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Mit Rumpfteam prächtig gefightet

Eisenachs Auftritt in der Grugahalle stand wahrlich unter keinem guten Stern. Top-Torjäger Stephan Just, Linksaußen Karsten Wöhler und Rückraumspieler Preben Vildalen mussten wegen eines grippalen Infektes das Bett hüten. Auch Oliver Behling und Christoph Auer konnten aus gleichem Grund die Fahrt in den Ruhrpott nicht mit antreten. Eric Amalou ging mit erhöhter Temperatur in die Partie, musste aber bereits im 1. Abschnitt wegen einer akuten Verschlechterung seines Gesundheitszustandes passen. Dies berücksichtigend, gebührt dem ThSV Eisenach trotz des 30:27 (14:12) Erfolges von Meisterschaftsmitanwärter TUSEM Essen ein dickes Kompliment. Bis in die Schlussminuten konnten die Thüringer nämlich zumindest auf einen Punkt hoffen, auch wenn es nach 10 Minuten danach wahrlich nicht aussah.

AUFTAKTPHASE GEHT VÖLLIG IN DIE HOSE
Die Auftaktphase war auf Seiten der Eisenacher eine Anhäufung von Missverständnissen und Fehlabspielen (Reuter, Jensen) sowie miserablen Wurfleistungen (Amalou, Bitterlich). In der Besetzung mit Joulin (Rechtsaußen), Casanova (Rückraum rechts), Jensen (Rückraum Mitte), Reuter (Rückraum links), Amalou (Linksaußen), Bitterlich (Kreis) und Jerkovic (Tor) agierten die Eisenach im Ballbesitz völlig konfus.
TUSEM Essen hingegen beeindruckte mit beweglichen und dynamischen Angriffsspiel, traf aus dem Rückraum zudem aus allen Lagen. Beim 7:1 nach 9 Minuten (!) sah es nach einem Debakel für die Eisenacher aus. Jonny Jensen markierte mit dem 2. ThSV-Treffer nach 12 Minuten das erste Feldtor für seine Farben (7:2).

THSV FINDET ZU SEINER STÄRKE
Doch im Gegensatz zum Auftritt in der Kölnarena, dort allerdings mit voller Kapelle, fand der ThSV Eisenach zusehends zu seiner Linie. Elmar Romanesen kam für Martin Reuter im rechten Rückraum. Sergio Casanova besetzte das Regiepult und schwang sich zum überragenden Spieler des Abends auf. Das Angriffsspiel bekam endlich gefährlichen Zuschnitt. Anspiele zum Kreis konnte Essen nur regelwidrig stoppen. Nach einem Foul an Sergio Casanova verwandelte Stephane Joulin den fälligen Strafwurf zum 9:6 (19.). Der Spanier wurde zum Alptraum für das Essener Starensemble. Geschmeidig, dynamisch, beidhändig werfend. TUSEM bekam Casanova einfach nicht in den Griff. Eisenach verkürzte weiter. Casanova traf zum 11:8 (22.). Jonny Jensen, mit gutem Auge für seine Kollegen und selbst Torgefahr ausstrahlend, bediente Till Bitterlich, der Chrischa Hannawald zum 11:9 (23.) überwand. Die Eisenacher waren wieder auf Tuchfühlung ran!

ALEXANDER URBAN BESTEHT FEUERTAUFE PRÄCHTIG
Sie steckten nun selbst den Ausfall von Eric Amalou weg. Till Bitterlich rückte auf die Linksaußenposition. Alexander Urban, im Sommer vom Zweitligisten Cottbus ins Thüringische gewechselt, musste nun am Kreis ran. Der 22-jährige bestand seine Feuerprobe mit Bravour. Erstaunlich kaltschnäuzig nutzte der Schwarzschopf die sich ihm bietenden Torchancen. Doch zunächst scheiterten Sergio Casanova und Elmar Romanesen binnen weniger Sekunden an Chrischa Hannawald im TUSEM-Kasten (30.). Mit einem knappen 14:12 für die Schützlinge von Juri Schevzow wurden die Seiten gewechselt.

