund für die bescheidene Ausbeute. «Oftmals ging auch Tempo vor Präzision», fügte der 31-Jährige an. Ihm fehlten an diesem Freitagabend mit Christian Stelzenbach und Arne Rigterink beide etatmäßigen Kreisspieler aus Verletzungsgründen. Der 18-jährige Mario Fernandez überzeugte bei seinem Einstand an der Kreismitte. In der zweiten Halbzeit gegen den ThSV Eisenach habe sein Team zwar zu einer deutlich verbesserten Defensivleistung gefunden, «doch wir haben es nicht geschafft, das Pendel umschlagen zu lassen», konstatierte Jan Gorr. Als Beleg für die gute Nachwuchsarbeit wertete er den gelungenen Einstand von Youngster Mario Fernandez, der von den Gastgebern als Spieler der Partie aus den eigenen Reihen benannt wurde. Auf Seiten der Gäste verliehen sie dieses Prädikat an Keeper Radek Musil. Klarheit gab es auch bei zwei Personalien. Gregor Werum, derzeit beim benachbarten Erstligisten HSG Wetzlar am Ball, sei kein Thema für den TV Hüttenberg. In der Person von Kay Brückmann präsentierten die Gastgeber ihren neuen Pressesprecher.

Alexander Koke reißt den Lenker an sich
Einen Einstand nach Maß – dem Treffer zum 1:0 – feierte der junge Mario Fernandez. Über die beiden Außen lösten die Hessen zunächst erfolgreich zum zweiten Kreisläufer auf. Die Handschke-Crew setzte auf Torgefahr von allen Positionen. Die Hausherren kamen immer wieder den berühmten Schritt zu spät. Alexander Koke übernahm bei den Wartburgstädtern das Zepter, initiierte ballverlagernde Angriffszüge. Martin Hoffmann hob das Leder von Rechtsaußen zum 5:6 (11.) ins lange Eck. Tomas Jezewski stieg für die Gastgeber mehrfach aus dem linken Rückraum erfolgreich Torwurf hoch. Nach Fehlpass von ihm bediente Till Bitterlich mit einer Steilvorlage Martin Hoffmann, der zum 9:11 versenkte (17.). Ein Wechsel auf der Regieposition beim TV Hüttenberg, Sven Pausch kam für Florian Laudt, änderte nichts an den Vorteilen für die Gäste. Daniel Luther zog scharf und präzise zum 10:12 (20.) ab. Binnen 100 Sekunden parierte Eisenachs Schlussmann Radek Musil dann gleich zwei Siebenmeter (Pausch, Jezewski). Das ging schon an die Nerven der Hüttenberger! Lazar Tosic stiefelte los und bejubelte seinen ersten Treffer im Trikot des ThSV Eisenach zum 11:14 (23.). Eine Umstellung im Abwehrverband der Hausherren verbesserte diese kaum. Zwei Eisenacher Patzer hatten sie es zu verdanken, dass sie zur Pause beim 16:17 auf Tuchfühlung waren.

Auch nach Wiederanpfiff, der zumeist zweifelsfrei entscheidenden jungen Unparteiischen Philipp Dinges und Daniel Kirsch, waren die Wartburgstädter die tonangebende Mannschaft. Ein Koke-Schlagwurf zappelte zum 17:20 (34.) im Netz. Der junge Mario Fernandez ließ mit seinen Treffern die Hessen hoffen (20:21, 38.). Den möglichen Ausgleichstreffer verhinderte ThSV-Keeper Radek Musil, als er bei Überzahl der Gastgeber das Duell mit Florian Laudt im großen Stil für sich entschied (41.). Trotz Foulspiels von Tomas Jezewski, der dafür seine zweite Zeitstrafe kassierte, drückte Daniel Luther den Ball von der Kreismitte (!) zum 21:23 über die Linie (44.). Die Eisenacher umschifften die Klippe des zweimaligen Ausgleichs trotz Unterzahl. Sven Pausch produzierte ein Stürmerfoul. Michael Stock versagten gegen den Teufelskerl im ThSV-Gehäuse die Nerven. Und in Unterzahl gelang den Handschke-Schützlingen der Kempa-Treffer zum 25:26 (52.). In der Schlussphase ließen sich die Eisenacher nicht mehr die Butter vom Brot nehmen.
«Alle Fans, die vielleicht wegen der Heimniederlage gegen Frankfurt grollend zuhause geblieben waren, haben eine tolle Leistung unserer Mannschaft verpasst», waren sich alle im kleinen aber lautstarken ThSV-Lager in der Sporthalle Hüttenberg einig. Sie hoffen auf solch eine Leistung am kommenden Samstag, 27.02.2010 wenn um 19.30 Uhr der Leichlinger TV in der Werner-Aßmann-Halle gastiert. Tickets sind in den bekannten Vorverkaufstellen bereits erhältlich.

Statistik

TV Hüttenberg: Redwitz, Ritschel (ab 17.); A. Lex (1), Laudt (5), Jezeski (7), S. Lex (2), Scholz (2), Fernandez (4), Bepler, Langenbach (1), Bilek (2/1), Pausch (3), Stock, Faulenbach

ThSV Eisenach: Musil, Gorobtschuk; Hoffmann (4), Trautvetter (4), Lipsky, A. Wöhler (4), Luther (5), Bitterlich, Heinemann, Koke (7/3), Tosic (3), Prokopec (2)

Siebenmeter: Hüttenberg 4/1; Eisenach 3/3

Zeitstrafen: Hüttenberg 2 x 2 Min.; Eisenach 3 x 2 Min.

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