CASANOVA HANS DAMPF IN ALLEN GASSEN
Mit dem gleichen Elan kamen die Wartburgstädter aus den Kabinen zurück. In der unterkühlten Atmosphäre der spärlich besetzten Grugahalle fighteten die Mannen um Peter Rost mit Volldampf. Jonny Jensen wuchtete zum Anschlusstreffer ein (16:15, 34.). Der Favorit kam, trotz seiner Weltklassestars wie Oleg Velyky, Dimitri Torgowanow, Patrick Cazal mächtig ins Schwimmen. Ihnen allen stahl einer klar die Show: Eisenachs Sergio Casanova. Als Alexander Urban einen Eisenacher Tempogegenstoß kaltschnäuzig zum 18:18 Ausgleichstreffer (39.) abschloss, war die Partie völlig offen. Die Eisenacher wollten rasch mehr, verhaspelteten sich im schnellen Bemühen und kassierten drei TUSEM-Tore in Folge zum 21:18 (41.). Doch sie ließen Essen ihren heißen Atem spüren! Torhüter Dragan Jerkovic kaufte Dimitri Torgowanow das Leder ab und im Gegenzug setzte Stephane Joulin von Rechtsaußen den Ball zum erneuten Anschlusstreffer ins Netz (22:21, 44.). Statt des Ausgleichtreffers zog Essen auf 27:23 (52.) davon, profitierte von neuerlich überhasteten Aktionen der Gäste. Doch die Achse Casanova-Jensen versetzte Essen wieder in Angst und Schrecken. Mit seinem 10. Torerfolg traf Sergio Casanova zum erneuten Anschlusstreffer (27:26, 56.). Doch der Torschütze zog sich hierbei eine schmerzhafte Platzwunde am Knie zu, die sogar genäht werden musste. Für die Schlussminuten fiel damit zu allem Eisenacher Unglück auch noch ihr Torschütze vom Dienst aus. Schmetz und Sigurdsson trafen für Essen zum 29:26 (58.). Eisenachs Kapitän Martin Reuter, nun wieder auf dem Parkett, fand in TUSEM-Schlussmann Jesper Larsson hingegen seinen Meister. Beim 29:27 (58., Jensen) keimte nochmals Hoffnung beim ThSV-Team und der kleinen aber stimmgewaltigen Anhängerschar. Doch auch Elmar Romansen brachte den Ball nicht am schwedischen Torhüter vorbei. Patrick Cazal stellte mit seinem 6. Treffer den 30:27 Endstand her. Die Eisenacher verließen erhobenen Hauptes die Grugahalle. Sie hatten sich sehr teuer verkauft. Doch für den Mann des Abends war dies nicht ausreichend. «Ich will mich nicht gut verkaufen, ich will mit meiner Mannschaft gewinnen», tat Sergio Casanova den mitgereisten Fans kund. Eine vorbildliche Einstellung!

STATISTIK
Essen: Hannawald, Larsson; Velyky (5), Roggisch (1), Schmetz (6/3), Lauritzen, Sigurdsson (4), Torgowanow (3), Haaß, Cazal (6), Szilagyi (3), Krebietke (3)
Eisenach: Jerkovic, Lehmann; Romanesen (1), Joulin (6/4), Amalou, Reuter, Urban (4), Bitterlich (1), Jensen (5), Casanova (10/3), Göhl (n.e.)
Siebenmeter: Essen 3/3; Eisenach 8/7
Zeitstrafen: Essen 1 x 2 Min.; Eisenach 2 x 2 Min.
Schiedsrichter: Pioro/Strick (Heßlar/Erkelenz)
Zuschauer: 1500

STIMMEN
Peter Rost (Trainer Eisenach):
Glückwunsch an Essen zum Sieg, Kompliment aber gleichzeitig an meine Mannschaft, die unter schlechten Vorzeichen eine tolle Leistung ablieferte. Mit Stephan Just, Karsten Wöhler und Preben Vildalen konnten drei Stammspieler wegen eines grippealen Infektes die Reise erst gar nicht antreten. Eric Amalou ging bereits mit erhöhter Temperatur in die Partie. Sein gesundheitlicher Zustand verschlechterte sich in der 1. Halbzeit derart akut, dass er auch vollends passen musste. Der Rest meiner Mannschaft glaubte zu Beginn anscheinend nicht, auch in dieser Formation in Essen etwas holen zu können. Wir gerieten durch eigene Fehler in einen klaren Rückstand, fanden dann aber zu unserer spielerischen Linie, setzten die besprochenen Vorgaben auf dem Parkett um. Beim Stand von 18:18 fehlte uns die Cleverness zu mehr. Wir bereiteten Essen durch eigene dumme Fehler den Weg zurück auf die Siegerstraße. Doch wir fighteten bis zum Abpfiff, konnten bis in die Schlussminuten auf einen Punkt hoffen. Meine Mannschaft hat sich anders wie in Gummersbach präsentiert, sie hat gezeigt, auch bei einem der Meisterschaftsmitfavoriten bestehen zu können.

Juri Schewzow (Trainer Essen):
Ich bin zufrieden mit dem Doppelpunktgewinn. Wir haben damit 6:0 Zähler auf dem Konto. Währende der ersten Viertelstunde spielten wir guten Handball, mit Freude und Leidenschaft. Ab der 15. Minute verkrampften wir. Unser Spiel war nur noch vom Kampf um zwei Punkte gekennzeichnet. Wir agierten phasenweise unkonzentriert, wovon Eisenach profitierte. In den kritischen Phasen übernahmen einige Spieler die Verantwortung, um den Sieg nicht aus der Hand zu geben. Die Mannschaft braucht noch Zeit, um zu reifen. Mit der Zeit kommt die nötige Abgeklärtheit. 30 geworfene Tore sind eine gute Bilanz, 27 kassierte Treffer allerdings nicht zufriedenstellend. Mit diesem Punktestand im Rücken wollen wir dem SC Magdeburg in dessen Halle am nächsten Spieltag einen großen Kampf liefern.

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